Dienstag, 18. September 2012

Halt den Rand

There are two novels that can change a bookish fourteen-year old's life: The Lord of the Rings and Atlas Shrugged. One is a childish fantasy that often engenders a lifelong obsession with its unbelievable heroes, leading to an emotionally stunted, socially crippled adulthood, unable to deal with the real world. The other, of course, involves orcs.
(Paul Krugman)

Spätestens mit der Nominierung von Paul Ryan zum republikanischen Running Mate des Obama-Herausforderers Mitt Romney (der mit der magischen Unterwäsche) steht Ayn Rand mehr als je im Zentrum des politischen Denkens der USA. Ryan, das vorgebliche "Gehirn" der Republikaner ist ein glühender Verehrer ihres marktradikalen "Objektivismus". Gier ist gut, Staatseingriffe sind böse, wer hungert ist selbst schuld und wer Hilfe annimmt ist ein Parasit. Übermenschen im Nietz'schen Sinne, selbsternannte "Leistungseliten", müssen sich über die Masse erheben, sie ausbeuten und unterdrücken. Sie ist eine Art Sarrazin auf Crystal Meth, ihre Gedanken waren der Nitemare Fuel der ursprünglichen Reaganomics. Ihr zentrales Werk,  Atlas Shrugged, das Hohelied der Unmenschlichkeit,  ist in diesen Tagen wieder ein Beststeller, eine Mischung aus Unfähigkeit als Autorin und einem Abgrund an Zynismus geronnen zu zahllosen Filibustern.

Es ist natürlich schon lustig, daß sich die religiöse Rechte Rand zur Ikone erkiest, um Sturm gegen einen schwarzen Präsidenten und seine Gesundheitsreform zu laufen. Rands Philosophie erhebt den Eigennutz und die Selbstsucht zum Götzen, da ist kein Platz für andere Religionen, z.B. ein mitfühlendes Christentum. Nun denn, kognitive Dissonanz ist eine Grundeigenschaft der Evangelikalen und sonstigen Hardcore Right Wingers und Teapartiers wie Ryan (ein erzkonservativer Katholik).

Was Typen wie Ryan eigentlich auch stören sollte: Ayn Rand war eine Soziopathin. Eine vollendete dazu. Ihr Ideal wurde verkörpert von einem Mann, der ein zwölfjähriges Mädchen zerhackt hatte,  Edward Hickman.
Her legs had been chopped off and her eyes had been wired open to appear as if she was still alive. Her internal organs had been cut out and pieces of her body were later found strewn all over the Los Angeles area.
Ayn Rand, das große Vorbild der christlichen Reps, modellierte z.B. ihren "Helden" Rork in ihrem "Roman" The Fountainhead mit den folgenden Worten: "Er war geboren ohne die Fähigkeit, andere zu erwägen." Wir finden diese Züge auch als Ideal in Atlas Shrugged, und ihre Quelle ist auch kein Geheimnis: Als Fangirl des Kindermörders Hickman (da war sie nicht alleine) schrieb sie über diesen:
Andere Menschen existieren nicht für ihn, und er sieht nicht ein, warum sie es sollten. Er verachtet alles, was die Gesellschaft für heilig hält, mit einem Gewissen, das nur ihm gehört. Er hat die wahre, angeborene Psyche des Übermenschen. Er wird niemals 'andere Menschen' verstehen oder fühlen.
Der politische Herzschlag des rechten Amerikas ist die Ideologie einer verdorbenen Frau ohne jegliches Gefühl für ihre Mitgeschöpfe. In Atlas Shrugged gehen die Millionäre der USA in Steuerstreik, um nicht länger die Massen aus "Wilden", aus "Abfall", aus "Imitationen menschlichen Lebens" zu füttern. Wohlgemerkt, das sind alle, die nicht wirklich reich sind. Danke sehr. Einer der Steuerstreiker läßt einen Zug entgleisen, in dem Dutzende sterben. Für Rand keine Unschuldigen, und voll Horror beschreibt sie, wie die Gemordeten die Steuererhöhung unterstützt hatten.  Sie hätten den Tod verdient, befindet Rand. Natürlich sind alle Guten intelligent und schön, die Bösen bestenfalls verschlagen und oft deformiert. Untermenschen eben.

Diese menschenverachtende Ideologie, die in ihrer Verbindung aus herrenmenschlicher Selbstüberhebung, entfesselter Kapitalgier und blinder Fortschrittshörigkeit  ein Zwilling des zeitgleichen italienischen Faschismus ist, ist Mainstream in den USA. Mainstream in der Politik und Mainstream in der Kultur.

Vielleicht sollte man besorgt sein.

(Note: Sowohl Atlas Shrugged als auch The Fountainhead habe ich bis jeweils zur Mitte gelesen. Die beiden Wälzer sind aber letztlich für einen Menschen mit IQ über Raumtemperatur und einem EQ über dem eines Weißen Hais nicht lesbar. Das ist ein fortwährendes Wiederholen menschenverachtender Stereotypen dargeboten mit der Subtilität des Giftpilzes. Plot? Charakterisierungen? Fehlanzeige.)




Kommentare:

Caliz hat gesagt…

Zeitgeist :-)
Passend dazu zwischen-titelt der Spiegel online heute das:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/schmaehvideo-ueber-us-buerger-us-medien-laeuten-romneys-ende-ein-a-856406.html

Bin auf Colbert und die Daily Show gespannt...

TheShadow hat gesagt…

Ja. "Objektivismus" im Rand'schen Sinne und Solidarfeindlichkeit stehen dieses Mal unverdünnt zur Wahl. Der Furor über Romney ist indes europäisch, in den USA kommt das bei vielen gut an. (Etwas differenzierter hier: http://www.heise.de/tp/artikel/37/37658/1.html)

Jens hat gesagt…

Treffender hätte man es nicht formulieren können! Platt gesagt: Wir stehen for der Wiedergeburt des Faschismus.

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