Mittwoch, 16. Oktober 2013

Jogis Escort Service

Nehmen wir mal das Positive mit: Es war eine spannende, ansehnliche Partie mit einer brillanten deutschen Offensiv-Phase in der zwoten Halbzeit. Wenn ich Bela Rétys (oder wie der sich schreibt) Kehlkopfdurchfall ausblenden kann, weiß ich, daß ein Spiel gerade Klasse erreicht hat.

Was noch? Die deutsche Elf hat nach dem 0:2 Rückstand nicht den sonst üblichen Eindruck hinterlassen, nun im Sitzkreis eine Traumatherapie zu benötigen. Arschbacken zusammen, Anschluß - Ausgleich - Führung! Geht doch. Und es sah auch stellenweise gut aus.

Hab ich was verdrängt? Ach ja. Die Abwehr. Die gar keine ist, sondern ein Escort-Service, einer von der teuren Sorte: Kultivierte Begleitung, Anfassen verboten. Die ersten zwei Durchbrüche der Schweden resultierten in zwei Toren, und für das dritte benötigten sie dann auch nur zwei Anläufe. Dabei war Ibrahimovic gar nicht dabei, das war nicht einmal die beste Auswahl an Schwedenhappen.

Insofern hat nix geändert - unser Abwehr ist de facto seit zwei Jahren oftmals nicht existent, was dazu führt, daß fast jeder halbwegs entschlossen geführte Gegenangriff erfolgreich abgeschlossen wird. Neuer hat sich heute nicht mit Ruhm bekleckert, sicher, aber bei dieser Scheunentormentalität der Defensive hätte es auch ein Weltklassekeeper schwer.

Was auch nicht klappt: Umschalten und schnelle Konter fahren. Wenn unsere versuchen, auszuschwärmen und den sich rückwärts bewegenden Gegner zu überlaufen, wirken sie so koordiniert wie ein Bienenschwarm unter einem Mobilfunkmast.

Ich habe ja wenig Hoffnung, daß sich das in den nächsten acht Monaten ändert: Jeder hats mal wieder schön geredet mit Tageslaune und / oder damit, daß man mehr Tore schieße, als man fange. Gegen Italien und Spanien sowie die Oranjes in ihrer derzeitigen Form will ich das erstmal sehen - das war Schweden verdammt nochmal! 5:3. Ohne, daß Ibrahimovic dabei war.


1 Kommentar:

HR hat gesagt…

Mit Béla Réthy würde ich gern mal auf einer gepolsterten Gartenbank sitzen und mich über dies und das unterhalten, nur nicht über Fußball. Dessen Wortbeiträge sind manchmal nicht zu ertragen und trüben den Genuß eines spannenden Spiels, wie das hier beschriebene, erheblich. Ich halte es mitlerweile wie dermaleinst mein Vater als er noch jung war und die TV-Bilder schwarz-weiß. Ich schalte den Fernsehton aus und höre stattdessen die Übertragung im Radio. Das macht deutlich mehr Freude.

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