Freitag, 11. Januar 2013

Ein Eindruck von Conspiracy X - Teil 1

Drüben bei Ubihex habe ich von Conspiracy X und einem sehr schönen Sonderangebot (noch bis Montag) erfahren. Jetztzeit, Paranoia, Verschwörung... hey! Genau meine Kragenweite. Aber sowas von. Da ich ja gerade in der Ecke arbeite, dachte ich mir, schlag zu, mal gucken, ob Du was lernen / klauen kannst.

Ubiquity ist der Motor des Spiels. Das System habe ich bisher nur im Vorbeifahren wahrgenommen, u.a. bei All For One und Space 1889. Angepriesen wird es so:
Kern des Rollenspielsystems sind die innovativen, schnell und leicht verständlichen Ubiquity-Regeln, die sowohl einen spannenden Verlauf von Geschichten und Abenteuern als auch kinoreife Aktionen unterstützen.
Okay. Klingt doch nicht schlecht. 

Wuhuuuuu! Mixing up things. Uni-System, nicht Ubiquity. Uni-System ist ein simples, eigentlich "klassisches" generisches System (als "Cinematic Uni-System", wobei ich mir da nicht sicher bin). Aber jetzt ist das auch klarer.

Also habe ich mir das GRW besorgt. Für ein schnelles, leichtes System kommt das PDF mit mehr als 250 Seiten doch recht fettig daher. Das Design ist dem Thema angemessen, die Illus reichen von okay bis gut, wobei ich nicht übermäßig anspruchsvoll bin. Der Text ist leider zweispaltig, was ich bei PDFs hasse.

Das GRW beginnt damit, daß Fluffy räudige Prosa in Bällchen auf den Teppich öckert. Auf 20 (Zwanzig! Zwanzig!) Seiten ranzeln da mehrere Pfund Getipptes. Nach zwei Seiten festgestellt, daß es sehr reizlos daherkommt (höfliche Paraphrase) und erst einmal überschlagen.



Ist das überstanden, kommt man zu Kapitel 1, indem die Möglichkeiten und Konventionen erklärt werden, während Kapitel 2 das Setting einführt, bevor die Möglichkeiten des Charakterbaus erläutert werden. Die Hintergrundinfos sind mMn schon zu offen, um überhaupt Paranoia aufkommen zu lassen, da die Designer davon ausgehen, daß die SC einer Geheimorganisation namens AEGIS angehören. Wie langweilig (findet man wohl auch bei Eden Studios und empfiehlt zwischen den Zeilen, einen anderen Weg zu gehen).

Der Hintergrund selbst ist Brot-und-Butter-Paranoia, zum größten Teil aus Akte X. Es bedient zwar die notwendigen Klischees zu einem Verschwörungsspiel, läßt aber Eigenes, Originelles vermissen. Es geht mehr darum, Dinge abzuhaken (Greys? Check. Reptiloids? Check.) Mel Gibson als Taxifahrer braucht genau 3 Minuten um viele coolere Geschichten zu erzählen.

Charakterbau - Wir crunchen

Wähl Deinen Typ. Es werden vier Stück angeboten, die Wahl bestimmt die Zahl Deiner Baupunkte und evtl. noch andere Details wie Zugriff auf psychische Kräfte. Wähle Deinen Beruf, die reichen von ATF Field Agent über NASA Mission Specialist bis Navy Seal, haben Anforderungen an Attribute und geben u.a. Boni auf bestimmte Fertigkeiten. Im Gegenzug kosten sie Punkte.

Dann verteilst Du Punkte auf Deine Attribute, die jetzt auch nicht so wahnsinnig ungewöhnlich sind: Stärke, Gewandtheit, Konstitution, Intelligenz, Wahrnehmung, Willenskraft. Hier verteilt man Punkte von 1 bis 5 pro Attribut, darüber wird es deutlich teurer. Jetzt rechnest Du Deine sekundären Attribute aus, das sind Sachen wie Ausdauer und Geschwindigkeit, die sich aus den Attributen errechnen. DSAler und BRPler werden sich heimisch fühlen. Die Formel für Ausdauer ist ((CON + STR + WIL) * 3) + 5. Das find ich jetzt schon etwas, gnh.

Vorteile und Nachteile folgen ("Qualities and Drawbacks"). Hier ist eine breite Mischung im Angebot, die mir ihr eigenes Thema zu lieblos behandelt. Der "Ufo-Entführte" z.B. hat knallige Boni auf spezielles verborgenes Wissen und gilt als Quality. Ich hätts zumindest gemischt gehandhabt. So eine Analsondierung ist ein Trauma mit unabsehbaren Folgen. Aber die Auswahl ist breitgefächert und interessant, man kann da was draus machen. Die Pulling-Strings-Vorteile sind besonders reizvoll, erlauben sie dem SC doch echten Einfluß via Ausrüstung und Kontakten. Sie erinnern stark an die Connections im frühen Shadowrun (keine Ahnung wie das heute ist).

Dann Skills, und ich muß sagen, so langsam komme ich ins Grübeln. "Cinematisch?" "Schnell?" Dafür ist das hier verdammt kleinteilig. Computer programmieren, Computer hacken, Computer Basiswissen? WTF? Schönheitspflege? Rly? Tanzen? Und das muß auch noch spezialisiert werden?

Dexterity and Dancing are used to actually dance; Perception and Dancing are used to recognize a type of dance and to judge the quality of another’s performance.
Wow. Ich guck mal aufs Cover. Nein, ist nicht DSA 4. Mmmmh.

Abgerundet wird die Charaktererschaffung dann mit einigen eher allgemeinen Absätzen über Ausrüstung und "Finishing Touches", also der Charakterbeschreibung.

Mal durchschnaufen

Uff. Versprochen hat man mir ein Speedboat ("innovativ, schnell und leicht verständlich") aber nach über 100 Seiten Charaktererschaffung habe ich das Gefühl, eine ganzes Schwein gegessen und einen Dreadnought gekauft zu haben, der an der Mole vor sich hin rostet. Innovativ ist zumindest bislang noch nichts. Überhaupt nichts. Auch der Hintergrund nicht, der das Thema mit Schrebergartenpiefigkeit in eine Checklist umwandelt.

Bzgl. System siehe auch oben.

Aber mal gucken. Vielleicht ist das ja Absicht, um konservative Rollenspieler wie mich anzulocken. Ich hab noch das halbe Buch vor mir, und vielleicht bauen die Mechas des Spieles dann den Warp-Antrieb in die olle Mühle da..

(Fortsetzung folgt)





Kommentare:

isyahadin hat gesagt…

ConX verwendet nicht Ubiquity sondern das UniSystem in der Geschmacksrichtung Cinematic, welches fast 10 Jahre alt ist.
Sollte man imho bei der Bewertung nicht außer Acht lassen.
Hast Du das evtl. vor dem Einkauf überlesen?

TheShadow hat gesagt…

Autsch. Überlesen. Ich korrigiers morgen.

Danke.

Chrischie hat gesagt…

Ich baue gerade an einer ähnlichen Baustelle. Kannte das Unisystem aber schon von All Flesh must be eaten. Wenn man ConX mit Agents of Oblivion für Savage Worlds vergleicht, dann kann in meinen Augen AoO alles was auch ConX kann, nur "besser".

Cyric hat gesagt…

Ich lese mich aktuell in die 1st Edition ein, die offensichtlich nicht so geDSA4t ist, was Hintergrund und Skillsystem angeht. Offensichtlich die richtige Entscheidung...

Stefan hat gesagt…

Conspiracy X hier in der V2 arbeitet mit dem Classic UniSystem, wie man es auch in All Flesh Must Be Eaten, Witchcraft, Armageddon und Terra Primate. Dieses ist ein klassisches generisches System, dem man sein Alter bzw. seine Entstehungszeit anmerkt.

Die Spiele Buffy, Angel, Army of Darkness und Ghosts of Albion benutzen das Cinematic UniSystem. Das ist eine deutlich abgespeckte Variante des Classic UniSystem.

Das bedeuted du suchst in Conspiracy X V2 vergeblich nach cinematischen Zeug.

Faraday77 hat gesagt…

Yep, ConX nutzt Classic UniSystem, nicht die abgespeckte Version Cinematic.

Der Narr hat gesagt…

Das Classic Unisystem IST sehr schlank und einfach, wenn man es gegen komplexe System wie GURPS, Shadowrun oder DSA4 hält. Das wirkt sich aber eher im Spiel selbst als in der Generierung aus. Und natürlich darf man keine Konkurrenz zu Savage Worlds oder gar Erzählspielen wie Risus oder so erwarten.
Conspiracy X 2.0 hat jedoch eine etwas aufwendigere Charaktergenerierung, da die HQ-Generierung sowie die Pulling Strings (und damit die Notwendigkeit der Berufe) Zusätze sind, die es in anderen Unisystem-Spielen nicht gibt. Ich wünschte, gerade zum HQ-Bau hätten wir solche Regeln vor vielen Jahren in Shadowrun gehabt...

Die Wahl des Charaktertyps ist eigentlich etwas, das die Gruppe für sich entscheiden sollte - im Grunde eine Art Justierung des Powerniveaus, je nachdem, was für einen Kampagnentyp man spielen möchte.

Wem natürlich mehr als 10 Skills und das Vorhandensein von Vor- und Nachteilen sowie ein konventionelles Punktekaufsystem schon zu viel sind, der wird auch das Classic Unisystem als komplex bezeichnen.
Es spielt sich dann jedoch sehr angenehm und das Regelwerk ist nicht sonderlich aufdringlich. Grandios finde ich das Initiative-System, wenn man den Mut hat, es auch so durchzuziehen (inkl. der Ansagen!).

Es stimmt, dass Conspiracy X - abgesehen von dem Twist, AEGIS-Agenten zu spielen - ziemliche plain vanilla UFO-Verschwörung ist. Manche mögen das ja. Anderen ist es nicht plain vanilla genug, bei mir in der Runde scheiterte es daran, dass ein Spieler sich auf keinen Fall darauf einlassen wollte, einen AEGIS-Agenten zu bauen.

Für mich ist Conspiracy X im Bereich der UFO-Verschwörungs-Spiele das, was Traveller für klassische Sciencefiction ist und ich bin froh, dass es diese Spiele gibt. Ich mag plain vanilla.

TheShadow hat gesagt…

Vor allem erklärt der Verwechsler meine Verblüffung; ich hab vor zwei Jahren mall in All for One reingeschaut (kurz) und habe hier gar nix mehr erkannt...

:P :)

Der Narr hat gesagt…

Wobei Ubiquity ja mindestens genauso komplex ist. Auch Ubiquity kennt eine extrem ausführliche Fertigkeitsliste (und sogar wirklich Spezialisierungen) und man kann sich Vor- und Nachteile kaufen. Was die Komplexität angeht, sehe ich zwischen Ubiquity und Unisystem keine großen Unterschiede.

Darum fand ich übrigens Ubiquity (Hollow Earth Expedition) ziemlich enttäuschend - denn das tritt ja wirklich mit diesem schnellen und pulpigen Anspruch auf, aber spätestens wenn man sich überlegt, ob sein Indiana Jones-Verschnitt vielleicht auch Buchhaltung als Fertigkeit benötigt, wenn er Expeditionen ausstatten möchte, vergeht das ;).

Und anders als in DSA4 oder Gurps, das sollte man noch mal deutlich sagen, benötigt man NIEMALS einen Taschenrechner.

Aber ich bin mal gespannt, wie deine weiteren Eindrücke aussehen werden. Meine Vermutung ist, dass du spätestens bei der Verrechnung des Waffenschadens mit Rüstung aussteigst, denn das ist in der Tat ekelhaft verregelt.

Dennoch finde ich, dass man dem System sein Alter kaum anmerkt. Viele Ansätze findet man ja gerade aktuell in Shadows of Esteren fast 1:1 übernommen ;).

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