Montag, 6. Juli 2020

R.I.P. Ennio Morricone



Mit Ennio Morricone ist gestern Nacht einer der bedeutendsten Filmkomponisten des 20. Jahrhunderts gestorben. Er war 91, also nicht unbedingt überraschend. Er hat den Sound des Spaghettiwesterns geformt,

Mein Lieblingswerk von ihm war jedoch Once Upon A Time in America, ein hemmungslos unterschätzter Film von Sergio Leone. Das ist eine jüdische Gangsterballade, meiner Meinung nach auf Augenhöhe mit Coppolas Der Pate.

Ruhe in Frieden.

Samstag, 27. Juni 2020

Sieg über den Rassismus


Gute Nachricht. Der Rassismus ist so gut wie besiegt; Netflix hat Community S2E14 aus dem Verkehr gezogen. Ja, die AD&D-Folge. Selbstverständlich ist es in diesen erwachten (woke) Zeiten unmöglich, daß ein koreanischer Charakter sich als Dunkelelf verkleidet. Das ist ein Haßverbrechen.

Hours after Netflix removed the episode from its platform, Hulu followed suit and took “Advanced Dungeons & Dragons” down as well. In a statement, Sony Pictures Television, the studio behind “Community,” said it “supports” Netflix and Hulu’s decisions to pull the episode. Representatives for Harmon [Schöpfer von Community]  did not immediately respond to TheWrap’s request for comment.

Ich wüßt nicht, was Dan Harmon zu diesen Hexenjagden sagen sollte. Wenn er sich nicht auf den Rücken dreht und winselt, wird er halt gekreuzigt. Feuchtwangers Wahn oder der Teufel in Boston wirkt mehr und mehr wie eine freundliche Utopie.

Freitag, 15. März 2019

Cuimhnímid na mairbh inniu.

Gerade erfahren, daß Hans-Wilhelm Bothe, in Rollo-Kreisen eher als Enno oder Kardohan bekannt, überraschend verstorben ist. Ich kannte ihn nicht in real life, aber er war einer der eminenten Savages Deutschlands und online ein ebenso beschlagener wie angenehmer Gesprächspartner.

Also schweigen wir, heben das Glas, gedenken seiner und wünschen Familie und Freunden alle Kraft in dieser Zeit.

Und als persönliches Schlußwort: Scheiße. Mit Mitte fuffzich sollte man nicht abtreten müssen.

Dienstag, 12. Februar 2019

Chuzpe.

Medien- und Lesekompetenz bitte anwerfen. Mittlerweile ist Deutschland eine einzige, humorbefreite Zone. Nicht, daß Fassenacht besonders viel mit Humor zu tun hätte, aber ein Karnevalsverein in Sachsen hat als Motto "Uniformen" für seine rituelle jährliche Humorausübung gewählt. Sie werben mit einem Bild aus Hogan's Heroes, einer alten Sitcom, die sich über Nazis lustig macht und sie als chromosomal Herausgeforderte präsentiert. Eigentlich gerade in Sachsen für einen Karnevalsverein erstaunlich töfte.

Natürlich geht das nach hinten los. Ein Metaspiel mit Ironie in Deutschland? Da sei der Bartel vor während er den Most holt. Einige Gesinnungsmullahs in den Medien sind natürlich sofort drauf angesprungen und spreizen ihr intellektuell verarmtes Weltbild wie ein Pfau die Federn. Und wer mal richtig die kognitive Dissonanz scheppern hören will, dem sei dieser Satz empfohlen.
Mit Uniformen könne man nicht das ausdrücken, worum es beim Karneval ginge: "Freude, Spaß und Frohsinn", sagte Jörg Weiser, der Chef des Verbands, der "Freien Presse" aus Chemnitz.
Das schmilzt im Hirn, nicht in den Händen. Zu keiner Zeit sind beispielsweise im Rheinland mehr Uniformen zu sehen als im Karneval.

Herr Röhlig trieft dann im Schlußsatz vor Perfidie, als er kackdreist impliziert, Wehrmachtsuniformen seien bei der Veranstaltung erwünscht gewesen:
Vorab wolle der Karnevalsverein auch noch mal darauf aufmerksam machen, dass "Uniformen" alles von Ärztin bis Polizist bedeuten kann – aber Nazi-Uniformen trotz der eindeutigen Einladung jetzt doch nicht mehr erwünscht sind.ginge: "Freude, Spaß und Frohsinn", sagte Jörg Weiser, der Chef des Verbands, der "Freien Presse" aus Chemnitz.
Man benötigt halt Chuzpe als Qualitätsjournalist.

Dienstag, 29. Januar 2019

Scheiß Heuchler!

Auf der Welt gibt es irgendwas zwischen 1,3 und 1,5 Milliarden Autos. Wäre es nicht absolut geil für den Klimaschutz, wenn wir über Nacht 50% davon stillegen würden? Die Hälfte aller Autos auf diesem Planeten? Das wäre doch einmal eine einschneidende Maßnahme. Und dabei so einfach.

Natürlich hab ich nicht vor, die armen geplagten Schweine weiter zu strafen und kalt zu enteignen, die täglich 100 km und mehr im Auto zu ihren Jobs fahren müssen, weil der öffentliche Nahverkehr in Deutschland eine einzige Katastrophe ist. Nein. Wir müssen dafür nur 15 Schiffe stillegen.

15. In Worten: Fünfzehn.
Allein die fünfzehn grössten Schiffe der Welt stossen pro Jahr so viele Schadstoffe aus wie 750 Millionen Autos, errechnete der Naturschutzbund Deutschland in einer Studie.
So, und wenn jetzt die Klimaheuchler von egal welcher Partei deinem Nachbarn seine alte Karre mal wieder wegnehmen wollen (die er nur fährt, weil bei drei schulpflichtigen Kindern die Kohle an allen Ecken und Enden fehlt), weil anders das Klima nicht gerettet werden könne und wir dann alle stürben, ja dann denk mal über diesen simplen Tatbestand nach.

Fünfzehn Schiffe.

Montag, 28. Januar 2019

"Hey Robbie! Dein Gott spricht aus einem Abwasserrohr zu Dir!"


Lieutenant John Martini: One of the players Robbie played with got carried away and killed him.
Daniel: That's kind of far out.
Lieutenant John Martini: Mazes & Monsters is a far-out game. Swords... poison... spells... battles... maiming... killing!
Daniel: Hey, it's all imagination!
Lieutenant John Martini: Is it? Is it?


Kaum ein anderer Film genießt bei (älteren) Rollos einen Legendenstatus wie Mazes & Monsters, ein Film von 1982 mit Tom Hanks, der einer der Auslöser für die "Satanic Panic" darstellte, die Rollenspiele und Rollenspieler in den 1980ern im angelsächsischen Raum plagte. Der Film beruht sehr lose auf dem gleichnamigen Buch, das - wiederum sehr lose - die Ereignisse um um das Verschwinden von James Dallas Egbert im Jahre 1979 beschreibt. TubiTv streamt das Machwerk derzeit, und so konnte ich endlich mal reinschauen.

Oh my God.

Faszinierend. Die erste Stunde oder so schwankt zwischen Fremdschämen, absoluter Fassungslosigkeit über die Repräsentation des Hobbies und fast hysterischem Gelächter. Das ist ein Film zum Hämen und den Bildschirm anschreien, seien es Dialoge, Figurengestaltung, Schauspieler, Sets oder auch nur die penetrante Musik. Teen-Drama mit Rollenspielhintergrund.

Kate: "What Level are you?"
Robbie: "I was 9th Level."
Kate: "Oh my God! I am 9th Level, too!"

Jede sarkastische Erwartungshaltung wird prompt bedient. Interessanterweise ist der letzte Akt gar nicht mal schlecht (vom Ende abgesehen), und wenn man die Prämisse "durchgeknallter Rollenspieler" akzeptiert hat, ist die Szene mit dem "King of Rats" grenzwertig genial.

4 von 5 Vorurteilen. Empfohlen. Flasche Rotwein dazu ebenso.

Samstag, 8. September 2018

Hollywood ist doof

Wegen dieses blöden dritten Teils von Drachenzähmen leicht gemacht bin ich jetzt nur noch auf dem vierten Platz, wenn man bei Google "Tagschatten" eingibt. Och menno.

Donnerstag, 6. September 2018

RSP-Karneval: Vorschau auf Blutgold der Sieben Winde

Der diesmonatige Karneval dreht sich also um Piraten mit allem, was dazu gehört. Als Kind liebte ich Piratenfilme. Der Rote Korsar, einmal jährlich im deutschen Fernsehen gezeigt, begeisterte mich immer wieder. Ich seh ihn auch heut noch gern. Die Schatzinsel ist einer der spannendsten Abenteuerschmöker aller Zeiten und immer noch besser geschrieben als er jemals verfilmt wurde (mit Ausnahme vielleicht der Disney-Weltraum-Fassung).

Nur rollenspielerisch, rollenspielerisch hat mich das Genre nur selten überzeugen können. Liegt vielleicht an den angebotenen Materialien, aber nur wenig schmeckt da wirklich nach Seetang, Blut und Pulverrauch.

Vor einem Jahr plante ich die Übernahme des APs Unter Piraten für Pathfinder. War wie immer, wenn ich fertiges Material übernehme, als Steinbruch für einen allgemeinen Rahmen gedacht, bei dem ich nur die Settinginfos übernehme, den Charakteren den ersten Band präsentiere und sie danach laufen lasse, wo immer Wind und Wellen sie tragen würden. Aber bereits Band I war so uninspiriert, daß die Idee eine Totgeburt blieb.

Aber ein gutes Piratenabenteuer habe ich dann doch geleitet. Das Blutgold der Sieben Winde. Es basiert auf dem Gold des Papageien von Steffen Schütte (ZauberZeit 25). Wie üblich habe ich es mir durchgelesen, auf einem Zettel Notizen, auf einem zweiten eigene Ideen vermerkt und dann (bis heute) nicht mehr angefaßt.

Was meine Spieler dann draus machten, war alles andere als das, was Schütte sich da ausgedacht hatte. Und besser. Stürmische, dunkle Nächte, blitzende Klingen in engen Gassen, Meutereien, Schwarze Schiffe die durch die tosende See brechen, eine TPK-Falle, dampfende Inseln voller Monster und Menschenfresser, deren Geheul mit den lodernden Zungen ihrer Feuer in die Nacht aufsteigt und ein hundsgemeiner Trick am Schluß. Von Schüttes Abenteuer blieb eigentlich nur der Papagei übrig, hier aber als Rabe.

Die ganzen Schmierzettel und Handouts sind noch da. Es lebe die Erfindung der Festplatte! Jetzt gilt es also, daraus einen raunenden, DSA-würdigen Text für diesen Karneval zu erstellen. Das Abenteuer werde ich hier im Blog in drei Teilen (Das Fell des Piraten - Zu fremden Gestaden - Das Blutgold) veröffentlichen, den ersten auf alle Fälle noch diesen Monat (es ist wirklich viel Arbeit). Entwickelt wurde es für meinen DSA-Retroklon Das Deutsche Rollenspiel (DDR), den es hier gibt.

Mein Aventurien ist, da sei der Purist vorgewarnt, deutlich düsterer als die derzeitige offizielle Fassung. Und der Purist sei auch gewarnt (Riechsalz bereithalten), daß es in meinem Aventurien Schwarzpulver gibt. Mich dafür anmeckern darf aber nur jemand, der mir sagen kann, wie die Havener Zoll-Zieh-Brücke aussieht. Mit Quellenangabe. (Nein, nicht die Prinzessin Emer-Brücke, vielen Dank).

Zurück an die Arbeit. Und vielleicht gibt es ja noch stilechtes Piratenessen heute abend.

Samstag, 1. September 2018

Menetekel

"Deutschland ist eine anatomische Merkwürdigkeit: Es schreibt mit der Linken und tut mit der Rechten." (Kurt Tucholsky)

Die SPD. Ach ja die SPD. Nun also hat die AfD de facto in den meisten Umfragen gleichgezogen. Ich beglückwünsche die SPD, daß sie ihr Projekt 18 - das ich bereits im Dezember 2013 ausgerufen hatte - erfolgreich überzuerfüllen scheint. Die haben sich so gründlich selbst zerlegt, daß nur eine Ansammlung schlechter Witze übriggeblieben ist.

Der schlechteste ist dabei nicht mal, daß A. Nahles Parteichefin ist. Wir hatten Schulz und Steinbrück als Kanzlerkandidaten, ein Kevin, ja ein Kevin hat die halbe Republik auf die Schippe genommen und jemand wie R. Stegner kann als "Parteilinker" bezeichnet werden ohne, daß jemand dafür rot vor Scham wird. Man weiß nicht wie man da emotional korrekt reagieren soll, du. Heute hat dann H. Heil unter Beweis gestellt, daß das soziale Bewußtsein der SPD schwächer ausgeprägt ist als das der CSU. Muß man auch erst mal so hinkriegen.

Und jetzt also hat die AfD mit der "großen deutschen Traditionspartei" gleichgezogen, ist also auf dem Sprung zur zweitgrößten Partei des Landes (für die, die das Desaster noch nicht ganz erfassen können). Medial und in den entsprechenden gut eingerichteten Wohnzimmern bricht da langsam Panik aus. Zu früh, sag ich da, zu früh. Wartet mal bis nach den Bayernwahlen, dann pirscht sich das Moralprekariat auch an die CDU/CSU heran.

Dann wirds bitter. Die Vertreter etablierter Medien trösten sich damit, daß mehr als 75% der Bundesbürger "Rechtsradikale als Gefahr für die Demokratie sehen". 75%. Du, das ist doch 'ne Zahl. Das ist 'ne satte Mehrheit.

Ja.

Ich sitz dann hier und denk mir: Seid ihr blöd?! Diese 75% müssen das ja nicht schlecht finden. Die können das leider auch gut finden. Meine Vermutung ist ja, daß das nicht eben wenige tun*.

Gute Nacht, John-Boy.
Gute Nacht, Kassandra.

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*Und die Zeit bestätigt mich gerade darin.
Eine Mehrheit der Deutschen ist dafür, die AfD vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. In einer repräsentativen Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Funke-Mediengruppe sprachen sich mehr als 57 Prozent der Befragten dafür aus. 
74% halten die für eine Gefahr, aber 57% wollen eine Überwachung. Nehmen wir mal die raus, die (wie ich) eine Überwachung durch den VS immer und gegen jeden ablehnen, also nicht viele, bleibt da eine beunruhigende Diskrepanz.