Mittwoch, 23. Oktober 2013

Eine ganz kleine Bitte.


In den vergangenen Wochen wurde mehrfach Vieh von den Weiden gestohlen. Eier, eine Axt und Brennholz wurden entwendet. Nachdem die Abenteurer die Schauplätze gesichtet haben, können sie eine Fährte finden, die sie in den tieferen Wald hineinführt. Finden Sie die Spuren nicht, so können ihnen die Dorfbewohner berichten, in welche Richtung der Unhold geflüchtet ist.
Man kann die Spannung mit dem Messer schneiden, endlich den EIERDIEB zu erwischen. Episch! Das ist der Grund, warum ich ein eskapistisches Hobby wie Rollenspiel betreibe: Um - übrigens ganz im Dienste der  real herrschenden Wirtschafts- und Sozialordnung - verfi$%"!§ten Mundraub (besser bekannt als "Verbrauchsmittelentwendung") aufzuklären! (Den Spielerleistungsentwertungsteil ignoriere ich jetzt einfach mal, wirklich, im Gesamtkontext macht das überhaupt nix.)

Das stammt aus einem von mehreren ähnlichen offiziellen "EinführungsABENTEUERN" (Hahahahahaha!) eines deutschen RSP-Verlags, den wir ungenannt lassen wollen. Nur soviel: Mit DSA hat das nix zu tun, die bücken sich anders nach Seife.
Als Dank und Lohn erhalten die Abenteurer ein rauschendes Dorffest, einige Kupfermünzen und ein Schwein, sowie ein paar Hühner, Brot, Käse, eine Wurst und Eier. Genug um davon 10 Tage zu leben und das Schwein auf dem nächsten Markt verkaufen zu können. Selbstverständlich können die Abenteurer auch weitere sieben Manntage von dem Schwein leben, wenn es geschlachtet und gegessen wird.
AAARGGGHHLLLL. Mir sind gerade zwei Adern im Hirn geplatzt. Sollte es zu oddografischen endglaisunken koman, lüget es nigt am Bir!

Liebe, äh, "Abenteuerautoren". Das Ziel eines "Einführungsabenteuers" ist NICHT, es sich einzuführen. Ich weiß, die Begrifflichkeiten sind mißverständlich, die Situation ist verlockend, niemand, wirklich niemand schaut zu, aber glaub mir das einfach mal. Es. Ist. Nicht. Das. Ziel. Es ist auch nicht das Ziel, die Opfer Mitspieler in ein unkontrolliertes Wachkoma zu "stimmisieren".

Das Ziel, Du.... Autor... (ja, da sollte was anderes stehen) ist es, neue Mitspieler über, ich wiederhole: über dem Entwicklungsstand eines Kleinkindes zu begeistern. BEGEISTERN! Können wir also diese zu Druckerschwärze geronnenen Stimmungsdurchfälle kollektiv hinters Haus führen, erschießen, verbrennen und ihre Asche in alle Winde zerstreuen, auf daß sie vergessen werden und nie wieder Leute vom Rollenspiel ABZUHALTEN vermögen?!

Hochachtungsvoll.


Kommentare:

TheShadow hat gesagt…

In eigener Sache: Eierdieb. http://www.ngz-online.de/neuss/nachrichten/einmal-auf-dem-eierdieb-sitzen-1.2974344

Die Möwe hat gesagt…

Hahahaha! Die sind echt geil! Wie man so kleingeistig sein kann, ist schon der Hammer. Deutsches Provinz-Rollenspiel.

Prisma hat gesagt…

Mein Gott, das sind ja Kracher die an Epik nicht zu überbieten sind! Und dazu, diese legendären Belohnungen. Phantastisch!

Zornhau hat gesagt…

Es gibt nun einmal Leute, die MÖGEN diese Art von extrem-UN-epischen "Bauerngämings".

Das liegt sicher auch an einer Schädigung des Phantasiezentrums der Betroffenen, die durch langjähriges Einwirken monokulturellen "Meister-Spiels" und damit verbundenen Spielerkleinhaltens entstanden und vertieft worden ist.

Aber auch in anderen Spielbereichen ist ja das "Farming" und das "Crafting" für viele, viele Spieler der virtuelle Ersatz für den Schrebergarten geworden.

Somit sind dann auch Eierdiebe echte "Unholde" und ein ganzes Schwein für den geübten Heimschlachter ein gefundenes Fressen.

"Abenteuer-Autoren" liegen bei den Verfassern solchen Spielmaterials aber NICHT vor! - Es sind KEINE Abenteuer! Und die Selbstwahrnehmung als "Autor" ist ein sicheres Anzeichen für Selbstüberschätzung und brutalst festgeschriebene Plot-Einschienenbahn.

Jedoch: Solange sich solche Szenarien tatsächlich VERKAUFEN, solange wird es eben auch derartiges Angebot geben.

Abenteuer? Ihr wollt ABENTEUER? - Ihr könnt doch echte ABENTEUER gar nicht ERTRAGEN!

Wer gewohnt ist den abgehärmten "Unhold" von Eierdieb zu stellen, der die Eier für seine kranke Großmutter stiehlt, auf daß sie besser genesen möge, der kippt doch bei einem wirklich EPISCHEN Abenteuer vom Stuhl vor Aufregung.

Alex hat gesagt…

Nachdem ich seit kurzen bei RSP-Blogs gelistet bin und ich eigentlich regelmäßig Abenteuer veröffentlichen will, hab ich den Blogteil mit einem generischen Einführungsabenteuer begonnen. Zu finden unter http://hackinglifestyle.de/rollenspielabenteuer-verschwundene-kinder/

Ist mein Abenteuer besser oder schlechter als das genannte? Was ist daran gut, was könnte ich besser machen? Verreißt es, lobt es, gibt ihm Tiernamen. ;)

lars_alexander hat gesagt…

Das mit dem Eierdieb ist doch nur der Aufhänger, um ahnunglose und naive Abenteurer in die Dorfgemeinschaft zu locken. Bei dem anschließenden Fest entpuppen sich die Dörfler als Kultisten eines großen alten Gottes und stellen die Abenteurer in den Mittelpunkt ihrer kultischen Handlungen.

Moritz hat gesagt…

Puh! Ich bin gerade nur froh, mich nicht erinnern zu können, das mal geschrieben zu haben!

TheShadow hat gesagt…

Hast Du nicht, oder sind das nur die gnädigen, schwarzen Schwingen einer Amnesie? ;)

Anonym hat gesagt…

Meckermecker! besser machen statt meckern.

Ein Jünger des Meisters hat gesagt…

Er macht es besser, deshalb darf er sich auch so echauffieren. Das mit dem Eierdieb ist wirklich zu peinlich und kann kein Aufhänger für irgendwas sein. Bisher hab ich Bauerngaming immer weit oberhalb dieser Liga angesiedelt.

TheShadow hat gesagt…

Ich muß ja eigentlich nicht kochen können, um schlechtes Essen zu erkennen, aber zum Glück bin ich als Koch ganz in Ordnung.

Anyway, die Kritik von Anon ist durchaus nicht ohne, hier folgt noch ein etwas konstruktiverer Artikel mit Beispielen. Was mir umso leichter fällt, da ich erst Anfang des Jahres ein Abenteuer spielen durfte, das sich eben ideal auch als Einsteigerabenteuer eignen würde.

Die Möwe hat gesagt…

@Zornhau: “Bauerngayming“ schreibt man nicht mit “ä“. Wie würde das denn klingen?

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