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Mittwoch, 26. August 2020

Weit jenseits von 180

So. Morgen habe ich beim Kardiologen meinen großen Auftritt. Ich bin sicher, das nennt man anders. Spitzenwert war 230:115. Das ist ist eine Ansage, in der Tat. Die wollt ich nie treffen. Den Tag mit so Dingen verbracht wie Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Senkt den Blutdruck nur begrenzt. Eher das Gegenteil. Kürbisse gießen hingegen war fast zen-buddhistisch.

Wissenschaftliche Fortschritte erzielt. Festgestellt, daß eine konstante Versorgung mit Johanniskrauttee und Gin-Cocktails bei gleichzeitiger Koffeinkarenz und Nikotinreduktion um 90% den Blutdruck verläßlich unter 150:90 hält. Selbst wenn man mit der Stadt über ungerechtfertigte Gebührennachforderungen verhandelt. Selbst wenn Dein Gesprächspartner jeden Satz mit "Hören Sie" beginnt. Selbst wenn... ach vergiß es. Ich war höflich bis zum Schluß und mein Blutdruck verharrte bei 155:93. Gin for the win!

Downside: Gewisse konstante Schwebezustände und massive Lichtempfindlichkeit in Cornea und Epidermis. Ich denke mir auch, daß sich in drei bis vier Monaten meine Leber melden wird. Andererseits verhindert der Gin den Durchbruch des Monsters Koffeinentzug. Bis man meine Malaise verläßlich diagnostiziert und eingestellt hat, erbringe ich zur Verhinderung eines Herzinfarktes dieses Opfer.
 
Oh. Ja. Maßvolles Radfahren ist übrigens auch nicht schlecht, sollte aber mit dem Gin- und Johanniskrautbudget des laufenden Tages ausverhandelt werden.

Donnerstag, 28. Juni 2018

Alkohol. Alkohol hilft.

"Die Torte im menschlichen Antlitz ist einer der bedeutendsten Einfälle des internationalen Humors."  (Loriot)

Ich war nicht mal frustriert nach dem Ausscheiden. Irgendwie bin ich sogar erleichtert. Das war grauslich anzusehen. Gebrüllt habe ich eigentlich nur einmal voll Zorn, nämlich vor dem Spiel, als ich die Aufstellung las, und dann, dann nahm die Tragödie ihren sehr erwartbaren Verlauf. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob Löw "sediert" meint, wenn er "souverän" sagt.

Dieses Mal hat er sich nicht nur einem Spiel vercoacht, sondern im ganzen Turnier. Natürlich hat er nach der minimalen Verbesserung gegen Schweden wieder die "bewährten" Luftwegatmer auf dem Platz rumschwanken lassen. Wobei Özil heute sogar leicht verbessert spielte, während Khedira, naja, ein schwarzes Loch in unserem Zentrum. Wir hatten im Kader eigentlich eine fähige Mannschaft, die stand nur nie auf dem Platz. Und heute war das ein Grottenkick, wie es ihn seit 1938 nicht gegeben hat. Und damals hatten die Deutschen wenigstens die Ausrede, daß sie um des lieben Friedens Willen ein paar frisch eingemeindete Ösis in die Mannschaft bauen mußten.

Naja. Glückwunsch Schweden und Mexiko, unser Weiterkommen wäre peinlich gewesen und wahrscheinlich noch peinlicher geworden. Und große Gratulation an Südkorea, die haben 125% aus sich herausgeholt und verdient gewonnen.

Mal sehen was die Russen, Engländer und Schweizer noch so treiben werden. Spannend ist die WM ja.

Donnerstag, 1. Juni 2017

Advanced Basil Smash

Erfunden hat diesen Cocktail Jörg Meyer aus dem Hamburger Le Lion vor ein paar Jahren (wahrscheinlich). Seitdem hat er sich zunächst zum Hipster-Liebling gemausert und schließlich sogar den Weg in den Stern gefunden, eine Hochglanzpostille, die mal Anspruch hatte.

Das wollen wir nicht gegen ihn verwenden, denn nett ist der Drink trotzdem. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht a) was zum Mäkeln fände und b) es besser machen wollen würde. Obs gelingt, kann der vergeigte Leser dann selbst entscheiden. Zunächst möge er das oben verlinkte Original mixen und verkosten. Das sieht so aus wie auf dem Bild. Dann kann er sich an meiner Variante versuchen.

  • 12 Basilikumblätter in einem Mörser trocken kräftig anstößeln.
  • 2 cl Gin dazu geben, um alles gut zu lösen. Der Trick ist: Wir nehmen einen billigen Gin. Wir lassen meine geliebten Mix-Standards Tanqueray Rangpur und Greenall im Schrank stehen und nehmen den Billig-Gin Finlays von Edeka. Der steht dem ganzen geschmacklich weniger im Weg.
  • Das Gemisch aus dem Mörser in den Shaker umgießen. Auffüllen mit
  • 4 cl Gin natürlich von derselben Sorte
  • 2 cl Limettensaft, der ein weitaus feineres Aromenspiel mit dem Basilikum erreicht als Zitrone und
  • 1 cl Zuckersirup, keinesfalls aus Rohrzucker gekocht, sondern aus Puderzucker oder mindestens weißem Zucker.
  • Eis reingeben (etwa eine kleine Hand voll crushed Ice) und sehr gut und ausdauernd schütteln.
  • In einen Champagnerkelch oder ein Martiniglas seihen, ohne Teesieb einfach durch den normalen Seiher. Die kleinen Basilikumfragmente im Drink sind gewollt. 
  • Serve straight up. Cocktailgarnituren sind für kleine Mädchen beim ersten Barbesuch.


Et voilà, so macht man aus einem Hipsterdrink einen klassischen short sour. Als alter Rollenspieler nenne ich das natürlich Advanced Basil Smash. Prost. (Angeregt durch Cthulhu-Monopoly.) Alle Ehre gebührt natürlich nach wie vor dem originalen Schöpfer; auf die ebenso geniale wie (im nachhinein) naheliegende Idee, die klassische Gin-Zitrus-Basis mit Basilikum zu vermählen, muß man auch erstmal kommen.

Ach ja: Prost.

 

Freitag, 19. Mai 2017

Genre Savvy

Was gehört dazu, wenn man eine Kampagne vorbereitet? Richtig! Genre-Kenntnis. Bevor man sich an eine ernsthafte Kampagne macht, muß man die Regeln des Genres kennen, um sie sinnvoll zu befolgen oder brechen zu können. Dankenswerterweise hat uns Hollywood ja in mehr als hundert Jahren in allen Abenteuergenres gut mit ansehbarem Genrematerial ausgestattet.

Daher im Player:

  • Captain Blood
  • The Sea Hawk
  • The Crimson Pirate (Der Film, aus dem Pirates of the Caribbean wirklich alles geklaut hat)
  • Against All Flags
  • Cutthroat Island
  • Pirates of the Caribbean (da gibts nur einen Teil, oder?)

Ich stelle mich dieser harten Aufgabe (Botucal Reserva bereit stellend) im Bewußtsein (Pfeife stopfend), daß ich das für meine Spieler halt ertragen muß (das Salmagundi sollte jetzt auch gut durchgezogen sein). Ich bin ein netter SL.

Arrrrh.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Silent Green

Wenn man die Zutaten für einen Mai Thai nicht im Hause hat, aber Bock auf einen, dann muß man halt mal schauen. Mit etwas Tüfteln kam ich dann auf folgendes Rezept:
3 cl Wodka
2 cl Gin
2 cl Curacao Blue
2 cl Limettensaft
1 cl Zuckersirup
4 cl Orangensaft
3 cl Ananassaft
2 Tropfen Mandelaroma (Backaroma)
2 Tropfen Rumaroma (Backaroma)
Das Ganze mit 7 bis 8 Eiswürfeln gut shaken und vollständig (also mit Eis) in ein Caipirinha-Glas gießen. Das Ergebnis war von absurd-grüner Farbe mit wünschenswertem Schaum und einem Geschmack, der dem Mai Thai ähnelt, aber eigenständig und durchaus angenehm ist.

Kann man trinken und Vitamine hats auch.

Freitag, 15. Juli 2016

Pink Ivan

(Hier sollte ein Photo sein. Als ich mit dem Apparat an den Tisch kam, war aber alles schon leer.)

Ich bin kein Freund von Frozen Margaritas. Zuviel Eis verwässert den Drink geschmacklich zu sehr und Tequila ist eine Spirutose, die man halt trinkt, wenn man nur Sukkulenten hat. Muß nicht sein. Der Pink Ivan umgeht das Eis-Problem. Er ist etwas aufwendiger in der Zubereitung, kann aber am Vortage schon gemischt werden. Statt Wodka sind auch weißer Tequila (wenn's denn wegen der Authentizität sein muß) oder weißer Rum möglich.

Zutaten für den Pink Ivan

  • 400g Wassermelonenfleisch (siehe unten)
  • 200 ml Wodka
  • 80 ml Limettensaft (kein Cordial!)
  • 100 ml Spezialsirup (siehe unten)
  • 4 frische Minzblätter

Zubereitung

Die Wassermelone am Vortag in Würfel schneiden und einfrieren. Vor dem Mixen aus dem Eisfach holen und solange antauen, bis sie gerade beginnt, druckweich zu werden.

Der Spezialsirup wird gekocht aus 100 ml Rohrzucker, 100 ml Wasser und 30 ml Mandarinenlikör (ersatzweise Triple Sec oder Curacao). Vollständig abkühlen lassen. Reste können für eine Woche und länger in einer kleinen Flasche aufbewahrt werden.

Alle Zutaten (auch die Minzblätter) in den Blender und auf hoher Stufe pürieren, bis alles zerkleinert ist. Abseihen in Champagnerkelche. Ergibt ca. vier Stück.

Wird für den nächsten Tag vorgefertigt, die Mischung über Nacht im Kühlschrank belassen, im Blender vor Servieren nochmal aufschäumen und dann in ein kleines Highball-Glas (240 ml) über 4 Eiswürfel seihen. Die Minznote ist dann deutlich intensiver.


Dienstag, 19. April 2016

Lebenszeichen: Molari.

  • 4 cl Rum, Weiß
  • 4 cl Wodka
  • 6 cl starker Kaffee
  • 6 cl Vollmilch oder Sahne
  • 4 cl Zuckersirup
  • ¼ von den kleinen Fläschchen Vanillearoma

Im Shaker auf viel Eis schütteln und straight up in Likorkelchen kredenzen. Ergibt vier Portionen und einen Schluck für den Mixer. Ein (hoffentlich irgendwann mal) klassischer Afterdinner Sweet. Protipp: Mit einem Eiweiß wird der Drink seidiger, mit einem Eigelb gehaltvoller (vorquirlen) und wer eine Katastrophe möchte, nimmt ein ganzes Ei.

(Ja, der Blog lebt noch, ich bin derzeit nur heftig eingespannt.)

Freitag, 4. Juli 2014

Der Suarez

Heute mal wieder nach langer Zeit ein Cocktail. Diesmal einer passend zur WM 2014, eher in die süße Ecke gehend, daher als Nachtisch mehr denn als als Aperitif vorgesehen. Wir brauchen für drei Drinks:

  • 10 cl Wodka oder Weißer Rum (al gusto)
  • 4 cl Limettensaft
  • 2 cl Zuckersirup
  • ca. 350 - 400g süße Schwarzkirschen*
Und so wirds gemacht.

  • Am Vorabend die Schwarzkirschen entsteinen und einfrieren. 
  • 30 - 45 Minuten vor Zubereitung aus dem Gefrierfach in die Küche stellen. Sie sind soweit, wenn sie auf starken Fingerdruck etwas nachgeben.
  • Alle Zutaten in den Food-Blender und mixen, bis sich roter Schaum bildet. 
  • In gefrosteten Champagnerkelchen servieren.

Und warum ist das ein "Suarez"? Wegen der schönen, an Blut gemahnenden Farbe, wegen dem roten Tollwutschaum auf dem Drink, der uns an den sympathischen südamerikanischen Ballbeißer erinnert, und weil kleine Kirschfetzen (je nach Mixgrad) eine Textur nicht unähnlich Fleisch aufweisen.

Ein Suarez eben.

(Photo wird folgen.)

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*Bitte keine Prunus virginiana-Diskussion. Gemeint ist sowas oder sowas. Heißt bei uns halt Schwarzkirsche.

Donnerstag, 16. August 2012

Gimlet

Auf der Terrasse sitzen, über Felder und Berge schauen, es ist warm. Neben dem Schaukelstuhl steht auf einem Hocker der Cocktailshaker, bis zum Rand gefüllt, Kondenströpfchen auf dem beschlagenen Metall verheißen dem Durstigen Atzung. Es ist August und endlich löst er seine Versprechen ein.

Gimlet natürlich. A real gimlet is half gin and half Rose's lime juice and nothing else. Ich schätze Raymond Chandler, aber hier irrt er. Das kann kein Mensch trinken.

  • eine handvoll crushed ice in den Shaker - ersatzweise 5 Eswürfel
  • 7 cl Tanqueray-Gin (ersatzweise Bombay Saphire oder (no joke) Aldis Johnson Gin)
  • 1 cl Lime Cordial (Roses Lime Juice Cordial oder Monin)
  • 2 cl Limettensaft
  • Alternativ, falls kein Cordial zur Hand: Zuckersirup ist eine Notlösung.
Gut schütteln (be Eiswürfeln sehr lange gut schütteln), bis das Eis sich fast aufgelöst hat und in eine Coupette seihen. Getting drunk with style. Ja, das ist ziemlich teuer. Falls wir eine Party ausrichten, nehmen wir daher das tolle Vodka-Gimlet-Rezept aus den Romanen von Stuart Woods, ersetzen aber die Hälfte des Cordials durch Limettensaft. (x 5 - Leute lieben das.):
Pour six ounces [ca. 180 ml]  of vodka from a 750 ml bottle; replace with six ounces Rose's Sweetened Lime Juice (available from nearly any grocery), add a small amount of water for ice crystals, shake twice and store in the freezer overnight. Pour into a martini glass and serve straight up. The glass will immediately frost over. 
Sláinte für meine Ur-Ur-Großeltern. Und was Du mit den übriggebliebenen 180 ml Vodka machst...

(Für die Orthographie zeichne ich nicht verantwortlich. Ich hatte vier von den Dingern seit der Niederlage gegen Argentinien.)