Donnerstag, 26. Juni 2014

"Cacatum non est scriptum!"

Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können: Das macht den Journalisten. (Karl Kraus)

Der Schirrmacher ist nicht mal richtig kalt, aber anscheinend lassen sie schon jeden Journalistendarsteller ins Feuilleton der FAZ. Ich weise übrigens abermals darauf hin, daß "Journalist" sich jeder nennen darf, der Lust dazu hat. Einer Qualifikation dazu bedarf es nicht, Mentalleistungen müssen auch nicht nachgewiesen werden. Das nur am Rande.

Gabor Steingart hat sich also zur FAZ verirrt und Dinge zum Leistungsschutzrecht abgesondert. Gut, die FAZ hat eine klare Linie, klar, aber ausgerechnet den Steingart lassen sie da in die Tastatur krümeln? Der war mal 'ne Nummer beim ehemaligen Nachrichtenmagazin und ist jetzt Betreuer beim Handelsblatt, der Apothekenrundschau für Kleinsparer.

Das Leistungsschutzrecht, bzw. die Auswirkung desselben nimmt ja derzeit regelrecht bizarre Züge an. Die Verlage wollen Kohle, wenn Google Texthappen als Anreißer anzeigt und auf Artikel verlinkt. Google hat mit den Schultern gezuckt und mitgeteilt, wer solches wolle, könne sich ja dann bei Yahoo oder AOL verlinken lassen (Paraphrase) und die Verlage aus den Links geschmissen. Natürlich rauschen den Verlagen jetzt die Klickzahlen nach unten. Und was machen die Verlage? Klagen gegen Google, um eine Verlinkung bei Google durchzusetzen, die ihnen a) Klicks bringt und für die b) Google dann auch noch zahlen soll. Ehrlich.

Ich bin kein Googlefreund, aber hier läuft einiges schief.

In diese wirre Debatte nun stößt Steingart mit einem moralischen Aufrüsttext von geschätzten 15.000 Anschlägen (auf den gesunden Menschenverstand). Er schmeißt sich in die Pose des Revoluzzers, tönt "Unsere Waffen im digitalen Freiheitskampf" in der Überschrift, fabuliert von "Tyrannensturz", "Befreiung", "Feudalherrschern" und zitiert ausgiebig Étienne de La Boëtie, nur um zu dokumentieren, daß er ihn genausowenig versteht, wie das Konzept von Google.

Das ist von jener pimpeligen Wurstigkeit, die bei Wikiquote Zitate zusammen sucht, um den klassischen Bildungsbürger darstellen zu können. Eine lächerliche Schmähschrift, die von digitaler Freiheit lallt, dabei aber alleine die Kapital- und Machtinteressen der Verleger im Sinne hat.

Nix neues soweit. Desinformation, Anbiedern, Nichtdurchdringung des Problems, das sind wir vom deutschen "Qualitätsjournalismus" ja gewohnt, eigentlich. Eigentlich. Bis auf diesen Satz:
Von den vielen Millionen deutschen Dokumenten, die das Google-Archiv auf seinen Servern bereithält, stammt kein einziger Text von einem Google-Mitarbeiter, sondern alles, was da an Artikeln begeistert, polarisiert, langweilt oder einfach nur informiert, ist von den Autoren deutscher Verlage in deutscher Sprache erstellt worden.
Ich weiß nicht, ob und was die bei der FAZ rauchen, schnüffeln, saufen, spritzen, wirklich nicht, will ich auch gar nicht. Aber das steht genauso da. Steingart ist der Meinung, alle deutschen Texte im Internet seien von Mitarbeitern der Verlage erstellt. Alle Texte.

Er meint wirklich alle.

Das übersteigt jede Grenze von Lächerlichkeit und Unverschämtheit um ein Vielfaches. Eine deutsche Zeitung darf sowas abdrucken und sich weiterhin als "Qualitätsmedium" mit "schützenswerten Leistungen" verstehen.

Paywall! Paywallpflicht für alle diese Schmierfinken! Und möge Google sie auf ewig ignorieren!

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