Dienstag, 11. Juli 2017

Das D&D Spielerhandbuch

Den Homerikern gebührt das Verdienst, das älteste Rollenspiel in seiner aktuellen Inkarnation ins Deutsche übersetzt zu haben. Die verkaufen das sogar an ihre Kunden. Natürlich ernten sie im Szenenetz dafür Unmut mit Vokabeln und Phrasen wie "unzumutbar", die Übersetzung sei "ekelhaft" (ohne Scheiß!), "gut, daß man es umtauschen kann" und so weiter.

Seufz.

Schauen wir uns das gute Stück mal an. Schwer und wertig gebunden, nicht gewellt und mMn bessere Qualität als das Original. Optisch entspricht es der englischen Ausgabe. Der Font ist sagen wir mal seniorenfeindlich, das mag ich nicht.



Der Titel ist extrem unglücklich: Dungeons & Dragons Player’s Handbook - Spielerhandbuch deutsche Ausgabe. Ja, da drücken sich alle zehn Fußnägel nach oben durch die Socken.

Das waren so meine Anmerkungen. Ansonsten finde ich die deutsche Ausgabe gelungen. Persönlich kann ich mit D&D5 nicht viel anfangen und halte es in jeder Sprache für vollkommen überflüssig, aber wer es gerne spielen möchte, ist damit gut beraten. Kaufen kann man es beim Roland.

Aber was jibbet eigentlich in anderen Familien darüber zu meckern? Natürlich zunächst die Übersetzung. Das ist bei Teilen der Rolloszene so ein Animal-Farm-Reflex: Originalsprache gut - deutsche Übersetzung schlecht. Gut, manchmal trifft das zu. Und hier?

Nach Monaten Fehlersuche durch das Fandom entstand im Verlagsforum dieses inoffizielle Fehlerdokument: Eine schlanke Seite mit Kleinigkeiten und einigen wenigen spielrelevanten Fehlern auf 300 großformatigen Seiten im Funzfont. Soweit zu echten Fehlern.

Was die holperige Sprache betrifft: Das dürfte eine werkgetreue Übersetzung sein. Die holpert nämlich schon im Original fröhlich über Feldwege, nur fällt es da dem deutschen Leser halt weniger oder gar nicht auf. Nehmen wir doch mal diese Passage zum Halbelfen aus dem Original.
Half-elven coloration and features lie somewhere between their human and elf parents, and thus show a variety even more pronounced than that found among either race. They tend to have the eyes of their elven parents.
Japp. Dieser Passus beschäftigt sich mit der "Farbgebung" von Halbelfen. Wenn man den eng übersetzt klingt er halt scheiße. Weitere Beispiele aus dem Original wenns denn mal das PDF gibt.

Dann wird natürlich der Preis als viiiiiieeeeel zu hoch empfunden. 50 Euro für ein vollfarbiges, hochwertiges, spieltischtaugliches Hardcover von 300 Seiten sind natürlich vollkommen überzogen, könnte man meinen. Klar, ich nehm auch die Pegasuspreisbrecher für 'nen Zwanziger gerne mit, aber die 50 Euro sind angemessen. Als nicht angemessen empfinde ich 13 Euro für ein Pamphlet von 64 Seiten in schwarz-weiß, dessen Bindung es am Spieltisch unbrauchbar macht. Aber da scheiden sich wohl die Geister.

Ergänzung. Gerade bei Greifenklaue eine Aussage der Hersteller zum Thema "Preis" gefunden.
D&D5 auf Deutsch ist vermutlich auch die teuerste Reihe, die wir aktuell bei Ulisses haben. (...) Dazu kommt, dass keine Nebeneinkünfte durch digitale Verkäufe generiert werden können, um früher mit der Arbeit in die Gewinnzone zu kommen. Und diese Preise beruhen auf den niedrigen Sätzen die wir zahlen. D&D5 auf Deutsch ist durch den massiven Einsatz engagierter Fans im Vorfeld erst möglich geworden, die auch nach vorne gezogene Deadlines von GF9 eingehalten haben. Dafür gingen eine Menge Abende, Wochenenden und Freizeit drauf und ich bin ihnen enorm dankbar, dass sie es in der Zeit geschafft haben. Das nun hier einige fordern, dass die beteiligten Leute besser verdienen sollten UND das die Bücher billiger sein müssten, weil Amazon die Bücher in den USA etwa zum Einkaufspreis verkauft, zeigt mir, dass wir als Verlage da unbedingt mehr Aufklärungsarbeit über Auflagen, Kosten und Umsätze in der Szene leisten müssen.
Mit anderen Worten: Wer sein GRW für 'nen Zwanziger haben will, der fördert weitere (Selbst)ausbeutung der Macher. Ergänzung Ende.

Und zu guter letzt erdreistet sich Ulisses noch, das Monster Manual erst im Juli und das Spielleiterhandbuch erst im August zu veröffentlichen. Insgesamt erstreckt sich die Veröffentlichung also über vier Monate. Kann man sich gar nicht ausdenken. Bis dahin hat man doch längst wieder das Interesse verloren.

Ja. Sofortige Bedürfnisbefriedigung. Eines der beiden Grundprinzipien des enthemmten Konsumismus. Kann man wohl nix machen.

Kommentare:

Minsc hat gesagt…

Deine Rechnung stimmt doch so gar nicht. Die neuen D&D-Regeln kosten nicht 50 sondern 150 €, du brauchst ja auch noch zumindest als DM MM und DMG, nicht nur PHB.

Ingo Schulze hat gesagt…

"Was die holperige Sprache betrifft: Das dürfte eine werkgetreue Übersetzung sein." - Gute Beobachtung. Ich war ja mehr mit Pathfinder befasst, da war das auch oft ein Problem. Ein Quellenbuch ist selten Hochliteratur und man sollte sie nicht dazu machen, sondern Nutztext.

aikar hat gesagt…

Du brauchst vielleicht das MM, das DM ist nett, aber nicht zwingend zum Spielen nötig.

Pathfinder kostet als GRW (50€) + MH1 (40€) auch nicht wirklich viel weniger
Bei Splittermond sind es 40+40€

DSA kostet mit GRW (50€)+ Götterwirken (40€) + Aventurische Magie (40) + Bestiarium (28€) deutlich mehr.

D&D ist also sauber im Schnitt.

Danke an Tagschatten für den Artikel. Die Hetze gegen D&D Deutsch ist schon wirklich mühsam, gerade wenn man die tatsächlichen Fehler dann mal zusammengefasst sieht.

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