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Donnerstag, 22. März 2012

Es gibt mehr als Gauck

Während bei uns schnäppchenjagende Präsidenten und deren predigende Nachfolger als Schweine durchs mediale Dorf getrieben werden, geschehen anderswo noch echte Skandale. Ziemlich in unserer Medienlandschaft versickert ist z.B. der Rupert-Murdoch-Abhörskandal, der bei den Angelsachsen beidseits des Atlantiks hohe Wellen schlägt. Ein paar Hintergründe finden sich hier und hier, und über die aktuellen Aufreger gab es in Keith Olberman's Countdown vor zwei Tagen ein gutes Segment, das die Tragweite begreiflich macht.

Freitag, 16. März 2012

Über Fukushima, die Söhne der Sonne und die Henne oder das Ei an der Schnittstelle von Wirklichkeit und Fiktion.

Meine Gruppe sollte das nicht lesen - falls der Alptraum irgendwann weitergehen sollte, verspoilert ihr euch ein wenig. Andererseits sind die nachfolgenden Sachen ganz interessant. Bleibt euch überlassen.

"Ich komm mit der Realität net klar"

Ich habe im Blog ja schon berichtet, wie ich gegenwärtige Wirklichkeit genommen und mit Fiktion angereichert habe, um meine Spieler in ein dunkles Zerrbild unserer Welt zu schleudern. Daß die Nachrichtenlage nach den Sessions dann immer ein wenig dazu tendierte, diese abgefahrene Variante der Realität zu untermauern führte stellenweise zu interessanten Gemütslagen. Olbermann wurde gefeuert, genau wie bei uns im Spiel, die Fertilitätsklinik Rei IVF in Arizona, die von meinen Spielern virtuell in Trümmern gelegt wurde, schloß in der Woche darauf... (Spielerzitat: "Ich komm mit der Realität net klar")

Angels don't play the Haarp

Februar / März 2011 war ich dann in der Vorbereitung der nie gespielten Season 2. Eine der Kernhandlungen fiel mir ein, als ich folgendes Zitat las:
Andere [Wissenschaftler] beschäftigen sich sogar mit einer Art Öko-Terrorismus, wodurch sie das Klima verändern, Erdbeben und Vulkane durch die Anwendung elektromagnetischer Wellen ferngesteuert auslösen können.
Der Verschwörungsspinner der das sagte, war keiner. William Cohen bekleidete zu dem Zeitpunkt den Posten des Verteidigungsministers unter Bill Clinton, und er sagte dies auf der Pressekonferenz am 28.4.1997.

Mein kleines, dunkles Gehirn beginnt hier zu arbeiten. Erdbeben? Elektromagnetische Wellen? Natürlich fällt mir dazu HAARP ein, jenes undurchsichtige Experiment der USA in Alaska, bei dem gewaltige Mengen Energie in die Ionosphäre gepumpt werden. Für Amis ist es offiziell Wissenschaft, die EU sieht das etwas anders. In einem EU-Bericht von 1999 wird von einem "Klimawaffensystem" gesprochen, das unter anderem Löcher in die Ionosphäre reiße.
Mit seinen weitreichenden Auswirkungen auf die Umwelt ist HAARP Gegenstand globaler Besorgnis und wir müssen fragen, ob seine Vorteile wirklich die Risiken aufwiegen. (....) HAARP ist ein Projekt, über das die Öffentlichkeit fast vollständig unwissend ist, und dem muß abgeholfen werden.
Woa. Ich meine, als Weltbürger beobachte ich sowas mit Mißtrauen, und auch 13 Jahre nach dem Bericht hat sich weder an Unkenntnis der Öffentlichkeit noch an der Geheimniskrämerei der Amis was geändert. Das stimmt mich bedenklich. Als Weltbürger. Als Schreiber?

Cool!!!

Als RPG-Schreiber betreibt man an diesem Punkt auch keine ernsthafte Recherche, sondern beschränkt sich auf auf die Dokus von Jesse Ventura, Ex-Navy-Seal, Ex-Wrestler, Ex-Gouverneur von Minnesota: Conspiracy Theory. Eine Dreiviertelstunde und man hat alles an Info zu HAARP und die richtige Einstellung zur Wirklichkeit, um ein hartes, paranoides Abenteuer voll Verschwörung, Alptraum und Gewalt anzufertigen. Also ran an den Text. Zunächst mal die Ereignisse im Hintergrund skizzieren.
Aufgrund des Krieges der USA gegen Syrien spannt sich die Weltlage weiter an. Rußland verlegt Truppen in die Kriegsregion, China zieht mit. Derweil plant ein Kommando der syrischen Terrorgruppe Söhne der Sonne (natürlich auf Betreiben von denen) einen Anschlag: Sie werden HAARP besetzen und damit unter San Francisco das große Beben auslösen. Dabei werden Städte vergehen, Tausende sterben, und einige AKW erleiden den Super-GAU (Manufactured with pride in the USA).
Dieser erste handschriftliche Entwurf der Hintergrundstory trägt das Datum 9. März 2011. Zwei Tage später brachen dann das To-hoku-Erdbeben, der Tsunami und schließlich Fukushima über Japan herein. Mann, ich hörte in meinem Geiste Carl Gustav Jung lachen. Ich hab dann die Planung erstmal zur Seite geschoben.

Ende à la X-Files

Damit ist diese kleine, belanglose Geschichte fast am Ende. Schreiber plant Erdbeben und Super-GAU, beides ereignet sich tatsächlich, Schreiber verliert etwas den Spaß an seiner Fiktion. Aber letztlich: Es war eine Naturkatastrophe, was soll man da schon machen?

Nun, gestern erhielt ich ein Link auf ein Forschungspapier von Dimitar Ouzounov et al. vom Raumfahrtzentrum der NASA in Maryland, verfaßt im Mai 2011. Darin heißt es:
Sie berichten, daß vor dem M9-Erdbeben der Elektronengehalt der Ionosphäre über dem Epizentrum dramatisch anstieg und ein Maximum drei Tage vor dem Beben erreichte. Zur gleichen Zeit zeigten Satellitenbilder einen großen Anstieg infraroter Emissionen oberhalb des Epizentrums, die ihren Höhepunkt in den Stunden vor dem Beben erreichten. Mit anderen Worten: Die Atmosphäre heizte sich auf.
Eine Theorie zur Erklärung ist dort auch zu finden. Als Mensch habe ich nicht genug Infos und auch nicht die Kenntnis, derartige Infos richtig einzuordnen. Ich bin kein Physiker. Sie sagen, das ist eine Folge der Plattenbewegung im Vorfeld des eigentlichen Bebens. Okay. Das Huhn war zuerst da, und ich glaube es. Als Schreiber?

Cool. Vielleicht ist ja auch das Ei zuerst dagewesen, d.h. diese Phänomene könnten das Beben ausgelöst haben. Und nach allem, was wir wissen (z.B. aus dem EU-Bericht) könnte HAARP die Atmosphäre derart aufheizen. Hihi. Es lebe die Paranoia.

Vielleicht hole ich das Projekt ja doch nochmal aus der Schublade.

Freitag, 17. Februar 2012

My American Nitemare.

Das Faule-Sack-Tum(TM) meiner Spieler hat mir ja so manch sinnlos verbrachte Stunde erspart. Aber es hat eine häßliche Kehrseite: Sie sind auch settingfaul. Sie wechseln nicht gern das Setting. "Wir können Fantasy am besten", sagen sie.

Leid tut es mir dabei um meine American-Nitemare-Kampagne. Immerhin, die Auftaktabenteuer haben wir gespielt (3 Sessions): Die SC sind drittklassige Newshounds-for-Hire und sollen eine Human-Interest-Story über ein entführtes Kind produzieren. Wir sind in New York City, das Jahr ist 2007.

Ziel war es, doppel-, dreifachbödig mit Spiegeln und Tricks zu arbeiten. Sie kommen einer ganzen Entführungsserie auf die Spur, werden von der Regierung gejagt, von UFOS entführt, von schwarzen Helikoptern gehetzt, brechen in den Computer des Verteidigungsministeriums ein, einer der ihren ist ein von MKUltra ferngesteuerter Regierungsattentäter, der das selbst natürlich nicht weiß und per Telefon ausgelöst wird (mit der Ouverture zu Egmont und dem Stichwort "die mächtige Kakerlake"). In einem Showdown in einer Fruchtbarkeitsklinik in Tucson, Arizona (mit viel Blei, explodierenden Fahrzeugen und allem was dazu gehört) erfahren sie die grausame Geschichte hinter den Entführungen.

Das war Akte X in der Stallone-Fassung mit allem und scharf: Number Stations, Kornkreise, dem Alien-Hintergrund einer bekannten, sektierisch angehauchten Computerfirma und und und.

"Draußen" geht - quasi als Metaplot - die vertraute Welt des Jahres 2007 in Stücke. Präsident Bush fällt einem Attentat zum Opfer, Cheney wird Nachfolger, Araber werden von Homeland Security in FEMA Camps zusammengetrieben, Krieg mit Syrien steht vor der Tür.

Dabei habe ich soviele tatsächliche Ereignisse reingenommen wie möglich, um die Grenzen zwischen den Realitäten zu durchlöchern.

Ich scheue ja selten Aufwand, aber hier war es wirklich massiv: Jeden Spieltag eine neue gefakte CNN-Seite (siehe Kopfbild) mit aktuellen News, dazu atemlose Radioberichterstattung über den Mord an Bush, falsche Websites von Firmen, kryptische Anrufbeantworter, seltsame Hotlines, jede Menge Google Maps und Street View, eMail-Accounts.... es war alles da. Persönliches Highlights: Drei Tage, nachdem MSNBC-Anchor Keith Olbermann bei uns im Spiel gefeuert wurde, geschah es auch ziemlich überraschend in der Wirklichkeit.Unvergessen auch Jack Bauers Cameo als weichgespülter Walldorf-Pädagoge.

Und es hat gerockt. Aber es hat wohl auch verstört. Ein Spieler hatte absolute Schwierigkeiten "reinzukommen", da diese Welt zu nah an seiner ist, aber der "Blick hinter die Kulissen" mit seiner Realität nicht abgleichbar war. Es hat glaube ich nicht geholfen, einen italienischen Hausmeister zu spielen. Ein anderer legt die besten Sessions hin, die ich bis dato von ihm bekommen habe, entwickelt sich vom Mauerblümchen zum Gruppenface und hört danach leicht verstört auf (die Alien-Entführung war ziemlich anstrengend in diesem Fall). Ein Dritter schmiß schon nach der ersten Session das Handtuch (das hatte aber wohl eher private Gründe außerhalb der Gruppe).

Zwei haben es sehr gemocht, die hätten auch gerne weitergemacht, aber, naja. So spielen wir jetzt halt Fantasy. Naja, genaugenommen spielen wir eine kleine Deadlands-Kampagne im Fäntel-Trapping, so daß es eben statt guter und böser Rothäute Elfen und Goblins gibt.

Gespielt wurde Savage Worlds nach GRW mit drei oder vier zusätzlichen sozialen Talenten. Das wird aber eine volle Conversion mit einem neuen Bennie-Mechanismus, der es den Spielern erlauben soll, selbst wirre Theorien als Fakten zu setzen, solange sie nachweisen können, daß es dazu eine Seite im Internet gibt. Aber dazu ein anderes Mal mehr.