Freitag, 4. Januar 2013

Wege des Führers

Es raunt und wispert,
stöhnt und flüstert,
und von fiktiven Zwiebeltürmchen
steigt herab ein Scheißestürmchen.

Beilunker Hufe donnern durch die Nacht, schlagen Funken aus dem Fels des Weges der zur Redax führt. Dunklen Meistern dienen sie und holen sich nun ihre Anweisungen. Im Volke gärt es, vorzugsweise cerebral, Finsternis hat Einzug gehalten, Rauch durchdringt die Nacht, und Fetzen der Klagegesänge irren aus der Dunkelheit.

Guido Knopp tritt auf, blickt ins Publikum und räuspert sich. Sein Blick ist ernst, was er uns mitzuteilen hat, wird uns nicht gefallen.

"Adolf Hitler."

Also ist das Ende wieder mal nah. Der eine oder andere, der das hört, weint in der Dunkelheit und sein Blick schwankt zwischen Rasiermesser und Handgelenk hin und her, während das heiße Wasser ihn in der Badewanne umspült.

Die Homeriker vertreiben den Landser und das macht den kleinen Jesus weinen.

Jaja, der Landser. Dem naiven Menschen wie mir erscheint das nur als kriegsverherrlichende Kacke ohne Bedeutung. Hedwig Courths-Mahler schreibt den Wehrmachtsbericht, um sich ihre Geschlechtsumwandlung in Theodor Fontane leisten zu können, mehr ist das nicht.

Bin ich doof, stütze ich doch mein Urteil darauf, die Publikation zu kennen. Aber da draußen gibt es andere, Kundige. Die lesen Wikipedia und wissen von dort, wie gefährlich das ist, wie machtvoll der Zauber dieser Gossenprosa sich im deutschen Hirne zu entfalten vermag.

Die wissen, in der Druckerschwärze des Heftchens sind Extrakte aus den Leichen von Hitler und Goebbels. Du wirfst einen Blick in ein Landserheftchen und hast sofort den unbezwinglichen Willen, den rechten Arm zu heben und andere Völker an die Wand zu stellen. (Allergikerinfo: Kann auch Spuren von Nüssen, Senfsaat und Schalentieren enthalten.)

*Kablamm*
Ich: Was war das denn jetzt?
Anderes Ich: Was war was?
Ich: Hinterm Haus. Wen hast Du hinterm Haus erschossen?
Anderes Ich: Oh (reckt den Hals. um aus dem Fenster zu spähen) Vornehme Zurückhaltung, glaub ich. Ja, ganz sicher, Vornehme Zurückhaltung.
Chor der Bayreuther Festspiele: Wiegele, wiegele, weia, weia.
Ich: Oh Bugger.

Wie immer, wenn der Deutsche sich erregt, greifen Reflexe, die tief in den Genen verankert sein müssen, und das ach so liberale Gedankengut verrät seine wahre Gesinnung, nämlich eine nicht unähnlich jener, die unter dem Deckmäntelchen des besorgten Demokraten zu bekämpfen man vorgibt:
"Dass dieses Heft nicht schon längst von den staatlichen Behörden verboten wurde, ist mir wirklich unbegreiflich." - "Ja, Nazischrott verbieten. Ende der Diskussion."
So ist das mit dem Deutschen. Er verbietet einfach gerne Bücher. Wenns richtig rund läuft, schichtet er sie auf Haufen und zündet sie unter Absingen völkischen Liedgutes an. Boykottaufrufe sind so neu jetzt auch nicht, und alles ist doch nur das Hilfsintrumentarium des Würstchens, das fürchtet, sich argumentativ nicht durchsetzen zu können. Aber wie sollte er auch, ist der demokratische Diskurs in unserem Lande doch quasi nicht-existent. Es ist ja alles alternativlos, was soll man sich da auseinandersetzen. Verbieten ist doch viel besser.

Und wenn ich bedenke, wie hier nach Boykott und Verbot gerufen wird, gerate ich ins Grübeln. Schenke ich meinen Landsleuten zuviel Vertrauen? Wer so nah am Tyrannenreflex entlang polemisiert, wie es in dieser "Debatte" geschah - vielleicht ist der tatsächlich gefährdet, durch in ihrer Plumpheit nicht zu überbietende Kameradschaftsprosa seinem inneren Wandervogel zu erliegen? Lauert das Vierte Reich hinter der nächsten Wegbiegung?

"Zu derb", murmelt Heinrich Heine und erhebt sich, ein windumtoster, schmaler Umriß auf der Loreley, der an seinen Landsleuten verzweifeln möchte.

Der Knecht singt gern ein Freiheitslied
Des Abends in der Schenke:
Das fördert die Verdauungskraft
Und würzet die Getränke.

Aber auch die finsterste Nacht kennt einen Morgen, und der wird umso heller strahlen. Die Dunklen Meister der Redax lassen denn verlautbaren.
Die Inhaber von Ulisses Spiele sind große Fans von Perry Rhodan und haben sich darum sehr gefreut, als sich in Gesprächen mit Pabel Moewig die Gelegenheit geboten hat, die Atlan-Reihe ins Haus Ulisses zu holen. (...) Bereits vor mehreren Wochen wurde die Entscheidung getroffen, die Kooperation bezüglich der Heftromane zu beenden. Aufgrund der Vertragsbedingungen wird dies voraussichtlich im April 2013 der Fall sein. 
Alles vorbei. Am 20. April spätestens wird der Vertrag aufgelöst. Aventurien wird vom Führer befreit. Damit sollte eigentlich alles im Lot sein.

Anderes Ich: Perry Rhodan. Sie nennen sich selbst Perry-Rhodan-Fans.
Ich: Hör auf! Es ist vorbei.
Anderes Ich: "Millionen junge Deutsche hören auf ihren neuen Führer." Das ist nicht von mir, das ist von der ARD. Und sie meinen Perry Rhodan.
Ich: Du hörst auf. (Zerrt das Andere Ich nach links von der Bühne).
Anderes Ich: (aus der Kulisse) Perry Rhodan ist das Böse! WEHRET DEN ANFÄNGEN!

Kurz wird es still. Das Bühnenlicht verlischt bis auf ein einziges. Schließlich tritt auf Guido Knopp. Er trägt eine Augenklappe und verharrt am Bühnenrand.

Guido Knopp (ratlos): Adolf Hitler?

Addendum:

Ungekürzt aus dem DSA4-Forum.
Also ich muss mich wirklich schockiert geben, seit ca 2 Monaten arbeite ich im Verkauf bei einem Zeitungsladen und hab dort das erste mal dieses Heft gesehen, was mir jedoch nicht auffiel, ist das er von Ulisses vertrieben wird. Dieses Heft habe ich bisher nur 1 mal verkauft und das an einen relativ "strammen burschen" möchte ich mal sagen. In einer kleinen Filiale meiner Kette, wird dieses Heft direkt mit den "Zeitungszeugen" Ausgabe in eine Ecke gestopft. Ich hoffe Ulisses überlegt sich das nochmal, vor allem weil ich mir gerade noch überlegt habe ein paar DSA Werke zu erwerben, so einen Schund will ich nicht unterstützen.
Soso.




Kommentare:

greifenklaue hat gesagt…

Letzteres Zitat bezieht sich auf der Landser nehm ich an, naja, wäre bei PR genauso falsch. Der alte PR-Youtube-Bericht lief mir schonmal über den Weg, aber in dem Fall ... eindeutig passig!

Anonym hat gesagt…

"Wer so nah am Tyrannenreflex entlang polemisiert, wie es in dieser "Debatte" geschah - vielleicht ist der tatsächlich gefährdet, durch in ihrer Plumpheit nicht zu überbietende Kameradschaftsprosa seinem inneren Wandervogel zu erliegen?"

Wie ist dieser Absatz zu verstehen, Herr mit dem Schatten?

Anonym hat gesagt…

TWO
THUMBS
UP!

Warum hab ich das verpaßt?

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