Montag, 6. März 2017

Moral und schlimme Bilder

Je nachdem, ob und zu welchem Lager du gehörst, ist die Geschichte des Herbstes 2015 ziemlich eindeutig geschrieben. In der dunkeldeutschen Vorstellungswelt wissen wir, daß eine irgendwie auf ungute Art mit der SED verbandelte Pastorentochter mit teuflischem Handrhombus und ausgewählten Spießgesellen die deutschen Grenzen für muslimische Serienvergewaltiger öffnete, um das Deutschtum auszurotten. Da gibts schon in Mein Kampf von diesem, na, diesem Dingens eine Passage um einen "kleinen Judenjungen"...

Idioten. O mein Gott. Zu blöde zum Atmen, möchte man hoffen.

Die helldeutsche Variante besoff (und besäuft) sich an der eigenen höheren Moralität (nicht Moral, o nein), beklatschte Unglückliche an Bahnhöfen (find ich immer noch zynisch) und fabulierte von der Moral, der deutschen, und davon wie Merkel mutig vorweg geschritten sei in dieser Zeit. Auch hier gings um das Wesen des Teutonen und wie es doch so viel besser sei als das der anderen Nationen. Ihr Völker der Welt, schaut auf dieses Land. Wir nehmen sie auf, die Geschundenen und Beladenen. In jenen Oktobertagen erschien es Helldeutschland, als solle die Welt am deutschen Wesen genesen, weil... Öh. Den Text kenn' ich auch, oder?

So richtig helle sind die jetzt auch nicht, die Helldeutschen.

Beide Geschichten, neudeutsch Narrative, hielt ich immer für absolut unglaubwürdig. Beides erfordert Charakterstärke und rasches Handeln. Nicht unbedingt von der guten Sorte, aber das verlangt halt Entschlußfreude.

Dabei reden wir von Merkel.

Angela Merkel. Baumbart wirkt kurzentschlossen gegen diese Frau, die "unsere" Kanzlerin ist. Ne, das hab ich nie geglaubt.

Und wie ich heute lesen durfte: Mit gutem Recht. In der WELT gab es heute einen interessanten Artikel zu diesen wilden Tagen, als die Massen 'gen Europa strömten. Merkel, das geht daraus hervor, hätte absolut keine Probleme damit gehabt, Flüchtlinge an den deutschen Grenzen gewaltsam abzuweisen (und der Rest der Regierung auch nicht). Es gab da nur ein kleines Problem:
Die Kanzlerin traf keine Entscheidung, sondern verlangte von ihrem Minister Zusagen, dass die Grenzschließung vor Gerichten Bestand haben würde und es außerdem keine öffentlich schwer vermittelbaren Bilder vom Einsatz der Bundeswehr gegen Flüchtlinge gebe.
Und die Welt ist wieder in Ordnung. Das ist doch die Angela Merkel, die wir kennen, mitsamt den Moralvorstellungen einer evangelischen Pastorentochter (das ist sie ja wirklich).

  • Sie trifft keine Entscheidung.
  • Verantwortung haben gefälligst Subalterne zu tragen.
  • Und um Gottes Willen keine schlechte Publicity.

Die Welt dreht sich also doch noch normal. Dann kann ich ja schlafen gehen.

TLDR: Angela Merkel wollte genau das tun, was Pegida & Co gerne gesehen hätten. Es wären halt nur so häßliche Bilder dabei entstanden.

(Bullshit-Index 0.11)


1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Diese Frau glaubt wirklich sie kann regieren

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