Donnerstag, 29. August 2013

Burn, Baby, burn!

Folgen wir mal dem offiziellen Denken. Assad hat Chemiekampfstoffe von deren Anwendung er nur eines sicher weiß: Er kriegt richtig Ärger. Was besseres kann den verschiedenen aufständischen Gruppen gar nicht passieren. Er wirft die Chemiekeule und die Cruise Missiles werden fliegen.

Die natürliche Reaktion des finsteren Tyrannen ist ein Gelächter voll Hohn und die Einladung von Giftgasinspektoren der UN. Danach erfolgt der massive Einsatz von chemischen Waffen. Keine 12 km von seiner Kommandozentrale entfernt. In einem Gebiet, das hart umkämpft ist, in dem seine Truppen ebenso stehen wie der Gegner und dessen Bevölkerung eigentlich loyal ist (wie die Mehrheit in Syrien angeblich immer noch). Militärisch hat der Anschlag keinen Wert.

Klar soweit? Nicht den Kopf schütteln, ja? Das wird in den Medien rauf und runter gebetet, sie verschleiern den Irrsinn nur etwas und lassen das höhnische Lachen weg.


Assad hört an diesem Punkt immer noch nicht auf. Er läßt zu, daß die UN-Inspektoren auch den aktuellen Schauplatz aufsuchen, was so nicht geplant war. Und dann, in der... ah... Logik eines John Kerry oder eines beliebigen anderen der Brandstifter, die gerade durch die Weltgeschichte taumeln, dann läßt Assad die Inspektoren beschießen.

Hier ist übrigens ein kleines Detail am Rande: Als die UN bat, den Schauplatz aufsuchen zu dürfen, hat die Regierung Assad in weniger als 24 Stunden zugestimmt. Wurde so nicht berichtet, sondern ganz anders. Außenminister Kerry log ohne rot zu werden, was von mehreren Tagen zusammen.

Und? Kopfschmerzen?

Das ist der Schwachsinn, der uns ohne Hinterfragen von deutschen Qualitätsjournalisten, deren Aufgabe dieses Hinterfragen sein sollte, in Dauerschleife in den Hals gestopft wird. Ich bins gewohnt, daß die Regierungen uns anlügen, aber daß diese Halunken mir dann noch empfehlen, "meinen moralischen Kompaß neu zu justieren", weil ich ihnen ihre bizarre Welt nicht abkaufe, hat mir gestern die Luft abgestellt.

Let's get real

Cui bono - wem nutzt es? Da gibt es viele mögliche Nutznießer, aber es gibt einen, dem ein solches Vorgehen auf alle Fälle schadet: Assad. Den können wir streichen. Und nur den. Aber sehen wir uns doch einfach mal die Vorgeschichte an:

Im Juli 2012 berichtete der ARD-Weltspiegel, daß Katar und die Saudis die Rebellen finanzieren und bewaffnen. Ebenso zeigte das Magazin, wie die türkische Regierung besagte Ausrüstung nach Syrien einschmuggeln läßt und berichtete, wie die CIA die Rebellen ausbilde.

Im Januar 2013 geschah etwas, was ein weiteres Puzzlestück darstellen könnte: Ein Hacker leakte die Daten, die er dem Sicherheitskontraktor Britam Defence aus seinen augenscheinlich lausig gesicherten Servern gezogen hat. Darin fand sich auch eine eMail mit möglichem Bezug zum derzeitigen Vorfall (Original im o.a. Link):
Wir haben ein neues Angebot. Es geht wieder um Syrien. Die Katarer schlagen einen attraktiven Deal vor und schwören, die Idee sei von Washington abgesegnet. Wir sollen eine CW [mögl.: chemical weapon] nach Homs liefern, eine sowjetische g-shell [mögl.: Granate] aus Libyen, ähnlich denen, die Assad haben sollte. Sie möchten, daß wir unsere ukrainischen Mitarbeiter einsetzen, die Russisch sprechen und das auf Video aufzeichnen sollen. Ganz ehrlich halte ich das nicht für eine gute Idee, aber die vorgeschlagenen Summen sind enorm. Was ist Deine Meinung?
Im Mai 2013 ereignete sich etwas, was hier komplett unter dem medialen Radar durchgewunken wurde: Im Norden der Türkei hoben Sicherheitskräfte eine Rebellengruppe von Al-Nusri aus, die wohl mit Al Quaida verbandelt sein soll. Das Pikante: Die Jungs hatten mal so eben einen ordentlichen Zylinder Sarin-Gas im kleinen Terrorgepäck

In der Türkei war die mediale Erregung sehr groß, die Regierung in Ankara dementierte den Fund später. Deren Haltung gegenüber dem Assad-Regime ist jedoch erkennbar feindselig.

Einige Tage vorher hatte sich auch die UN-Sonderbeauftragte del Ponte zu Wort gemeldet, eine aufrechte Schweizerin, die sich schon 1999 unbeliebt gemacht hatte, als sie als Anklägerin am internationalen Gerichtshof ihre Bereitschaft erklärte, NATO-Personal für Verbrechen im Kosovo-Krieg ggf. anklagen zu wollen. Im Mai 2012 machte sie sich weitere Freunde, als sie als Mitglied der entsprechenden Untersuchungskommission sagte
Es gibt starke, konkrete Vermutungen, aber noch keinen unbestreitbaren Beweis, dass Saringas eingesetzt wurde und dies von Seiten der Opposition, nicht der Regierung.
Sowohl die UN, als auch die USA distanzierten sich prompt von ihr, aber mal ganz ehrlich - ein Maßstab für Unvoreingenommenheit ist die Obama-Administration nun bestimmt nicht. Del Ponte hat ihre Aussage bekräftigt, definitiv im Zusammenhang mit den jetzigen Vorfällen.

In der Zwischenzeit in der Dimension Gaga...

Da ist zunächst dieser glubschäugige Zwerg in #10 Downing Street, der mit seiner Außenbulldogge wüste Drohungen im Duett ausstößt (dramatisierte Darstellung) und dem es gar nicht schnell genug gehen konnte. Seit heute nacht rudert er zurück und will zunächst einmal doch die Untersuchungen abwarten.

Mmmh. Woher der plötzliche Sinneswandel? Vielleicht weil die Gerüchte wahr sind und die "Beweise" nicht mehr sind, als ein paar Lauschprotokolle des israelischen Geheimdienstes, wie der Guardian berichtet, den ich für eine derzeit "gut unterrichtete Quelle" halte? Das läßt sich nun schwer in die PR einbringen - Beweise die soooo unmanipulierbar aus sooooo unabhängiger Quelle kommen.

Okay, die britische Führung tastet sich also durch die Finsternis ihres eigenen Verstandes. In die Lücke zielt nun genau dieses sympathische, etwas weiche Knäckebrot, das glaubt, in der NATO was zu sagen zu haben, wissens schon, der Rasmussen. Er bringt die NATO nun als Player ins Spiel. Bündnisfall, ick hör Dir trapsen (ich glaube, selbst das würde der Merkel nicht die Wahl versauen).

Ich weigere mich, in diesem Zusammenhang über die französische Regierung zu sprechen. Die existieren für mich nicht mehr.

Über allem schwebt natürlich unser bewunderter Friedensnobelpreisträger mit dem dauerjuckenden Drohnenabzugsfinger. Was oder wer den reitet, kann nun wirklich keiner mehr beurteilen. Die USA wollen nun also eine "begrenzte Strafaktion". Übersetzt bedeutet das, wir schicken Schiffe hin und ballern zwei Nächte lang auf das Land. Ach ja, falls die Sowjets schon diese Babies geliefert haben, könnte das schwerer werden als erwartet.

Schlagen wir noch einmal die Volte zum Anfang dieses kleinen Artikels und folgen wir ihrer Logik, nehmen wir ihre Weltsicht als gegeben hin. Dann haben wir Folgendes:

a) Assad tötet Syrer mit chemischen Waffen.
b) USA / F / UK töten Syrer mit Raketen und Bomben.

Ja. Laß das dem Assad eine Lehre sein. Das pädagogische Konzept dahinter möchte ich sehen. Oder ist es ganz einfach so, daß manche Menschen gerne die Welt brennen sehen würden? 

Einen Schritt weiter sind sie schon, falls es denn der Fall sein sollte: Nicht nur sind Israel und Iran sind bereits kampfbereit, und im Libanon wachsen die Spannungen, nein auch die Russen sind nicht abgeneigt, ihre Interessen in der Region militärisch zu vertreten: KPRF regt Überlegungen zu verstärkter militärischer Präsenz Russlands im Mittelmeer an.

Wie schön. Die Amis und ihre billigen Willigen rüsten Fanatiker aus und auf und schaffen es sogar, die Kommunisten mit Putin zusammenzubringen.

Was kann da schon passieren? 









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