Freitag, 7. April 2017

Spiel oder stirb!

Ausreichende Motivation
"Plothooks" sind der größte Blödsinn seit geschnitten Brot (ist am nächsten Morgen trocken wie ein Furz). Ich arbeite mich gerade mal wieder durch eine Großkampagne, und die halbe Seite "Plothooks", die das Designerteam anbietet, ist belangloses Blah-Blah. Am Stilbruch zum Rest des Textes merkt man auch, daß die das wissen.

Sie können ja auch gar nix anderes anbieten. Sie wissen ja nicht auf welche Spieler welcher Charaktere in welch spezifischer Konstellation ihr Text treffen wird. Der einzige, der einen vernünftigen Handlungshaken schmieden kann, ist der Spielleiter einer Gruppe.

Und wo wir gerade dabei sind: Die Spieler sollten eigentlich nur einen einzigen Handlungshaken benötigen: Ihr seid Rollenspieler, eure Charaktere sind per definitionem Abenteurer. Hier ist ein Abenteuer, go figure! Wer mehr braucht ("Was motiviert mich?"), sollte seine innere Einstellung nachjustieren und aufhören, abenteuerverweigernde Charaktere an den Tisch zu bringen.

Natürlich verpacke ich auch meine Aufhänger etwas attraktiver und aud die jeweilige Gruppe zugeschnitten, aber im Endeffekt nerven mich Verweigerer einfach nur an. Ich als Spielleiter hab mir die Scheißarbeit gemacht, etwas zu entwerfen oder mindestens vorzubereiten, und du erwartest jetzt auch noch, daß ich rumtanze. Gehts noch? Spiel oder stirb!

Dienstag, 28. März 2017

Book of the Month

Im Februar ausgefallen, weil ich das Februarbuch nicht ganz durchbekommen habe: Felix A. Münter, The Rising. Naja, was soll ich sagen? Mehr als Durchschnitt ist es nicht, und da bin ich freundlich. Über weite Strecken las es sich wie ein Hohlbein in der Handlungs- und Figurenentwicklung, allerdings wie einer der besseren aus den 1980ern. Einhergehend damit unnötige Anglizismen, sogar einige Stilblüten und eine galoppierende Adjektivitis, bei der ich mir gewünscht hätte, eine Lektor wäre dazwischengefahren wie ein Inquisitor auf dem Hexensabbat. Nö, für mich war das nix.

Das Buch für März war dann The Mitfords - Letters Between Sisters. Das sind die gesammelten Briefe der Mitfordschwestern, quasi als Ergänzung zu meiner Januarlektüre. Die 800 Seiten sind mehr zum punktuellen Lesen gedacht, zumal der für mich wirklich interessante Teil auf Seite 200 oder so endet.

Daher im April dann wieder ein interessantes Sachbuch: The Wicked Boy von Kate Summerscale. Eine Schilderung der Ereignisse um einen der viktorianischen Skandalprozesse: Die Verhandlung über den kindlichen Mörder Robert Coombes. Ich hab von dem Fall mal am Rande was mitbekommen und bin sehr gespannt. Vielleicht hat das mal genug Fleisch auf den Rippen für eine ausführliche Besprechung.

In der Belletristik reizt mich momentan so überhaupt nichts. Die Neuvorstellungen von der Leipziger Buchmesse erregen auch eher untertemperiertes Interesse.

Sonntag, 26. März 2017

"Geister sind traurige Erinnerungen ohne Zuhause"

Wie bespricht man The Vanishing of Ethan Carter? Es ist nicht direkt ein Spiel, mehr eine interaktive Elegie voll dunkler Geheimnisse. Die spielerischen Anteile dieses offiziell als "Adventure" laufenden Produktes eines kleinen polnischen Indie-Studios aus dem Jahre 2014 sind denkbar gering. Dafür sind sie originell. Beispielsweise hätte ich nicht erwartet, in einem Spiel die umstrittenen Methoden der Aufstelltherapie als forensisches Instrument nutzen zu können. Der übernatürliche Sinn des Protagonisten, mit dem er Hinweise untersuchen kann, ist auch sehr ansehnlich umgesetzt.

Technisch setzt das Spiel auf der Unreal 3 auf und reizt deren Renderingmöglichkeiten bis zum Anschlag aus. Trotzdem läuft es in voller Pracht auch auf schwächeren Maschinen, solange die GPU und der VRAM ausreichen. Es ist ziemlich sicher die schönste Arbeit für die Unreal 3. Die First-Person-Perspektive des Spieles trägt sehr zur Immersion bei, denn man kann die ganze Pracht der Welt genießen, ohne, daß andauernd irgendein Depp, der ich sein soll, im Bild rumsteht.

Der  Sound ist gediegen atmosphärisch und der Score schwankt zwischen etwas Richard Wagner und viel Mark Snow, nicht herausragend, aber stets passend.

Donnerstag, 9. März 2017

What the Hell?

Heute geschah in einer Online-Community das:
Auf Wiedersehen. Der Konsens hier in der Community verhindert meine weitere Teilnahme. Nach einigen Jahren verabschiede ich mich als aktives Mitglied.
Jo. Um es klarzustellen: In einer RSP-Community, die naturgemäß eine Unzahl an Themen diskutiert, hat das Mitglied ein Problem mit dem Konsens bei einem Thema. Und sagt "Tschüß".

Selbstverständlich hat er das gute Recht dazu, immer und jederzeit, aber, Hand aufs Herz: Warum? Weil die Community in einem Aspekt nicht so tickt wie er? Mein Gott, würde die Welt im Gleichklang schwingen, dann könnte man Huxley als positive Utopie verorten und ich entleibte mich selbst auf japanische Art. Nur in respektvollem Streite wächst der Charakter, gegenseitiges Eier(stock)schaukeln schrumpft dich, macht dich klein.

Wer sich gegenseitig nur auf auf die Schulter klopft, der hat sich nichts zu sagen.

Diese Haltung des sich vor jeder Form des Dissens Wegduckenden verarmt uns alle. Diese Community wird mehr zur Filterblase, das virtuelle Umfeld des Betreffenden wird auch mehr zur Filterblase, weil er ganz offenkundig Dissens abblockt und nur bestätigende Meinungen sucht.

Ich kenne die Person nur online, aber hier verkauft er sich mMn weit unter Wert. Und gerade weil ich in fast keiner Frage so denke wie er, wird er mir fehlen. Weil nur die Gegenmeinung mir einen neuen Blick auf meine Ansichten ermöglicht, der auch mir Neues zeigt. Aber ich fürchte, wer sich gezielt in Filterblasen zurückzieht, der versteht nicht, warum ich das glaube.

Montag, 6. März 2017

Moral und schlimme Bilder

Je nachdem, ob und zu welchem Lager du gehörst, ist die Geschichte des Herbstes 2015 ziemlich eindeutig geschrieben. In der dunkeldeutschen Vorstellungswelt wissen wir, daß eine irgendwie auf ungute Art mit der SED verbandelte Pastorentochter mit teuflischem Handrhombus und ausgewählten Spießgesellen die deutschen Grenzen für muslimische Serienvergewaltiger öffnete, um das Deutschtum auszurotten. Da gibts schon in Mein Kampf von diesem, na, diesem Dingens eine Passage um einen "kleinen Judenjungen"...

Idioten. O mein Gott. Zu blöde zum Atmen, möchte man hoffen.

Die helldeutsche Variante besoff (und besäuft) sich an der eigenen höheren Moralität (nicht Moral, o nein), beklatschte Unglückliche an Bahnhöfen (find ich immer noch zynisch) und fabulierte von der Moral, der deutschen, und davon wie Merkel mutig vorweg geschritten sei in dieser Zeit. Auch hier gings um das Wesen des Teutonen und wie es doch so viel besser sei als das der anderen Nationen. Ihr Völker der Welt, schaut auf dieses Land. Wir nehmen sie auf, die Geschundenen und Beladenen. In jenen Oktobertagen erschien es Helldeutschland, als solle die Welt am deutschen Wesen genesen, weil... Öh. Den Text kenn' ich auch, oder?

So richtig helle sind die jetzt auch nicht, die Helldeutschen.

Beide Geschichten, neudeutsch Narrative, hielt ich immer für absolut unglaubwürdig. Beides erfordert Charakterstärke und rasches Handeln. Nicht unbedingt von der guten Sorte, aber das verlangt halt Entschlußfreude.

Dabei reden wir von Merkel.

Angela Merkel. Baumbart wirkt kurzentschlossen gegen diese Frau, die "unsere" Kanzlerin ist. Ne, das hab ich nie geglaubt.

Und wie ich heute lesen durfte: Mit gutem Recht. In der WELT gab es heute einen interessanten Artikel zu diesen wilden Tagen, als die Massen 'gen Europa strömten. Merkel, das geht daraus hervor, hätte absolut keine Probleme damit gehabt, Flüchtlinge an den deutschen Grenzen gewaltsam abzuweisen (und der Rest der Regierung auch nicht). Es gab da nur ein kleines Problem:
Die Kanzlerin traf keine Entscheidung, sondern verlangte von ihrem Minister Zusagen, dass die Grenzschließung vor Gerichten Bestand haben würde und es außerdem keine öffentlich schwer vermittelbaren Bilder vom Einsatz der Bundeswehr gegen Flüchtlinge gebe.
Und die Welt ist wieder in Ordnung. Das ist doch die Angela Merkel, die wir kennen, mitsamt den Moralvorstellungen einer evangelischen Pastorentochter (das ist sie ja wirklich).

  • Sie trifft keine Entscheidung.
  • Verantwortung haben gefälligst Subalterne zu tragen.
  • Und um Gottes Willen keine schlechte Publicity.

Die Welt dreht sich also doch noch normal. Dann kann ich ja schlafen gehen.

TLDR: Angela Merkel wollte genau das tun, was Pegida & Co gerne gesehen hätten. Es wären halt nur so häßliche Bilder dabei entstanden.

(Bullshit-Index 0.11)


Donnerstag, 2. März 2017

The Sinister Tunnels of Greenfield

Ich folge Guillaume Tavernier schon eine ganze Weile auf Google+; er gestaltet einfach hinreißend schöne Karten, die mich immer wieder anregen. Unter anderem zeichnete er für die künstlerische Gestaltung von Evil Hats Blood on the Trail verantwortlich. Vor einigen Wochen hat er dann ein Modul veröffentlicht.

The Sinister Tunnels of Greenfield

Einsteigerabenteuer (Fantasy)
Text: Laurent B
Kartographie und Illustrationen: Guillaume Tavernier
Erhältlich auf DriveThru für $ 3,00

Material:

Das Abenteuer ist 16 + Frontcover Seiten stark und hat eine gesunde Mischung aus Text, Karten und Illustrationen. Das Lay-Out empfinde ich als trist, aber die Illus sind ordentlich und die (bereits bekannten) Karten natürlich großartig. Das PDF selbst besteht nur aus Bildern, nicht aus wirklichem Text, so daß dieser nicht suchbar ist und auch nicht extrahiert werden kann, was nicht sehr benutzerfreundlich ist. Daher kommt das eher schmale PDF dann auch auf 56 MB download.

Inhalt:

Das Abenteuer ist systemagnostisch, eignet sich aber mbMn am ehesten für OSR-artige Spiele mit niedrigstufigen Charakteren, nicht zuletzt wegen der Organisation (dazu gleich mehr). Es ist ein Intrigenabenteuer in einer kleinen Stadt, mit einem undurchsichtigen Schurken mit noch undurchsichtigeren Plänen, einem unheimlichen Waisenhaus und auch einer nicht eben kleinen Spinne. Der Höhepunkt des Abenteuers findet natürlich nach einigen Nachforschungen in den titelgebenden Tunneln statt. Das ist alles sehr bodenständig, praktisch aventurientauglich oder auch für Warhammer FRP 1 geeignet. Für alte, übersättigte Hasen ist das fast schon zu unaufgeregt. Trotzdem solide und sehr einsteigertauglich.

Die Designer verzichten auf jede Form von "Plot-Design", was ich bei Kaufmodulen immer großartig finde. Dann muß ich das nicht mühselig rausoperieren. Sie schildern die Charaktere, ihre Intentionen und die Schauplätze. Das geschieht auf 14 großzügig illustrierten Seiten. Erst am Ende folgen zwei Seiten, wie die SC involviert werden können. Klappt das nicht, so nimmt das Unheil eben seinen Lauf. Genau so soll das sein.

Fazit:

Auch wenn die Gliederung des Abenteuer mir sehr entgegenkommt, so gilt das nicht für die großen Textbrocken. Den Beschreibungen der Örtlichkeiten fehlt es arg an einer vernünftigen Struktur. Das Modul ist einsteigerfreundlich, aber der SL sollte wirklich wissen, was er tut. Trotzdem: Alles in allem ein rundes kleines Brot-und-Butter-Abenteuer, geeignet eine frische Gruppe ins Spiel zu bringen. Zehn Punkte gibt es zu erringen:

1 Punkt Abzug inhaltlich, weil es ein wirklich sehr gewöhnliches Abenteuer ist.
1 Punkt Abzug künstlerisch, weil die prächtigen Karten in dieser Gestaltung etwas verschenkt wirken.
1,5 Punkte Abzug Spieltischtauglichkeit, weil ein nur aus Bildern bestehendes PDF weder suchbar noch verarbeitbar ist. Das reduziert seine Tauglichkeit als Arbeitsmaterial. Zudem ist die Textstruktur unübersichtlich.

Fazit 6,5 von 10 Punkten, Preis-Leistung gut.

(M. Tavernier hat auch eine Patroen-Seite, falls da jemand Interesse zeigt.)

Donnerstag, 16. Februar 2017

Ui. Das ist schade, Uhrwerk.

Uhrwerk stellt die deutsche Linie für Der Eine Ring ein. Das finde ich extrem schade. Auch wenn ich mit Teilen des Regelwerks fremdle, weil sie mir extrem meta und zu behäbig-tantig gleichzeitig erscheinen, ist das Settingmaterial hingegen von einer Qualität, die es für Tolkiens Mittelerde seit den Laurin-Tagen nicht mehr gab Die Abenteueranthologien sind sogar deutlich besser als die alten Sachen von MERS. Auch die Übersetzungen taugen nach Anlaufschwierigkeiten, die lange vergeben sind.

Ein Jammer. Die Erklärung vom Verlag ist natürlich (kaufmännisch) schlüssig, aber es heißt auch, daß eben 08/15-Fantasy wie Splittermond und der Xte, dazu noch abgeschmackte Aufguß von Cthulhu bessere Marktchancen haben als eine der facettenreichsten Fantasywelten aller Zeiten.

Dreck.

Samstag, 11. Februar 2017

My Personal Book of the Month Club

In den letzten paar Jahren hatte ich mit Bücher lesen aufgrund meiner Augen erhebliche Schwierigkeiten, dazu litt ich bedingt durch eine massive (natürlich bis 2015 unentdeckte) Borreliose an Konzentrationsschwächen. Bücher lesen war in diesen Jahren nicht so meins.

Rotz. Ich hab davor 50 bis 70 Bücher in verschiedenen Sprachen pro Jahr gelesen. Den ersten Band von A Song of Ice and Fire habe ich damals in drei Nächten weggelesen. (Für den dritten habe ich dann drei Monate gebraucht und bin mir ziemlich sicher, daß nicht die Borelliose die Ursache war.)

Deswegen eines meiner Projekte für dieses Jahr: Mindestens jeden Monat ein Buch lesen. Das für Januar war Ich blätterte gerade in der Vogue, da sprach mich der Führer an. Es handelt sich dabei um eine Biographie der Mitford-Schwestern in deren Zentrum Unity Valkyrie Mitford steht.

Michaela Karl schreibt stilistisch beschwingt und bietet einen wunderbaren Einblick vor allem in das Seelenleben der jungen Upper Class Englands in der Zwischenkriegszeit. Humor und Tragik halten sich hier fein austariert die Waage. Absolute Leseempfehlung und einen Kesselrun entfernt von den üblichen Büchern zum Thema "Drittes Reich", die mittlerweile flächendeckend der Knoopisierung anheimgefallen scheinen (Ich wart ja auf Hitlers Schlüpfer und die Fortsetzung Des Führers rechte Socken).

Nach soviel Bildung dann im Februar waschechte Spannungsliteratur, ebenfalls Deutsch: Neue Hoffnung, der erste Band der Rising-Serie von Felix Münter. Hat man mir empfohlen.

Donnerstag, 9. Februar 2017

Und da ist es.

Schnall den Sechsschüsser um und sattle auf, Amigo. Es ist Zeit, deinen rauhbeinigen Revolverhelden, geheimnisvollen Huckster oder wilden Indianerkrieger von der Kette zu lassen. Seit gestern ist das deutsche Spielerhandbuch zu Deadlands: Reloaded als PDF bei Drivethru erhältlich. Das dauerte jetzt eine Woche vom Ende der Schwarmfinanzierung bis zur digitalen Publikation des ersten Buches. Sportlich.

(Hinweis in eigener Sache: Ich gehöre zum betreffenden Übersetzerteam und bin naturlich voreingenommen.)