Dienstag, 12. November 2013

Die ideale Einsteigerbox

Wie mag sie aussehen? Wie kann man Neulinge ans Spiel heranführen, ohne sie mit ellenlangen Regeln zu überfrachten, abzuschrecken mit einem Leseaufwand, den man sonst für eine Prüfung absolvieren muß? Pathfinder, das neue Star Wars-Spiel von FFG und auch schon Aborea haben das versucht, aber zwingend überzeugend ist nichts davon. Die PF-Box ist mMn noch das Beste in dieser Richtung, erfordert aber vom SL einen gewaltigen Leseaufwand.

Ausgehend von dieser Diskussion: Meine ideale Beginner-Box nähme die noch nicht vollständig durchdachten Konzepte von Edge of the Empire und der PF Beginner Box und führte sie konsequent zu Ende. Sie baute auf einem System auf, das LabLord bzw. DSA1 nicht an Komplexität übersteigt. Ideal erscheint mir ein LL, das die Idiosynkrasien (TW-Matrix, sinkende RK etc.) ausbügelt. Die meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind mit CRPGs vertraut, und kennen daher die grundlegenden Konzepte.



Zum Direkt Losspielen sind wären in der Box:
  1. Der Zettel: DIN A4 der grundlegend RSP erklärt, die Differenz SL / Spieler, die Reihenfolge und den Inhalt des Materials, das in der Box liegt. Viele YOU DON'T HAVE TO READ THAT NOW Hinweise sind Pflicht, um das Gefühl der Überwältigung abzumildern..
  2. Spielerbögen: Schickes Bild, schicker Name. Enthalten ist eine Erklärung aller Werte an den jeweiligen Werten (das kannst Du mit der Eigenschaft der Figur machen, und so geht das) - Spielerwissen auf einem Din A4-Bogen.
  3. Spielerpöppel: Eine AD&D-Box Ende der 90er hatte schöne, billige Plastikfiguren. Was zum Anfassen. Muß rein für das Gefühl ein "Spiel" zu kaufen.
  4. Tiles: Wirklich einzelne Tiles zum Auslegen des Startabenteuers. 
  5. Pappaufsteller: Die NSC des Einstiegsszenarios. Mehr haptisches Material. 
  6. SL-Heft: Eine Seite mit den Aufgaben des SL, ohne den ganzen Kram wie "designen von Abenteuern" etc. Das Einstiegsabenteuer. Bitte NICHT generisch, sondern mit spezifischem Geschmack des Settings und einer originellen Idee (KISS - Twist - Curveball). Überblick des Geschehens. Encounter-Format je eine Seite mit Skizze und Übersicht von Handlungsoptionen. Eine moderne Variante des betreuten Gruppenabenteuers aus der Red Box. Wichtig: Der SL kann es leiten, während er liest.  Kurzes Einlesen in den Encounter - Präsentieren - Spielen - Auflösen - nächstes Einlesen. Die intendierten Abnehmer haben keine Ahnung von RSP, daher stört das zu diesem Zeitpunkt noch nicht übermäßig.
  7. Würfel: Box ohne = Big NoNo!
Bisherige Zeitinvestition: 10 - 15 Minuten und wir sind am Spielen. Das ist auch nicht schlechter als ein neues Brettspiel.

Weiteres Material in der Box
  1. Abenteuerheft: Weitere Szenarien, die auch inhaltlich verzahnt sind, den Schurken aus dem Tutorialabenteuer wiederaufnehmen etc., um das Fortlaufende einer Kampagne zu vermitteln. Das erste Szenario kann genauso gespielt werden wie das Tutorial, d.h. Lesen beim Spielen. Das zweite Szenario führt dann die SL-Vorbereitung zum Wohle des Spielflusses ein. Das dritte Szenario schaltet schließlich den kompletten Regelsatz "frei", erfordert also das Studium des Regelheftes. Jedes dieser Szenarien ist wieder "betreutes Leiten" und beleuchtet jeweils neue Aspekte des SL-Daseins.
  2. Regelheft: Nicht mehr als 48 Seiten. Besser noch 32 Seiten. Sollte eigenständiges Spielen erlauben. 
  3. Flip-Mat: Vorderseite mit dem Plan zum ersten Szenario des Abenteuerheftes. Rückseite frei. (DAS Gimmick aus der PF-Box).
Bei den eingangs erwähnten Beispielen Edge of the Empire und PF finde ich sowohl die System zu kompliziert, als auch die SL-Einweisung stellenweise didaktisch minderwertig mit Punktsieg für PF. Die Abenteuer sind fade. Sonst machen die schon sehr viel richtig. Prinzipiell müßte beim Design-Team ein guter Didaktiker dabei sein, der keine Ahnung von RSP hat und somit auch keine unausgesprochenen und unbewußten Annahmen zur Thematik. Ein Medien-Designer mit pädagogischem Hintergrund könnte auch sehr helfen.

Betreuung direkt danach
  • Forum - Facebook - Google Hangout mit Supportern
  • Ein weiterer Band mit 4-6 Kurzabenteuern (eines pro Session spielbar).
  • Ein längeres (zwei bis drei Sessions) Modul für Charaktere auf dem Machtniveau nach Absolvierung der Grundbox.
  • Einzelne Kurzabenteuer kostenlos (aber BITTE keine Eierdiebe).
Danach sieht man weiter. Aber wer produziert so eine Box, die wahrscheinlich um die 60,-- kosten dürfte? Und vor allem: Wer bringt sie in die regulären Spieleläden mit schickem Display?

Aber träumen darf man ja.



Kommentare:

McGoldi hat gesagt…

Tja das hört sich nach Utopia an, aber so ein Set würde mir auch gefallen. Aber wenn man wirklich was für die Gemeinschaft tun will, müsste man sicherlich am Besten mal in die Kindergärten und Vorschulen schauen. Wenn man dort Rollenspiel auf entsprechendem Niveau anbieten bzw. durchführen würde, könnte man den Stamm der Spieler auf Dauer wieder anheben. Und ich stelle es mir ganz bezaubernd vor, ein Konzept für diese elitäre Gruppe an Phantasiebegabten zu erstellen. Das sind dann Figuren mit vielleicht nur einer Fertigkeit und die Betreuerin ließt die Geschichte vor und löst die Plots auf. Hätte so ein bisschen was von den Teletabbies nur mit mehr Aktion :o)

Anonym hat gesagt…

McGoldi, sowas gab und gibt es bereits. Nannte sich Abenteuerspielebücher.

Der Einsame Wolf ist sowas, allerdings für ältere.

greifenklaue hat gesagt…

Das kostet ja nicht nur - das kostet ja auch gewaltig Mannpower.

Ich persönlich halte SW oder PF, auch DS und Aborea schon, je nach Zielgruppe, durchaus gute Ansätze und bei DS/PF seh ich durchaus auch persönlich, wie es Neulinge begeistert.

Khouni hat gesagt…

Für mich war immer das HeroQuest-Brettspiel die beste Rollenspieleinstiegsbox, die ich in DE kaufen konnte. Es hat gar nicht lange gedauert, bis wir neue Regeln ergänzten und neue Szenarien erfanden und den Bodenplan verließen, um auch "draußen" zu spielen etc. Wären die enthaltenen Abenteuer irgendwann in eine mehr rollenspielerische Ecke gefahren, hätten wir wohl fröhlich mitgemacht (Redet mit dem Hexer, befreit den Mann, findet heraus, warum Morcar x will etc), ohne jemals das Wort Rollenspiel zuvor gehört zu haben.

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