Dienstag, 20. September 2016

Unpacking Wasterunner

Heute kam dann endlich auch das Regelbuch zu Wasterunner und mein Kram ist damit komplett.

Modernisiertes Retro-Design, 8 Klassen, 6 Kulturen, Talente, Mutationen, Merkmale. Explosive Fahrzeugschlachten, Schießereien, Duelle und Gefahren hinter jeder Ecke. Wasterunner schickt den Gunslinger auf die Fury Road.

Zwei lange Sessions hats bisher überstanden und es besteht wenig Bedarf, da noch zu schrauben. Das darunterlaufende System ist eben robust und eingängig. Acht Wochen von der Konzeption zum gedruckten Beta-Regelbuch. Ich bin zufrieden.

Montag, 19. September 2016

Die Ausflüchtlinge.


"Die gemeinsten Meinungen und was jedermann oft für ausgemacht hält verdienen am meisten untersucht zu werden." (Lichtenberg)

Frau Merkel ist ja bekanntlich Physikerin. Als solche verfügt sie allerdings über eine ausgesprochen verdorrte Analysefähigkeit oder über ungewöhnlich viel Perfidie. Sie hat heute zum Berliner Debakel Stellung genommen, und es war, natürlich, der Flüchtling mal wieder daran schuld, daß das "bürgerliche Lager" förmlich massakriert wurde. Was hab ich gelacht, als die Hochrechnungen kamen. Frau Merkel jedenfalls ließ heute folgendes verlauten.
Gleichzeitig ging sie auf ihre Kritiker zu: Einige hätten das Gefühl, sie treibe das Land in eine Überfremdung, dass Deutschland bald nicht mehr wiederzuerkennen sei. Es wäre unlogisch, mit Fakten zu kontern. "Ich möchte dem meinerseits mit einem Gefühl erwidern". Merkel weiter: "Ich habe das Gefühl, dass wir aus dieser Phase besser herauskommen, als wir hineingegangen sind. Deutschland wird sich in seinen Grundfesten nicht verändern. Wer, wenn nicht wir, sollte fähig sein, etwas Gutes aus dieser Zeit zu machen." 
Lassen wir die Präferenz der Kanzlerin für gefühlte Wirklichkeit mal beiseite, die ganz für sich übrigens auch recht beunruhigend ist. Sie impliziert hier: Gäbe es die Flüchtlingskrise nicht, dann stünde die Koalition bombig da.

Böser Flüchtling.

Überfremdung war in den beiden Wahldebakeln in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin NICHT der entscheidende Faktor. In beiden Wahlen gaben Umfragen als wahlentscheidend SOZIALE und auch wirtschaftliche Probleme an, deren Lösung der Einheitsliste Großen Koalition nicht mehr zugetraut wird. Gerade in der Hauptstadt wird das offenbar, die aufgrund des deutschen Austeritätswahns praktisch zerfällt, während jeden Tag 1 Million Euro in der Berliner Erlebnisruine verklappt werden.

Die CDU und bereits länger die SPD werden für eine Politik gestraft, die das Land sozial verödet, ausblutet und verarmt. Die Große Koalition und davor Rot-Grün haben diese Republik schlimmer zugerichtet, als es eine Flüchtlingswelle überhaupt könnte. Und dafür erhalten sie die Quittung. Aber die Flüchtlinge bieten der Kaste der Berufspolitiker, die offenkundig in einem Paralleluniversum leben, eine weitere Möglichkeit, kognitive Dissonanz zu betreiben.

Es ist nicht unsere scheißasoziale Politik, kann sich diese Kaste nun sagen, ein Teil der Deutschen ist einfach fremdenfeindlich und wir sind einfach weltoffen und nett. So nett. Also weiter so.

Fundamentale Kritik wird somit zu Rassismus abgewertet. SPD / CDU /Grünen sind eine Menge Wähler abgesprungen. Wäre Merkels simple Gleichung gültig ("Flüchtling wars"), dann hätten die ja alle zur AfD rennen müssen. Die meisten rannten aber NICHT zu den Neurechten. CDU und SPD haben zusammen brutto 174.000 Stimmen verloren, davon gingen weniger als die Hälfte an die AfD (63.000).

Die Vollsparren von der AfD sind ein neoliberaler Narrenball mit völkischen Stickmotiven an der Wand. Aber daß dieser Haufen ausgerechnet von dem gewählt wird, was von der "Arbeiterklasse" und vergleichbaren Milieus übrig geblieben ist, wurzelt  auch weniger in der Flüchtlingspolitik, als vielmehr in der Sozialpolitik, die genau jene Klasse in die Existenzangst treibt. Misch in diese existenzielle Verunsicherung Szenen wie Köln, dann hast Du Sprengstoff, den rechte Rattenfänger ausnutzen können. Zumal diese Milieus seit Anbeginn der Bundesrepublik die schizophrene Tendenz haben, gegen ihre eigenen Interessen zu stimmen, wie es hier geschieht. Und mehr gegen eigene Interessen als für die AfD können sie nicht stimmen.

Ach ja, miese Bildungspolitik und Kürzungen bei der Bildung helfen den Rechten natürlich auch immer. Je dümmer ein Volk, desto leichter zu "führen". Und eines kann eine Rattenfängerpartei in einem Land der Ungleichheit natürlich immer nutzen: Wenn es an den Trögen eng wird, zücken die Schweine das Messer und gehen aufeinander los, statt auf die, die sie knechten.


Dienstag, 13. September 2016

Heißgelaufene Cyberkandidatin?


Bernie Sanders. Der einzige, leider ehemalige, Kandidat ohne physische oder geistige Ausfallerscheinungen.

Im Gegensatz zu diesem, ging es heute dann auch in den deutschsprachigen Medien rum: Kandidatin Hillary Clinton ist heißgelaufen und mußte zur Wartung, weil sie Metallteile verliert.

Es nur ein kleines Teil, Ersatz sollte rasch zu beschaffen sein.

Viel beunruhigender finde ich, daß auf vielen Seiten der Bekloppten und Bescheuerten Ultrakonservativen Gerüchte über Clintons Hirnschläge kursieren. Auch wenn ich das als ausgleichende Gerechtigkeit ansehen würde angesichts der Stammhirnblutungen die mir ihre Auftritte bescheren, hat man als Vollhonk Teaparty-Mitglied natürlich eine weitere Erklärung parat:

Satan.

Die sind nicht zu retten. Die wollen das auch gar nicht.

Donnerstag, 1. September 2016

Area 51 - Top Secret

Normalerweise rede ich nicht über Kickstarter. Viele Projekte entblößen etwas, was ich nicht wissen will. Wenn z.B. Monte Cook in leere Numenera Boxen haucht und die dann zu 60 $ oder so pro Stück verkauft, entblößt ein Kickstarter die Dummheit vieler Mitmenschen. Muß ich nicht haben.

Gerade deswegen aber schreib ich hier aber ein paar Takte über Area 51 Top Secret. Das ist ein schickes kleines, deutsches Produkt von den Leuten hinter dem Spielematerial-Versand. Taktisches Brettspiel mit Roswell als Thema. Schön gestaltet, gut ausgestattet, solides Spielgerüst, wie die auf der Kickstarter-Seite herunterladbaren Spielregeln zeigen. Das Projekt ist das Resultat eines Design-Wettbewerbs, das nun realisiert wird.

Die Zielsumme ist mit 6000 Euro angenehm niedrig. 55% haben sie zum derzeitigen Zeitpunkt, mit 65 Unterstützern. 65? Deutsche Spieleszene, schäm Dich. Da wird Geld zuhauf selbst noch auf den absurdesten, aufgewärmten Quark von anno dunnemals geworfen, und  so ein nettes, kleines Projekt findet gerade mal 65 Unterstützer.

Bis zum 16. September kann man sich noch einbringen.

Danke für Dein Interesse. Als Belohnung noch zwei ganz normale Minuten aus einer ganz normalen Episode meiner Lieblingsserie. "Jesus loves marijuana, drinking human blood." Damn, I miss it.


Mittwoch, 31. August 2016

Loot-A-Day: Möge Robert Koch mir verzeihen

Schätze, das sind doch die tollen Bling-Bling-Sachen, die meinen Charakter so badass und cool machen, gelle. Eeeeeeh, jein. Meistens. Nicht immer. Manchmal holst Du Dir ein verfluchtes Schwert. Oder eine Krankheit. Nachfolgend ein Baukasten für Krankheiten in Old-School D&D, den ich für meinen Post-Apokalypse-Hack Wasterunner entworfen habe.

Seuchen für OSR-Spiele.

Das System besteht eigentlich nur aus eine Tabelle mit folgenden Einträgen.

RW: Wenn man der Infektionsquelle ausgesetzt ist – kranken Personen, schmutzigem Wasser, schmutzigen Waffen, Fiebermücken etc. - ist ein RW notwendig. Der hier angegebene Wert ist ein Bonus oder Malus nach Virulenz der Erkrankung, bei Gelbfieber z.B. Bonus +4, da die schwere, hämorrhagische Form selten auftritt. Mißlingt der RW, dann ist der Charakter infiziert.

Zeitverlauf: Hier sind drei Werte, nämlich zunächst die Inkubationszeit, in der sich der Charakter vielleicht etwas kränklich fühlt. Man weiß noch nichts, kann aber prima andere anstecken. Dann folgt die akute Phase, während der die Symptome auftreten und sich täglich der Tod freundlich nach dem aktuellen Zustand erkundigt. Danach kommt noch ein Rekonva­leszenz-Wert. Der Charakter unterliegt in dieser Zeit der Erholung dem Zustand Erschöpft (kurz: Ini-1, W20-Würfe -3).

Unbehandelt: Ohne Behandlung wird jeden Tag diese Chance geprobt, ob der Charakter stirbt.

Behandlung: Der entsprechende Medizinwurf erfolgt an jedem Morgen der Behandlung. Der erste Wert in der Spalte gibt einen möglichen Malus oder Bonus an. Ist der Wurf erfolgreich, wird die Sterbechance an diesem Tag um den zweiten Wert der Spalte heruntergesetzt.
Der Modifikator der Medizinprobe setzt ein einiger­maßen ausgestattetes Krankenhaus voraus. Steht dies nicht zur Verfügung sondern nur ein Notfallkoffer, dann gilt dieser als „improvisiertes Werkzeug“ der Talent­probe. Hat man nicht mal einen Notfallkoffer, dann kann man eigentlich nur noch zuschauen und etwas Linde­rung geben.

Zum Vergrößern anklicken
Krankheiten heilen: Ja, das ist einer dieser Kleriker-Zauber, die einem SL jeden kleinen Streich so richtig vermiesen. Da hilft nichts, außer Streichen, wer das möchte. Aber ganz ehrlich: Es gibt "gute" Religionen, es gibt "Krankheiten heilen" und "Wasser und Nahrung erschaffen" bei D&D, und trotzdem sind in den meisten Settings Hunger, Elend und Krankheit an der Tagesordnung...


Dienstag, 30. August 2016

Ach leck mich doch!



Der Sensenmann ist fleißig dieses Jahr. Nun hat er sich Gene Wilder geholt. Jetzt weiß ich wieder nicht, was ich gucken soll. Silver Streak? Young Frankenstein? The Producers? Blazing Saddles? Ach, leck mich doch, bei dem Tempo kann doch keiner mithalten.

Bye-bye, Gene. "I'm wet. And I'm still hysterical!"




Samstag, 13. August 2016

Und wieder einer

Kenny Baker, der originale R2D2 ist nicht mehr. Er starb im reifen Alter von 83 Jahren, also nicht eben überraschend.

May the Force be with you - always.

Donnerstag, 11. August 2016

Cinéma des Ghoules

Definitiv ist die Murnau-Stiftung in Wiesbaden nicht ganz unumstritten, wenn es um das Aufarbeiten von Kinotoxinen der Nazi-Zeit geht. Ebenso unumstritten leistet die Stiftung teilweise Großartiges bei der Wiederherstellung verlorener Kulturschätze der Stummfilmzeit. Metropolis haben sie in dieses Jahrtausend gebracht, und jetzt hatte ich das Vergnügen einen anderen Klassiker zu sehen.

Wienes Cabinet des Dr. Caligari gilt als Meilenstein des expressionistischen Kinos. Ich kannte eine ältere Restauration bereits, aber die sorgfältig viragierte, vollständige 4K-Fassung auf Blue-Ray der Murnau-Stiftung aus dem Jahre 2014 ist ein echter Augenöffner. Die Bildschärfe dieser Version enthüllt eine Fülle an Nuancen und Details und entfaltet einen Sog aus Chaos, Verzerrung und Desorientierung. Wie er 1920 auf ein optisch und narrativ noch unerfahreneres Publikum gewirkt haben muß, kann ich mir nicht vorstellen, zumal Caligari auch der erste abendfüllende Film mit einem Twist-Ending sein dürfte.

"Caligarismus" ist ein Begriff der 1920er, der diese Ästhetik aus Licht, Schatten und optischer Ungewißheit beschreibt, die den kompletten expressionistischen Stummfilm durchzieht. Caligaris Einfluß auf die Entwicklung des US-amerikanischen Horrorfilms - sowohl kommerziell als auch avantgarde - ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Der Einfluß dieser Kino-Epoche ist international auch heute noch spürbar. Tim Burton und Terry Gilliam, um mal zwei Regisseure zu nennen, zeigen starke Einflüsse in einigen ihrer Werke.

Wer Filme der oben erwähnten Epochen mag, dem sei auch hier - ich habs bestimmt schon getan - der Roman Flicker von Theodore Roszak absolut empfohlen. Er behandelt die Faszination eines Filmwissenschaftlers für einen morbiden Stummfilmregisseur und verstrickt sich in eine okkulte Verschwörung globalen Ausmaßes. Hinreißend geschrieben, spannend von Anfang bis Ende und durchtränkt von Filmphilosophie, Hollywood-Tratsch und überraschenden Wendungen.