Donnerstag, 2. Oktober 2014

TSR-Klassiker: B10 Night's Dark Terror

Jedem D&D-Spieler ist heute die Known World bekannt, Mystara. 1986? Nicht so sehr. Es gab einige Hinweise im Expert Set und dann noch Modul X10 Red Arrow Black Shield, das einen sehr groben Überblick gegeben hatte*. Nights Dark Terror war das erste Basic-Modul, das sich wonnevoll in das Setting warf, es aufnahm und weiterentwickelte. Dieses Modul stellt eines der Fundamente der späteren Gazeteer-Reihe dar, und das zu einer Zeit, als sich TSR noch immer vor Settingbänden drückte.

Zum zwoten ist Nights Dark Terror ein Übergangsmodul. Es nimmt eine Gruppe der 4. Stufe an der Hand, zieht sie aus dem dunklen Höhleneingang und weist mit breiter Geste in die Landschaft, die sich ungezähmt unter dem Himmel erstreckt. Eine bessere Einführung ins Thema Wildnisabenteuer mit D&D gibt es nicht, und man benötigt nicht einmal das Experten-Set dazu, das dafür vorgesehen war.

Zum dritten ist es ein verflucht gutes Abenteuer, wie sie heute eigentlich nicht mehr geschrieben werden, und von denen es auch damals zuwenige gab.

Samstag, 27. September 2014

Augen des Schicksals

Blutfeuer ist sehr gut balanciert und "reißt nicht aus", insofern sind für unser Haussystem Bennies bzw. Schicksalspunkte nicht notwendig. Trotzdem mag ich den Grundgedanken. Sie sind als direkte Belohnung und Motivation zu gebrauchen, geben den SC den kleinen Tick mehr, der sie erst zu Helden macht und schließlich geben sie dem SL auch eine regelkonforme Möglichkeit gegenzusteuern, wenn etwas nicht nach seinem Wunsch läuft.

Allerdings finde ich Murmeln und Glassteine zu sozialpädagogisch bastelhaft (ich hasse die Läden, wo man sowas kauft) und Pokerchips zu yankee-imperialistisch. Also kann man sich stylishe Punkte mit Runen und Siguls entweder selbst aus Fimo basteln (wunderschöne Lösung) oder einen europäischen Weg suchen.

Ich nehme Dominosteine. Das wurde schon bei den Benediktinern gezockt und von 1995 bis 1997 gab es eine Fachzeitschrift zum Domino-Spiel mit dem Titel Das Schwarze Auge. Passender geht nicht.

Was braucht man also? Ein Gefäß ("Pool") für die Tischmitte und ca. 20 Dominosteine mit Augensummen von jeweils 5 bis 11 3 bis 6 (siehe unten), die "Augen des Schicksals". (Der Wertebereich ist vorgesehen für ein W20 / 2W10-basiertes System).

So fließen die Heldensteine.
  • Die Steine werden verdeckt aus dem Heldenpool gezogen.
  • Ein SC darf maximal 5 Steine besitzen. 
  • Bei Erschaffung erhält ein SC 2 Steine, mit Vorteil "Glückskind" 3 Steine, mit Nachteil "Pechvogel" 1 Stein.
  • Es gibt zu Sitzungsbeginn 1 frischen Stein, mit Vorteil "Glückskind" 2 frische Steine, und mit Nachteil "Pechvogel" keinen frischen Stein.
  • Darüberhinaus hat die Gruppe einen Pool von SC x 2 Steine im Zentrum, dazu +1 für jedes Glücksind und -1 für jeden Pechvogel.
  • Die Gruppenmitglieder entscheiden, wann sich ein Spieler einen Stein für eine tolle Aktion, einen klasse Plan etc. nehmen kann. Erst wenn die Punkte aus dem Stein an einen SC gelangt sind, können sie verwendet werden.
  • Ist der Pool leer wird er erst am nächsten Abend wieder aufgefrischt. Nicht genutzte Steine des Pools verfallen.
  • Der SL hat ein Veto wenn die Gruppe offenkundig "Steine schindet", bzw. sollte derlei Verhalten Erwachsenen angemessen besprochen werden.
  • Der SL hat zu Spielbeginn für alle seine NSC 2 Steine. 
  • Jeder von den Spielern verwendete Stein geht an den SL. Dieser darf den Stein jeden Dritten (s.u.) für seine NSC gebrauchen, die jeweils anderen beiden werden für diese Sitzung aus dem Spiel genommen.
  • Verwendet der SL einen Stein, so wandert dieser zunächst in den Spielerpool.
  • Hat ein SC am Ende der Sitzung Steine über, werden diese für die nächste Sitzung angerechnet.
Das können die Heldensteine.
  • Außerhalb der Initiative Handeln: Der Charakter ist sofort dran und kann eine Bewegungs- oder Standardaktion durchführen, sofern er noch genug Ini hat. Kosten 2 Steine.
  • Bonus auf einen W20 Wurf: Der Bonus hat die Höhe der Augensumme des Steines. Ein Stacken ist nicht möglich.
  • Es ist auch möglich einen in der Nähe befindlichen Charakter (max. 10 Schritt) einen Bonus zu geben: Der Augenwert wird jedoch halbiert (abgerundet). Ein Stacken ist nicht möglich.
  • Inspiration: Sollte der Charakter im Abenteuer nicht weiterkommen, kann er um einen Tipp des eSeLs bitten. Dieser kann das verweigern, dann erhält der Charakter den Stein zurück.
  • Beschränktes Fakten schaffen innerhalb der situativen Plausibilität. (Veto des SL vorbehalten.)
Addendum 29.09.2014: Praxistest

Gestern ein Lehrstück in Sachen "mit cooler Idee System vollkommen debalancieren". Die Steine fanden hauptsächlich in Kämpfen und deren Nachwehen Verwendung. Die Wertebereiche waren arg zu hoch angesetzt, so daß die SC teilweise in einer Art rocken konnten, die nicht zur Kampagne paßt.

Ein noch größeres Problem. Ich als SL hatte binnen kurzer Zeit daher einen riesigen Steinpool dessen Wirkung ich dann bei einer absolut lächerlichen Begegnung getestet habe - ein paar Skelette wurden ernsthaft mit den Steinen gepimpt und haben mit der doch handfesten Abenteurergruppe eine ziemliche Weile lang den Boden gewischt. Das wurde sehr knapp.

Beim Endkampf war ich etwas unkonzentriert, so daß ich meinen zweiten Haufen spielergesponsorter Steine (mit einen Gesamtbonus von 74!) dann übersehen habe (ebenso wie die im Hinterhalt liegenden Wandelleichen, die sich sicher gefragt haben, wozu ich sie herbestellt hatte). War auch gut so, das war knapp genug, nach dem ich den stärksten SC-Kämpfer über den Frostgeist gegen die Gruppe wenden konnte.

Rückschluß: Wertespanne auf den Steinen deutlich verringern, ebenso den Fluß der Steine zum SL.

Mittwoch, 24. September 2014

Glück im Unglück oder so

Quelle: VG Alsenz-Obermoschel
Bei uns hört man manchmal den Regen, bevor man ihn sieht. Dann hast Du noch Sonne, und drüben, vielleicht einen Kilometer entfernt im Wald, dröhnt es wie von tausend Hufen. Dann siehst Du, wie eine graue Wand, hinter der alles verschwindet, auf Dich zufaucht. Während Du noch auf dem Dach stehst, eine Hand an der Metalleiter, in der anderen einen Pinsel, beginnen aus blauem Himmel Blitze niederzuschlagen. Der Donner kracht dann durchs Tal, Dunkelheit fällt am Tage und über allem tost der Regen.

Am Wochenende gabs gute 80 Liter auf den Quadratmeter, nicht eben wenig davon als Hagel. Uns hats die Dachreparatur zerhauen, es gab Wassereinbrüche, und ich habe geflucht wie ein Bierkutscher, während wir naß bis auf die Knochen das Schlimmste zu verhüten suchten.

Heute habe ich dann gesehen, was das Unwetter keine 25 km von uns angerichtet hat, nachdem es weitergezogen war. Puff. Da lag noch ein Auto im Feld, zerschmettert, die Felder selbst sind abgesoffen, ganze Hausstände stehen zerstört zum Abholen für den Müll an der Straße bereit. In manchen Straßenzügen wird der Müll zentral gesammelt und bedeckt mehrere Parkplätze zweimannhoch.  Mehrere Häuser wurden zerstört und Familien wurden obdachlos. Die Feuerwehren waren heute mittag überall noch im Einsatz.

Wir hatten Glück, richtig Glück. Manchmal merkt mans nur nicht (gleich).

Spendenkonten der Verbandsgemeinde Alsenz-Obermoschel:

Verwendungszweck: Unwetter VG Alsenz-Obermoschel (Das Geld soll als Soforthilfe für Opfer der Unwetterkatastrophe eingesetzt werden, damit sie sich beispielsweise neue Kleidung kaufen können.)

Sparkasse Donnersberg
    IBAN: DE14 540 519 900 070 200 605
    BIC: MALADE51ROK

Volksbank Kaiserslautern-Nordwestpfalz eG
    IBAN: DE12 540 900 000 000 174 408
    BIC: GENODE61KL1

Montag, 22. September 2014

Media Monday #169

via Greifenklaue mal wieder ein MM. Heut bin ich harmlos und beiße nicht, außerdem ist Rollenspielkram dabei, unter anderem das erste Modul überhaupt und warum Karl May zwar nicht von Gary Gygax aber von Graeme Davies verwurstet wurde.
  1. Lieu de Sang (Blutsverwandte) ist ein erschreckend schwacher Film, wenn man berücksichtigt, dass daß Donald Sutherland die Hauptrolle spielt und Claude Chabrol auf dem Regiestuhl saß.
  2. Jüngst habe ich nach vielen Jahren einmal wieder den Schatz im Silbersee gesehen und muss sagen, dass daß trotz aller zeitimmanenten Inszenierungsschwächen der Film eine ziemliche Schau, Winnetou cool, Lex Barker ein glaubhafter Shatterhand, Herbert Lom ein glänzender Schurke und Götz George geradezu irritierend blaubeäugt ist. Das hat VIEL mehr Spaß gemacht, als es hätte dürfen. Daß der Überfall auf Butler's Farm dann auch noch B10 Night's Dark Terror vorwegnimmt ist eine wunderbare Überleitung zu meinem nächsten TSR-Klassiker.
  3. The Knick ist eine dieser Serien, die ich mir schon längst angesehen hätte, wenn ich nicht erst noch tausend andere beenden müßte (Hell on Wheels, Hannibal...)
  4. Für meine private (Medien-)Sammlung möchte ich unbedingt eine Erstausgabe von Palace of the Vampire Queen, dem ersten, allerallerallerersten Abenteuermodul für Rollenspiele ÜBERHAUPT. Nein, der Froschtempel zählt nicht, der war in einem Supplement. Palace of the Vampire Queen war das Erste, und wenn es mal angeboten wird, tanzt die Bepreisung in ungebremster Obszönität.
  5. Ein völlig zu Unrecht viel zu unbekannter Romanheld ist Jonathan Gates. Wer Flicker von Theodore Roszak nicht mag, der mag auch kein Kino. Zumindest kein Gutes.
  6. Blutsbande hätte genauso gut ein Theaterstück sein können, denn die Gruppe hat das Ganze mit Dialogen und szenischer Gestaltung direkt aus dem elisabethanischen Zeitalter aufgelöst. Als alter Anglist war es eine Freude, Physiker auf diesem Niveau agieren zu sehen.
  7. Zuletzt gelesen habe ich Die Schweiz, das Gold und die Toten, und das war wie alles von Jean Ziegler ein Balanceakt zwischen Erleuchtung und pulsaderschlitzender Depression.

Donnerstag, 11. September 2014

9/11

Heute ist dreizehnte Jahrestag des 11. September. Wir verneigen uns in Trauer und Respekt vor den Hunderttausenden Toten in Afghanistan und Irak, die den unprovozierten Angriffskriegen der Bush-Administration zum Opfer fielen; Kriegen, in denen diese nicht verurteilten Kriegsverbrecher die Toten der Twin Towers schändeten, um daraus einen Kriegsgrund zu fabrizieren.

R.I.P. Richard Kiel

Er hat sich durchgebissen, kurz vor seinem 75.

Freitag, 5. September 2014

Tick, Tack, Toe.

Höret! Höret! Nachdem ich nun die kostenlosen Splittermondregeln durchgearbeitet habe, möchte ich zur Sicherheit, auch wenn ich nicht weiß, ob ich Blutfeuer jemals öffentlich machen werde, bekannt geben: Das Tick-System gleicht dem meinen sehr stark. Allerdings stammt meines aus dem Jahr 2004, und das kann ich nachweisen. Einer der gravierenden Unterschiede: Mein Tick-System ist schneller in der Anwendung.

Ist auch kein Wunder. Ich habs Stück um Stück von Shadowrun 1 geklaut. Das war das Sahnestück im damaligen System (und ziemlich scheußlich, was in SR5 aus diesem eleganten System geworden ist).

Mittwoch, 3. September 2014

Pensionierte Geheimdienstexperten für den gesunden Menschenverstand

Ja, eine solche Gruppe gibt es, und die hat die Vorwürfe, Rußland sei bereits in die Ukraine einmarschiert geprüft, und das vorgelegte Beweismaterial der US-Dienste, nun ja, zerfetzt.
Es soll hier ausreichen, deutlich zu machen, dass die am 28. August von der NATO veröffentlichten Bilder eine sehr fadenscheinige Grundlage dafür bilden, Russland eine Invasion der Ukraine vorzuwerfen. Traurigerweise haben sie starke Ähnlichkeit mit den Bildern, die am 5. Februar 2003 von Colin Powell vor den Vereinten Nationen gezeigt wurden und die ebenfalls nichts bewiesen (...) Wenn die von der NATO und den USA freigegebenen Fotos den besten verfügbaren "Beweis" einer russischen Invasion darstellen, verstärkt dies unseren Verdacht, dass aktuell erhebliche Anstrengungen unternommen werden, um Argumente für den NATO-Gipfel zu stärken, auf deren Grundlage Maßnahmen verabschiedet werden sollen, die Russland mit Sicherheit als Provokation ansehen wird. Sie sind zweifelslos vertraut mit dem Ausdruck "Caveat Emptor". Es soll genügen hinzuzufügen, dass man allem, was Mr. Rasmussen oder selbst Außenminister Kerry zu verkaufen versucht, mit äußerster Vorsicht begegnen sollte.
Das ist ein Auszug aus einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt und viele weitere interessante Informationen erhält, z.B. über die Rolle von NATO-Generalsekretär Rasmussen oder die Machtlosigkeit von Barack Obama gegen die eigenen Falken.

Man kann nur hoffen, daß der Brief tatsächlich auch von Leuten gelesen wird, die a) Macht ausüben und b) die Situation wirklich klären wollen.

Ansonsten gibt es immer noch keine Ergebnisse zu Flug MH-17.

"Waldläufer" ist so ein Scheißbegriff

Was hab ich schon alles versucht: Jäger, Kundschafter, Späher, Pfadfinder, Wildnisläufer, Fallensteller, Fährtensucher, Wanderer, Unwegsame, Grenzer, Grenzländer, Grenzläufer, Naturbursche... Alles aus verschiedenen Gründen Schrott, da im Rollenspiel der Begriff viel weiter faßt als ursprünglich. Auch die Buschschreiter aus dem alten Albany helfen da nicht weiter (auch wenn ich jetzt eine Ahnung habe, welche Assoziationskette Tolkien zu "Strider" brachte).

Waldläufer ist so ein Scheißbegriff.

Am besten gefallen mir noch "Kundschafter" und "Unwegsame". Aber ersteres ist vom Berufsbild zu limitiert und läßt auf einen Auftraggeber schließen, das zweite ist ein cooler Name für eine Waldläuferorden, aber nicht für die Charakterklasse.

So, a penny for your thought, lieber Besucher: Wie kann man die Charakterklasse der "Waldläufer" umbenennen in eine weniger ortsgebundene Berufsbezeichnung, die trotzdem dem Profil entspricht?