Freitag, 2. Mai 2014

Sie könnens ja doch

Ich meckere ja gerne über Deutschlands größtes Rollenspiel, aber Ehre, wem Ehre gebührt. Ich hatte gerade (vollkommen unironisch) das Vergnügen, die Lektüre der Quanionsqueste zu beenden, da ich derzeit ähnliches leite und für... Anregungen stets dankbar bin.

Die Homeriker sollten sich das zum Goldstandard machen, ganz ehrlich.

Ich habe noch keine Großkampagne (und das ist es) in Händen gehabt, die den SL so mit Tipps, Tricks, Infos und Zusatzmaterial unterstützt wie diese. Daß die Struktur dazu noch sehr übersichtlich ist, erfreut noch mehr. Meine Kanon-Kenntnis beschränkt sich auf "Kaiser Hal war ein Mädchen und Borbarad macht voll fiese Dinge, ey", und selbst mir sind die Zusammenhänge der Kampagne nach einmaliger, sorgfältiger Lektüre klar (okay, Wikiaventurica hat auch ein bißchen geholfen).

Die vier Szenarien sind abwechslungsreich und halten sich, was das Gleisverlegen angeht, für eine Möterplot-Kampagne ausgesprochen zurück. Die SC haben spürbaren Einfluß auf den Verlauf der Geschichte, können ihre Siegchancen ständig ändern, sind tatsächlich die Handelnden, nicht die Zuschauer (meistens), und sie entscheiden das Finale. Einige Dinge auf diesem langen Weg müssen halt sein / eintreten, ungeachtet des Wirkens der SC, das ist unvermeidlich.

Abseits der "Quellentexte" hält sich das Stimmi-Geschwafel sehr in Grenzen, die Infos in den Szenarien sind meistens übersichtlich präsentiert. Ein Spannungsbogen wird aufgebaut, ohne ihn den Spielern mit dem Brecheisen in die Fresse drücken zu wollen. Auch das berüchtigte Idiotenballspiel der NSC fehlt, fast würde man es vermissen. Kneifen die Spieler mißtrauisch die Augen zusammen, wenn die Mächtigen Aventuriens nicht vollkommen unfähig agieren? Überzeugend als Paket. Da kann man sogar über einige... lustige Namen (*augenroll*) und drei eher verkorkste Kurzszenarien (von sechs zusätzlich zu den vier Hauptabenteuern) wegsehen.

Alles in allem: Das ist eine ohne Einschränkung zu empfehlende DSA-Kampagne mit Ausgangsmaterial für möglicherweise episches Rollenspiel, die man mit einiger Mühe auch in andere Vanilla-Settings übertragen könnte.

DSA-Lob. Und das von mir.

Wer DSA-Abenteuer in derselben Qualität kennt - schreibts in die Kommentare. (Aber bitte nicht den Oldie Von eigenen Gnaden, der bei so Fragen zuverlässig genannt wird. Der ist zwar nicht schlecht, hat aber diese Qualität eben nicht.)

Kommentare:

Manfred Maul hat gesagt…

Hattest Du Dich nicht kürzlich noch über Splittermond echauffiert? - Da die maßgeblichen Personen dieser Kampagne mittlerweile für Splittermond schreiben, könnte Dich das mit Hoffnung erfüllen, dass von dort auch was Anständiges kommt?

Eine weitere DSA-Kampagne, die bei den von Dir angelegten Maßstäben an die QQ heranreicht? Nie und nimmer! Von den Abenteuern würde ich mir aber mal weitere von Stefan Unteregger anschauen. Und "Der Unersättliche" von Chris Gosse.

Anonym hat gesagt…

Ne, daran sieht man vielmehr, wie gut das Korrektorat bei Ulisses ist, dass aus den Autoren was Gutes rausgeholt wird. Wenn es das nicht gibt, tja, dann kommt sowas raus wie Splittermond.

Belcar hat gesagt…

Du meinst das Lektorat. Macht aber nichts, denn du hast da eine groß angelegte VERSCHWÖRUNG aufgedeckt: Die Abenteuer der genannten Autoren kommen nur deshalb so gut an, weil Ulisses da immer noch wahnsinnig viel Arbeit reingesteckt hat. Arbeitskraft, die dann für ANDERE Sachen, die in der Bewertung schlechter abschneiden, natürlich nicht mehr zur Verfügung stand. Per-fi-de! Ein Teufelskreis! Damit hat sich Ulisses keinen Gefallen getan!

Ja, nee, is' klar.

Gustav Gans hat gesagt…
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