Es kommen bald die Jubiläums-Wir-Bauen-eine-Statue-Fassungen von AD&D 1 heraus, und zur großen Freude aller Old Schooler hier werden sie, so läßt
Greifenklaue verlauten, auch in Deutschland erhältlich sein. 90 Euro für ein System, dem ich nur bedingte Spieltauglichkeit im Jahre 2012 attestiere, bei alle Liebe dafür (und es ist viel Liebe in meinem kleinen Herzen). Ist mir aber eh egal, man hat ja die Originale.
Aber das ist nicht der Anlaß des Postes. Ich selbst bezeichne mich (mit 30 Jahren RSP-Erfahrung, hust) als Old-Schooler, und ich liege mit meinen Ansichten über Old School mit anderen Old Schoolern eigentlich oft über Kreuz. Beispielsweise in der Frage, ob eine Zielsetzung des DMs sein sollte, möglichst viele Charaktere zu töten, wie eine (v.a. amerikanische) Minderheit behauptet. Natürlich NICHT, mit Ausnahme von speziell dafür angelegten Dungeons wie "Tomb of Horrors". Die meisten 1e-Module waren nicht als Fleischwölfe angelegt sondern implizieren im Design einen Erfolg der Charaktere.
Weniger klar kann man die Behauptung widerlegen, Old School bedeute zwangsweise Figürlis und Pöppel über Bodenpläne schieben. Das machten zwar viele damals in jenen "kalten, harten Tagen", da man mit 4 TP überleben mußte, aber noch mehr verzichteten eben. Aber die Diskussion ist nicht gut zu führen, da eine Argumentation beiden Seiten schwerfällt. Das sind halt Befindlichkeiten.
Umso froher als Historiker bin ich nun, einen Zeitzeugen ins Gefecht führen zu können, einen "Überlebenden" der ursprünglichen Gary-Gygax-Runden, und auf Gary (gepriesen sei sein Name) berufen wir Alten Säcke uns ja alle gerne.
Mike Mornard berichtet aus den Runden mit Gygax:
"Gary never used maps or minis: maps and minis were Dave Arneson's thing."
Hihi: Sags ich doch. Ich hab nichts gegen Minis, Tiles und Pläne, ich benutze sie selbst gerne für unübersichtliche Szenen, aber sie sind eben
nicht Old School. Im Gegenteil: Mein Eindruck von Gary's "Alternativen Kampfregeln" im OD&D ("Men-to-Men Melee" im Ersten Band der 1974er Regeln, S. 19) war immer, daß er sie eingeführt hatte, um eben vom Figurenschubsen der Chainmail-Regeln, auf denen OD&D ja basiert, wegzukommen. Insofern ist die "Rückverbrettung" von D&D beginnend mit der Version 3.0 und kulminierend in der...interessanten... 4e eine evolutionäre Regression.
Gary hat die neueren Inkarnationen bekanntlich* auch nicht gemocht. Aber bei aller Zustimmung in der Mini-Frage, eine andere seiner Leittechniken werde ich wohl eher nicht nutzen:
Gary ran games in his office, which was provided with chairs, a couch, and file cabinets. While playing, Gary would open the drawers of the file cabinet and sit behind them so that the players COULD NOT SEE HIM. They only experienced the Dungeon Master as a disembodied voice.
Och, nö. Das ist ja fast wie Skype.
(Danke an
Cyric für den Link zu Blog of Holding.)
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*Im August 2004 sagte er in einem
Interview:
I've looked at them [the current D&D games], yes, but I'm not really a fan. The new D&D is too rule intensive. It's relegated the Dungeon Master to being an entertainer rather than master of the game. It's done away with the archetypes, focused on nothing but combat and character power, lost the group cooperative aspect, bastardized the class-based system, and resembles a comic-book superheroes game more than a fantasy RPG where a player can play any alignment desired, not just lawful good.
Now, should I tell you what I really think?
Ich denke, wir können da sehr fein herauslesen, was er von der 4E gehalten hätte.