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Mittwoch, 18. November 2020

UND WO BLEIBT STEINER!?!

0:6 gegen Spanien. Wow. Das war... schlimm. Schlimmer als erwartet; meinen Teppich hab ich komplett verspeist, meine Tischplatte hat deutliche Bißspuren und ich einen Termin am Donnerstag. Aber, wir hören den Bundestrainer, es wird sich nix ändern. Puhh. Ich nehme an, Wencks Neunte wird ihn raushauen. Realitätsverweigerung ist zeitlos.

Positive Überraschung des Abends: Sebastian Schweinsteiger. Nicht immer sprachsicher aber stets fachlich fundiert. Manches sehe ich anders, manches ist seiner Restloayalität zu einem verdienten, aber seit sechs Jahren sagen wir mal glücklosem Trainer geschuldet. Seine Wunschelf deckt sich relativ eng mit Meiner. Einige von seinen sind bei mir Kader, nicht in der Mannschaft, und ich denke das gilt vice versa. Der Mann ist eine gute Wahl der ARD.

Trotz aller Kritik möchte ich an dieser Stelle anmerken: Ich habe auch einen strahlenden Zenit der deutschen  Fußball-Nationalmannschaft erleben dürfen, und auch den hat Jogi Löw (zumindest teilweise) möglich gemacht. Das kann ihm niemand nehmen.

Für ihn aber dennoch historische Worte: You have sat here too long for any good you are doing. Depart, I say, and let us have done with you. In the name of God, go!


Donnerstag, 28. Juni 2018

Alkohol. Alkohol hilft.

"Die Torte im menschlichen Antlitz ist einer der bedeutendsten Einfälle des internationalen Humors."  (Loriot)

Ich war nicht mal frustriert nach dem Ausscheiden. Irgendwie bin ich sogar erleichtert. Das war grauslich anzusehen. Gebrüllt habe ich eigentlich nur einmal voll Zorn, nämlich vor dem Spiel, als ich die Aufstellung las, und dann, dann nahm die Tragödie ihren sehr erwartbaren Verlauf. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob Löw "sediert" meint, wenn er "souverän" sagt.

Dieses Mal hat er sich nicht nur einem Spiel vercoacht, sondern im ganzen Turnier. Natürlich hat er nach der minimalen Verbesserung gegen Schweden wieder die "bewährten" Luftwegatmer auf dem Platz rumschwanken lassen. Wobei Özil heute sogar leicht verbessert spielte, während Khedira, naja, ein schwarzes Loch in unserem Zentrum. Wir hatten im Kader eigentlich eine fähige Mannschaft, die stand nur nie auf dem Platz. Und heute war das ein Grottenkick, wie es ihn seit 1938 nicht gegeben hat. Und damals hatten die Deutschen wenigstens die Ausrede, daß sie um des lieben Friedens Willen ein paar frisch eingemeindete Ösis in die Mannschaft bauen mußten.

Naja. Glückwunsch Schweden und Mexiko, unser Weiterkommen wäre peinlich gewesen und wahrscheinlich noch peinlicher geworden. Und große Gratulation an Südkorea, die haben 125% aus sich herausgeholt und verdient gewonnen.

Mal sehen was die Russen, Engländer und Schweizer noch so treiben werden. Spannend ist die WM ja.

Dienstag, 19. Juni 2018

Frankensteins Monster

Beim Public Viewing in Berlin, so heißt es, sei es beim Spiel Deutschland gegen Mexiko sehr ruhig gewesen. Das war dem Anlaß angemessen. "Public Viewing" bedeutet eigentlich "Öffentliche Aufbahrung (einer Leiche)". Und das wars ja dann auch. Mexiko hat den sklerotischen Restbestand der deutschen Nationalmannschaft untergepflügt. Glückwunsch und danke, daß es bei 0:1 blieb.

Das ist ein Leichnam. Und gefühlte 200 Millionen Hobbytrainer in Deutschland wissen, was jetzt zu tun ist, und für weitere 400 Millionen ist 'eh alles scheiße und die deutsche Mannschaft quasi schon auf dem Heimflug. Liegt wahrscheinlich daran, daß wir vor Moskau schon wieder keine Winterausrüstung dabei haben.

Sonntag, 13. Juli 2014

Reflektionen auf der Zielgeraden

"Auch wir haben eine gute WM gespielt." Das ist das Fazit von Chefredakteur Peter Frey, der für den SPON einen Besinnungsaufsatz gekleckst hat. ("Das Dilemma des Kommentators!") Darin verteidigt er den unreflektierten Jubel die "sportjournalistische" Begleitung der WM durch seinen Sender.

Oliver Schmitt hat gestern das kleine Finale "sportjournalistisch begleitet". Deutschland und Holland, diese WM überhaupt, habe den "brasilianischen Fußball" zerstört, so seine mehrfach wiederholte These. Das Land müsse seinen Fußball neu erfinden. Wer auch nur etwas über den Tellerrand hinausblickt weiß natürlich, daß Brasilien untergegangen ist, weil es eben seinen Fußball nicht mehr spielte, aber eben auch nichts Neues entwickelt hat. Ursache.... Wirkung... Aber der Schmitt suchte zumindest nicht die stygischen Tiefen von Phrasen wie "Samba-Fußball" auf.

Welke witzelte, Kahn malmte zumeist mit den Kiefern und sprach vom "Willen", den er bekanntlich ja erfunden hat, um 2002 herum. Dazwischen gelangen ihm immer wieder tiefergehende taktische Analysen. Sobald die Grauen Zellen des Zuschauers aber mal zu arbeiten begonnen hatten, ließ das ZDF Katrin Müller-Hohenstein als DFB-Groupie durchs Spielercamp hüpfen und Nichtigkeiten erfragen und "berichten". Kahn war bei den Schalten zu KHM nur ein Gedanke in die Fazialkanten gemeißelt: Gottseidank steht jetzt dieser kahlwerdende Mann neben mir und nicht mehr diese Frau. Es schien, als rege das ZDF die grauen Zellen des Zuschauers an, um sie gezielter treffen zu können.

Frey beleuchtet all das (und viel Schlimmeres) in sehr positivem Licht. Er weiß, als Journalist muß er auch einen Beleg für das Tolle, das doch nicht Tollheit sein soll, anführen, und führt das Mertesacker-ist-pampig-Interview an. Natürlich. Man könnte ihn fragen, warum er stolz darauf ist, einen ausgepumpten Spieler mit Fragen zu konfrontieren, die dessen Trainer gestellt werden müßten. Aber der Schmusekurs des ZDF gegen den Bundestrainer ist zur Stärkung des fußballerischen Wehrwillens wohl vorgegeben. Irgendwas in der Art. Anders ist die Banalitätenparade der "Interviews" mit Löw nicht erklärbar.

Von Béla Rethy fang ich gar nicht erst an.

In summa. Es ist katastrophal, was das ZDF geboten hat. Aber für Peter Frey hat man (fast) alles richtig gemacht und "eine gute WM gespielt". Unterstützung für diese These holt er sich auch:
Übrigens hat eine repräsentative Umfrage gerade erst gezeigt, wie tief der Graben zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung beim Thema Fußball ist. 91 Prozent der Befragten lobten die "aufschlussreichen" Spielanalysen der Öffentlich-Rechtlichen. Drei Viertel gaben für die Gesamtberichterstattung die Noten gut oder sehr gut.
Ich nehme meine Anwürfe zurück. Eine Umfrage, an der sich das ZDF beteiligt? Dann muß alles in Ordnung sein.

(Bullshit-Index 0,18)

Donnerstag, 10. Juli 2014

Selig sind die, die da Leid tragen - Der etwas andere Spielbericht


Es gibt zwei Dinge in diesem Jahrtausend, die vollkommen over-hyped werden: Fußball und Apple. Das eine löst einen kollektiven, überbrückenden Rausch aus, oder kann es zumindest, das andere ist Lifestyle-Scheiße, dazu da sich einen Wert zu geben, wobei sich mir diese spezielle Transferleistung wohl nie erschließen wird. Und die Akkus sind auch zu schnell leer.

Beiden ist gemein, daß zuviel über sie berichtet wird. Das teutonische Großmaul ("Nur der Titel zählt"), die Häme ("Deutschlands Triumph: Zack, zack, zack!"), das aus Arroganz, nein Hochmut artikulierte Mitleid ("Deutsche, zeigt mehr Mitgefühl.") und schließlich die furchtbaren Wortspiele ("Jogiganten"), sie befüllen dieser Tage mehr Seiten, als Stephen King publiziert hat.

Worüber also kann man zum Halbfinale gegen Brasilien noch schreiben? Über die Entstehung. Und über altgriechische Philosophie. Über was denn sonst?

Ihr stinkt!

Über das Zugunglück gestern (1:7) werde ich noch einige (hoffentlich) noch nicht formulierte Gedanken zum Besten geben, aber was ich gerade gesehen habe, das stank. Klar, gegen gestern mußte alles eher antiklimaktisch wirken, aber das?

90 Minuten lang standen sich zwei (gute) Defensivbollwerke gegenüber, die sich schlicht weigerten, dem Spiel einen Stempel aufzudrücken. Keinerlei taktische Varianz, kein Mut, kein Geist, kein Spielwitz. Nee, macht ihr mal, wir sind froh hier hintendrin. Mann, was soll ich denn jetzt mit dem Ball? In der Verlängerung dann ein unbeholfener Schlagabtausch der aussah wie Boxer, die sich mit geschlossenen Augen ohrfeigen.

Positives? Mmmh.

  • Der ekligste Trainer ist ausgeschieden. 
  • Holland ist ausgeschieden.
  • Die sympathischsten Spieler des Spiels - Zabaleta und Mascherano - sind weiter. Kampfgeist sieht so aus. 
  • Der Gegner der Deutschen hat einen Tag weniger zur Regeneration und eine Verlängerung mit Elfmeterschießen in den Knochen.
  • Heimspiel im Finale.

Noch ein Wort zur Moderation: Grauslich und verwirrt, aber kein Vergleich zu den intellektuellen Abgründen in die sich gestern Bela Rethy lustvoll geschmissen hat. Immer und immer wieder.

(Bullshit-Index: 0.1)

Dienstag, 8. Juli 2014

Fast! Furious! Foul!

Heute abend bis in die Nacht also brasilianische Savages gegen kühle deutsche Battlemat-Taktiker. Eine Neuauflage des grandiosen Endspiels von 2002 irgendwo in einem noch nicht komplett verseuchten Japan (Yokohama?).

Der Trainer der Gelben ist derselbe wie damals - Scolari.

Die Taktik ist dieselbe wie damals. Treten. Hinwerfen. Jammern. Protestieren. Dieser Teil wurde von Scolari gezielt verstärkt. Ansonsten: Wenn ihr den Ball habt schwärmt aus wie Bienen unter einem Mobilfunkmast, die Quarterbacks der IV schlagen die langen Bälle, und in Strafraumnähe sucht ihr einen Ausnahmespieler. 2002 waren das Rivaldo, Ronaldinho und Ronaldo. 2014 ist es nur noch Neymar.

Hupps.

Freitag, 4. Juli 2014

Auf dann, Schwarz-Rot-Gold!

Fahne weht, Frau im Anmarsch, Bier kalt, Katzen schußfest. Muß mich heut am Riemen reißen, sonst sagt die beste Ehefrau von allen wieder, ich würde rumhitlern. Außerdem soll ich sie nicht so nennen. Ich ordne das hier vorsorglich unter dem Rubrum "Rant" ein.

Aaaaalso gegen Frankreich. Das Drama von 1982 (auch bekannt als "Der Dentist von Sevilla") zählt zu meinen prägenden Jugenderlebnissen, mit heißen Ohren am Radio verfolgt unter der Bettdecke. Am nächsten Tag eine Mathearbeit verhauen, weil total übermüdet. Ach ja...

Der Suarez

Heute mal wieder nach langer Zeit ein Cocktail. Diesmal einer passend zur WM 2014, eher in die süße Ecke gehend, daher als Nachtisch mehr denn als als Aperitif vorgesehen. Wir brauchen für drei Drinks:

  • 10 cl Wodka oder Weißer Rum (al gusto)
  • 4 cl Limettensaft
  • 2 cl Zuckersirup
  • ca. 350 - 400g süße Schwarzkirschen*
Und so wirds gemacht.

  • Am Vorabend die Schwarzkirschen entsteinen und einfrieren. 
  • 30 - 45 Minuten vor Zubereitung aus dem Gefrierfach in die Küche stellen. Sie sind soweit, wenn sie auf starken Fingerdruck etwas nachgeben.
  • Alle Zutaten in den Food-Blender und mixen, bis sich roter Schaum bildet. 
  • In gefrosteten Champagnerkelchen servieren.

Und warum ist das ein "Suarez"? Wegen der schönen, an Blut gemahnenden Farbe, wegen dem roten Tollwutschaum auf dem Drink, der uns an den sympathischen südamerikanischen Ballbeißer erinnert, und weil kleine Kirschfetzen (je nach Mixgrad) eine Textur nicht unähnlich Fleisch aufweisen.

Ein Suarez eben.

(Photo wird folgen.)

__________________________
*Bitte keine Prunus virginiana-Diskussion. Gemeint ist sowas oder sowas. Heißt bei uns halt Schwarzkirsche.

Donnerstag, 3. Juli 2014

Wir machen dasselbe nochmal und hoffen, daß sich was ändert...

"Ich habe meine Entscheidungen getroffen, auch was die Rolle von Philipp Lahm betrifft. Und dazu stehe ich bis zum Schluss", sagte Löw der Wochenzeitung "Die Zeit". 
Das hat er so nicht ganz sauber formuliert: Statt "bis zum Schluß" heißt das "bis zum bitteren Ende".

Dienstag, 1. Juli 2014

Lernverhalten bei Kleintieren

Episch. Die Algerier ham die Unseren mit einer Variante der veralteten Manndeckung in die Verlängerung gezwungen, das deutsche Gegenpressing ignoriert und die Deutschen phasenweise an die Wand gespielt. Aber sie sind an Neuer verzweifelt, der tatsächlich Torwart und Libero (hängt hinter der Abwehr, fängt schnelle Gegenstöße vor dem Strafraum ab und eröffnet das Spiel mit seinen (langen) Pässen nach Sicherung) in einem gab. Sowas nennt man glaube ich "Torwartkette", hab das so aber noch nicht gesehen. 

Da steckte wohl ein Plan dahinter, Löw wird ja wohl wissen, daß Mertesacker langsam ist und überlaufen wird, wenn die Viererkette so aufrückt wie gestern. Neuer spielte ein außergewöhnliches Spiel und verströmte dabei Eiseskälte. Und offengestanden war es wohl Löws einziger Plan, der gestern Abend aufging.

Das war Drama, nicht hochklassig, aber stets aufregend und oft mitreißend. Gibt keine schöneren Siege als die, bei denen man sich mit letzter Kraft ins Ziel schleppt. Die Nordafrikaner hätten den Triumph allerdings auch verdient gehabt.

Also gegen Frankreich. Die strahlten gegen Nigeria auch nicht unbedingt Dominanz aus. Deutschland hat eine gute Chance in diesem Klassiker. Allerdings wären da noch ein paar klitzekleine Anmerkungen...

Montag, 30. Juni 2014

Media Monday #157


Zweimal hintereinander beim MM. Auch eine Neuheit. Hier also die #157.

  1. Die einen treten sang- und klanglos ab, andere SchauspielerInnen ruinieren sich ihren Ruf im Alter mit halbgaren Rollen. Michael Caine allerdings hat es geschafft, mich bis heute in ihren/seinen Rollen zu begeistern, denn der Mann veredelt sogar eine so volle Windel wie Nolans Batman-Trilogie.
  2. Weil letzte Woche vehement danach verlangt worden ist (und die WM ja schließlich immer noch läuft): Die besten Fußballfilme sind das Viertelfinale Deutschland gegen Holland 1990 bzw. das Halbfinale Frankreich vs. Deutschland 1982. An sowas kommt keine Fiktion ran. Auch die Achtelfinales boten bisher weitaus bessere Unterhaltung als jeder Fußballfilm.
  3. Wenn es darum geht, eine historische Persönlichkeit zu verkörpern, hat meiner Meinung nach Bruno Ganz in Der Untergang den besten Job gemacht, weil er grandios rumhitlert. "Danka, das warrr särrr goht." Hans Albers hat auch mal einen grandiosen Bismarck gegeben, und Bette Davis als Elizabeth in The Private Lifes of Elizabeth and Essex war auch sehr sehenswert.
  4. Früher konnte ich mit dem Genre Superhelden überhaupt nichts anfangen, aber ______ hat mich bekehren können, weil ______ und das ist bis heute so.
  5. Das unsinnigste Merchandise-Produkt, das ich je gesehen habe, verbirgt sich in einer langen, laaaaaangen Liste von unsinnigen Merchandising-Produkten, die nach ihrer Sinnlosigkeit zu sortieren mir simpel die Zeit zu schade ist.
  6. Taschenbuch, Hardcover oder eBook? Hardcover. Definitiv. Taschenbuch okay. Ich sehe auch den Wert von eBooks, das Praktische, doch es geht zu sehr zu Lasten des Haptischen für mich. Ich mag eBooks als Ergänzung, wenn es Nachschlagewerke sind wie Rollenspielregeln oder auch Fachliteratur.
  7. Zuletzt gesehen habe ich Mexiko gegen die Niederlande und das war Wow. Beim Ausgleich habe ich fast meinen Monitor vor Zorn zertrümmert. Und die Niederlande sind elende Publikumsbetrüger. Wer sooooo den Ball spielen kann wie die und dann Anti-Fußball liefert wie in Halbzeit 1, der bescheißt das teuer zahlende Publikum.

Sonntag, 29. Juni 2014

Grmpfh.

Mostly unrelated picture.
Brasilien also weiter. Ich hätts ja den Chilenen gegönnt, in HZ 2 waren sie taktisch definitiv besser und insgesamt, ich weiß nicht, wie ist das deutsche Wort für "plucky"? Die Leo-Vorschläge treffen das Zähe, das von unten mit der Faust in der Tasche trotzig Hochblickende der Vokabel nicht.

Aber im Elfmeterschießen hat dann Scolari einfach alles richtig und sein Gegenüber alles falsch gemacht. Die Brasilianer ließen den wichtigen ersten Elfer von Routinier Luiz und den alles entscheidenden letzten von Wunderkind Neymar schießen. Beide sicher. Zwischendrin haben sie es zwar nochmal spannend gemacht, aber die Eckpfeiler standen auf diese Weise.

Die Chilenen hingegen? Oi. Den ersten verballerte Pinilla, bei dem schon vorher klar war, daß er zu den tragischen Helden gehören wird. In der letzten Minute der Verlängerung macht er alles richtig, um dem Gegner das Genick zu brechen, und dann trifft er die Latte. Das Gesicht war nacktes Entsetzen. Sein Elfer wurde gehalten. Und der letzte, alles entscheidende Elfer für Chile? Den sollte Jara machen, der in HZ 1 das Eigentor geschossen hatte. Mental nicht die besten Voraussetzungen (ich höre Herrn Kahn in meinem Kopf "Mentalität" aus seinem Munde knatschen). Konsequent gut geschossen, aber Innenpfosten.

Ja. Das war nicht klug aufgestellt.

In other news: Putin trollt. ;) Man kann ihm einfach nicht böse sein.

Donnerstag, 26. Juni 2014

Regen in Recife

Mal gespannt. Es schüttet wie aus Eimern dort, die FIFA hat sogar eine Verschiebung überlegt. Das wird für viele Kommentatoren die Gelegenheit sein, NOCH mehr Müll aus dem Kehlkopf fallen zu lassen, als sonst ("Fritz-Walter-Wetter", "Regenschlacht von Frankfurt").

Fakt: Schlechter Boden behindert die besseren Techniker, und die stehen leider auf der deutschen Seite. Schiebt euch eure "guten Omen" sonstwo hin, ihr Sprach- und Logikschänder am Mikro.

Auf die Aufstellung bin ich mal gespannt. Was ich fürchte:

Lahm auf der Sechs. Gaaagh. Da gehört er nicht hin. Er wird sofort unsicher, wenn hochstehende Gegner ihn anlaufen, und er weiß auch nicht immer, was die Abwehr in seinem Rücken so treibt. Wenn er dann noch mit Khedira zusammenarbeitet, dem einfach noch das Spielgefühl fehlt, dann kommen Koproduktionen raus wie das zweite Tor für Ghana.

Linke Achse Höwedes - Götze. Die denkbar schlechteste Kombi dort. Höwedes ist als Verteidiger nicht immer sattelfest und hat mit Götze dann den Deutschen als Vorsicherung, der sich am ehesten vor Abwehrarbeit drückt.

Özil ist indisponiert. War zuletzt gegen Ghana deutlich besser mit inspirierten Momenten, aber bei ihm kann man das irgendwie so gar nicht vorhersagen.

Anyway. Ich hoffe, drücke und bange. Bier kalt, Frau im Anmarsch, Flagge weht.

Update: Weisheit des Tages bei Spiegel Online.
Darin erfahren Sie unter anderem, dass Deutschland bei Weltmeisterschaften noch nie in der Verlängerung getroffen hat. Aber ich will gar nicht zu viel verraten, schauen Sie hier selbst nach.
Klar. Keine Tore in der Verlängerung. 1982 die "Nacht von Sevilla" gegen Frankreich, 1970 das "Jahrhundertspiel" gegen Italiener...

Qualitätsjournalismus halt. :p

Montag, 23. Juni 2014

Media Monday #156

Leerlauf, Ödnis, Zahnschmerzen. Ideale Stimmung für einen Media Monday.



  1. Der perfekte Film für einen Männerabend/Mädelsabend interessiert mich nicht. Derlei Veranstaltungen halte ich für schwachsinnig. Ich treffe mich mit Freunden, egal welchen Geschlechts. Perfekte Filme sind darüberhinaus sowieso eine Illusion.
  2. ________ soll ja ein toller Film sein, aber allein, dass ______ mitspielt, hält mich schon davon ab, ihn eines Blickes zu würdigen, weil ______ . Ich kann mich nicht erinnern, einen vielversprechenden Film aufgrund eines Schauspielers abgelehnt zu haben. Bei Til Schweiger würde ich eine Ausnahme machen, aber aus der Ecke kommen sowieso keine "tollen Filme". Abschreckender finde ich Regisseure wie Bay, den späten Spielberg, Nolan, Ratner, oder gar bestimmte Genres / Themen wie Superhelden oder Gardinenfilm. Da guck ich lieber der Wandfarbe beim Trocknen zu.
  3. Die WM ist im vollen Gange. Steht der Film- oder allgemeine Medienkonsum nun hinten an oder flieht ihr ganz bewusst in fremde Welten, um dem Fussball-Trubel zu entgehen? Oleee, ole, ole, oleeeeeee. Ole...
  4. Wenn schon historische Geschichte, dann aber bitte am liebsten aus der Epoche... Wieder nicht zu beantworten (und was ist "historische Geschichte"? ;)). Es gibt einige Epochen, die ich langweilig finde, aber als Historiker kann ich mich im Endeffekt doch für alles begeistern, wenn es denn korrekt ist. Da liegt der Hund zumeist begraben.
  5. Found-Footage-Filme nebst obligatorischem Kameragewackel habe ich schon im MM-144 als "nervigste Horrorfilm-Zutat" bezeichnet. Ist es immer noch. 
  6. Ui politisch. Die Behauptung der NATO-Propaganda, die Anti-Fracking-Aktivisten seien von Russland unterwandert, um Europa in Abhängigkeit zu halten, ist so dermaßen an den Haaren herbeigezogen, dass wahrscheinlich nicht mal der Seibert das verbreiten kann, ohne in schallendes Gelächter auszubrechen.
  7. Zuletzt gelesen habe ich Terry Brooks' Wishsong of Shannara und das war entspannend , weil a) Kindheit und so, b) flotte, leichte Fantasy-Kost und c) in Englisch gefühlte viermillionemal besser als die grottige Übersetzung, die ich vor 30 Jahren gelesen habe.

Dienstag, 17. Juni 2014

Schick, schick


Wurde es also gestern doch Variante II mit einem 4:0. Boateng hatte gar nicht die Gelegenheit, Mist zu bauen, da Portugal (v.a. Ronaldo) vollkommen von der Rolle war (Demotiviert? Lustlos? Unfit?). Özils Leistung war - wie mittlerweile leider üblich -überschaubar, Götze hat immerhin den Elfer geholt. Müller mit brutalem Torinstinkt, und Kroos entpuppt sich mehr und mehr als Stratege mit der Fähigkeit zu haargenauem Paßspiel in die Tiefe. Ganz nebenbei findet er noch die Zeit (und Übersicht) sein Gegenstück Moutinho als Taktgeber aus dem Spiel zu nehmen. War für mich der beste Deutsche.

Insgesamt beeindruckende Vorstellung, allerdings waren die Portos taktisch starr und durchschaubar, und mit dem vollkommen beschissenen Kopfstoß Pepes gegen Müller haben sie sich dann selbst das Genick gebrochen. Hätte die Deutschen das 90 Minuten hart durchgespielt und wären nicht beim Stand von 3:0 in HZ2 in den Freundschaftsspielmodus gegangen, wäre es für die Portos vom Debakel zur Katastrophe geworden.

Ein richtiger Härtetest war das noch nicht, aber ein sehr, sehr schöner Auftakt.

Samstag also Ghana, die es fertigbrachten, gegen die USA zugleich beeindruckend und hilflos zu wirken.  Die bevorzugen schnelles, raumgreifendes Spiel, aber die Deckung ist alles andere als sattelfest. Wenn sie die überhasteten Abschlüsse besser gestalten, wird das durchaus kein Selbstläufer für die Deutschen. Aber falls die Unseren keinen rabenschwarzen Tag erwischen, ist Sieg Pflicht.

Was die USA angeht:-Wie erwartet an die Wand gespielt worden, viel Dusel, taktisch intelligent. Allerdings wirken die übertrainiert. Anders kann ich mir nicht erklären, wie die sich derart durch reines Laufen verletzen können. Kann passieren, aber zwei Mann müssen deswegen ausgewechselt werden, und ein Verteidiger hat 30 Minuten lang sichtliche Probleme mit den Bändern und nutzt jede Gelegenheit zu Dehnübungen. Das wirkte nicht gut.

Montag, 16. Juni 2014

Jetzt geht's lo-oos! Jetzt geht's lo-oos!

Jopp. Portugal gegen die Unseren. Ja, die "Unseren". Ja, ich habe eine Fahne. Mehrere sogar. Deal with it. Jedenfalls, Prognosen fürs Spiel:

  • Ronaldo schießt ein Tor.
  • Ronaldo kommt vorzugsweise über unsere rechte Seite, denn dort steht (ja, "steht") Boateng, und jeder außer Löw hat den als Schwachstelle ausgemacht. Anwärter für den Gefahrenhorst-Gedächtnispreis.
  • Boateng hat einen seiner Aussetzer, verursacht einen Elfer und/oder erhält (Gelb) Rot. 
  • Özil ist traurig und schlurft in dieser patentierten Körperschlaffung über den Platz, um wirklich alle an seiner Traurigkeit teilhaben zu lassen.
  • Das Spiel endet 2:2.

"Die Zukunft, im Fluß sie ist"

Alternativ, das kann bei dieser Mannschaft auch vorkommen, ergibt sich folgendes Szenario: Sie erwischen einen dieser Goldenen Tage wie 2010 und zerlegen die Portos 4:1 oder höher. Ist drin, dann ist aber auch alles drin, solange Löw nicht wieder seinen Halbfinal-Kardinalfehler begeht und die Mannschaft im Spiel gegen eine vermeintlich stärke Auswahl "taktisch anpaßt".

Das signalisiert den eigenen Spielern nur ihre Unzulänglichkeit. Das ist der einzige Effekt. Brandelli weiß das.

Jedenfalls: Bier ist kalt. Katzen freuen sich schon. Frau ist im Anmarsch. Hurra!

Update

Gerade die Aufstellung reingekriegt: Götze - Özil - Müller? Was erlaube Löw? Podolski - Schürrle - Müller muß das heißen. Huärch.

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Jogis Escort Service

Nehmen wir mal das Positive mit: Es war eine spannende, ansehnliche Partie mit einer brillanten deutschen Offensiv-Phase in der zwoten Halbzeit. Wenn ich Bela Rétys (oder wie der sich schreibt) Kehlkopfdurchfall ausblenden kann, weiß ich, daß ein Spiel gerade Klasse erreicht hat.

Was noch? Die deutsche Elf hat nach dem 0:2 Rückstand nicht den sonst üblichen Eindruck hinterlassen, nun im Sitzkreis eine Traumatherapie zu benötigen. Arschbacken zusammen, Anschluß - Ausgleich - Führung! Geht doch. Und es sah auch stellenweise gut aus.

Hab ich was verdrängt? Ach ja. Die Abwehr. Die gar keine ist, sondern ein Escort-Service, einer von der teuren Sorte: Kultivierte Begleitung, Anfassen verboten. Die ersten zwei Durchbrüche der Schweden resultierten in zwei Toren, und für das dritte benötigten sie dann auch nur zwei Anläufe. Dabei war Ibrahimovic gar nicht dabei, das war nicht einmal die beste Auswahl an Schwedenhappen.

Insofern hat nix geändert - unser Abwehr ist de facto seit zwei Jahren oftmals nicht existent, was dazu führt, daß fast jeder halbwegs entschlossen geführte Gegenangriff erfolgreich abgeschlossen wird. Neuer hat sich heute nicht mit Ruhm bekleckert, sicher, aber bei dieser Scheunentormentalität der Defensive hätte es auch ein Weltklassekeeper schwer.

Was auch nicht klappt: Umschalten und schnelle Konter fahren. Wenn unsere versuchen, auszuschwärmen und den sich rückwärts bewegenden Gegner zu überlaufen, wirken sie so koordiniert wie ein Bienenschwarm unter einem Mobilfunkmast.

Ich habe ja wenig Hoffnung, daß sich das in den nächsten acht Monaten ändert: Jeder hats mal wieder schön geredet mit Tageslaune und / oder damit, daß man mehr Tore schieße, als man fange. Gegen Italien und Spanien sowie die Oranjes in ihrer derzeitigen Form will ich das erstmal sehen - das war Schweden verdammt nochmal! 5:3. Ohne, daß Ibrahimovic dabei war.