Dienstag, 16. Dezember 2014

The Hobbit 3 oder The Good, the Bad and the Ugly

Nein, kein Verriß darüber, daß Legolas wieder auftaucht, obwohl Tolkien ihn doch gar nicht erwähnt hat. Nope, nicht von mir. Das sind, nachdem sich der Bilderrausch gesetzt hat, einige Betrachtungen dazu, wie sich meine ursprünglichen Befürchtungen erfüllt haben, die ich im Sommer 2012 formuliert hatte:
Gespannt bin ich, wie sich die beiden Hauptautorinnen Walsh und Boyens schlagen werden. Die beiden hatten, das zeigte sich in den Abweichungen von der Vorlage, stellenweise doch Probleme, die arg maskuline Mythenvorstellung Tolkiens zu transzendieren und dann auf die Leinwand zu transportieren, und sie fuhren am sichersten, wenn sie sich eng ans Buch hielten. Diese Leitplanke wird ihnen hier über weite Strecken fehlen. 
Jopp. Und das war dem Ganzen anzumerken. Die Schlacht der Fünf Heere offenbart in aller Deutlichkeit, und stirbt letztlich an dem, was den beiden Vorgängerfilmen fehlte.

Achja, natürlich spoilert das, und wems zu lang wird, ein Fazit ist am Ende der Besprechung.



A bisserle was Allgemeines zum Look and Feel

Die überbordende CGI störte schon von Teil I an. In Teil III war es katastrophal. Die titelgebende Schlacht der fünf Heere sieht im Grunde so aus wie ein Let's Play von Schlacht um Mittelerde auf Youtube, Eru sei Dank wenigstens ohne die dämlichen Kommentare.

Das CGI war zudem shoddy, schlampig. Besonders unangenehm in Erinnerung ist der Sturz der Elbin am Berg, bei dem das Model flammendrote Haare aufwies, die der Haarfarbe der Darstellerin in keiner Weise ähnelten. Die Animationen der Widder, auf denen die Zwerge die Berge hochrasten, waren ka-tas-tro-phal. Sowas haben Animateure bereits vor mehr als zehn Jahren allenfalls als Pre-Viz für akzepktabel gehalten. Das Chroma-Keying ist in einigen Szenen so daneben, daß sich ein Travelling-Matte-Effekt wie in alten Filmen (damit meine ich lange vor 1990) einstellt (der Rückprojektionseffekt).

Ich frage mich, ob der Film unfertig in die Kinos kam.

Auch waren die animierten Massen zu synchron. Bei den Elben kann ich mir das noch als Präzision einer Elitearmee schönquatschen, spätestens bei katapulttragenden Supertrollen hört das aber auf.

Ganz schlimm war das Auftreten der Nazgûl. In HdR erinnere ich mich an den röchelnden Schrecken, als die Hobbits auf der Wetterspitze eingekreist waren und sich die Gestalten der Nazgûl bedrohlich näherten, ehrfurchtgebietende Dämonen sowohl hier als auch im Schattenreich. Als sie in Dol Goldur aufkreuzen, hätte ich ohne Elronds freundlichen Hinweis nicht gerallt, daß es die Ringgeister sind. Das sieht ungefähr so aus.

Das Design insgesamt war störend, absolut nicht mittelerde-mäßig, und damit meine ich explizit das von Jackson eingeführte Mittelerdebild. Angefangen von Anleihen bei Dune (Sandwürmer) über Kreaturen die mehr kybernetisch verändert denn von Magie verdorben wirken (der Super-Duper-Über-Troll mit Abrißbirnen an Ketten statt Armen) hin zur letztlichen Verneinung der Physik durch Legolas (kein Vergleich zu Legolas in HdR). Bei den Kreaturen fragt man sich übrigens, was bis zum Ringkrieg dann mit ihnen passiert ist - Sauron hätte die gut brauchen können.

Die Leere im Herzen

Der letzte Teil bietet jede Menge Heldentod, tränenreiche Abschiede, Freundschaften in höchster Not und Abstiege in die innere Dunkelheit der Seele. Genug Stoff also für große, epische Pay-Offs, mühselig aufgebaut über 8 Stunden Film hinweg.

Eeeeeh. Nein.

Nicht, daß Jackson es nicht könnte. Man denke an Boromir, wo einige wenige Szenen genügten, einen Charakter zu etablieren und uns seinen Sturz in die eigene Dunkelheit empfinden zu lassen. Als Spiegelkonstruktion dazu König Theodens Epos auf den Feldern von Pelennor, angefangen bei seiner Bluttag-Rede. Die herrzerreißende Szene, als Gollum in Sméagol triumphiert, als Sméagol unter der Folter Faramirs zerbricht. Sams Ansprache in Ostgiliath. Und - für mich - Aragorns größter Moment, als er nach seiner "Dieser-Tag-ist-nicht-heute"-Ansprache sich an seine Freunde wendet und schlicht sagt: "Für Frodo."

Tränenfetzer allesamt, Crowning Moments of Awesome.

Jackson benötigte nur wenige Szenen, die Werdung eines Charakters vorzubereiten und dann mit maximalem, emotionalem Punch zu vollenden. Diese Gabe scheint er verloren zu haben. Und so scheitern die Pay-Offs ganz simpel daran, daß es nur wenig bis gar kein Set-Up gab.

Tauriels großformatiges Geheule über Kilis Tod? Warum, bei Manwe, reagiert sie so? Das zweiteilige Set-Up bestand aus dem und aus dem (Warum liegt er auf Nüssen?!) und soll davon überzeugen, daß sie jetzt innerlich quasi verendet. Bei wem das funktioniert, der schluchzt auch hier.

Mitten im Film beginnt Lego über seine Mutter zu quatschen. Nachher gibt es dann noch bedeutungsschweres Gelaber von Thranduil zu genau diesem Thema. What the Fuck? Legolas hat Mutterprobleme? Hab ich irgendwas verpaßt?

Die Trilogie krankt daran, daß sie sich nie entschieden hat, welche Geschichte sie erzählt. Sie war die ganzen drei Teile hindurch narrativ unfokussiert. Mal war es Bilbos Geschichte, mal war es Thorins Geschichte, mal die Geschichte von Thorins Volk. Diese drei wurden gleichberechtigt jongliert (während im HdR z.B. Aragorns Geschichte immer subaltern war) und fielen am Schluß auf den Boden.

Es hilft auch nicht, daß die Charakterzeichnung bei all dem hektischen Gehopse und Zwergengefangennehmen einfach auf der Strecke blieb. Die Zwerge blieben größtenteils Leerstellen, Platzhalter mit interessanten Barttrachten. Verdammt noch mal, Gernot Haßknecht Dain Eisenfuß hatte in seinen drei Minuten mehr Charakterplay als Bifur und Bombur in drei Filmen.

Dramaturgisch sind die drei Filme insgesamt verkorkst, und im Dritten, als es ans Eingemachte geht, fällt dann eben alles auseinander. Daß der Film mit dem Angriff Smaugs auf Esgaroth beginnt und somit der Film auch noch einmal kurz nach Beginn zweigeteilt wird, hilft nicht weiter. Die Charaktere sind unterzeichnet, und selbst das wirklich gut spielende Ensemble - besonders Ian McKellan, Martin Freeman und vor allem Lee Pace als BADASS Elfking - kommt in toto gegen dieses leblose Drehbuch nicht an.

Ein Licht in der Dunkelheit

Aber es war natürlich nicht alles schlecht. Immer dann, wenn die Autoren ihr zwar vielversprechendes, aber letztlich an Unverständnis scheiterndes Stochern im Mythos abseits des Beschriebenen aufgaben und zurück zum Text fanden, ergaben sich starke Momente. Das war schon im ersten Teil so mit der hervorragenden Umsetzung von Riddles in the Dark und im zweiten mit den Spinnen im Düsterwald und Bilbos Begegnung mit Smaug.

Im dritten Teil ist es Thorins Abstieg in den "Drachenwahn", bildstark wie MacBeth in den dunklen Hallen von Erebor inszeniert. Hier erhält auch Bilbo einen Moment, der mehr Rampenlicht verdient hätte, als ihm das hektische Let's Play dann zugestand. Aus Liebe zu Thorin verrät er ihn und liefert dessen Objekt der Begierde seinen "Feinden" aus, um einen Krieg zu verhindern. Bilbo stellt sich gegen seinen Freund und riskiert diese Freundschaft, um ihn physisch (Krieg) und seelisch (Gier) zu retten. Die stärksten Szenen sind dann auch, als ein haßerfüllter Thorin ihn in den Tod schleudern möchte, und als ein sterbender Thorin sich bei Bilbo bedankt und ihn verabschiedet.
Farewell, Master Burglar. Go back to your books, your fireplace. Plant your trees, watch them grow. If more of us valued home above gold, it would be a merrier world.
Aber selbst dieser Handlungsstrang krankt an den dramaturgischen Unzulänglichkeiten dieses Films. Zu abgehackt die Szenen, zu plötzlich diese Wandlungen in Thorin, auch wenn Balin exponiert und mal kurz vom "Fluch des Drachen" fabuliert oder so. Sowas hat Jackson schon eleganter inszeniert auf knapperem Raum.

Auch wäre hier eine Möglichkeit gewesen, mal sinnvoll vom Text abzuweichen. Hat Bilbo mit dem Ring - man erinnere sich an die starke Szene mit der Spinne aus Desolation - nicht eine ähnliche Gier wie Thorin, leidet er nicht auch einem Fluch? Hier wäre Raum gewesen für eine sinnvolle Spiegelkonstruktion, aber es mußte mehr Blödsinn in den Film, mehr Schlachtengeplänkel, obwohl da niemand kämpfte, der Interesse zu wecken vermochte.

The Good, the Bad and the Ugly

Jacksons Vision von Mittelerde endet mit einem Wimmern, nicht mit einem Paukenschlag. 7 von 10 als Fantasyfilm, 4 von 10 Punkten als Abschluß von Jacksons Vision Mittelerdes. 

The Good: Die Darsteller, alle voran Pace und Freeman. Einige wunderbare Momente gelungener Action, die gerne auch ein bißchen gonzo sein dürfen (die Formationsbildung der Zwerge, Thorins Kampf gegen Azog, Thranduils Kampfszenen). Sehr schön die Umsetzung der Geschichte von Bilbo und Thorin mit dem einzig befriedigenden Pay-Off der gesamten Trilogie. Leider fehlte die Beisetzung Thorins.  

The Bad: Flache Charaktere, deren Schicksal letztlich niemanden kratzt oder deren Schicksal vollkommen unglaubwürdig dargeboten wird, unbeholfener Humor (Ryan Gage) der gerade im düstersten der drei Filme vollkommen deplaziert wirkt, sehr holprige Dramaturgie. Besonderer Kopfschüttler: Ihr habt das Buch verbogen wo es nur ging, aber die beschissenen Adler laßt ihr drin?

The Ugly: Ein Übermaß an teilweise lausigem CGI, das Mittelerde zu Azeroth macht. Die unepischste Schlacht von Mittelerde insgesamt.

Zwei Hoffnungen: 1) Ein Fanedit, der Jacksons und Tolkiens würdig sein wird. 2) Kein Reboot durch J. J. Abrams.

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