Donnerstag, 23. Mai 2013

Erinnerungswürdige Nebenfiguren im Rollenspiel

Gerade in Intrigen- oder Detektivabenteuern spielen Ermittlungen und andere Interaktionsformen mit einer Vielzahl an Nebenrollen-NSC  eine bedeutende Rolle. Mit nur den spärlichen Mitteln eines Tisch-SL ist es schwer, eine solche Schar individuell auszugestalten. Klar, im mittel- und fäntelalterlichen RSP hat man den Buckligen, den Einbeinigen, die mit dem Raben auf der Schulter, die mit der Augenklappe. Paßt schon.

In zeitgenössischen Settings indes wirkt eine solche Freak-Show eher unpassend und wird Befremden auslösen (es sei denn, man spielt in San Francisco oder Bulgarien). Hier sind dann subtilere Formen gefragt, wobei Subtilität immer eine Frage der subjektiven Einschätzung ist.

(Anmerkung: Hier geht es um die Darstellung von Nebenfiguren. Die Prinzipien sind durchaus auch in anderen Medien wie z.B. dem literarischen Schreiben anwendbar. Zur Funktion von Nebenfiguren gibt es im Blog auch was. Teil 1 und Teil 2.)


The full nine yards oder "Hi, call me Sandy". Zu jeder Berufsgruppe, jeder Ethnie etc. haben wir eine Fülle an Vorurteilen, die wie alle Stereotypen abrufbereit im Spielerkopf liegen. Auch wenn wir Spaß daran haben, Klischees zu brechen, empfiehlt es sich manchmal, eine Person zum Klischee schlechthin zu machen. Sandy Cougar ist Pressesprecherin der New Yorker Polizei, und ihr "Hi call me Sandy" ist den Spielern heute noch im Gedächtnis. Sonnig, der Inbegriff des bodenständigen Mädchens aus Idaho mit weißen Zähnen, den robusten Genen deutscher Vorfahren und der Verbindlichkeit des Bible Belt. Darunter: Teflon. Keine wertvollen Infos preisgegeben, aber die Gruppe erinnert sich.

Against the grain oder Spiel mir das Lied vom Tod. Manche Regisseure besetzen "against the grain" oder "against the type", um einen besonderen Effekt zu erzielen. Eines der schönsten Beispiele ist sicherlich der bis dahin stets aufrecht-sympathische Henry Fonda als eiskalter Killer in Leone's Westernoper. Im zeitgenössischen Spiel können wir ja mit Photos für NSC arbeiten. Normalerweise vermeide ich da bekannte Gesichter, um die damit verbundenen Assoziationen nicht aufkommen zu lassen. Manchmal kann es jedoch sehr hilfreich sein, diese bewußt abzurufen, um ein Spannungsfeld zwischen dieser Bild-Assoziation und dem eigentlichen NSC aufzubauen. So verwendete ich ein Bild von Kiefer Sutherland/Jack Bauer für einen kuscheligen Vorschulpädagogen mit Walldorfschaden namens Jack Fletscher. Das bleibt hängen.

Log lady oder "The owls are not what the seem to be". Dies ist die Technik, die Buckel, Raben und Augenklappen über die Hintertür wieder einzuführen. Man nehme eine vollkommen spießigen, unauffälligen Charakter und gebe ihm eine robuste Macke, die ins Zeitgenössische paßt. Willkommen, Mr. Jason Hanford, Direktor einer kleinen Sparkasse im Mittleren Westen. Ein vollkommen spießiger Mann abgesehen von der Tatsache, daß er seit einer Woche einen 5-Kilo-Sack Mehl durch die Gegend schleppt, den er nicht aus den Augen läßt. Alle zwei Stunden kümmert er sich rührend um den Sack. Eine ziemliche Macke, aber perfekt herleitbar: Er testet gerade, wie es sich anfühlt, Verantwortung für ein Baby zu übernehmen, konstante Aufmerksamkeit. Auch das bleibt in Erinnerung. Natürlich kann sowas ein Eigenleben entwickeln. Hanford ist Single, der Sack Mehl wird in seiner Vorstellung tatsächlich zum Kind, und der Mann entwickelt Paranoia. Seine größte Furcht ist es dann, daß man den Sack Mehl entführt und ihm die Entführer jeden Tag einen Muffin schicken.

Weitere Möglichkeiten: Bilder von C-Promis für Deine NSC, bei denen Du Dir sicher sein kannst, daß Deine Spieler rätseln, wo sie den schon mal gesehen haben; tatsächliche Promis als NSC (so hatte bei uns Charles Shaughnessy als er selbst eine Gastrolle), und wenn Du den vollen Charlie Kaufmann machen willst, vermische den Promi mit seiner Bildschirmpersönlichkeit (Hey, es ist Deine Realität - natürlich hatte Shaughnessy eine Agentin, die zu 100% CC Babcok war). Wie immer aber gilt: Alles in Maßen.



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