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Freitag, 11. November 2016

Failsafe?

Antrittsbesuch
im Weißen Haus
Den ganzen Nachmittag rollen hier schon die Nachrichten 'rein, wie Trump eine Position nach der anderen aufgibt (bis auf Obamacare und Mexiko, leider), sich auf republikanische Politik zurückzieht und sich mit dem parteitypischen Geschmeiß umgibt. Nanu? Ist der große, böse Wolf doch nur ein Republikaner und keiner sollte es gemerkt haben?

Oder läuft hier ein anderes End-Game? Ein ganz anderes End-Game? Tatsache ist: Trump ist bereits vor Ablegen des Amtseides enorm impeachable, und das hat nix mit Pfirsichen zu tun. Impeachment bedeutet, dass der Kongress den Präsidenten seines Amtes enthebt.

Scheint illusorisch angesichts der Mehrheit der Republikaner in beiden Kammern des Kongresses? Nur wenn man so töricht ist zu übersehen, daß Trumps hauptsächliches Wahlversprechen neben dem antimexikanischen Schutzwall das Vorgehen gegen Wall Street und internationale Finanzinteressen war, beschworen mit eindringlicher Rhetorik.

Egal, ob man das glaubt oder nicht - das schmeckt den Reps nicht. Ihnen hat auch nicht geschmeckt, wie Trump sie während der Vorwahlen am Nasenring durch die Arena schleifte und ihre "Hoffnungsträger" wie Jeb "bitte klatschen Sie" Bush faschierte. Nein, diese Reps hassen ihn mindestens genauso sehr, wie die Dems ihn hassen.

Jeder haßt ihn. Und man hat ihm wohl klar gemacht, daß jeder ihn haßt, und daß die Reps ihn in dem Moment fallen lassen werden, indem sie das irgendwie moralisch und/oder politisch rechtfertigen können. Ich schätze mal, das war während des Gesprächs mit Paul Ryan, kurz vor dem Besuch im Weißen Haus. Das erklärt das Bild oben. Ein deutlicheres "In was bin ich da reingeraten?!" habe ich in einem Gesicht lange nicht gesehen.

Die Dems würde da garantiert mitmachen und die Sache ins Rollen bringen. Der reaktionäre Haufen, der bei denen derzeit noch den Ton angibt haßt Trump ebenfalls (arme Sau, niemand mag ihn) und sieht seine Anti-Wall-Street-Rhetorik genauso. Und er hatte die Frechheit, eine Frau vom Präsidentenamt abzuhalten. Er hat Hillie zum Weinen gebracht!!!

Das Establishment duldet keine Außenseiter, und Trump ist angreifbar, extrem angreifbar. Er ist ein Drecksack mit einer unverhohlenen Drecksack-Vergangenheit. Entweder er tanzt, wie er tanzen soll, oder er ist zu nächster Gelegenheit das schöne Weiße Haus los.

Im Falle des Impeachments übernimmt dann Vize Pence, ein reaktionärer Hardliner, gegen den die derzeitige polnische Regierung wie ein VW-Bus voll atheistischer Hippies wirkt. Das System schützt sich selbst. Und die Dems würden das als Sieg feiern, die Nasen bei uns genau so. Dabei würde es noch schlimmer; die schlimmsten Aspekte des Status Quo kombiniert mit den wirrsten Ideen Trumps und einer aggressiven, "göttlich inspirierten" Imperialpolitik militärischer Stärke.

Donnerstag, 10. November 2016

Sysiphos, Syphillis oder Pyrrhus?

Während das Alte stirbt, zögert das Neue sich zu zeigen, und aus dem Zwielicht dieser Ungewißheit treten Monster hervor. (Antonio Gramsci, mehr oder minder)
Sie hatten alles in Stellung gebracht: Fast alle Medien, sogar Fox und sogar Glenn Beck (!!) trommelten für Hillary, Dutzende Promis wie Beyoncé und sogar Bruce "Der Sänger im Roggen" Springsteen standen singend hinter ihr, dazu Wall Street und eine entsprechend gefüllte Kasse, die die des Herausforderers bei weitem übertraf.

Diese geballte Macht des Establishments war nicht in der Lage, ein vulgäres Tinhorn aufzuhalten, das den rüpelhaften, großspurigen, ignoranten "Amerikaner" mit jeder Faser seines Seins verkörpert und dazu mit kleinen schwitzigen Patschepfoten grapscht. Trotz all seiner Skandale (aufbereitet von John Oliver) kam es wie seit Mai erwartet.
Hillary Clinton, und hier lege ich mich schon mal fest, wird nicht die nächste Präsidentin der vereinigten Staaten. (...) In einem direkten Duell Trump vs. Clinton tippe ich auf einen Sieg Trumps in der Höhe von Reagan gegen Carter 1980, also 40 Staaten.
Naja, Pussygate hat den Erdrutschsieg dann verhindert.

Aberwitzigerweise ist das ein Sieg der Demokratie über die Oligarchie innerhalb des von der Oligarchie gesteuerten Systems. Es ist ein großer Sieg. Und er bringt uns Trump. Es ist ein großer Sieg mit großen Opfern. 

Es hätte nicht sein müssen, hätte Hillary Clinton nicht in (illegaler) Zusammenarbeit mit der demokratischen Parteiführung Sanders im Nominierungsrennen betrogen. Aber die Befriedigung der persönlichen Begierden stand den Clintons schon immer näher als so läßlich-lächerliches Zeug wie Demokratie. Dem Clinton'schen Anspruchsdenken hatte sich alles unterzuordnen, und in einem Anfall von Lemmingmismus mit akuter Blödheit als Begleiterscheinung zog die Parteiprominenz mit.
"Was der Trug gewann, der ungerechte, kann nicht dauernd sein."
Sanders hätte wahrscheinlich den Rustbelt gehalten, vor allem Ohio, und einen sehr viel höheren Voter turnout erreicht. Um einen gewieften Demagogen wie Trump zu schlagen, brauchst du eben einen Vollblutpopulisten (und nein, lieber Bürger, "Populismus" ist nicht bah, wie die Medien erzählen, sondern im Gegenteil die eigentliche Aufgabe eines Politikers in einer Demokratie).

Aber sie haben den alten Sozialdemokraten gefoult. Jetzt ist Donald J. Trump der President-Elect der Vereinigten Staaten. 

Siege können sehr bitter schmecken. Und manchmal fallen sie dir auf die Füße.

Freitag, 21. Oktober 2016

Windelarithmetik

Ach ja, die deutsche Lückenpresse. Dritte Debatte geschaut, nix verstanden. Also geht der deutsche Journalist flink auf CNN (Clinton's Nice News) und schaut sich deren wirre Postdebattenschalte an. Auch da versteht der deutsche Journalist nichts, aber er hat einiges mitgeschrieben. Das kann er ja dann publizieren.

Anyway - laut der deutschen Presse war der Hauptaufreger der Debatte, ein gewisser Donald J. Trump. In der Welt, einem der Fachblätter für Transatlantiker, staunt der Berichter:
Zum Pflichtstudium für jedes künftige Politikseminar in den USA beförderte Donald Trump den 19. Oktober 2016 durch seine Weigerung, sich zur Anerkennung des Wahlresultats am 8. November zu bekennen.
Tja, und hier Kinder am praktischen Beispiel: So sieht die Kernschmelze einer vereinsamten Hirnzelle aus. Entweder der Kollege, der den Artikel geschrieben hat, ist schweren, bedauerlichen Limitationen unterworfen, oder er betreibt die für sein Blatt übliche Propaganda für die Falkenmumie mit dem Hartgreifergrinsen.

Man verlangte von Trump nix anderes, als daß er eine Carte Blanche abgebe und das Wahlergebnis ungeachtet aller Begleitumstände anerkennen wird.

So, als hätte es Florida 2000 nie gegeben. So, als hätte JFK's Daddy die Wahl nicht manipuliert. So, als hätte Clintons Team nicht massiv die Vorwahlen verschoben. Ja. Klar. Solchen Leuten wie den Clintons (und den Bushes und den Kennedys...) gibt man Carte Blanche und Vertrauensvorschuß. Und anschließend sägt man sich einen Fuß ab und klettert in einen Bärenkäfig. Wird schon nix passieren.

So, und für Fortgeschrittene verlinken wir auf den Augstein, der euch verklickert, warum alle Nicht-Amis beten sollten, daß im November eine vollgeschissene Windel wie Trump gewinnt. (Spoiler: Vollgeschissene Windeln sind weniger gefährlich als Dynamitpackungen mit brennender Lunte.)

Samstag, 8. Oktober 2016

Wer nicht für Hillary stimmt, ist ein privilegiertes Schwein

Die Wahlen in den USA sind die offenkundigste Demokratiefarce, die ich seit Jahren erleben durfte. Mit Clinton wurde die einzige Kandidatin aufgestellt, die von Trump geschlagen werden kann, und mit Trump der einzige Kandidat, der von Clinton geschlagen werden kann. Die Vorwahlen beider Parteien waren ein Rennen in den Abgrund, ein Exemplum von dumpfen Ressentiments auf der einen (Trump) und kriminell zu nennender Energie auf der anderen Seite (Clinton).

Was bleibt? Vote for the lesser evil, stimme für das kleinere Böse. Das ist momentan noch die einzige Taktik, die Hillary fährt. Angst vorm bösen Donald schüren. Die Wahl des kleineren Übels ist das, was spätestens seit der Wiederwahlkampagne von Bill Clinton 1996 die normale Tonlage bei Präsidentenwahlen darstellt.

Aber dieses Jahr, da so vieles anders ist, wird wohl auch das nicht klappen. Viele Independents (und 'ne Menge Dems) haben mittlerweile geschnallt, daß eine Stimme für das kleinere Böse immer noch eine Stimme für das Böse ist. Folgerichtig sind die Drittparteien im Aufwind, was von einigen Medien aber schon fast panisch verschleiert wird. (Wer des Englischen nicht so mächtig ist: Es scheint als würde zumindest in Einzelfällen CNN beispielsweise in ihren Fokusgruppen Abstimmungen für eine Dritte Partei als "Unentschlossen" werten.)

Die Indies sind nicht zuletzt eine große Menge jener Sanders-Anhänger, die miterleben durften, wie der DNC und Clinton den freundlichen Herrn mit schmutzigen Tricks um die Nominierung brachten.

Also verlegt sich die Hilluminator-Kampagne jetzt auf einen perfiden Trick. Sie will die jungen Wähler in eine Stimmabgabe für sie förmlich hinein schämen und aktiviert dazu die bedingten Reflexe, die in jahrelanger Unterordnung unter ein kryptofaschistisches System vorgeblicher Liberalität herangezüchtet worden sind.

Wer eine dritte Partei wähle, vorzugsweise die Grünen und deren progressive Kandidatin Jill Stein (die keine Impfgegnerin ist, vielen Dank), der tue das, weil er weiß sei und "privilegiert". Wenn Du Dein weißes "Privileg" nicht mißbrauchen und solidarisch mit Deinen nicht-weißen Mitmenschen sein willst, dann stimmst Du für Hillary Clinton.

Klar. Die ist erdnußfarben, unterprivilegiert und hat Schwarze nie als "Superraubtiere" bezeichnet. So siehts aus.

Das ist die pure nackte Verzweiflung, die aus solchen Surrogate-Kampagnen spricht. Das kann und wird in Einzelfällen sicher funktionieren, nackte Panik bleibt es trotzdem. Ich bleib bei dem, was ich schon im Mai gesagt habe, lange vor den Nominierungen.
Hillary Clinton, und hier lege ich mich schon mal fest, wird nicht die nächste Präsidentin der vereinigten Staaten.
Mal gespannt, wer 2020 gegen Präsident Donald J. Trump I. antreten wird.

Dienstag, 13. September 2016

Heißgelaufene Cyberkandidatin?


Bernie Sanders. Der einzige, leider ehemalige, Kandidat ohne physische oder geistige Ausfallerscheinungen.

Im Gegensatz zu diesem, ging es heute dann auch in den deutschsprachigen Medien rum: Kandidatin Hillary Clinton ist heißgelaufen und mußte zur Wartung, weil sie Metallteile verliert.

Es nur ein kleines Teil, Ersatz sollte rasch zu beschaffen sein.

Viel beunruhigender finde ich, daß auf vielen Seiten der Bekloppten und Bescheuerten Ultrakonservativen Gerüchte über Clintons Hirnschläge kursieren. Auch wenn ich das als ausgleichende Gerechtigkeit ansehen würde angesichts der Stammhirnblutungen die mir ihre Auftritte bescheren, hat man als Vollhonk Teaparty-Mitglied natürlich eine weitere Erklärung parat:

Satan.

Die sind nicht zu retten. Die wollen das auch gar nicht.

Donnerstag, 19. Mai 2016

Hey, da geht noch was.


TLDR: Clinton wird gegen Trump nicht gewinnen und es ist gut möglich, daß das mehr als 150 Jahre alte Zweiparteiensystem zerbricht.

Update 26/5/2016: Der unten angesprochene Clinton-eMail-Skandal nimmt Fahrt auf. Das FBI ist noch nicht fertig, aber das Außenministerium hat seinen Report abgegeben, und er ist vernichtend - sie hat gelogen, wiederholt, und es wurden schon wieder eMails entdeckt. Sogar die Clinton-Mietmäuler auf MSNBC werden unruhig und bezichtigen Clinton der offenen Lüge. Auch sie sind der Meinung, daß ihr der Report großen Schaden zufügt.

Hillary Clinton, und hier lege ich mich schon mal fest, wird nicht die nächste Präsidentin der vereinigten Staaten.  Steil, huh? Sagt die ganze Pressemeute doch was anderes. Klar, sie emulieren nach Trumps "Überraschungserfolg" ein wenig Vorsicht, aber eigentlich ist die Sache - zumindest in deutschen Medien - sonnenklar. Der Hilluminator wird der nächste Präsident.

Nö.

Politik des Stillstands und das Pfeifen im Keller

Das politische System in den USA transformiert gerade, es zerbricht nicht, aber es verändert sich und erweist sich in diesem Übergangszustand als höchst volatil, zumindest für das Wahljahr 2016. Trotzdem halten die Granden der demokratischen Partei an Hillary (noch?) fest. Da beginnt das Pfeifen im Keller. In Zeiten der Unruhe und des Umbruchs ist es verdammt schwer, eine Kandidatin durchzubringen, die als Apotheose des status quo gelten kann, der gerade von der Bevölkerung unter den Bus geworfen wird.

Dienstag, 10. Mai 2016

Der Leberkäse ist noch nicht gegessen.

Update: Nach derzeitigem Stand (Mittwoch, 16:30 MEZ) sind 97 % der Stimmen ausgezählt. Sanders hat jeden einzelnen Distrikt gewinnen können.



In zwei Stunden schließen die Wahllokale in West-Virginia.
"Nach allen Umfragen wird Bernie Sanders seine 20. Vorwahl nach Hause tragen. Sechs Prozentpunkte beträgt der durchschnittliche Vorsprung des Senators aus Vermont gegenüber der Ex-Außenministerin Hillary Clinton in den aktuellen demoskopischen Erhebungen, hat die Internet-Plattform RealClearPolitics.com errechnet."
Das berichtet die Welt. Landesweit sieht es für Sanders vs. Clinton mittlerweile ähnlich aus. Clinton ist ein bißchen so wie Leberkäse und Weißwurst - je mehr man von ihr weiß, desto unappetitlicher findet man das.

Der Vorsprung hält die WELT, das Intelligenzblatt der moralischen Verwesung, allerdings nicht davon ab, Clinton erneut zur bereits feststehenden Siegerin zu küren. Natürlich durch Einberechnung der Superdelegierten, die aber angesichts der zunehmenden Erosion von Clintons Beliebtheit gerade gegenüber Trump zu grummeln beginnen. Das ist noch nicht durch.

Zumal hat Clinton noch mit dem ein oder anderen Problem zu kämpfen, wie dem Verdacht auf Wahlmanipulation in zahlreichen Fällen während der Vorwahlen, unter anderem in New York City. Aber auch ganz allgemein verursacht die auffällige statistische "Fehlerquote" zugunsten Clintons während der gesamten Vorwahlen für verbreitetes Bauchgrimmen, ebenso die schmutzigen Tricks, die ihre Kampagne anwenden ließ. Dazu kommt noch die laufende FBI-Ermittlung gegen sie.
Einige Wahlen stehen noch an, und sie sehen fast alle gut für Bernie Sanders aus. Meine Prognose: Sie wird mit einiger Sicherheit am Ende mehr "Pledged Delegates" zur Convention bringen als Sanders, aber nicht die notwendigen 2382 Delegierten.

Super-Delegates werden entscheiden, und sie dürfen ihre Meinung ändern. Und vielen Dems beginnt zu dämmern, daß eine Kandidatur von Hilluminati das einzige ist, was Trump zu einem Sieg verhelfen kann.