Montag, 9. Juli 2012

Gutes Hirn, Du stehst so stille...

Ja. Jürgen Todenhöfer interviewt für den Weltspiegel (ARD) den "Dämon von Damaskus" (Da ist die BILD noch nicht drauf gekommen. Up yours!), Assad. Da ich keine Ahnung habe, was in Syrien vor sich geht, ein Mißstand, den die westlichen Medien nicht gewillt sind abzustellen, kann ich zunächst nur mal auf das eingehen, was Assad dem Todenhöfer so erzählt. Das wirkte alles durchaus ruhig, vernünftig und berechtigt. Assad meine ich jetzt. Nicht Todenhöfer. Der wirkte wie Karl-Theodor zu Guttenberg in gefühlten 429 Jahren.


Gott seis gedankt, kann eine öffentlich rechtliche Redaktion nicht hinnehmen, daß jemand Assad auch nur ansatzweise für aufrichtig halten könnte, und hat zwei "Experten" ins Studio gekarrt. Fernsehexperten sind die Menschen, die mit offenem Mund in der Landschaft stehen, die von allem überrascht sind, und denen in unbeobachteten Momenten ein Speichelfaden aus besagtem offenen Mund baumelt.
Beweise? Hey, einer der beiden war vom ehemaligen Nachrichtenmagazin. Aber er hat es gut getarnt und die Clownsnase zuhause gelassen. Der andere war von der ARD.

Okay. Die beiden hatten jetzt die Aufgabe, Assad zu widerlegen, dem Dämon die Maske von der Fratze zu reißen, ihn in Widersprüche zu verwickeln. Als Zyniker wollten sie ihn entlarven. Klarmachen, daß er an der ganzen Scheiße schuld ist, er allein.

Und wie haben die "Experten" das gemacht? Ein Beispiel

Assad, im Interview (Paraphrase): Es sind ausländische Mächte, die hinter den Rebellen / Terroristen stehen. In erster Linie der Außenminister Saudi Arabiens und sein Amtskollege in Katar. Sie haben ihre Unterstützung ganz offen bekannt gegeben. Wohlgemerkt, was die Bewaffnung betrifft. Die Türkei hat, meine ich, logistische Hilfe beim Schmuggeln angeboten.
Einer-von-zwei-Experten-mit-Nicken-des-anderen (Paraphrase): Blödsinn. Also echt jetzt. Kontakt mit Volk verloren. Keine Ahnung mehr. Der Typ weiß nicht, was los ist.

Jetzt passiert was. Die Moderatorin, ich möchte an dieser Stelle anmerken, daß der Maskenbildner sie hassen muß, spielt einen kurzen Hintergrundbericht ein. Da hat jemand geschlafen, oder der Weltspiegel birgt in der Redaktion Restrésistance dagegen, statt Nachrichten Teil der Narrative zu sein. In dem Einspieler wird zunächst deutlich, daß Katar und die Saudis die Rebellen finanzieren und bewaffnen. Dann zeigt der Film, wie die türkische Regierung besagte Ausrüstung nach Syrien einschmuggeln läßt und berichtet fröhlich, wie die CIA die Rebellen ausbildet.

Also so ungefähr ein bißchen wie Assad das erzählt. Ungefähr ein bißchen = 95% + natürlich hängen die USA mit drin.

Die zwei anwesenden Herren gucken danach kompetent, zerstören aber genau diesen Eindruck, in dem sie den Mund aufmachen. Sie sind eigentlich als "Experten" restlos diskreditiert. Sie haben die Wirklichkeit sinngemäß als Fiktion eingeordnet. Hupps. Wie wäre es damit, in Scham davon zu kriechen? Ach. Nö. Machen wir uns doch vollkommen lächerlich.

Einer-von-zwei-Experten-mit-Nicken-des-anderen (Paraphrase): Natürlich ist das auch ein bißchen ein Stellvertreterkrieg. Aber Assad ist trotzdem schuld. Irgendwie, aber dafür zum großen Teil. Eigentlich ganz alleine. Glauben Sie mir. Ich war schon da. Deswegen weiß ich auch so viel. Weil ich schon da war. Und mit Menschen gesprochen habe.

Ich hörte sogar den Knaller "Wie man weiß" in dieser Sendung. Tut "man" das? Ich nicht! Ich weiß nur, daß Du für das, was "man weiß" keinerlei Belege anbringst. Ich empfehle zur Erkenntnis über diese Art der "Argumentation" James Thurber.

Das war nicht die einzige piepkomische Szene der "Nachbesprechung" des Interviews, dessen Niveau fatal an das der Nachbesprechungen der EM-Spiele erinnerte. Was also bleibt ist ein sehr interessantes Interview, kompetent geführt von Jürgen Todenhöfer (ungeachtet seiner schröcklichen Erscheinung) und kompetent geführt von Assad.

Wer was in Syrien wem antut? Keine Ahnung. Immer noch nicht. Aber ich weiß, wenn man mich verarscht.

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