Dienstag, 6. Oktober 2015

Wie man internationale Krisen leitet

Handout zum Beginn der Krise
Amercian Nitemare in Staffel 3 hat sich zu einem Crossover aus The Newsroom und X-Files entwickelt, mit der Folge, daß die Handlung mehr Journalismus statt Schattenlaufen erfordert, und auch die Inter-Office-Soap ihren Raum fordert. Darunter lauern Serienmörder, Schattenregierung und richtig schlimme Dinge, und die Weltpolitik gibt den Redaktionstakt vor.

Ein großes Ereignis ist jeweils der Wandteppich, der sich hinter diesem ganzen Drama aufspannt. Dieses große Ereignis berührt immer wieder die Realität der SC und deren Zielsetzungen, liegt aber nicht im Fokus des Spieles. Die SC haben zumeist auch keinen direkten Einfluß auf diesen Bogen. Er ist der Hintergrund, der die Ingame-Tage strukturiert, ein Gefühl des Unbehagens und der Unsicherheit oder gar einen diffusen Zeitdruck erzeugt. Manchmal aber er greift er direkt in ihr Leben ein.


In Staffel I ("Urban Legends") war es die Ermordung von Präsident Bush (2007) durch einen Syrer, was zu einem harschen Patriot-III-Gesetz führte und arabische Mitbürger in Camps brachte. Einer der SC ist Iraner und konnte nur mit den vorhandenen Verbindungen eines SC zu einem US-Senator freigebracht werden.

In Staffel II ("48") hielten die "Bringer der Sonne", eine islamistische Terrorgruppe, für 48 Stunden die Spielwelt in Atem (2009), während in Syrien als Großereignis ein Bürgerkrieg eskalierte. Die Terroristen hielten ein AKW besetzt und wollten es zur Kernschmelze bringen. Hier waren die SC sogar stärker involviert, weil sie die Hintergründe und Verwicklungen der Gruppe und ihrer Aktion aufklären sollten. Das Spiel war in "Echtzeit" à la Jack Bauer konzipiert.

In der laufenden Staffel III ("The One Chance", angesiedelt 2011) ist es die drohende Eskalation eines Konfliktes zwischen den USA und Russland zu einem nuklearen Schlagabtausch. Um mich selbst ein bißchen zu überraschen und auf  Trab zu halten, habe ich nur die Ausgangslage bestimmt: Am 27. März 2011 marschieren russische Truppen in Teilen Georgiens ein. Die Begründung: Die schweren inneren Unruhen Georgiens zwingen Moskau, Maßnahmen zum Schutz der russischen Minderheit zu ergreifen.

Krieg & Frieden auf DIN A4
Was nun folgt, liegt allein in den Würfeln und auf der Dicemap. Die Runden verlaufen im Zwölf-Stunden-Takt, der Akteur einer Runde wird per Münzwurf bestimmt. In Abwandlungen ist ein solches System für jede Art politischen oder kriegerischen Großereignisses im Hintergrund der Charaktere geeignet.

Für den SL hat es den Vorteil, daß er selbst nicht weiß, wohin die Reise geht. Er gerät daher nicht nur nicht in Versuchung, die SC zu schubsen ("Wie wäre mit einem Ausflug nach Helms Klamm?"), sondern beim Entwickeln des nächstes Schrittes der Krise kann er in Rechnung stellen, ob und wie die bisherigen Handlungen der SC Einfluß haben werden.

Wie das läuft am praktischen Beispiel:

Start: Russland marschiert in Teilen Georgien ein. (Festgelegt im Vorfeld.)
USA: Wir ermitteln "Eskalation". Die UN tritt zusammen, das ist normal, aber die USA entsenden auch (wie eigentlich ja immer) eine zusätzliche Trägergruppe ins Krisengebiet.
Russland: Der nächste Schritt ist Russlands Schritt (Münzwurf). Wieder "Eskalation". Die Russen lassen anklingen, ein Einlaufen in georgische Gewässer könnte als "feindlicher Akt" interpretiert werden.
Russland: Hat auch den nächsten Schritt. "Business as usual". Die UN-Verhandlungen in New York sind zäh und vorläufig ergebnislos.
Russland: Erneut Russland am Zug (meine Münze ist parteiisch?). "Gefährliche Geste". Aber hallo: Su-30-Kampfflieger begeben sich zum Trägerverband. F16 steigen auf und es kommt zu haarsträubenden Manövern jedoch ohne Schußwechsel und ohne Unfälle.
USA: "Eskalation" wird ermittelt. Angesichts des bisherigen Verlaufs entscheide ich, direkt auf die russische Aktion zu reagieren. Präsidentin Clinton gibt dem Geschwaderkommandant Schießerlaubnis bei Wiederholung einer solchen Provokation.
USA: "überraschender Player." Oha. Mmmmh. China. China und Frankreich und Holland tun sich zusammen, um den Konflikt zu entschärfen, hektische Krisendiplomatie beginnt. Die Chinesen nutzen ihren Dollarhebel gegen Clinton.
Russland: Überrascht erklärt Präsident Medvedjev sich bereit, die Vorschläge der drei Regierungen als Arbeitsgrundlage zu nehmen ("Deeskalation").
USA: "Eskalation". Schlecht. Clinton will nicht. Sie erhöht die NATO-Alarmbereitschaft und lädt Regierungschefs und Militärs zu Konsultationen nach Camp David.
USA: "absurder Patzer". Okay. In einer Ansprache ignoriert sie den Präsidenten Russlands und schießt mit schwerem Geschütz auf Premier Putin. Sie vergleicht ihn schließlich tatsächlich mit Hitler.

Soweit hat sich die Krise entwickelt.

Angeschlossen ist ein Punktesystem. Jedes Ereignis steigert oder senkt die bisherige Punktzahl. Bei Erreichen von 0 Punkten wird die Krise über die nächsten Tage diplomatisch beigelegt. Wird ein oberer Schwellenwert erreicht, gehen die Nuklearstreitkräfte der Parteien in Alarmbereitschaft. Was dann folgt, weiß niemand...

Ich bereite immer ein zwei, drei Tage weit vor, aber sollten die SC schneller als erwartet vorankommen, kann ich jederzeit die Krise fair und objektiv weiterentwickeln. Natürlich kann das theoretisch dazu führen, daß die Kampagne in einem Atomkrieg endet, bevor die SC ihr eigenen Ziele erreichen. Sollte diese Gefahr bestehen, wird mir schon was einfallen.

Oder auch nicht.

Kommentare:

Jan hat gesagt…

Klingt cool. Wie ermittelst du das Ereignis auf deiner Grafik? Vermutlich wird es im Atomkrieg enden, denn es gibt viel mehr Möglichkeiten zur Eskalation als zur Deeskalation ;) Wobei der oben gezeigte Patzer das Ganze auch schnell in Luft auflösen kann, weil der Hitlervergleich dürfte die USA ins abseits manövrieren und damit dazu zwingen "abzurüsten".

TheShadow hat gesagt…

Gratuliere zum 1000. Kommentar auf dem Blog. Ich habs grad gesehen. Anyway: Ja, die Dropmap ist auf Eskalation ausgelegt. Angesichts der Charaktere der Handelnden und gewisser Entwicklungen, die wir seit ca. 10 Jahren in der Echtwelt beobachten "dürfen", erschien mir das angemessen.

Für andere Krisen mit Eskalation / Deeskalation könnte die map anders aussehen. Oder wenn hier sagen wir ein erster Schwellenwert erreicht ist, steht man so kurz vor dem A-Krieg, daß beide Seiten sich bemühen, nur noch Gesichtsverlust aus der Sache rauszukommen (q.v. Kuba). Dann würde eine andere Map Verwendung finden, die quasi umgekehrt funktioniert.

Mmmh. Das ist sogar eine Möglichkeit.

Verwendet wird sie in einem Kasterl und ich laß den Würfel reinfallen. Drop map halt. Bin am Überlegen, ob ein Kreisel nicht zufälligere Ergebnisse produzieren würde, aber so ist das schon ganz cool.

Jan hat gesagt…

Danke und herzlichen Glückwunsch zu 1000 Kommentaren, nicht schlecht!

Kreisel könnte auch gehen, die flitzen ja ordentlich quer, wenn sie an den Rand kommen.

Du könntest auch eine “Dämpfung“ einbauen. Wenn die Eskalation in einem bestimmten Bereich unterhalb der Schwelle (für den Atomkrieg, etc) kommt, sinkt sie jede Runde automatisch um einen mittleren Wert (-3?). Das symbolisiert, das meist doch etwas vorsichtiger vorgegangen wird, wenn man nah an der Katastrophe ist. Aber wenn weiterhin schlecht “gedroppt“ wird, steigt die Eskalation trotzdem, aber halt langsamer. Erscheint mir realistisch. Die USA haben ja auch keine Truppen in der Ukraine, aber liegen trotzdem wohl Waffen und Ausbilder.

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