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Samstag, 11. Februar 2017

My Personal Book of the Month Club

In den letzten paar Jahren hatte ich mit Bücher lesen aufgrund meiner Augen erhebliche Schwierigkeiten, dazu litt ich bedingt durch eine massive (natürlich bis 2015 unentdeckte) Borreliose an Konzentrationsschwächen. Bücher lesen war in diesen Jahren nicht so meins.

Rotz. Ich hab davor 50 bis 70 Bücher in verschiedenen Sprachen pro Jahr gelesen. Den ersten Band von A Song of Ice and Fire habe ich damals in drei Nächten weggelesen. (Für den dritten habe ich dann drei Monate gebraucht und bin mir ziemlich sicher, daß nicht die Borelliose die Ursache war.)

Deswegen eines meiner Projekte für dieses Jahr: Mindestens jeden Monat ein Buch lesen. Das für Januar war Ich blätterte gerade in der Vogue, da sprach mich der Führer an. Es handelt sich dabei um eine Biographie der Mitford-Schwestern in deren Zentrum Unity Valkyrie Mitford steht.

Michaela Karl schreibt stilistisch beschwingt und bietet einen wunderbaren Einblick vor allem in das Seelenleben der jungen Upper Class Englands in der Zwischenkriegszeit. Humor und Tragik halten sich hier fein austariert die Waage. Absolute Leseempfehlung und einen Kesselrun entfernt von den üblichen Büchern zum Thema "Drittes Reich", die mittlerweile flächendeckend der Knoopisierung anheimgefallen scheinen (Ich wart ja auf Hitlers Schlüpfer und die Fortsetzung Des Führers rechte Socken).

Nach soviel Bildung dann im Februar waschechte Spannungsliteratur, ebenfalls Deutsch: Neue Hoffnung, der erste Band der Rising-Serie von Felix Münter. Hat man mir empfohlen.

Donnerstag, 26. Mai 2016

Klar spiel ich auch Nazis oder Der Teufel von Kahlenfurt

Anläßlich der Neuerscheinung Nazi Moonbase von Veteran Graeme Davis gab es in der Rollenspielercommunity auf G+ eine - letztlich erwartbare - Diskussion. Zusammengefaßt ist das Thema "Nazi im Rollenspiel" immer noch eine Bouncing Betty.
Und was, wenn diese Spielergruppe mit ihrer Gruppe an SS-Offizieren in ihren tollen Uniformen "spannende Abenteuer" bei der Jagd nach flüchtigen Juden erleben möchte? Es ist doch "nur eine Rolle", "nur ein Spiel".
Ist das eine berechtigte  Sorge? Ich würde das nicht erleben wollen, aber ich traue meinen Freunden soweit, daß es nicht dazu kommt. Falls doch: In dem Falle haben entweder meine Spieler ganz andere Probleme, oder ich hätte meinen Con besser nicht in einem Kameradschaftsheim in der sächsischen Schweiz veranstalten sollen (oder in Rheinhessen). Wirklich, sollte eine Gruppe so entgleisen, nur weil mal die schicken Uniformen von Hugo Boss ins Spiel geraten, sollte man ein Gespräch über sehr grundlegende Dinge führen. (Diese Diskussion auf G+ greift noch weitere Aspekte auf und ist durchaus lesenswert.)

Wenn man sich etwas mehr mit dem Ansatz des "Serious Gaming" befaßt (was ich seit ca. 2001 tue), kann man das durchaus auch ironiefrei angehen. Voraussetzung ist natürlich, daß zumindest der SL mehr Ahnung von der Materie III. Reich hat als Grundkurs + Guido Knopp + Wikipedia.

Dieser "Serious"-Ansatz wird - ungeachtet der behandelten Thematik - nicht überall begrüßt, wie auch Kontroversen um ein Szenario für Nip'Ajin zum GRT 2016 zeigten. Eine Diskussion die ich im Zusammenhang mit dem GRT verstehe, aber die stellenweise generelle Ablehnung solcher Themen eben nicht. Mir widerstrebt es, eine so vielschichtige mediale Form wie das Rollenspiel alleine auf den Popcornaspekt zu begrenzen. Da ist man in anderen Spielmedien schon weiter.
Für eine erste Ehrung kommt Spec Ops: The Line , das neue Computerspiel von Yager Development aus Berlin , knapp zwei Monate zu spät. Ende April wurde der deutsche Computerspielpreis für das beste Game 2012 an einen Egoshooter vergeben. Die Entscheidung sollte weniger die kulturelle Bedeutung des Spiels hervorheben, als vielmehr ein Zeichen gegen politisch motivierte Bevormundung setzen. Computerspiele sind schließlich auch Erwachsenenunterhaltung. Und die darf durchaus auch mal heftiger ausfallen. 
Serious RSP ist ein "Spiel" für Erwachsene, die wissen, worauf sie sich einlassen. Also überfalle deine mittwochabendliche Bier & Bretzel-Gruppe nicht unbedingt mit einem Schwergewicht.

Im folgenden gebe ich einen Überblick über das Szenario Der Teufel von Kahlenfurt, an dem ich im Moment nebenbei arbeite. Nachdem, was ich gelesen habe, kann ich mir vorstellen, daß viele bei einem solchen Szenario Bauchschmerzen bekommen, und mich würde interessieren, warum.

Der Teufel von Kahlenfurt

Veranschlagte Spieldauer: 3 x 8 Stunden. (Ich bevorzuge lange Sitzungen bis 16 Stunden.)

Zeit: Winter 1938/39, ein halbes Jahr nach dem Anschluß Österreichs

Ort: Das Bergdorf Kahlenfurt. Es liegt abgelegen in Kärnten nahe der Grenze zu Slowenien im Königreich Jugoslawien und hat etwa 500 Einwohner plus ein Dutzend verstreut liegender Gehöfte.

Regelsystem: Agnostisch, aber eher nichts für Türstopper wie D20 Modern. Die Betonung des Szenarios liegt in den sozialen Konflikten, die möglichst frei und ohne Verregelung ("Social Combat") ausgespielt werden sollten. Risus fällt mir als geeignet ein, ich persönlich würde Savage Worlds Vanilla nehmen oder gar einen Hack meines OSR-Klons.

Ebenso möglich, aber wegen der Systeme eben mit ganz anderem spielerischen Schwerpunkt und anderer Struktur, wären ein Hack von Dogs in the Vinyard oder PbtA.

Die Charaktere: Die Spielercharaktere erhalten Funktionen innerhalb des Szenarios, können aber ansonsten frei gestaltet werden. Wichtig bei der Ausgestaltung ist, wie sie mit dem Nazi-Regime umgehen. Sind die SC opportunistische Gewinner? Lehnen Sie es ab? Falls sie das System mögen, welche Aspekte gefallen ihnen: Die völkisch-patriotische Schiene, die fürsorgende Wohlfühldiktatur oder der Rassismus? Im Bergdorf beheimatete SC müssen auch ihre Beziehungen dort festlegen und können in Absprache mit dem SL NSC einfügen oder bestehende beeinflussen.

Idealerweise nehmen drei SC an dem Szenario teil, aber bis zu fünf sind möglich. 1) Der Dorfgendarm seit zehn Jahren im Dorf, 2) der Kieberer aus Klagenfurt, 3) der Forensiker und Pathologe aus Klagenfurt, der mit dem Kieberer kommt. Optional sind 4) ein zweiter Dorfgendarm und 5) der Arzt des Dorfes, der initial die Funktion von #3 hatte und dann mit ihm zusammenarbeitet.

Die beiden letzten sollten auch bei drei Spielern eingeführt werden, da sie als Ersatz-SC dienen können. Physische, auch tödliche Gefahr für die SC ist ein sparsames, aber wichtiges Element, da dann auch die Spieler Entscheidungen für ihre Charaktere anders treffen.

Der "Plot": Der Plot - obgleich komplex und spannend - ist eigentlich Nebensache. Er dient als Katalysator und wird vom SL genutzt, das Szenario zu strukturieren und den Takt beizubehalten. Die Ermittlungen der SC dienen dazu, die eigentlichen Konflikte im Dorf auszulösen und die SC vor Entscheidungen zu stellen.

Ausgangspunkt ist eine Variante von Hinterkaifeck. Die Bewohner eines der Einödhöfe werden niedergemetzelt aufgefunden. Die Kripo in Klagenfurt wird eingeschaltet und schickt ein Team. Während der Ermittlungen verschüttet eine Lawine die Straße und schneidet das Dorf vollkommen von der Außenwelt ab. In derselben Nacht werden die Bewohner eines zweiten Einödhofes niedergemacht, während die SC in der Vergangenheit des Dorfes zu wühlen beginnen...

Der Mikrokosmos: Kahlenfurt verfügt über etwa 60 ausgearbeitete NSC. Viele davon haben Geheimnisse, einige davon sogar "dunkle" Geheimnisse, d.h. Geheimnisse die sie in ernsthafte Schwierigkeiten bringen können. Die Ermittlungen der SC beginnen einige dieser Geheimnisse aufzudecken und andere zu bedrohen, d.h. es entwickelt sich eine wuchtige Eigendynamik, die durch das bestimmt wird, was die SC aufdecken und wie verschiedene NSC eben verschieden radikal darauf reagieren.

(Aside: In einem späteren Artikel gehe ich genauer auf die Gestaltung eines solchen Mikrokosmos ein und stelle ein System vor, mit dem sich so ein Setting schnell und einfach bauen läßt, vom Fantasy-Dorf bis zur Raumstation.)

Spielziel: Wie verhalten sich die SC? Der Rechtsstaat ist ja "nur" eingeschränkt, wenn es um bestimmte "Verbrechen" geht (politische Opposition, sexuelle Abweichung, "Rassenschande" etc.). Ansonsten funktioniert in diesen Jahren der bürgerliche Rechtsstaat durchaus noch, und nicht jeder Taschendieb wird zum Verhör in den Folterkeller geschleppt.

Aber prinzipiell haben die SC diese Möglichkeit. Wie weit gehen sie, um einen grausamen Mörder aufzuhalten? Wie gehen sie damit um, daß der Dorfschuster flüchtende Juden und Kommunisten nach Jugoslawien schmuggelt und Flugblätter im Keller druckt? Nehmen sie sich die "Verdächtigen" vor, die die verängstigten Dörfler als erstes anklagen? Den reisenden Kesselflicker, den Dorfdeppen, den Alt-Kommunisten, den Mann mit der jüdischen Großmutter? Wie weit nutze ich die systemische Rechtlosigkeit des Einzelnen, um dem Recht zum Sieg zu verhelfen und den Mörder zu stellen?

Das Szenario ist auch eine Exploration. Wie stelle ich mich zu meinen Machtmitteln? Wie bewältige ich die Differenzen zwischen Selbstbild und Fremdbestimmung durch meine Funktion innerhalb des Regimes, so vorhanden? Wie gehe ich mit den "Werten" dieser Zeit um? Was machen meine Entscheidungen mit mir, wie verändern sie mich?

Es soll ein wenig erfahren helfen, was es heißt, kleiner Funktionsträger in einem totalitären Regime zu sein, gleichzeitig als als Täter (wenn ich die Vollmachten dieses Regimes nutze)  und Opfer (Was passiert, wenn ich den Kommunisten laufen lasse?). Wichtig daher auch, daß der SL jede Form von "moralischer" Steuerung vermeidet, z.B. bei verwerflichem Handeln der SC Hindernisse aufbaut, die über eine logische Reaktion der Spielwelt hinausgehen. In der Tat kann es sein, daß robustes, aber moralisch fragwürdiges Vorgehen am ehesten zum Erfolg führt. Es geht auch um den Preis, den man dafür zahlt.

Brauchts denn den Nazi-Kram? Bedingt. Das Szenario kann auch ohne Probleme in die 1920er oder 1950er gelegt werden. Spannend ist es ohne Zweifel, aber es fallen dann die moralischen Zwickmühlen und die Werteverschiebungen raus, zumindest werden sie sehr viel kleiner. Homosexualität z.B. wäre eines der oben angesprochenen "dunklen" Geheimnisse. Für moderne Westler absolut kein Thema, landet man dafür den 1950ern zwar nicht mehr im Lager, aber eben immer noch im Knast.

Samstag, 27. Februar 2016

Jahrestag.


Meine Heimatstadt Mainz nach dem Bombardement vom 27. Februar 1945. Solche Bilder sind übrigens immer noch keine Entschuldigung, Flüchtlingsheime anzuzünden oder fackeltragend durch Innenstädte zu ziehen und dumpfen Haß zu zelebrieren.

Traurig ists aber. Mainz war mal sehr schön.

Dienstag, 22. September 2015

Stefan George und die Facebook-Kackbratzen

Der deutsche Qualitätsjournalismus(TM) leistet sich den Kolumnisten. Das sind Typen (und Typinnen, klar), die das tun, was dem deutschen Redakteur vorenthalten bleibt: Meinung und Ironie zeigen. Der SPIEGEL hält sich gleich mehrere davon. Sascha Lobo, z.B., die fleischgewordene und letzte Inkarnation der dotcom-Krise, eine Art ISDN-Buddha mit Doppelleitung, oder die Berg, deren Belanglosigkeiten wohl ein Publikum finden müssen, das das mit Gewinn liest (na, wie ist das als Dystopie?)

Ein besonderes Phänomen sind ja Kolumnisten aus der rechten, pardon, "konservativen" Ecke. Beim besagten SPIEGEL ist das der Fleischhauer Jan, der einmal die Woche erscheint, ein Karl Josef Wagner mit erweitertem Grundwortschatz, Ausbaustufe 1B.

Der setzt sich also einmal die Woche hin, bröckelt sich zumeist irgendwelche Stammtischparolen aus den Ohren und schmiert sie in die Textmaske. Dann starrt er lange drauf und hält das für Nachgedachtes. Warum der SPIEGEL seine Reputation noch weiter drückt, indem er solche Typen im Keller vor die Tastatur kettet, erschließt sich mir allerdings nicht.

Samstag, 14. Februar 2015

Er hats wieder vergauckt

Ich weiß ja auch nicht, was das soll. Der Lübke hatte wenigstens 'ne Entschuldigung.
Bundespräsident Joachim Gauck wandte sich in seiner Rede gegen Versuche, mit dem Gedenken an die Opfer der Luftangriffe anderes Leid zu nivellieren. „Wir wissen, wer den mörderischen Krieg begonnen hat“, sagte Gauck. „Und deshalb wollen und werden wir niemals die Opfer deutscher Kriegsführung vergessen, wenn wir hier und heute der deutschen Opfer gedenken.“ (Q FAZ)
Herr Gauck, ich habe wenig Sympathien für Nazis, alte und neue, und deren Mitläufer und Geschwister im Geiste. Natürlich gibt es die Schwachköpfe, die vom "Bomben-Holocaust" faseln, die "aufrechnen", aber das ist eine verwirrte Minderheit.

Bei einer solchen Veranstaltung wie in Dresden reden Sie als Bundespräsident an die Nation und für die Nation. Ihr Publikum ist nicht eine handvoll Spinner. Und das einzige, was Ihnen dann einfällt ist: Relativierung. Sie begehen das, was Ihnen angeblich so zuwider ist: Aufrechnen Opfer gegen Opfer. Dresden (und Hamburg, Köln, Tokio, Hiroshima, Lübeck, Kassel, Braunschweig, Magdeburg, Würzburg, Darmstadt, Pforzheim, Hildesheim, Mainz, Nagasaki, Nordhausen, Nürnberg, Königsberg und Halberstadt) war schlimm, aber wir haben angefangen, so der Tenor.

Dienstag, 10. Februar 2015

"Oh my god, they killed Charlie!" - "You bastards!"

Satire darf alles. Hat Tucholsky gesagt. Haben ganz viele andere Mitglieder "unserer Elite" unlängst wiederholt. Satire darf alles. In der westlichen Wertegemeinschaft, zu der auch Deutschland gehört, findet keine Zensur statt.

Natürlich gilt das nur für richtige Satire. Richtige Satire erkennt man daran, daß der Prophet eine Rolle spielt, oder zumindest ein gläubiger Musel. Daneben muß viel Blut und/oder Hirnmasse im Bild sein, oder die karikierte Person erkennt lokale Fauna oder Schweineköpfe im Fleische. Ersatzweise darf auch Putin auf ukrainische Robbenbabies losgehen.

Das ist Satire: Eine verschmitzte Aufforderung, über die Widrigkeiten der Welt zu schmunzeln.

Was gar nicht geht, ist der Schmutz, den diese "Satiriker" von Metronaut.de absondern. Stelle man sich mal vor: Da legt sich Berlin, bekannt für seinen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern und hohen Organisationsgrad, ins Zeug um die Olympischen Spiele zu stemmen. Motto auf der diesbezüglichen Website des Landes ist übrigens: Großer Sport in der Hauptstadt: "Berlin kann Olympia". Müßte natürlich eigentlich noch ein "immer noch" oder zumindest "wieder" hinein.

Da wollen wir nicht kleinlich sein, geht es doch darum die besten Berliner Spiele seit 1936 zu veranstalten.

Und dann kommen diese Metropolenhasser von Metronaut.de und sudeln uns voll. Natürlich haben die Schmutzfinken Anwaltspost erhalten. Jetzt winseln sie rum und wollen Spenden (unten auf der Seite ist ein PayPal-Knopf, das geht ganz problemlos. Flattren kann man auch.). HA! Hättet ihr mal besser den Propheten beleidigt.

Zur Auswahl stehen auf der Senatsseite übrigens die Spiele 2024 und 2028. Kann man sich das aussuchen? Irgendwo abstimmen? Ich bin nämlich sehr für die Spiele 2024 in Berlin. Das wäre genau 88 Jahre nach den letzten Spielen.

Da lacht der Springerstiefel.

(Wer übrigens gegen diese Steuerverschwendung aktiv werden will: Hier geht's lang.)

Dienstag, 6. Januar 2015

Globke hätte das gemocht

"Am Anfang war das Wort und nicht das Geschwätz, und am Ende wird nicht die Propaganda sein, sondern wieder das Wort."
(Gottfried Benn)

Der Ami stapft mit Strenge, aber auch mit Mitleid durch die Kulisse, die Russen dürfen mit leuchtenden Augen Kinder abballern, Deutsche sind Opfer. Wer trägt mehr Edelmut im Herzen als deutsche Adlige? Niemand, zumindest nicht im deutschen Fernsehen, das im neuen Dreiteiler Tannbach einmal mehr eine aufopfernde Blaublüterin auf das Podest der Edelmenschin stellt.

Deutsche sind Opfer. Bis auf ganz wenige Ausnahmen. Und sollte sich tatsächlich einer der hehren Adeligen "im Osten" (ÖR-Euphemismus für den Raub- und Vernichtungskrieg) die Finger schmutzig gemacht haben, dann, ja dann sieht er halt aus wie der Lauterbach Heiner. Sollte wohl Strafe genug sein.

Ami gut. Russe böse. Und die meisten unserer Vorväter haben nicht gewußt, was "die Nazis" da treiben. Ehrlich. Die dachten, die verschwundenen Nachbarn mit den botanischen Namen seien in Urlaub.

Das ist Kalte-Kriegs-Propaganda aus der Adenauer-Ära, da tropft ein manichäisches Weltbild aus der Glotze. Daß der Dreiteiler zusätzlich noch dramaturgisch hinkt, die Handlung heftig courths-mahlert, die Charaktere gar keine Charaktere sondern Stereotypen sind, all das ist kennzeichnend für derlei Produktionen, die frei, sehr frei nach Motiven der Vergangenheit entstehen.

Ach, was stecken für Möglichkeiten in diesem Stoff, was hätte mit dem doch ansehnlichen Budget und dieser Ausstattung entstehen können. Doch statt subtilen Auslotens der Ambivalenzen - ja, die Rote Armee wütete schrecklich, aber sie half auch, Deutsche waren Opfer und Täter, und auch die Weste der Westalliierten wies Flecken auf - klatscht man im Dramatica-Schema leicht entstaubte Propagandaversatzstücke aus den 1960ern auf den Bildschirm.

Donnerstag, 6. Februar 2014

Schalom, mein kleiner Nazioffizier

Letztes Jahr floß der Föjetong des deutschen Kwalitähtsschuhrnalismus über mit Lob auf einen ZDF-Dreiteiler namens Unsere Mütter, unsere Väter. Hab ich mir damals nicht angeguckt, denn a) floß der Föjetong des deutschen Kwalitähtsschuhrnalismus über mit Lob, was immer ein schlechtes Zeichen ist, und b) hat mich Guido Knopp gelehrt, die Kombi Nazis / ZDF zu meiden, zu fürchten und stets darauf zu achten, sie nicht in meinem Rücken schleichen zu lassen, wenn die Dunkelheit anbricht.

Danke, Guido.


Freitag, 4. Januar 2013

Wege des Führers

Es raunt und wispert,
stöhnt und flüstert,
und von fiktiven Zwiebeltürmchen
steigt herab ein Scheißestürmchen.

Beilunker Hufe donnern durch die Nacht, schlagen Funken aus dem Fels des Weges der zur Redax führt. Dunklen Meistern dienen sie und holen sich nun ihre Anweisungen. Im Volke gärt es, vorzugsweise cerebral, Finsternis hat Einzug gehalten, Rauch durchdringt die Nacht, und Fetzen der Klagegesänge irren aus der Dunkelheit.

Guido Knopp tritt auf, blickt ins Publikum und räuspert sich. Sein Blick ist ernst, was er uns mitzuteilen hat, wird uns nicht gefallen.

"Adolf Hitler."

Also ist das Ende wieder mal nah. Der eine oder andere, der das hört, weint in der Dunkelheit und sein Blick schwankt zwischen Rasiermesser und Handgelenk hin und her, während das heiße Wasser ihn in der Badewanne umspült.

Donnerstag, 30. August 2012

"Same procedure...

...as last war, Miss Miosga?" - "Same procedure as every war, James."

Tagesschau. Heute Journal. Jeden Abend dasselbe. Irgendwas über Syrien, wie schlimm Assad sei, wie tapfer die Aufständischen kämpften, die so unterbewaffnet dem Diktator die Stirne böten (eine Stilblüte in Zeiten des Scharfschützengewehrs). Garniert mit einem Massakkerle (wenn man Glück hat, kann man es sogar als ausgewachsen verkaufen), das mit wackligen Irgendwas-Aufnahmen optisch "belegt" wird, während einer dazu sagt, man könne die Authentizität nicht überprüfen, aber es zeige wohl besagtes Massakker. Ein Hinweis so nützlich wie Warnhinweise auf Zigaretten.

Was beim Zuschauer hängen bleibt im Konflikt Wort gegen Bild, das weiß man spätestens seit Charles Mastermann. Propaganda eben, was uns da geboten wird. Selbst wenn sich die Balken biegen und das Hirn sich krampfen muß, die Narrative muß gewahrt bleiben und immer und immer wieder wiederholt werden.
The chief function of propaganda is to convince the masses, who slowness of understanding needs to be given time in order that they may absorb information; and only constant repetition will finally succeed in imprinting an idea on their mind (...) The slogan must of course be illustrated in many ways and from several angles, but in the end one must always return to the assertion of the same formula.
Heute abend können wirs sicher wieder sehen. Eine Vorschau habe ich schon gelesen. Klingt sendefähig.

Donnerstag, 5. April 2012

Geht's eigentlich noch?

Ach, hätt ichs bloß gelassen. Aber ich mußte ja das offenkundig Schlimme an Grass' Altershusten thematisieren, nämlich daß es ein Scheiß-Gedicht ist. Und was hab ich davon? Seit heut nacht sind hauptsächlich Zugriffe über folgende Begriffe auf diesen Blog hier (bei manchen Suchdiensten habe ich es dort auf Platz 1 "geschafft" - das ist doch wohl total Banane):

was gesagt werden mu
grass was gesagt werden mu
"was gesagt werden mu?"
grass "was gesagt werden mu"
grass was gesagt werden mu*
tagschatten
was gesagt werden mu?

Nein, das "ß" hab ich nicht aus ästhetischen Gründen unterschlagen. Das steht so in meinem Dashboard.

Blöder Shitstorm, das. Headliner bei der Tagesschau heute und auch bei den heute-Nachrichten. Die israelische Botschaft (man sollte meinen, da sitzen "Diplomaten") halluziniert sich irgendwelche Ritualmordphantasien herbei, die mit dem Gedicht bedient würden ("Früher waren es christliche Kinder, deren Blut die Juden angeblich zur Herstellung der Mazzen verwendeten, heute ist es das iranische Volk, das der jüdische Staat angeblich auslöschen will."). Die Parteipappnasen in Berlin sondern das ab, was sie zu allen anderen Gelegenheiten und Ungelegenheiten gefragt und ungefragt in jedes willige Mikrophon speien: Belangloses Empörungsgeschwurbel mit dem sittlichen Nährwert von gebrauchtem Katzenstreu. Der Broder ist natürlich auch wieder mittendrin.

Aber was ich dann im Spiegel gelesen habe, das hat mir dann doch ein bißchen wehgetan:

Der Publizist Ralph Giordano verurteilte hingegen die Israel-Kritik von Günter Grass als einen "Anschlag auf Israels Existenz". "Selten hat mich etwas so erschüttert", schrieb der 89-Jährige der Nachrichtenagentur dpa. 
Ich bin fast nie einer Meinung mit Herrn Giordano, den ich trotzdem als intelligenten Menschen respektiere und lese. Wenn dieser doch eigentlich kluge Kopf, ein Holocaustüberlebender, ein schlechtes Gedicht mit der Bemerkung, selten habe ihn etwas so erschüttert, quasi würdigt, dann sind da einfach nur alle Maßstäbe verloren gegangen. Das ist ja fast schon Verharmlosung des Holocaust.

Die ham sie doch nicht alle, die ganze Bande nicht.

Mittwoch, 4. April 2012

"Was gesagt werden muß"

Grass veröffentlicht in der Süddeutschen ein Gedicht ("Was gesagt werden muss"), indem er Israels Rolle als Brandbeschleuniger im Nahen Osten thematisiert.

Aber holla!

Für sowas hat der bürgerliche Feuilletonist die Nazi-Keule griffbereit neben dem iPad liegen. So falsch liegt Günter Grass,  belehrt SPON in etwas, das sich zum "Faktencheck" euphemisiert. Der Zentralrat mischt natürlich mit - ich hab die Jungs und Mädels jedenfalls nie anders wahrgenommen als empört. Kennen die auch einen Normalzustand? Der Springer-Verlag, in dessen Arbeitsverträgen die publizistische Unterstützung Israels verewigt ist, hat natürlich eine besonders große Nazi-Keule. Zur Stunde zählen wir dort mehr als ein halbes Dutzend Artikel und Blogbeiträge mit so zurückhaltenden Überschriften wie "Günter Grass auf Adolf Hitlers Spuren."

Wißt ihr was? Ist mir doch egal. Was wirklich gesagt werden muß:

Das
ist
ein
lausiges
Gedicht.

Wirklich. Der Mann ist Literaturnobelpreisträger. Und was schreibt er? Ein Schülergedicht. Das ist nicht weiteres als pupertäres, an der schlechten Welt verzweifelndes Befindlichkeitsgelalle, in Reime umgebrochen. Das ist schlecht.

Das mußte gesagt werden. Ansonsten liegt der gute Herr Grass inhaltlich jetzt nicht so daneben, wie alle tun, und Naziideologie ist da schon gar nicht zu finden. Ich weiß nicht, was in Köpfen der Redakteure so gerade vorgeht, aber es bewegt sich in tranceartiger Langsamkeit zu unhörbarer Musik.

Montag, 6. Februar 2012

Nur unter Vorbehalt: NS-Filmpropaganda

So lautet der Titel des Symposiums mit und um sog. "Vorbehaltsfilme" im Filmmuseum München. Ich hatte die Veranstaltung ja erwähnt, jetzt ist auch das vollständige Programm Online.Ich werde auf alle versuchen, den einen oder anderen in München zu sehen, die Vorträge klingen auch spannend, aber zeitlich sehr schlecht für mich.

Donnerstag, 2. Februar 2012

Ohne Vorbehalt in München

Im Zusammenhang mit meinem gestrigen Eintrag über Vorbehaltsfilme hat mich Peter Mühlbauer von Telepolis noch auf eine Veranstaltung hingewiesen: Das Filmmuseum München veranstaltet von Mitte März bis Anfang Mai d.J. die Reihe "Nur unter Vorbehalt: NS-Filmpropaganda". Neben Vorträgen zum Thema, u.a. von Hans Schmid, dem Autor der TP-Artikelreihe "Das Dritte Reich im Selbstversuch", zeigt das Filmmuseum dabei auch über ein Dutzend dieser Vorbehaltsfilme mit begleitenden Vorträgen. Das Programm ist leider noch nicht online, ich liefere es nach, sobald es ein Link gibt.

München liegt für mich leider nicht so günstig, aber ich denke, zumindest zu "Die Goldene Stadt" sollte ich es schaffen. Das ist mit 31 Mio. Zuschauer der erfolgreichste deutsche Film aller Zeiten, in Agfacolor und mit Reichswasserleiche Kristina Söderbaum.

Mittwoch, 1. Februar 2012

Die UFA präsentiert...

"Vorbehaltsfilm" ist so ein deutsches Wort, wie es nur eine deutsche Behörde (oder in diesem Falle eine Stiftung) erschaffen kann. Es bezeichnet rund 40 Filme aus der Filmproduktion des Dritten Reiches, die von der Murnau-Stiftung verwaltet bzw. eher verborgen werden. Ein wunderbares Beispiel wie unser Urheberrecht durch Unklarheiten zuläßt, über die Hintertüre Zensur zu üben. Diese "Vorbehaltsfilme" stehen jedenfalls unter besagtem Vorbehalt, weil ihr Inhalt in irgendeiner Weise geeignet erscheint, den Zuschauer in einen Nazi zu verwandeln.

Wie genau? Ich nehme an, diese Filme triggern ein latentes Gen im Deutschen. Oder irgendwie so.

In seiner Artikelreihe "Das Dritte Reich im Selbstversuch" auf Telepolis hat sich Hans Schmid in bislang elf Teilen (Teil 1) erschöpfend mit diesem eigenartigen Denkkonstrukt auseinandergesetzt. Er bespricht dabei etliche Vorbehaltsfilme im Detail und kommt in den meisten Fällen zu dem unausweichlichen Schluß, daß ein Mensch, der von diesen Filmen zum Nazi "wird", schlicht schon vorher einer war.

Darüberhinaus zeigt Schmid aber auch auf, wie wirr, verquer und im Endeffekt sogar gefährlich diese Politik der ansonsten sehr verdienstvollen Murnau-Stiftung ist, wenn es sich um wirklich "gut" gemachte Propaganda handelt. Dies wird besonders deutlich am vielleicht perfidesten dieser Filme, Liebeneiners, Ich klage an (1941):

Die Murnau-Stiftung erwähnt in ihrer Inhaltsangabe die Nebenhandlung mit keinem Wort, was angesichts des sonstigen Umgangs dieser Institution mit den "Vorbehaltsfilmen" nicht überrascht. Ärgerlich ist es trotzdem. Wer einen Film wegen gefährlicher Nazi-Propaganda verbietet, sollte interessierten Nutzern der eigenen Website zumindest sagen können (und selber wissen), worin die Propaganda besteht.
Weil ich bei anderen Vorbehaltsfilmen den begründeten Verdacht hatte, dass es sich bei den Inhaltsangaben der Stiftung um Paraphrasen der Zusammenfassungen in alten Filmprogrammen handelt, habe ich mir den Illustrierten Film-Kurier zu Ich klage an besorgt. Und siehe da: Die Nebenhandlung kommt da ebenfalls nicht vor. Ilse Fürstenberg und Karl Dannemann - sie verkörpern die Protagonisten dieser Nebenhandlung - sind im Darstellerverzeichnis nur unter "Ferner wirkten mit" aufgelistet, ohne Rollennamen. Das war ganz im Sinne der Propaganda, zu der auch diese Filmprogramme gehörten. Die eigentliche Botschaft ist da buchstäblich im Kleingedruckten versteckt. Wenn die Murnau-Stiftung die aus propagandistischen Gründen vorgenommene Aussparung der Nebenhandlung reproduziert, stimmt etwas nicht. 

Alles in allem eine hervorragende Artikelreihe, die auch nicht ohne Wirkung geblieben ist. So hat sich heute die WELT Online des Themas angenommen, und auch Hans-Georg Rodek kommt zu einem klaren Ergebnis (nachdem er vorher mit leichter Verblüffung konstatierte: "Kein Leni Riefenstahl-Film steht auf dieser Liste."):

Der große Rest bleibt weiter „unter Vorbehalt“, ohne dass irgendwo eine Begründung nachzulesen wäre – abgesehen von der pauschalen, sie seien propagandistisch, kriegsverherrlichend oder antisemitisch. Das verschafft diesen Filmen einen Nimbus, den sie – größtenteils – nicht verdienen. 

Den ganzen Artikel gibt es hier auf WELT Online: "Wie viel Gift steckt noch in den 'Vorbehaltsfilmen'?"