Posts mit dem Label Propaganda werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Propaganda werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 20. August 2020

Faktencheck

Ich verlinke ihn ja nicht oft, aber heute gibt fefe Einblicke, warum "Faktenchecks" in der Regel auf "meiner Meinung nach" hinauslaufen. Empfohlen, sich das wirklich anzugucken.

Montag, 4. Juni 2018

Der Mörder ist immer der Pope.

Jopp. Ich kriege meine Rubelchen.
Absolut cool. Der Tote-Nicht-Tote-Ja-Was-Denn-Nun "Kremlkritiker"-Fall #Babchenko wird immer interessanter. Der Geheimdienst in Kiew hat nach eigenen Angaben ja das ganze Theater aufgeführt, um die "russischen Hintermänner" eines (von Putin wahrscheinlich persönlich mit den Erlösen aus dem Verkauf seiner Briefmarkenalben finanzierten) Mordkomplotts zu enttarnen.

Und sie enttarnen, das muß man ihnen lassen. Zu blöde, daß sie russlandhassende Ukrainer sind mit tollen Verbindungen zu den Banderas-Faschisten des Rechten Sektors enttarnen. Einer davon ist ein Pope. Oh, oh, oh, hätt ich fast vergessen.

Sie arbeiten für den Geheimdienst. Den ukrainischen Geheimdienst.Und das kommt nicht von den schlimmen Fingern wie Sputnik, Russia Today oder gar dem PÖHSEN KenFM. Das kommt von der New York Times.
Both the priest and the executive claimed to be working for Ukraine’s intelligence services. Ukrainian officials at first denied that but, in the case of the priest, subsequently reversed themselves and admitted he had played a role. They would not say what.
Ich mache jetzt diese italienische Geste, bei der ich meine gespitzten Finger küsse und ausbreite. Das ist königlich köstlich. Zum Abschluß, liebe ukrainische Schlapphüte: Dieses Lied verlinke ich für euch.


Freitag, 30. Juni 2017

Kleine Kostbarkeiten.

Im Kriege ist die Wahrheit so kostbar, dass sie immer von einer Leibwache von Lügen umgeben sein sollte.
(Winston Churchill)

In der ZEIT und anderen Medien wird heute vermeldet, die zivilen Opfer des Angriffs auf Chan Scheichun seien durch Sarin umgekommen. Zu diesem Schluß sei die internationale Kontrollbehörde für Chemiewaffen gekommen. Allerdings:
Die OPCW-Mitarbeiter hatten Gewebeproben von Opfern und Proben des Bodens untersucht sowie mit Zeugen gesprochen; sie waren aus Sicherheitsgründen aber nicht nach Chan Scheichun gereist. Es sei nicht ihre Aufgabe gewesen zu untersuchen, wer für den Angriff verantwortlich war, teilte die OPCW mit.
Angesichts der Tatsache, daß das Gebiet nach wie vor den Rebellen untersteht, sollte man die Frage nach der Herkunft der Proben nicht einfach beiseite wischen. Solange diese nicht ausreichend beantwortet ist bleibt festzustellen, daß Sarin in Proben gefunden wurde, die angeblich aus dem fraglichen Gebiet zur fraglichen Zeit stammen.

Mehr nicht.

Soviel Mißtrauen ist angebracht. Auf den Videos und Bildern sind viele Ersthelfer zu sehen, auch Weißhelme darunter, die ohne Handschuhe erste Hilfe vor Ort leisten (Link, Link, Link). Das hätte bei Sarin dazu geführt, daß sich etliche dieser Helfer ebenfalls vergiftet hätten, wie uns Tante Wiki verrät. Davon ist aber nichts bekannt (was nicht heißt, daß es nicht passiert ist).
Nervenkampfstoffe wie Sarin sind bereits in sehr kleinen Mengen tödlich. Angriffsfläche ist dabei der gesamte Körper, wobei die Aufnahme insbesondere über die Augen, Haut und Atmungsorgane erfolgt; letztere machen hierbei den Hauptanteil aus, da Sarin leicht flüchtig ist. Schutz gegen das Eindringen von Sarin in den Körper bietet daher nur ein Ganzkörper-Schutzanzug mit Atemschutzmaske.
Man sollte angesichts dieser beiden Fakten - ungeklärte Herkunft der Proben und unzureichend gegen Sarin geschützte Helfer ohne Folgen - vielleicht etwas vorsichtiger mit Rückschlüssen sein. Unsere Regierung natürlich nicht. Sie nimmt das als Faktum und legt es erwartbar Assad auf die Türschwelle. Narrative statt Nachrichten. Die großen Hauptnachrichtensendungen werden den entsprechenden Spin schon liefern.

Und ich sitz wieder einfach nur da und wüßte wirklich gerne, was passiert ist. Geht mir in den letzten Jahren häufig so.

Dienstag, 16. Februar 2016

Murmeltiertag!

Das Assad-Regime und seine Verbündeten haben zwei Krankenhäuser im Norden Syriens bombardiert, Dutzende Menschen starben (...) Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von mindestens neun Toten. Sie geht davon aus, dass die Luftschläge von russischen Kampfjets ausgeführt wurden.
So stands - unhinterfragt - heute auf SPON. Klingt so seriös: "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte". Vor drei Jahren hatte die Süddeutsche (ebenso wie einige andere Medien) einen Anfall von Journalismus und ist dieser Stelle mal nachgegangen. Überraschung!
Der Leiter der Organisation aus Coventry und, wie er bestätigt, ihr einziger fester Mitarbeiter nennt sich Rami Abdul-Rahman.
Dieser Ein-Mann-Betrieb haut nach subjektivem Empfinden 90% aller Horrormeldungen über Assad und die bösen Russen in die Welt (die restlichen 10% "Quelle Internet"). Oder ist es die andere, gleichnamige Organisation in London, die ebenfalls Horrormeldungen über Assad und die bösen Russen im Angebot hatte, die aber gar nicht mehr existiert?

Auf alle Fälle hat die "Organisation" gute Kontakte zu Human Rights Watch, die wiederum Kohle vom umtriebigen George Soros erhält und beste Kontakte zur US-Regierung unterhält. Unsere Qualitätsmedien verbreiten als Fakt (nicht "sollen" steht bei SPON, sondern "haben"), was ein bekennender Assad-Hasser aus der Fremde über die Lage in Syrien verlautbart. Ende der Geschichte.

Wenn morgen also in der WELT steht "Assad verursacht Hodenkrebs", raten Sie mal, wo das herkommt.

Montag, 27. April 2015

Nein, nein, soviel kann kein Mensch essen.

Frank Walter Steinmeier, Außenminister der BRD, hat am 15. März 2015 einen Brief geschrieben, an die polnische Ministerin für kulturelle Angelegenheiten. Darin bittet er die Ministerin, gewisse Dokumente zurückzuziehen.

Diese betreffen ein Kriegsverbrechen aus dem Zweiten Weltkrieg.  Ukrainische Verbände aus dem Dunstkreis des Faschisten Banderas verübten ein Massakker an Zehntausenden Polen im Jahre 1943.

Die Dokumente über dieses Massakker sind nach Meinung Steinmeiers geeignet, "die politische Zusammenarbeit zwischen den Staaten der Europäischen Union zu beeinträchtigen und "bei den Behörden und der Bevölkerung der Ukraine eine negative Reaktion" auszulösen. Die Faschisten, die in Kiew an der Macht sind (obwohl es sie eigentlich ja gar nicht gibt), haben den Nazi Stepan Banderas zum Nationalheiligen gemacht. Ganz offiziell seit 9. April des Jahres sind die Banderas-Banden keine Massenmörder mehr, sie sind "Freiheitskämpfer".

Polens 100.000 Tote stören ganz einfach den Stellvertreterkrieg des Westens gegen Russland. Die Handlanger in Kiew sollen sich doch wohl fühlen. Daher schreibt Steinmeier eine solche Aufforderung, Polen solle doch bitte ein wenig die Geschichte verbiegen bzw. unschöne Details nicht erwähnen. Wer sich jetzt darüber aufregt, der sei beruhigt, niemand erwartet von den Polen, das umsonst zu tun, denn "Deutschland seinerseits setzt die Unterstützung und Förderung der polnischen Wirtschaft (....) fort."

Ich bin dann mal kotzen.


http://www.neopresse.com/politik/polen-vergisst-wolhynien-um-europas-willen/
https://www.indymedia.org.uk/en/regions/world/2015/04/520224.html
http://wyborcza.pl/politykaekstra/1,144844,17754786,Schetyna__Absurd_przeslania_tragedie.html?piano_d=1

Samstag, 14. März 2015

Huhu, Amerikaversteher

Update 23. März 2015

Mittlerweile habe ich das ganze Video gefunden via Nachdenkseiten. Das ist sehr erhellend, denn Mr. Friedmann schwankt zwischen gelegentlich klarer Analyse, neoliberaler Menschenverachtung, Kulturpessimismus und vollkommener Ignoranz über die Ursachen verschiedener Tendenzen Europas vollkommen ansatzlos hin und her. All das auf der Grundlage seines Axioms, Frieden und Wohlstand schlössen einander aus. Läßt ja tief blicken, daß derlei Ansichten mentalen Durchschnitts in den "Think Tanks" der USA eine prominente Stimme darstellen. Das hängt das "Think" dann raus zum Trocknen. Übrig bleibt "Tank".  Hier ist das Link.

Update 27. März 2015

Sarah Wagenknecht spricht über STRATFOR im Bundestag und bringt den größeren Kontext zu den Schiefergasplänen. Verrückte Welt: Ausgerechnet die LINKE fordert ein stärkeres und selbstbewußteres Deutschland, während die angeblichen "Patrioten" vor den USA weiter kuschen und tiefer in den Enddarm kriechen.

Das verlinkte Video ist - soweit ich es nachprüfen konnte - authentisch. Die Veranstaltung hat stattgefunden, das ist tatsächlich George Friedman (warum sich hinter dem schönen Namen Friedman immer so bizarre Typen verbergen, weiß ich jetzt auch nicht) vom Stratfor-Think-Tank. Ich habe leider keine Uncut-Version, aber was hier drin ist, ist nicht nur zur US-Politik in Bezug auf das Verhältnis Deutschland - Russland, sondern insgesamt zur US-Sicht auf Europa schon... interessant.


In diesem Zusammenhang ist dann natürlich auch die Lenkung der Veröffentlichten Meinung in Deutschland, also dem was gewisse Kreise vulgo (sehr vulgo) "Lügenpresse" nennen, von Interesse. Ich könnte jetzt weit (sehr weit) ausholen, aber hier gibts auch ein Filmchen. Kommt sogar vom ZDF.


Sollte Herrn diLorenzo also mal wieder der große Weltschmerz des Mediensnobs über das Gebaren des Internet-Mobs überkommen, so kann er daraus zweierlei rückschließen: Der benannte Mob ist noch nicht ganz so verblödet, wie der Herr der ZEIT ihn wohl gerne hätte, und - im Moment - dokumentiert er seine Hilflosigkeit in verbaler Aggression.



Mittwoch, 25. Februar 2015

Das Empire im Selbstversuch - American Sniper!


Deutsche Filmbesprechungen folgen seit einigen Jahren schon viel zu oft einer bequemen Formel.
  1. Intro mit ein, zwei spannenden Fakten zum Film.
  2. Schilderung von Prämisse und Plot.
  3. Handwerkliche Eindrücke (Drehbuch, Kamera, Schauspieler)
  4. Ein Absatz mit der eigenen Meinung.
Kann man machen, ist legitim, mach ich in Variationen ja auch selber. Was hier natürlich fehlt, ist eine Einordnung des Filmes, Kontextualisierung, der Blick über die Ereignisse am Rand des Filmes. Einer solchen Besprechung fehlt es an Immanenz.

Manche Filme lassen sich daher  nicht in dieses bequeme Schema pressen, das man auch nach vier Bier noch ohne Mühe abspulen kann. Ein Blick auf American Sniper z.B. verrät, daß es sich um ein Biopic handelt, das eines der politischsten Themen unserer Zeit aufgreift: Die Angriffskriege der USA seit 2001. Da wirkt eine Routinebesprechung wie die hier bestenfalls oberflächlich und fahrlässig.

Samstag, 10. Januar 2015

Häh?!

Ihre Taten stimmten die drei nach Angaben Coulibalys aufeinander ab. "Ihr Charlie Hebdo, ich die Polizei", soll der 32-Jährige am Vorabend des ersten Anschlags zu den Kouachi-Brüdern gesagt haben.
Das schreibt mal so ganz nebenbei die Süddeutsche. Coulibaly ist tot. Die beiden Brüder auch. Woher stammt diese Info? Ist das überhaupt eine Info? Kann da jemand helfen? Die SZ hat ihre Foren ja abgeschaltet (zuviel Gegenwind plus zuviele Idioten), also hab ich die mal kontaktiert. Schaumermal, wie die Antwort aus München aussehen wird.

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Redaktionsstüberlparanoia

Some of the biggest men in the United States, in the field of commerce and manufacture are afraid of somebody, are afraid of something. They know that there is a power somewhere so organized, so subtle, so watchful, so interlocked, so complete, so pervasive, that they better not speak above their breath when they speak in condemnation of it.

(Woodrow Wilson, The New Freedom)

Zapp hat eine kleine Umfrage gemacht zum Thema "Wie vertrauenswürdig finden Sie die Medien". Das Ergebnis zeigt sich erwartbar niederschmetternd für "die Medien" in Deutschland. Ja, die haben eine Legitimationskrise. Nicht ganz zu Unrecht angesichts Dutzender "bedauerlicher Einzelfälle", die immer dieselbe propagandistische Stoßrichtung aufweisen.

Da kann man nun verschieden reagieren. Man kann es machen, wie die Schweizer Kollegen von der Tageswoche. Man nimmt Menschen und Aussagen ernst. Man betreibt Ursachenforschung, stellt Thesen auf und diese zur Diskussion. Dann wertet man als Journalist die Reaktionen aus und versucht zu verstehen.

Vorbildlich.

Montag, 18. August 2014

Eine Welterklärung

Geil. Das erklärt ALLES.



Auf SPIEGEL online gilt jede Behauptung der ukrainischen Junta als wahr, bis sie widerlegt ist. Oder: Alles was rein theoretisch möglich sein könnte, ist die Wahrheit.
Leser: Gibt es konkrete Belege für die auch vom Spiegel verbreitete Meldung, russische Truppen hätten die Grenze zur Ukraine überschritten?
SPON: Gibt es eigentlich konkrete Belege, dass dem nicht so ist?

Keine Fragen mehr.

(via Nachdenkseiten)

Und nicht viel später sieht es dann so aus.


Dienstag, 12. August 2014

"Ich hier, Wirklichkeit da." - "Wo?" - "Na, da drüben irgendwo halt. Ich hab sie lang nicht gesehen."

Aus der Vorstellungswelt
deutscher Redakteure
Gabor Steingart hat im Handelsblatt einen Leitartikel verfaßt, der in deutsch, englisch und russisch erschien: "Der Irrweg des Westens." Er zeigt, daß immer Hoffnung auf (hoffentlich dauerhafte) Besserung besteht:
Blätter, von denen wir eben noch dachten, sie befänden sich im Wettbewerb der Gedanken und Ideen, gehen im Gleichschritt mit den Sanktionspolitikern auf Russlands Präsidenten Putin los. Schon in den Überschriften kommt eine aggressive Verspannung zum Ausdruck, wie wir sie sonst vor allem von den Hooligans der Fußballmannschaften kennen. Der „Tagesspiegel“: „Genug gesprochen!“ Die „FAZ“: „Stärke zeigen“. Die „Süddeutsche Zeitung“: „Jetzt oder nie“. Der „Spiegel“ ruft zum „Ende der Feigheit“ auf: „Putins Gespinst aus Lügen, Propaganda und Täuschung ist aufgeflogen. Die Trümmer von MH 17 sind auch die Trümmer der Diplomatie.“ Westliche Politik und deutsche Medien sind eins. 
Voll auf die Zwölf. Kudos. Und um Gabor Steingart zu bestätigen hat jetzt die Welt nachgelegt. Dort darf Prof. em. Karl Schlögel seine Einsichten zum Besten geben. Die Überschrift "Donezk – ein Urbizid mitten in Europa" informiert darüber, daß in diesem Pfund Getipptem keine Gefangenen gemacht werden. "Urbizid" ist, laut dem Schöpfer dieses Begriffs, Markus Funck von der Uni Marburg, "die systematische Zerstörung oder Vernichtung von Städten". Eine Blendervokabel für Selbstverständlichkeiten der Kriegsführung seit 1936 (Guernica, Warschau, Coventry, London, Hamburg, Berlin, Dresden, Hiroshima, Sarajewo, Gaza-Stadt and surely to be continued).

Noch geiler wird es dann aber im Anreißer, den der Herr Emeritus hoffentlich nicht selbst verfaßt hat. Aber er hat wohl auch nicht protestiert, der Herr Emeritus.
Putins Mordgesellen: Russlands Präsident betätigt sich als Kriegsbrandstifter. Unter dem Deckmantel der "humanitären Mission" verfolgt er in Donezk die gnadenlose Zerstörung der einst blühenden Stadt.
Da kracht dem Leser doch die Freßleiste auf den Boden, oder? Putin bombardiert Donezk! Putin schießt Grad-Raketen in die Stadt! Putin läßt Panzer anrollen! Anders ist das nicht zu verstehen.

Samstag, 2. August 2014

Der Ewige Russe

Das ehemalige Nachrichtenmagazin hat mich und meine Kameraden Genossen von der fünften Kolonne erkannt, ertappt, enttarnt und dies der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Wer sich der veröffentlichten Meinung in Deutschland, deren Ausgewogenheit und sorgfältige Recherche vollkommen außer Zweifel steht, verweigert und öffentlich doofe Fragen stellt, der wird von Moskau bezahlt.

Natürlich schreiben die das im SPRITZEL nicht wörtlich, so brunzdoof sind die ja nicht, daß die nicht wüßten, daß ihnen Belege für ihre Hirngespinste fehlen. Nein, in der Hamburger Zentrale verfolgt man das gepflegte Spiel der Insinuation.
Das Titelbild des aktuellen SPIEGEL mit der Zeile "Stoppt Putin jetzt!" hat einige heftige Reaktionen ausgelöst - insbesondere in sozialen Netzwerken. Darunter waren auch organisiert auftretende, anonyme User, die schon seit Monaten jegliche Kritik an Russland mit einer Flut an Wortmeldungen in den Foren vieler Online-Medien kontern.
Ja. Schön, nicht? Das verlinkte "Editorial" (ich schreibs mal in Gänsefüßchen) reiht sich nahtlos ein in die "Berichterstattung" (dito) des "Nachrichtenmagazins" (dito); Propaganda pur. Putin, lesen wir da, sei ein "ruchloser" "Paria der Weltgemeinschaft", der zur "Rechenschaft gezogen" werden müsse. In dem Stil hetzt sich das durch mehrere Geschichten.

Ich erwähnte sicher schon mal, daß sich jeder "Journalist" nennen darf?

Die Qualität der Berichte und Recherche in diesem Blatt, über Dutzende von Seiten, ist bereits im Leitartikel exemplarisch erfaßt.
Niemand im Westen zweifelt noch ernsthaft daran, dass das Flugzeug mit einem Buk-Luftabwehrsystem abgeschossen wurde, das die Separatisten höchstwahrscheinlich aus Russland erhalten haben. Einer ihrer Anführer hat selbst zugegeben, dass sie über ein solches System verfügten, und die Indizienkette ist eindeutig.
43 Wörter, also alle 8,6 Wörter eine Falschbehauptung, Verdrehung, Unterstellung, Verzerrung.

Donnerstag, 26. Juni 2014

"Cacatum non est scriptum!"

Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können: Das macht den Journalisten. (Karl Kraus)

Der Schirrmacher ist nicht mal richtig kalt, aber anscheinend lassen sie schon jeden Journalistendarsteller ins Feuilleton der FAZ. Ich weise übrigens abermals darauf hin, daß "Journalist" sich jeder nennen darf, der Lust dazu hat. Einer Qualifikation dazu bedarf es nicht, Mentalleistungen müssen auch nicht nachgewiesen werden. Das nur am Rande.

Gabor Steingart hat sich also zur FAZ verirrt und Dinge zum Leistungsschutzrecht abgesondert. Gut, die FAZ hat eine klare Linie, klar, aber ausgerechnet den Steingart lassen sie da in die Tastatur krümeln? Der war mal 'ne Nummer beim ehemaligen Nachrichtenmagazin und ist jetzt Betreuer beim Handelsblatt, der Apothekenrundschau für Kleinsparer.

Das Leistungsschutzrecht, bzw. die Auswirkung desselben nimmt ja derzeit regelrecht bizarre Züge an. Die Verlage wollen Kohle, wenn Google Texthappen als Anreißer anzeigt und auf Artikel verlinkt. Google hat mit den Schultern gezuckt und mitgeteilt, wer solches wolle, könne sich ja dann bei Yahoo oder AOL verlinken lassen (Paraphrase) und die Verlage aus den Links geschmissen. Natürlich rauschen den Verlagen jetzt die Klickzahlen nach unten. Und was machen die Verlage? Klagen gegen Google, um eine Verlinkung bei Google durchzusetzen, die ihnen a) Klicks bringt und für die b) Google dann auch noch zahlen soll. Ehrlich.

Ich bin kein Googlefreund, aber hier läuft einiges schief.

In diese wirre Debatte nun stößt Steingart mit einem moralischen Aufrüsttext von geschätzten 15.000 Anschlägen (auf den gesunden Menschenverstand). Er schmeißt sich in die Pose des Revoluzzers, tönt "Unsere Waffen im digitalen Freiheitskampf" in der Überschrift, fabuliert von "Tyrannensturz", "Befreiung", "Feudalherrschern" und zitiert ausgiebig Étienne de La Boëtie, nur um zu dokumentieren, daß er ihn genausowenig versteht, wie das Konzept von Google.

Das ist von jener pimpeligen Wurstigkeit, die bei Wikiquote Zitate zusammen sucht, um den klassischen Bildungsbürger darstellen zu können. Eine lächerliche Schmähschrift, die von digitaler Freiheit lallt, dabei aber alleine die Kapital- und Machtinteressen der Verleger im Sinne hat.

Nix neues soweit. Desinformation, Anbiedern, Nichtdurchdringung des Problems, das sind wir vom deutschen "Qualitätsjournalismus" ja gewohnt, eigentlich. Eigentlich. Bis auf diesen Satz:
Von den vielen Millionen deutschen Dokumenten, die das Google-Archiv auf seinen Servern bereithält, stammt kein einziger Text von einem Google-Mitarbeiter, sondern alles, was da an Artikeln begeistert, polarisiert, langweilt oder einfach nur informiert, ist von den Autoren deutscher Verlage in deutscher Sprache erstellt worden.
Ich weiß nicht, ob und was die bei der FAZ rauchen, schnüffeln, saufen, spritzen, wirklich nicht, will ich auch gar nicht. Aber das steht genauso da. Steingart ist der Meinung, alle deutschen Texte im Internet seien von Mitarbeitern der Verlage erstellt. Alle Texte.

Er meint wirklich alle.

Das übersteigt jede Grenze von Lächerlichkeit und Unverschämtheit um ein Vielfaches. Eine deutsche Zeitung darf sowas abdrucken und sich weiterhin als "Qualitätsmedium" mit "schützenswerten Leistungen" verstehen.

Paywall! Paywallpflicht für alle diese Schmierfinken! Und möge Google sie auf ewig ignorieren!

Samstag, 15. März 2014

Und wir warten...

...auf den Sonntag der Volksabstimmung auf der Krim. Wird alles glattgehen? Wie wird die Entscheidung sein? Die Reaktionen? Die werden interessant, denn ungeachtet aller Einwände, die die G7-Staaten und andere vorbringen: Der Westen selbst hat - gegen den Widerstand Putins - bereits einen vergleichbaren Präzedenzfall im Kosovo geschaffen, der vom Internationalen Gerichtshof später abgesegnet wurde.

Das ist nicht so eindeutig, wie unsere Spin Doctors Politiker und Medien es darstellen.

Der komplette EU-Sanktionismus ist ja bekanntermaßen sowieso nur Darmwind. Russland pumpt um die 50 Mrd. in Cash jährlich in die EU, ist einer der wichtigsten Handelspartner und der vielleicht wichtigste Energielieferant. Über die Schiene wird gar nix laufen, was irgendeinen Effekt hat. Das muß jedem klar sein, egal, wie er die Lage in der Ukraine selbst beurteilt. Jede Sanktion trifft uns wahrscheinlich härter als Rußland.

Good Cop Bad Cop bedeutet nicht, daß der eine den anderen verdrischt und der Beschuldigte dabei zusieht.

Leider hat sich in der Vergangenheit gezeigt, daß die "Demokratien" des Westens auch andere Methoden verwenden außer wirtschaftlich-politisch-diplomatischen. False-Flag-Operationen, Destabilisierung und auch Mord sind fester, völkerrechtswidriger Teil des "demokratischen" Arsenals. In der Ukraine wurde das ja exemplarisch vorgeführt"Das ist keine Verschwörungstheorie, das ist Verschwörungspraxis."

Wird der Samstag ruhig bleiben? Oder doch False-Flag? Werden ganz plötzlich, und seien wir ehrlich, derzeit ohne Grund, ukrainische Militärinstallationen nahe der Krim aber nicht auf der Krim angegriffen werden? Von vorgeblichen "Russen"? Moskau hat zwar NIX mit so einer Aktion zu gewinnen, aber die bescheuerte Keine-Abzeichen-auf-der-Uniform-Nummer, die die Russen auf der Krim abgezogen haben, würde die Glaubwürdigkeit einer solchen Behauptung signifikant erhöhen, wenn man eben - wie in diesen Tagen üblich - Cui bono ausblendet.

Wenn die Demokraturen des Westens tatsächlich Aktionen planen: Wo würden Provokateure zuschlagen? Luhansk? Berdyansk? Oder weiter im Landesinneren? Melitopol?

Nur ein Gedankenspiel natürlich. Niemand kann so bescheuert sein, brennende Fackeln zu jonglieren, während wir alle bis zur Hüfte in Benzin stehen.

Oder?

P.S.: Letzten Dienstag auf'm ZDF "Die Anstalt" geguckt? Nein?! Nachholen! Noch haben die Kalkleisten, die auf den oberen Etagen des Senders vegetieren, nicht geschnallt, was sie da neuerdings versenden. Man achte mal auf das Publikum, gerade am Ende.

Freitag, 7. März 2014

Lügner!

Was ich unheimlich mutig fand, war, daß er sich in aller Öffentlichkeit traute, ein positives Wort über Russland zu sagen. Das ist ja heute fast schon verboten.
(Matthias Platzeck, Ministerpräsident a.D.)

Es war Florian Rötzer, der noch im letzten Jahr meinem Ekel Ausdruck verlieh, daß der Sturz eines Ski-Laien mit Inselbegabung zum Kreisfahren zu einer Stellungnahme der Bundesregierung führte. Der mediale Budenzauber, der dazu abgefackelt wurde, spottete jeder Beschreibung. Vielleicht konnte man es als solidarische Grußadresse der vielen Wachkomatösen in den deutschen Medien an ein Vorbild verstehen, aber Grußkarten und Blumen hätten es dann auch getan.

Andererseits; um wieviel besser kann man die Widerlichkeit, die Erbärmlichkeit noch demonstrieren, die in genau diesen, von uns allen bezahlten Medien herrscht? Wird schwer, wenn man z.B. liest, wie der Chef der Tagesschau, dem "seriösen" Nachrichtenmedium schlechthin, Dr. Kai Gniffke, das vieltägige Schuhmacher-Trommelfeuer seiner Irrenanstalt rechtfertigt.
Deshalb wäre es töricht von uns, wenn wir in diesen eher nachrichtenschwachen Tagen unsere Sendungen krampfhaft mit sogenannten B-Themen füllen würden. Dabei räume ich selbstverständlich ein, dass man das auch anders sehen kann, wenn man die Themen ausschließlich nach Relevanzkriterien auswählt. (...) Aber mein journalistischer Kompass sagt mir, dass er in eine Kategorie populärer Persönlichkeiten gehört, die eine umfangreiche Berichterstattung rechtfertigt, ohne dass wir damit Tagesschau-Grundsätze aufgeben.
"Nachrichtenschwache Tage" soso. "B-Themen" aha. "Journalistischer Kompaß" ein Brüller. Was war denn so ein typisches "B-Thema" an diesen "nachrichtenschwachen Tagen"? Na, die Bombenanschläge von Wolgograd beispielsweise. Aber hey, das war'n ja nur tote Russen, nicht wahr? Wer zählt die schon?

Man beachte auch, daß im ganzen Text das Wort "Integrität" nicht auftaucht. Wäre ja auch fehl am Platze.

Donnerstag, 6. März 2014

Dreckig, dreckiger, am dreckigsten

9gag.com
Ging schon Mittwochmorgen über fefe: Eine Meldung von RT darüber, daß die Scharfschützen auf dem Maidan in Kiew nach Ansicht des estonischen Außenministers von der Koalition, die jetzt die Macht übernommen hat, beauftragt wurden. Angeblich seien die Führer des Maidan somit für die Toten auf beiden Seiten verantwortlich, sagte der Außen zu Lady Ashcroft, der Frau die irgendwie als Außenministerin oder so der EU fungiert (ich hab den Status nicht ganz verstanden). Im Wortlaut:

„[Dr.] Olga Bogomolez, die die Verletzten auf dem Maidan behandelt hatte, informierte mich über Scharfschützen, die Menschen in Kiew töteten. Ihr zufolge deuten alle Indizien darauf, daß Polizisten und Demonstranten, Menschen auf beiden Seiten von ein und denselben Scharfschützen erschossen wurden.
(...)
Es macht mir Sorgen, daß die neue Koalition nicht gewillt ist, die Umstände dieser Taten zu klären. Somit wird der Verdacht erhärtet, daß hinter den Scharfschützen nicht Janukowitsch, sondern jemand aus der Koalition gestanden hat.“

Die Echtheit des Gesprächs ist mittlerweile offiziell vom Ministerium bestätigt. Ach ja: Spiegel nix, Welt nix, auf tagesschau.de nix, in ZDF-heute war auch nix. Warum auch? Ist ja bestimmt nicht berichtenswert.

Die Todesschüsse auf dem Maidan fielen, nachdem die EU mühsam einen Kompromiß ausgehandelt hatte, der eine friedliche Übergangslösung hätte ermöglichen können, so eine mit Wahlen und Ausdruck des Volkswillens und diesem Kram.

Dann beginnen die Scharfschützenmorde, alles versinkt in Terror. In Kiew übernimmt dieser undurchsichtige Oligarch und Ex-Banker die Regierung, nachdem - wie der estische Außenminister die Gerüchte wiedergab - etliche Abgeordnete, die ihn schließlich wählen, vorher in nächtlichen Besuchen von, sagen wir, Sympathisanten der faschistischen "Swoboda" über den Irrtum ihrer bisherigen Haltung informiert wurden. Und über Schmerzempfinden, falls nötig. Die reguläre Polizei wird abgelöst bzw. "unterstützt" von proto-faschistischen Milizen. Irgendwo dazwischen irren ein Boxer und die freigelassene "Freiheitsikone" Timoschenko über die politische Bühne.

Wem nutzt sowas? Cui bono?



Es riecht nach George Soros, der jetzt auch wieder die Propagandatrommel in großen europäischen Medien rührt (z.B. Süddeutsche (nicht verlinkt wegen Leistungsschutzrecht) und Guardian), dessen Verwicklung über seine Stiftung in diverse "Volksaufstände" in der Vergangenheit schon Anlaß zu kritischem Hinterfragen gegeben hätte, wären unsere Medien eben keine Systemmedien.

Eine Bande skrupelloser und bewaffneter Putschisten hat die Bemühungen der besonneneren Kräfte innerhalb der EU um einen friedlichen Wandel mit Gewalt hintertrieben und eine Machtübernahme mit Legalitätsanstrich durchgesetzt. Die einzigen, die an diesem Szenario Interesse haben können, sind die USA, die keine direkten wirtschaftlichen Ziele in der Region verfolgen, sondern geostrategisch eine Destabilisierung und Einkesselung Rußlands wollen, ein Wunsch, den einige Falken in der EU wohl teilen. Eine Flanke ist natürlich der Raketenschild, der nur gegen Rußland gerichtet sein kann, und jetzt der Versuch, die russische Marine vom Schwarzen Meer abzuschneiden. Putin reagiert mit militärischer Logik und sichert die Krim, völkerrechtswidrig. Aber an sowas haben uns ja die Amis nun wirklich gewöhnt.

Heiß wird es jetzt, da die Ukraine im Laufe des Mittwochs das NATO-Beitrittsgesuch auf den Weg gebracht hat. Was sagen eigentlich die NATO-Statuten, falls es zum Beitritt kommt? Ist die Krim dann der "Verteidigungsfall"?

Addendum:

Heute geht es dann auch mal langsam in die Medien, mit 24 Stunden Verspätung. Es wird nicht übersichtlicher. Der estonische Außenminister Paet dementiert, einen Verdacht gegen die Opposition geäußert zu haben (da haben wir allerdings das Gegenteil auf BAND). Die von Paet zitiert Ärztin Bogomolez wiederum dementiert, das gesagt zu haben, was Paet an Ashton berichtete, laut der Sueddeutschen (leider kein Link, Leistungsschutzrecht).

Wird nicht klarer.

Mittwoch, 5. Februar 2014

Kalte Krieger

quickmeme.com
Hey, nein, ich bin kein Freund von Janukovic, ich mag auch Putin nicht besonders, wenn ich ihm auch eine gewisse Meme-Eignung nicht absprechen kann. Was ich noch weit weniger mag: Primitive Kalte-Kriegs-Propaganda auf allen Kanälen und auch noch von mir finanziert. Die Doppelmoral unserer Medien und unserer Politiker sprengt derzeit jeden Rahmen. Dabei bedient sie sich einer Plumpheit, daß eigentlich nur noch final verstrahlte Staatsinsassen darauf anspringen können.

Am Beispiel Ukraine wird das besonders deutlich. Da wird über deren neue Demogesetze berichtet, die seien "undemokratisch". Sachen wie Vermummungsverbote sind tatsächlich undemokratisch, das hat aber niemanden gehindert, vor knapp dreißig Jahren eines bei uns einzuführen. In Kanada kann man als vermummter Protestler für zehn Jahre in den Knast wandern, und letztes Mal, als ich guckte, zählte man Kanada noch zu den "westlichen Demokratien". Dito die Versuche der ukrainischen Polizei, die Situation über Sicherheitszonen in den Griff zu bekommen - dort ist das "pfui", bei uns in Hamburg aber irgendwie dann doch demokratisch.

Dank unserer Medien habe ich keine Ahnung, was in Kiew genau los ist (außer, daß mir die Opposition, die sich aus Kryptofaschisten, Ultranationalisten und Wirtschaftslibertären auf Crack zusammensetzt, womöglich noch unsympathischer ist als die derzeitige Herrschaft dort), denn ich bekomme Propganda serviert, die genau nach dem stinkt, was sie ist: Primitive Scheiße, und man mag mir die Vulgarität verzeihen, sie ist leider die genaue Bezeichnung dafür. Machen wir uns nix vor: Würde die außerparlamentarische Opposition in solchen Zahlen gegen unsere Regierung mit vergleichbaren Mitteln vorgehen, sähe es in Berlin nicht anders aus als in Kiew.

Das kotzt mich wahrscheinlich am meisten an. Nicht, daß Medien und Politik uns nach Strich und Faden bescheißen, um ihren kalten Krieg gegen Putin zu führen, sondern die Primitivität, die verrät, für wie blöd sie uns mittlerweile halten.

Donnerstag, 29. August 2013

Burn, Baby, burn!

Folgen wir mal dem offiziellen Denken. Assad hat Chemiekampfstoffe von deren Anwendung er nur eines sicher weiß: Er kriegt richtig Ärger. Was besseres kann den verschiedenen aufständischen Gruppen gar nicht passieren. Er wirft die Chemiekeule und die Cruise Missiles werden fliegen.

Die natürliche Reaktion des finsteren Tyrannen ist ein Gelächter voll Hohn und die Einladung von Giftgasinspektoren der UN. Danach erfolgt der massive Einsatz von chemischen Waffen. Keine 12 km von seiner Kommandozentrale entfernt. In einem Gebiet, das hart umkämpft ist, in dem seine Truppen ebenso stehen wie der Gegner und dessen Bevölkerung eigentlich loyal ist (wie die Mehrheit in Syrien angeblich immer noch). Militärisch hat der Anschlag keinen Wert.

Klar soweit? Nicht den Kopf schütteln, ja? Das wird in den Medien rauf und runter gebetet, sie verschleiern den Irrsinn nur etwas und lassen das höhnische Lachen weg.

Mittwoch, 28. August 2013

Der Fötengrill

Krieg! Krieg! Es klirren die Waffen,
dem Rechte den Sieg zu errringen.
Die Medien folgen, lausige Affen
die das Lied voller Lügen singen.
Uns're Banner knattern im Freiheitswind,
Schiffe liegen an fremden Gestaden.
Nun siehst es auch du, du Syrerkind,
dessen Lutscher wahrscheinlich geladen:
Es rufet die Freiheit, es blutet das Recht,
und du stehst am falschen Orte.
Die "Wahrheit" ist nur noch ein buckliger Knecht,
doch uns, uns fehlen die Worte.

Okay, okay, ich gebs zu: Ich hasse Lyrik, ich mache sie verächtlich, weil ich es selbst so überhaupt nicht kann. Angesichts der unglaublichen Verdrehung der Fakten durch John Kerry und diesen Clown, der den französischen Außenminister mimt, angesichts des Bulldoggengegeifers dieser britischen <censored>, die sich Demokraten schimpfen, angesichts all dessen bin ich jedoch sprachlos, d.h. meiner Sprache beraubt. Im Wortsinne.

Ja, hier sollte eine lange Analyse stehen, mit bissiger Polemik, wie es mir geziemt, und wozu ich mich aufraffen kann, ist nur noch Kopfschütteln in Sprachlosigkeit und ein halbes Pfund Gereimtes.
Es sei »unbestreitbar«, daß hinter dem mutmaßlichen Giftgas-Angriff vom vorigen Mittwoch die syrische Regierung steckt, verkündete US-Außenminister John Kerry mit einer selbstsicheren Unfehlbarkeit, die traditionell nur den Päpsten zukommt, aber von diesen immer weniger in Anspruch genommen wird. Wer an diesem Urteil zweifelt, müsse sein Gewissen und seinen moralischen Kompaß überprüfen, setzte Kerry hinzu. Indizien, geschweige denn Beweise, hat die US-Regierung bisher nicht vorgelegt, wie Rußlands Präsident Wladimir Putin am Montag korrekt feststellte. (Quelle)
Was soll man zu diesem Statement äußern außer Fassungslosigkeit? Ich lache oft und ich lache bitter, wenn ich Nachrichtensendungen sehe oder Zeitungen lese, aber ganz allmählich kann ich nicht mehr. Die geben sich noch nicht einmal mehr die Mühe, Beweise zu fälschen.

Parallelen zum Kosovo-Krieg werden gezogen. Die stimmen (und die habe ich schon vor einem Jahr gezogen, als ich sagte, der Syrienkrieg sei in der Mediendarstellung "thematisch sehr ähnlich angelegt"). Das war der Krieg, der Deutschland nach Jahrzehnten wieder zum Aggressor auf dem Balkan machte, unter Führung eines grünen Außen- und eines "sozialdemokratischen" Kriegsministers. Die Folgen sind bis heute nicht ausgestanden. Damals mußten dieselben Argumente herhalten.

Wie gut, daß der eminente Hermann L. Gremliza 2000 eine Vivisektion vorgelegt hat: Die Medien und der Krieg oder Rudolf Scharpings Fötengrill.

Er hatte die Worte, die ich nicht mehr finde.

Addendum: Ich hab das unkommentierte Quellenlink zum Bild mal herausgenommen. Es ist nicht bürosicher (leider muß man das so sagen), denn es führt zur DKP bzw. zur SDAJ. Ist trotzdem ein gutes Plakat, und hier ist das Link.

Dienstag, 7. Mai 2013

Putin als Gradmesser für Informationsgehalt

Veritas est adaequatio intellectus et rei.

Interessant. Heute ist der Jahrestag von Putins Wiedereinführung als Präsident Russlands. Natürlich ist das den europäischen Hauptnachrichtensendungen einen Beitrag wert. Vergleichen wir doch einmal, wie es so zugeht, in den "Qualitätsmedien."

Hier ist der Beitrag, der um 19:00 in heute lief und zum Vergleich schauen wir auf den analogen Beitrag der Schweizer Tagesschau von SF1 um 19:30. Beide sind sehr kritisch gegenüber der Putin-Administration, was ein legitimer Standpunkt ist.

Trotzdem angucken und in beiden Beiträgen die überprüfbaren  Tatsachen im Vergleich zu den Tatsachenbehauptungen zählen. Wie immer, wenn es um Rußland geht (oder Venezuela, Iran, Syrien etc. pp.), spielt das ZDF munter auf der Gefühlsklaviatur. Die schweizer Kollegen geben dem Zuschauer ein wesentlich nachprüfbareres Bild und kommen ohne das Unheilsraunen aus, das so oft durch die deutschen Medien wabert.

Kurz gesagt: Gefühlspropaganda vs. differenzierte Fakten.

Wobei Frau Gellinek natürlich ein besonderes Exemplar ihrer Zunft ist, wenn sie mit leichtem Tremolo als Opener beschreibt, wie die Polizei den Präsidentenpalast vor Demonstranten abschirmt und dies als Brücke zu ihrer Fabel vom gärenden Volkszorn nutzt. Ja, wie bedrohlich, meint Papa vom Sofa, und Ma'at verschluckt sich an einem halben Grimm.

Frau Gelinek, was meinen Sie, wo würde die deutsche Polizei stehen, zögen Demonstranten vor dem Kanzleramt auf?