Ich folge Guillaume Tavernier schon eine ganze Weile auf Google+; er gestaltet einfach hinreißend schöne Karten, die mich immer wieder anregen. Unter anderem zeichnete er für die künstlerische Gestaltung von Evil Hats Blood on the Trail verantwortlich. Vor einigen Wochen hat er dann ein Modul veröffentlicht.
The Sinister Tunnels of Greenfield
Einsteigerabenteuer (Fantasy)
Text: Laurent B
Kartographie und Illustrationen: Guillaume Tavernier
Erhältlich auf DriveThru für $ 3,00
Material:
Das Abenteuer ist 16 + Frontcover Seiten stark und hat eine gesunde Mischung aus Text, Karten und Illustrationen. Das Lay-Out empfinde ich als trist, aber die Illus sind ordentlich und die (bereits bekannten) Karten natürlich großartig. Das PDF selbst besteht nur aus Bildern, nicht aus wirklichem Text, so daß dieser nicht suchbar ist und auch nicht extrahiert werden kann, was nicht sehr benutzerfreundlich ist. Daher kommt das eher schmale PDF dann auch auf 56 MB download.
Inhalt:
Das Abenteuer ist systemagnostisch, eignet sich aber mbMn am ehesten für OSR-artige Spiele mit niedrigstufigen Charakteren, nicht zuletzt wegen der Organisation (dazu gleich mehr). Es ist ein Intrigenabenteuer in einer kleinen Stadt, mit einem undurchsichtigen Schurken mit noch undurchsichtigeren Plänen, einem unheimlichen Waisenhaus und auch einer nicht eben kleinen Spinne. Der Höhepunkt des Abenteuers findet natürlich nach einigen Nachforschungen in den titelgebenden Tunneln statt. Das ist alles sehr bodenständig, praktisch aventurientauglich oder auch für Warhammer FRP 1 geeignet. Für alte, übersättigte Hasen ist das fast schon zu unaufgeregt. Trotzdem solide und sehr einsteigertauglich.
Die Designer verzichten auf jede Form von "Plot-Design", was ich bei Kaufmodulen immer großartig finde. Dann muß ich das nicht mühselig rausoperieren. Sie schildern die Charaktere, ihre Intentionen und die Schauplätze. Das geschieht auf 14 großzügig illustrierten Seiten. Erst am Ende folgen zwei Seiten, wie die SC involviert werden können. Klappt das nicht, so nimmt das Unheil eben seinen Lauf. Genau so soll das sein.
Fazit:
Auch wenn die Gliederung des Abenteuer mir sehr entgegenkommt, so gilt das nicht für die großen Textbrocken. Den Beschreibungen der Örtlichkeiten fehlt es arg an einer vernünftigen Struktur. Das Modul ist einsteigerfreundlich, aber der SL sollte wirklich wissen, was er tut. Trotzdem: Alles in allem ein rundes kleines Brot-und-Butter-Abenteuer, geeignet eine frische Gruppe ins Spiel zu bringen. Zehn Punkte gibt es zu erringen:
1 Punkt Abzug inhaltlich, weil es ein wirklich sehr gewöhnliches Abenteuer ist.
1 Punkt Abzug künstlerisch, weil die prächtigen Karten in dieser Gestaltung etwas verschenkt wirken.
1,5 Punkte Abzug Spieltischtauglichkeit, weil ein nur aus Bildern bestehendes PDF weder suchbar noch verarbeitbar ist. Das reduziert seine Tauglichkeit als Arbeitsmaterial. Zudem ist die Textstruktur unübersichtlich.
Fazit 6,5 von 10 Punkten, Preis-Leistung gut.
(M. Tavernier hat auch eine Patroen-Seite, falls da jemand Interesse zeigt.)
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Donnerstag, 2. März 2017
Mittwoch, 26. März 2014
Rollenspiele für russische Oligarchen
Wer soll sich das sonst leisten? ;) Spaß beiseite: Mit der Narrativa-Edition haben die Homeriker sich wirklich ins Zeug gelegt, eine Luxusreihe an bekannten und populären Indy-Spielen aufzulegen, die man jetzt vorbestellen kann.
Die Editionen sind an Üppigkeit kaum zu überbieten. Hunde im Garten des Herrn (Dogs in the Vinyard)* beispielsweise kommt in Echtleder gebunden in Box mit Dutzenden (sicherlich hochwertigen) Würfeln und sonstigem Kram. Die anderen Spiele - Zu Diensten, Meister und Montsegur 1244 - sind ähnlich edel und aufwendig gestaltet und ausgestattet.
Sowas hat seinen Preis. Knapp 70,-- pro Spiel als Vorbesteller und 80,-- nachher, 200,-- für das Gesamtset. Das ist stolz, da finde ich eine Auflage von 300 schon ganz schön wacker.
Die Titel: Montsegur kenn ich vom Lesen, ein sehr reizvolles One-Trick-Pony. Stets zu Diensten, Meister sagte mir nichts, aber was ich mir seitdem angelesen habe, stimmt neugierig.
Das bekannteste Spiel des Trios ist sicherlich Vince Bakers DitV. Sicher, auf Metaebene schmeckt das, als wolle Dr. Sheldon Cooper seine evangelikale Vergangenheit therapieren, aber das Setting rockt (erinnert mich irgendwie an einen Teil von Rolands Welt, den Stephen King nicht beschrieben hat), und der zentrale Konfliktmecha ist sehr, sehr clever ausgedacht (und funktioniert vor allem auch). Man muß es ja nicht so spielen wie beschrieben, Autorenintention ist sowieso tot (und ich wollte das sowieso immer mal savagen).
Wer sich für Indyspiele interessiert, hat die sicher alle schon im jeweiligen Original, aber für Neulinge ist das ein starkes Trio. Dem Reinschnuppern ins Phänomen Indy-Game steht da natürlich der Kostenfaktor entgegen. Die Reihe zielt in Gestaltung und Preis mMn definitiv auf Sammler, nicht auf Spieler. Schade, aber irgendwie auch eine konsequente Weiterentwicklung von DSA und dem Phänomen des "lesenden Nichtspielers".
________________________________________________________
*Mit der Titelübersetzung bin ich in diesem Fall ein wenig unglücklich. Ich hätte Hunde im Weinberg des Herrn (wegen dem im Original titelgebenden Gleichnis) oder einfach Die Hunde des Herren vorgezogen. (Sogar den scherzhaften Vorschlag Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle fänd ich besser)
Die Editionen sind an Üppigkeit kaum zu überbieten. Hunde im Garten des Herrn (Dogs in the Vinyard)* beispielsweise kommt in Echtleder gebunden in Box mit Dutzenden (sicherlich hochwertigen) Würfeln und sonstigem Kram. Die anderen Spiele - Zu Diensten, Meister und Montsegur 1244 - sind ähnlich edel und aufwendig gestaltet und ausgestattet.
Sowas hat seinen Preis. Knapp 70,-- pro Spiel als Vorbesteller und 80,-- nachher, 200,-- für das Gesamtset. Das ist stolz, da finde ich eine Auflage von 300 schon ganz schön wacker.
Die Titel: Montsegur kenn ich vom Lesen, ein sehr reizvolles One-Trick-Pony. Stets zu Diensten, Meister sagte mir nichts, aber was ich mir seitdem angelesen habe, stimmt neugierig.
Das bekannteste Spiel des Trios ist sicherlich Vince Bakers DitV. Sicher, auf Metaebene schmeckt das, als wolle Dr. Sheldon Cooper seine evangelikale Vergangenheit therapieren, aber das Setting rockt (erinnert mich irgendwie an einen Teil von Rolands Welt, den Stephen King nicht beschrieben hat), und der zentrale Konfliktmecha ist sehr, sehr clever ausgedacht (und funktioniert vor allem auch). Man muß es ja nicht so spielen wie beschrieben, Autorenintention ist sowieso tot (und ich wollte das sowieso immer mal savagen).
Wer sich für Indyspiele interessiert, hat die sicher alle schon im jeweiligen Original, aber für Neulinge ist das ein starkes Trio. Dem Reinschnuppern ins Phänomen Indy-Game steht da natürlich der Kostenfaktor entgegen. Die Reihe zielt in Gestaltung und Preis mMn definitiv auf Sammler, nicht auf Spieler. Schade, aber irgendwie auch eine konsequente Weiterentwicklung von DSA und dem Phänomen des "lesenden Nichtspielers".
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*Mit der Titelübersetzung bin ich in diesem Fall ein wenig unglücklich. Ich hätte Hunde im Weinberg des Herrn (wegen dem im Original titelgebenden Gleichnis) oder einfach Die Hunde des Herren vorgezogen. (Sogar den scherzhaften Vorschlag Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle fänd ich besser)
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