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Mittwoch, 18. Februar 2015

Arrrgghlll...frpprpflll.... *flatlines*

Eines muß man Apple, dem sympathischen Familienbetrieb aus Cupertino lassen: Selbst nach dem Tod des besten Menschen, der je gelebt hat (Steve Jobs), läßt die Innovationskraft der altruistischen Querdenker nicht nach. Und so beglücken sie die Menschheit jetzt mit einem neuen Konzept, das die virtuelle Welt erschüttert:

PAY ONCE & PLAY

Es ist nicht ganz einfach zu erklären: Du bezahlst einmal für ein Spiel, und dann kannst Du es komplett spielen. Wenn Du willst, sogar mehrmals. MEHRMALS! Klingt total irre, stand aber so heut im Internet und ich so: Head blown.


Was für ein endgeniales Konzept. Was für eine Idee voll Wagemut und warum ist da vorher nie jemand drauf gekommen? Könnte doch tatsächlich die Zukunft des Gamings sein! Ach Quark, DAS IST SIE! Und wer hat's erfunden? Apple. Wer sonst?

<Stockholm Syndrome off>
<Reboot Brain>
<Sooth Selfloathing>
<Float acquired>

Ich fürchte, in zwei, drei Jahren wird etwas Schlimmes passieren. Irgendein iPaddie wird mir über die Schulter schauen, während ich NOLF 3 zocke (Monolith! Macht hin!) und sein Maul nicht halten. "Pay once and play. Cool. Das haben sie von Apple." Er wird sein iPad dabei streicheln.

Kurz darauf lauschen ein Proctologe und ein Polizist den zwei Versionen einer kurzen, intensiven Begegnung, während ein "Apple Store Genius" Blut und mehr vom zerschmetterten Display wischt und gleichzeitig versucht, nicht drüber nachzudenken.
(via Paolo Pedercini)




Donnerstag, 10. Juli 2014

Selig sind die, die da Leid tragen - Der etwas andere Spielbericht


Es gibt zwei Dinge in diesem Jahrtausend, die vollkommen over-hyped werden: Fußball und Apple. Das eine löst einen kollektiven, überbrückenden Rausch aus, oder kann es zumindest, das andere ist Lifestyle-Scheiße, dazu da sich einen Wert zu geben, wobei sich mir diese spezielle Transferleistung wohl nie erschließen wird. Und die Akkus sind auch zu schnell leer.

Beiden ist gemein, daß zuviel über sie berichtet wird. Das teutonische Großmaul ("Nur der Titel zählt"), die Häme ("Deutschlands Triumph: Zack, zack, zack!"), das aus Arroganz, nein Hochmut artikulierte Mitleid ("Deutsche, zeigt mehr Mitgefühl.") und schließlich die furchtbaren Wortspiele ("Jogiganten"), sie befüllen dieser Tage mehr Seiten, als Stephen King publiziert hat.

Worüber also kann man zum Halbfinale gegen Brasilien noch schreiben? Über die Entstehung. Und über altgriechische Philosophie. Über was denn sonst?

Mittwoch, 10. Juli 2013

Der deutsche Gärtner - im Felde unbesiegt

Man kann in Shops Selbstschußanlagen erwerben, die die gefährliche Wühlmaus "tierschutzgerecht" ins Jenseits blasen. Der vielversprechende Name des Produktes: Torero. Als ginge es gegen wilde Stiere. Die Kundenmeinungen lassen erkennen, wie wehrlos sie vor der Einführung dieses Honecker-Gedächtnis-Geräts dem Terror der Wühlmaus gegenüberstanden. Ein auch oft gehörte Meinung ist zufriedenes "Höhöhö." Einer war mit der Bedienung überfordert.

Jaaaaaa... Leute, die diesen Artikel kaufen, kaufen auch interessante andere Sachen. Die Munition für "schwerste Tiere" beispielsweise. Die Gefährlichkeit der Wühlmaus ist mir bisher wirklich entgangen; unsere Katzen, dacht ich, würden ganz gut fertig mit denen. Muß mich wohl mit dem 60-lbs-Bogen auf die Lauer legen. Ich steck sicherheitshalber auch das Kukri ein.

Auch auf der Liste: Ein Reitermesser. Ich kann mir da jetzt nur begrenzt was drunter vorstellen, ich hab beim Reiten noch nie ein spezielles Messer gebraucht, allenfalls das, das ich bei Ausflügen in die Natur sowieso führe. Ist wohl Selbstschutz, falls man in einem Wühlmaus-Encounter in den Nahkampf gehen muß.

Schließlich wird von manchen Kunden, die Selbstschußanlagen gegen Wühlmäuse installieren, auch noch gerne ein Vorschlaghammer erworben. Ich nehme an, das war der Herr, der in den Kommentaren den Hinweis hinterließ, er habe die Anleitung für das Torero-Gerät nicht verstanden.

Dann eben so.

Donnerstag, 29. November 2012

Chapeau, unbekannter Texter

Ich hasse Postwurf Spezial. Das Zeug kommt am KEINE WERBUNG Aufkleber vorbei, so eine Scheiße. Heute etwas von einem Tütchen-/Padkaffee-Hersteller, ihr wißt schon, das, wo man für mehr Geld auch fairerweise mehr Verpackungsmüll erhält. Als Zwischenstufe muß man dann diese Plörre saufen, aber das ist nur ein kleines Opfer (und man kanns ja weggießen, wenn die Gastgeberin grad nicht hinguckt).

Okay. Man will mir sowas also verkaufen. Ein Produkt, das unter dem Rubrum "Genießen" an den Ignoranten verkloppt wird. So ein Marketingmensch, wie tickt der, wie verkauft der "Genuß"? Aaaaaah. Die Anschrift verrät schon einmal, was da auf uns zurollt.
An die Heißgetränkegenießer des Hauses...
Oh Gott. "Heißgetränke". Wirklich? Du frißt auch "Sättigungsbeilagen", werter unbekannter Texter, oder? Wer "Heißgetränke" "genießt", dem ist schon nicht mehr zu helfen. Die einzige Entschuldigung, sowas ins Biosystem zu hacken, ist der Studentenstatus in Tateinheit mit geschlossener Cafete. Und auch dann erwarte keinen Tapferkeitsorden.

"Heißgetränke-Genießer." Bravo! Du bist erst bei der Anschrift und hast schon das erste Oxymoron produziert.

Ich trinke Kaffee, heiß aus der French Press. Kakao, aus fetter Milch, mit echtem Kakaopulver und Zucker und Zimt und Kardamom, zu später Stunde darf auch Captain Morgan's Bester hinein. Kein Mensch konsumiert freudig "Heißgetränke".

Drin ist dann eine dieser Aktionen, wie ich sie von vergleichbaren Sendungen eines Kosmetikversenders kenne. Ich bin etwas enttäuscht, das ich nichts ausschneiden und aufkleben kann, um irgendwo noch zwei Euro zu sparen. Was gibts? Ein Vorteilspaket aus Heißgetränken eines bekannten Kaffeerösters, einiges einzeln verpackt in "Tassenportionen". Umweltsäue. Damit die das Zeug bei verklappen, soll ich auch noch Kohle abdrücken. Im Austausch bekomme ich irgendein Gerät kostenlos dazu.

Ich bin mir nicht sicher, was es ist. Es sieht aus wie ein Vorlone, der einen Latte Machiatto schlürft oder sodomiert. Ich bin da noch nicht sicher. Vielleicht beides zugleich. Ist das ein Heißgetränke-Liebhaber? Ist das wirklich Milchschaum auf der Latte? Die Faszination des Bildes erhöht sich dadurch, daß der Designer eine rote Geschenkschleife um den Vorlonen gewickelt hat.

Dem gegenüberstehenden Text entnehme ich, daß der Vorlone wohl in der Lage ist, die Pülverchen des Herstellers in Heißgetränke mit nur geringem Wiedererkennungswert zu verwandeln, denn dazu gibt es eine "Getränkeerkennung via Barcode". Ich wette, das ist patentiert. Das ist so bescheuert, das muß patentiert sein.

Also, bisher hat mich das Marketing noch nicht zum "Heißgetränke-Genießer" gemacht.

Aber ich stelle fest: Man arbeitet tatsächlich auf eine Zielgruppe hin. Gepriesen wird auch die "praktische 1-Knopf-Bedienung". Als ich das lese, beginne ich zu verstehen. Das ist vollkommen auf eine spezifische Klientel hin entwickelt. Wer a) von dieser Broschüre davon überzeugt wird, es gäbe "Heißgetränke-Genießer" und b) selber einer werden möchte, der ist c) mit allem anderen als einer "1-Knopf-Bedienung" überfordert. Restlos. Ohne wenn und aber.

Insofern: Chapeau. Aber wie groß ist da der Kreis potentieller Kunden? Wachkomatöse füllen selten Bestellscheine aus...

Update/ 

Zu Ehren meines Vorlonen-Sodomiten gibt es neues Label: Lifestyle-Scheiße, vorbehalten für Applikationen, die ein großes Vorbild (hier Kaffee) auf möglichst umweltbelastende, überteuerte und weitaus schlechtere Art emulieren.

Donnerstag, 13. September 2012

Stockholm ist eine schöne Stadt

Gail Wallens: Dr. Hasseldorf, what can we expect in the next few hours?
Dr. Hasseldorf: Well, Gail, by this time the hostages should be going through the early stages of the Helsinki Syndrome.
Harvey Johnson: As in Helsinki, Sweden.
Dr. Hasseldorf: Finland.
(Die Hard, 1988)

Ja, jetzt ist es bald soweit Kinder. Bald werden Konsumidioten ihre zittrigen Finger auf ihr neues Spielzeug legen, es vorsichtig eincremen, applizieren und den Vibrationsalarm einschalten, während sie auf Bilder ihres Gurus starren. Mir solls ja recht sein. Unsere Gesellschaft ist dem Consumerism verfallen, Freiheit ist nur noch die Freiheit zwischen verschiedenen Marken zu wählen.

Aber müssen die ganzen Konsumsklaven gleich derart in Sektenwahn verfallen, wie es derzeit wieder der Fall ist? Was soll diese Media-Attention für ein verf****** Handy? Gibt es eine Family-Guy-Episode zum Stockholm-Syndrom der Applekunden, so eine richtig dreckige? Die von South Park und Futurama waren noch lange nicht hart genug. Will ich sehen.

Als Klingelton empfehle ich übrigens die gequälten Schreie von Kinderarbeitern in Pakistan. Das ist doch passend. Das iPhone wird immerhin nach Recherchen eines chinesischen Journalisten unter ähnlichen Bedingungen gefertigt, wie die Schuhe in Pakistan, wo gestern 300 Arbeiter in ihren Sklavenställen eingesperrt verbrannten. Studenten, so scheint es, werden vom Studium abkommandiert, um dem großen Konsum seine iPhones zu bringen.

Bravo.

Steve Jobs hat uns diesen... "Lifestyle"... perfektioniert. Ich gedenke seiner zu besonderen Gelegenheiten. Ansonsten bleibt mir - angesichts der bizarren Patent-Klage gegen Samsung - nur noch, den großen Menschheitsbeglücker zu zitieren:  "Wir waren immer schamlos, wenn es darum ging, große Ideen zu stehlen." (Quelle)

Boah. Jedesmal wenn ich den Firmennamen oder den eines der Produkte sehe, kommt mir selbst zu dieser Stund' noch der Frühstückskaffee hoch. Dieses Getue ist einfach nur wi-der-lich.