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Montag, 13. Juli 2015

Wir haben eine totale und uneingeschränkte Niederlage erlitten.

Im unteren Bild sind acht
Unterschiede versteckt. Finden Sie alle?
In meinem Garten weht Schwarz-Rot-Gold über dem Grill. Ich bin gerne Deutscher. Ich bin nicht "stolz" darauf, aber ich liebe die Sprache, mit der ich aufgewachsen bin, ich liebe die Wälder, die mich (noch) umgeben, und ich liebe das Licht der Julinachmittage. Ich bin gerne Deutscher. Ich bin auch Europäer, ich spreche gut Fremdsprachen, folge landestypischen Sitten und bin viel gereist.

Als 2006 zur WM Flagge zeigen wieder "cool" wurde, da trat den Antideutschen der Schaum vor den Mund. Ich hab nur mit den Augen gerollt - das war nicht immer stil- und geschmackssicher, aber geifern mußte man deswegen bestimmt nicht. Naja, "Schlaaaand" ist schon sowas, wo man kotzen mochte und immer noch möchte. Aber damals wurden unsere die "Weltmeister der Herzen", und das Deutschlandbild in der Welt hatte sich endgültig zu wandeln begonnen, sogar bei den Niederländern.

Siebzig Jahre hat diese Nation dafür gebraucht, das Bild des häßlichen Deutschen vergessen zu machen.

Sonntag, 5. Juli 2015

OXI


Heut kann der Beginn einer historischen Zäsur liegen. Wahrlich, wir leben in aufregenden Zeiten, auch wenn wir das gar nicht wollten.

Samstag, 25. April 2015

Wolfgang Schäuble und die Chemtrails

Es blubbert in der deutschen Medienlandschaft, die schönsten Faulgase entwickeln verläßlich Springers Welt und das vorgebliche Magazin Stern: Euro-Kollegen beschimpfen Varoufakis als "Amateur". Geladen wurde diesmal von den Finanzministern nach Riga, der Hauptstadt Lettlands. Lettland, das einen rigorosen "Sparkurs" durchmachen mußte, bevor es dem Euro beitreten durfte, gilt als Musterschüler der verqueren Wirtschaftspolitik Deutschlands Europas.

Weswegen Lettland auch das höchste Armutsrisiko aufweist. So ist das mit Europas Musterschülern. Hauptsache die Märkte, diese scheuen Rehe, sind zufrieden, und die äsen halt nur dort, wo andere hungern. Rehbraten ist mMn die einzig logische Antwort darauf.

Doch zurück zu Varoufakis, der von seinen Kollegen wohl tatsächlich als Amateur und anderes bezeichnet wurde. Das ist schon lustig.Von der ganzen Laienspielschar, die dort fröhlich im Spielgeld badet, ist der griechische Finanzminister wahrscheinlich der einzige, der einen akademischen Hintergrund zu diesem Thema hat. Um Minister zu werden, braucht man ja im restlichen Europa keinen Sachverstand, ach, noch nicht einmal Verstand. Da kommen Fälscher auf höchste Ministerposten und werden damit geadelt, zu allem befähigt zu sein.

Komisch. Als ich klein war, galt "der ist zu allem fähig" noch als Warnung.

Nunja. Da ist nun also Varoufakis inmitten dieses Kindergartens, und versucht ein paar ökonomische Grundpinzipien, die ein wenig über die grenzdebile schwäbische Hausfrau hinausweisen, anzubringen. Tja, das versetzt die versammelte Schar Fachfremder natürlich in waidmännische Erregung. Diese Sorte Mensch reagiert so, wenn sie etwas nicht versteht.

Das kann ich mir vorstellen als sei Gunter Tiersch zu Gast bei irgendwelchen Orgonjüngern, um Stellung zu den Chemtrails zu nehmen. Da wird niemand glücklich, auf der Veranstaltung. Und einen Cloudbuster kauft der Gunter auch nicht, der Amateur.

Allein die Vorstellung ist köstlich. Jedoch, jedoch, das Ganze ist nicht witzig. Das hat System. Von Finanzen mögen die Clowns da keine Ahnung haben, aber sie wissen, wer die Spesen zahlt. Die EU hat von Beginn an versucht, die neue griechische Regierung noch in der Wiege zu erwürgen. Syriza steht für die EU als Gefahr da, für das System, zu dessen Repräsentanten die EU degeneriert ist. Das Experiment Syriza darf auf keinen Fall Erfolg aufweisen, niemand darf glauben, es gebe eine Alternative zu unserem inhumanen Wirtschaftssystem.

Alle Mittel sind da erlaubt, auch economic wetwork. Ein Artikel mit weiterführenden Links.

Donnerstag, 19. März 2015

Weltbilder sind gefährlich

Vor knapp 45 Minuten habe ich voller Schadenfreude das Finger-is-Fake-Video von Magazin Royal verlinkt, wie tausend andere Deppen auch. Ein bißchen nicht justitiable Häme über Medien und Politik dazugepatscht und fertig war ich. Geposted, zurückgelehnt, etwas gnihihihi und ich war zufrieden mit dem Universum.

Jo. Dann gibt es dieses Ding namens Verstand, das mich höflich darauf hinwies ("Du Arsch, was treibst Du da?!"), daß ich, der stets für kritisches Hinterfragen plädiert, etwas aus mindestens dubioser Quelle einfach mal so als Faktum angenommen und dann noch dargestellt habe. Blöder Verstand. Er hat mir dann auch gesagt, warum. Weil es mein Weltbild bestätigt, und weil es sich so verdammt gut anfühlt, wenn das Weltbild bestätigt wird. Das ist das Teuflische an Weltbildern.

Also nochmal angeguckt. Nuuuun. Das Fingerdouble im Greensuit ist schon arg dick aufgetragen. Andererseits gibt es da eine Festivalseite mit vielen Videos von Beiträgen. Das Full-length-Varoufakis-Video MIT Finger ist erst seit dem Datum Online, zu dem Boehmer angibt, den Finger reingefälscht zu haben für ein anderes Projekt. Alle anderen Videos sind deutlich älter. Wiederum gibt es aber Tweets des Kamermanns, das Video mit Finger sei authentisch.

Pfffrrrffl.

Was ist das nun also? Auf jeden Fall ein brillantes Stück Mediensatire, egal ob nun Fake oder inverser Fake. Und im Gegensatz zur Brettlsatire wird hier nicht nur einfach mit "Höhö" das eigene Weltbild bestätigt, sondern hinterfragt, ebenso das Medienverständnis und unsere Art und Weise, über Ereignisse zu sprechen und sie wahrzunehmen. Sehr meta das Ganze, und egal was, auch hervorragend durchgezogen. Großes Kompliment an die Macher.

Ich hoffe, sie lösen es in der Senung am Donnerstag auf (fürchte aber eher nicht), und ich hoffe, sie haben tatsächlich den Finger gefaked. Dann kann ich doch noch über Jauch, Medien und diverse Pappnasen aus der Politik hämen.

Und es entspräche meinem Weltbild. Ich kann doch auch nix dafür, daß sich das so gut anfühlt.

Sonntag, 25. Januar 2015

Heute gilt's



Griechenlands Wirtschaft schrumpft, die Schulden steigen und steigen, das Land verelendet. In der Terminologie der EU nennt man das eine "Reform", in der Vorstellungswelt Deiner Bundeskanzlerin ist das ein "Erfolg". Ja, für Frau Merkel sind wachsende Selbstmordraten und eine erhöhte Kindersterblichkeit "Erfolge".

In Europa, im Jahre 2015. Denk mal drüber nach!

Du haftest für griechische Schulden, Deutscher, das stimmt! Warum tust Du das? Weil Deine von Dir Arschloch gewählte Regierung den Banken die Haftung für deren Zockerei in Griechenland abgenommen hat. Du haftest eigentlich nicht für Griechenlands Schulden, Deutscher, Du haftest für das Renditeversprechen des obersten Prozents. Du hast genau das in der Wahl 2009 für gut befunden.

Selber schuld.

Donnerstag, 15. Januar 2015

Aktion: Wechsel für Griechenland

Eine europaweiter Aufruf. Zeichnen kann man hier auf der Seite der Aktionisten.

„Change Greece – Changing Europe – Change4all!“

Der mögliche Sieg von SYRIZA bei den kommenden Wahlen in Griechenland geht alle an, die einen Richtungswechsel in Europa anstreben. Er wäre Ausdruck der Forderung nach Menschenwürde, Gerechtigkeit und Hoffnung. Die Drohungen und der Druck, die seitens der der Staats- und Regierungschefs der EU, der Troika und der Finanzinstitutionen ausgeübt werden, um die Wahl der griechischen Bevölkerung zu beeinflussen, sind unakzeptabel.

Wir werden überall in Europa das Recht der Menschen in Griechenland verteidigen, sich frei zu entscheiden; mit der Austeritätspolitik zu brechen; Nein zu sagen zur Austeritätspolitik, die das Land verwüstet; den Weg einer realen Alternative für Griechenland und eine demokratische und soziale Neuorientierung freizulegen.

Die Mehrheit der politischen Kräfte in Griechenland geht vor der Troika in die Knie. Alexis Tsipras und SYRIZA haben sich für das Gegenteil entschieden. Gemeinsam mit den sozialen Bewegungen haben sie einen breiten Zusammenschluss geschaffen, dessen Dynamik die Mehrheit gewinnen könnte. SYRIZA und ihre Verbündeten setzen sich gegen die humanitäre Krise zur Wehr, wollen die Kollektiv- und Tarifverträge wiederherstellen, ein faires Steuersystem einführen und das politische System demokratisieren.

Eine SYRIZA-Regierung wird Griechenland zu einem verlässlichen Partner machen und das Überleben des Landes und der Bevölkerung zum Ausgangspunkt in allen Verhandlungen machen. Die Regierung wird das Land auf einen neuen Weg jenseits von Korruption und Patronage führen und sich für ein neues Entwicklungsmodell im Interesse aller entscheiden.

Die SYRIZA-Regierung wird eine europäische Schuldenkonferenz vorschlagen, mit dem Ziel die Schulden teilweise zu streichen und die Zahlungsmodalitäten für den Rest so festzulegen, dass eine wirtschaftliche Erholung ermöglicht wird. Das dazu erforderliche Programm öffentlicher Investitionen und Maßnahmen zur Befriedigung dringender sozialer Bedürfnisse soll aus dem europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt ausgenommen werden.

Auf europäischer Ebene wird eine SYRIZA-Regierung einen Europäischen „New Deal” für menschliche Entwicklung und ökologischen Wandel vorschlagen. In ganz Europa müssen wir mit der Logik brechen, die Europas soziale Errungenschaften zerstört und Nationalismus und Rechtspopulismus verstärkt. Wir brauchen ein neues Projekt inklusiver Entwicklung, Zusammenarbeit und Demokratie.

Wir sind davon überzeugt, dass eine solche Veränderung in Griechenland nicht nur die Zukunft des Landes selbst betrifft. Wenn SYRIZA siegt, wird nicht nur Griechenland aus der katastrophalen aktuellen Situation ausbrechen können, sondern die Möglichkeit eines Wechsels in Europa entstehen. Der Bruch mit der Austeritätspolitik wäre Signal und Hoffnung für diejenigen, die sich nicht beugen wollen.

Eine SYRIZA-Regierung wird angesichts des massiven Drucks der Finanzmärkte und der politischen Kräfte, die jedes Abweichen vom gescheiterten Rahmen der kapitalistischen Globalisierung fürchten, massive Unterstützung in ganz Europa brauchen.

Wir, Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft, aus einem breiten sozialen und politischen Spektrum und aus zahlreichen Organisationen akzeptieren den Druck nicht, der ausgeübt wird, um die Griechinnen und Griechen an ihrer freien Entscheidung zu hindern. Diejenigen, die diesen Druck ausüben, nehmen die Verantwortung dafür auf sich, dass die schädliche „Schocktherapie“ um jeden Preis fortgesetzt wird.

Unsere Verantwortung ist es, überall in Europa diejenigen zu unterstützen, die für eine Veränderung der Kräfteverhältnisse kämpfen, die den Kampf der Ideen aufnehmen und alle vereinigen, die gemeinsam mit der griechischen Bevölkerung ein soziales, ökologisches und demokratisches Europa aufbauen wollen.

Wir stehen an der Seite der Griechinnen und Griechen, weil ihr Kampf der unsere ist.

Samstag, 23. Juni 2012

Zeichen an der Wand

Ha, jetzt labern alle, das 4:2 gegen Griechenland sei das das beste Spiel der Deutschen bei dieser EM gewesen. Wegen vier Toren und so. Beschissene Eventfans, Jubelperser, Modefans, Nichtsblicker (Nörgler gibts natürlich auch). Es war das bisher schlechteste Spiel der Deutschen bei dieser EM.

Warum?

Unsere haben zwei Tore von den Griechen gefangen. Zwo! Die rechte Abwehrseite war de facto nicht existent, und Boateng provozierte (mal wieder) einen Elfer. So schön (und unglaublich verschwenderisch mit Großchancen) das deutsche Angriffsspiel war; eine abgezocktere Mannschaft als die Griechen hätte unsere heute auseinander genommen wie ein Brathähnchen auf dem Oktoberfest. Links war es etwas besser, weil da die defensive Unfähigkeit (Schürrle! Schürrle! Schürrle!) näher am gegnerischen Strafraum lag, und die Griechen nur unentschlossen nachsetzten, so daß die Durchbrüche abgeriegelt werden konnten. Bis auf den Gegentreffer natürlich.

So wird das nix. Das war defensiv ganz schlimm.

Ansonsten: Offensiv traumhaft, wenn auch inneffizient. Das war das beweglichste Angriffsspiel der Deutschen in diesem Turnier. Klasse. Immer auffälliger wird, daß Löw nicht mehr unbedingt dem großen Vorbild Spanien nacheifert, sondern variantenreicher als bloß Kurzpaß-Kreisel und steil durch die Mitte spielen läßt. Sehr gut. Ein Gruß geht an die tapferen Griechen und Kudos für Salpingidis stolzen Abschied von den Fans nach dem verwandelten Elfmeter.

Wir können uns darauf einigen, daß es das bisher schönste Spiel der deutschen Mannschaft bei dieser EM war. Aber schön ist nicht zwangsweise gut. Wir sind drei Turniere hintereinander in Schönheit gestorben, bitte nicht wieder.

Was wünsch ich mir? Bessere, viel bessere Defensivarbeit im Halbfinale und weniger Schwenks auf Richard-Nixon-Gedächtnis-Buckel in Kotze-Blazern.

Sonntag, 17. Juni 2012

Glückwunsch...

...Griechenland. Ihr seid im Viertelfinale, mit Einsatz, Chuzpe, Einsatz, Herz, noch mehr Einsatz und angesichts der Schiedsrichter"leistung" auch hoch verdient. Der Underdog hat sich durchgesetzt, und das zu Recht gegen pomadig spielende, stellenweise überharte Russen.

Was mich als Fußballpatrioten stört: Die Chancen unserer Mannschaft stehen gut bereits im Viertelfinale auf Euch zu treffen, was meine Loyalitäten spalten dürfte... Naja. Hauptsache die Uckermärckerin im Kanzleramt hat den Verstand und die Sensibilität, zu dem Spiel nicht auf Kosten des Steuerzahlers anzureisen. Oder auf eigene. Auch dieser Priester, der mangelnde Kriegslust im deutschen Volke bemängelt, soll sich da gefälligst fernhalten.

Und, liebe Griechen, morgen brav wählen gehen, ja?

Freitag, 11. Mai 2012

Freitagsfutter XII

Eigentlich sollte es ja heute Spaghetti mit Ragu Bologna geben, aber als kleine Soli-Adresse an unsere griechischen Miteuropäer:

Pfannen-Gyros vom Schwein (5 Portionen)

  • 1 kg mageres Schweinegeschnetzeltes
  • 5 TL frisch geschroteter schwarzer Pfeffer
  • 3 TL Kreuzkümmelpulver
  • 5 TL Rosenpaprika
  • 2 TL Cayennepfeffer
  • 5 TL getrockneter Oregano
  • 3 TL getrockneter Thymian
  • 8 EL Olivenöl
  • 10 Zehen Knoblauch, fein gehackt
  • 5 Zwiebeln, fein gehackt
  • Salz

Alle Zutaten bis auf das Salz vermischen und mindestens 4 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen.
In einer Stahlpfanne scharf ausbraten, ohne weitere Fettzugabe.
Nach Belieben salzen.

Beilagen

  • Tsatsiki (400g Quark (40% Fett), 1/2 Gurke (geraffelt und ausgequetscht), 1 EL gehackter Knoblauch, Salz, Pfeffer und ein Spritzer Olivenöl)
  • Frittierte Kartoffeln (rohe Kartoffeln schälen und in Halb-Zentimeter-Scheiben schneiden. Porionsweiseweise in heißem Öl frittieren, dabei jeweils nach 4 Minuten entnehmen und abtropfen, Öl wieder auf 180 Grad erhitzen und in ca. 6 Minuten goldbraun frittieren, entfetten, Würzen mit Paprika, Knoblauchpulver und Salz).
  • Getränk: Bier

καλή όρεξη


Ein Gespenst geht um in Europa...

...der wiedererstandene Wille der Völker, sich ihres Schicksals zu bemächtigen, Gewalt und Kontrolle über ihr Sein wieder zu erringen. Nein, wer sich Austeritätspolitik und anderen Diktaten aus Brüssel und Berlin widersetzt, der ist kein schlechter Europäer. Ganz das Gegenteil.

Die EU in ihrer derzeitigen Form ist antieuropäisch. Sie war ein Traum, aber sie ist nicht mehr viel mehr als ein Durchsetzungsinstrument von Kapitalinteressen. Europa aber besteht aus Menschen, nicht aus Aktionären.

In Griechenland versuchen die als "Volksparteien" getarnten Handlanger plutokratischer Interessen eine Regierung zu bilden, die weiter das Spardiktat umsetzen will. Dazu benötigen sie die Radikale Linke, die sich dem jedoch geschlossen verweigert. Neuwahlen sind wahrscheinlich, und noch wahrscheinlicher ist, daß dann die Linke zur stärksten Kraft wird. Da das griechische Wahlsystem der stärksten Fraktion 50 Sitze zusätzlich im Parlament gibt (von insgesamt 300), könnte das zu einer sehr interessanten Situation führen.