(Alle W101-Beiträge finden sich hier.)
Bücher, Drehbücher, Theaterstücke, Abenteuer fürs Rollenspiel - wenn all diese Formen sich auch voneinander unterscheiden (und ein gutes Abenteuer unterscheidet sich strukturell massiv) so haben sie doch mindestens eines gemeinsam: Zum Erfolg benötigen sie neben einem packenden Thema Figuren, die des Erinnerns wert sind. Darum soll es hier gehen.
Figuren einer Fiktion lassen sich grob in drei Kategorien einteilen. Die Hauptfiguren, die Nebenfiguren, die im Englischen mit "Supporting Cast" so trefflich benannt sind, und schließlich die Statisten, Extras, die Rumsteher und Bestenfalls-Ein-Satz-Sager. Die Hauptfiguren, die Protagonisten und Antagonisten, sollten i.d.R. schnell von der Hand gehen, zumindest in groben Zügen - sie sind es, die den Plot treiben, und Thema, Handlung und Protagonisten sollten ein so dichtes Netz weben, daß sie zumindest beim ersten Treatment bereits fast von alleine erstehen.
Rollenspiel: Der Designer von Abenteuern hat es da besonders gut; die Mitspieler kümmern sich um die "Helden", er muß nur noch die Schurken beisteuern.
Nebenfiguren
Ich will hier auf die Nebenfiguren (in welchem der angesprochenen Medien auch immer) eingehen, denn sie sind das Rückgrat einer guten Geschichte, sie geben Tiefe, Farbe, Textur, Sinnlichkeit und bieten den Hauptfiguren die Gelegenheit, sich überhaupt erst zu entwickeln. Sie stützen die gesamte, zerbrechliche Konstruktion einer Handlung.
Eine Nebenfigur ist eine untergeordnete Figur der Handlung, die entweder sporadisch während der gesamten oder gehäuft über einen kurzen Abschnitt der Handlung beiträgt. Sie unterstützt die Protagonisten ("der weise Ratgeber") oder Antagonisten ("kriechender Höfling").
Ganz nebenbei haben die meisten Nebenfiguren weitaus mehr Screentime als z.B. der Antagonist. Steht die Geschichte und Charakterzeichnung des Schurken beispielsweise nicht im Vordergrund, so sehen wir ihn gewöhnlich in der Exposition, vielleicht während der zentralen Peripetie (während der er lachend die Helden ihrem vermeintlich sicheren Schicksal überläßt) und während der Auflösung im dritten Akt.
George, der Mechaniker ist jedoch jedesmal da, wenn Captain Cochran seine Hawker Hurricane landet. "Blimey, Cap'n, ainna no closer call 'n this. All beaten up and bulleted. What were ya thinkin?!" Er tröstet, er leidet mit, und am Schluß hat er den rettenden Gedanken wie man die offenen Ölleitungen der Hurricane temporär dichten kann, um die Manöverfähigkeit der Hurries gegen die pöhsen Nazi-Messerschmitts zu erhöhen.
Der Antagonist ist wichtiger als George für das Szenario, denn er hält den Plot am Laufen ("Wärr mössan Brättanien värnächten."). Aber George, George hält den Helden am Laufen. Und er bekommt verdammt viel mehr Screentime dafür.
Rollenspiel: Das gilt natürlich noch mehr für's RSP. Während Film oder Buch immer wieder auf den Schurken schneiden können, ist Rollenspiel in seiner Standardausprägung zu 99% auf die Spielercharaktere konzentriert. Hier kommt lebendigen, aber funktionalen Nebenfiguren eine noch größere Rolle zu.
Was sind die Aufgaben einer Nebenfigur?
Richtig gelesen: Die Frage ist nicht "Wie kreiere ich eine Nebenfigur?" Das ist ziemlich analog zu den Hauptfiguren, sie benötigen Konsistenz, Haltung und Widersprüche, sie können Pat-the-dog-Momente haben und ihr Rubberducky explorieren. Wie der Schreiber das bewerkstelligt, ob mit 21-Fragen-Technik, 9-Karteikarten-Technik, Tarot legen, auswürfeln, das hat keine Bedeutung. Alle Ansätze sind valide, wenn sie Ergebnisse zeitigen. Pendeln Sie's aus, wenn sein muß. Sie wissen am besten, wie sie Charaktere erschaffen.
Aber wissen Sie auch, was eine gute Nebenfigur an Aufgaben erfüllen muß?
Sie hilft dabei, die Themen und Motive der Geschichte herauszustellen. In unserem kleinen Film mit George und Captain Chochran ist eines der Themen, wie eine Nation sich angesichts überwältigender Feinde und großer Not über alle gewachsenen Schranken hinweg eint, um in dieser Einigkeit zu widerstehen. George kontrastiert hier mit Chocran, der wahlweise aristokratischer Pilot (der leichtfertige Jockey-Typ) oder gehobenes Bürgertum darstellt (z.B. Luftfahrtingenieur im Zivilberuf).
Sie definiert, verstärkt und unterstreicht den Protagonisten in seiner Entwicklung. Eine der Entwicklungen, die Chochran durchlaufen muß ist, sein Klassendenken zu überwinden und nicht mehr auf die Unterschichten herabzusehen (One Nation in the Face of the Enemy). George ist entscheidender Begleiter auf diesem Weg - er richtet den Piloten auf, als er zweifelt, erweist sich als Praktiker im Gegensatz zum durch Theorie eingeengten Ingenieur ("Now, it works, don't it? Needn't ask why now, do ya?") und natürlich kommt es zwischendrin auch zu einem Zerwürfnis.
Am Ende aber, als George's unkonventionelle Aufrüstungen helfen, den Sieg in der Battle of Britain zu erringen (eine dolle 15-Minuten-Sequenz über London), wird er ein letztes Mal supporten. Als Chochran und die Piloten seiner Stadffel das Victoria-Kreuz erhalten sollen, machen die Asse geschlossen Platz für ihre Mechaniker, die das Wunder in 24 Stunden bewerkstelligt haben. (Wir haben hier einen kompletten III. Akt.) And we came full circle.
Sie gibt Stichworte und entscheidende Infos, um den Plot voran zu bringen. George hält, wie schon gesagt, den Helden am Laufen. Und er hat den Geistesblitz, den er zusammen mit Staffelführer und Ingenieur Chochran ausarbeitet. Hier zeigt sich übrigens die Vernetzung zwischen Plot und Charakter. Alle Elemente und Ereignisse die Einfluß auf einen Charakter haben, haben immer auch Einfluß auf den Plot und umgekehrt.
Sie erfüllt die Fiktion mit Leben, Farbe und Kontrasten. George, klein, ölverschmiert, blond. Trinkt gerne Milch (schwer zu bekommen in diesen Tagen) und hat stets seinen Hund bei sich, einen Spitz natürlich. Der hört auf den Namen "Spunks" oder vielleicht auch "Mr. Tickles". George kaut Tabak und spuckt das auf die Motoren, die er wartet. "That ain't no spittle, Mr. Chochran, Sir. That's a good luck patch."
Rollenspiel: Im RSP spielen erfahrungsgemäß 1) und 2) eher untergeordnete Rollen, weswegen hier 3) und 4) entscheidender sind. Bedenken Sie, von wie vielen NSC so eine Gruppe umgeben ist, die immer wieder auftauchen und kurze Rollen spielen, als kleines Ärgernis, als Helfer, Tippgeber, als Wirte und Händler und und und. Subtile Nuancen in der Charakterisierung gehen am Spieltisch übrigens oft schnell flöten, daher sollte hier eher mit kräftigen Pinselstrichen gearbeitet werden, die sich aber nicht zu oft zur Karikatur entwickeln dürfen.
Wichtig ist es, eine gute Balance zwischen der Zahl der Nebenfiguren und den Hauptfiguren zu erreichen. Einfach nur interessante Figuren einzuführen wird die Geschichte mit unnützen Fäden zukleistern. Wer außer meinen Protagonisten und Antagonisten ist notwendig, um die Geschichte so zu erzählen, wie ich sie haben möchte? Wer ist notwendig, um meine Hauptfiguren in ihrer Tiefe auszuloten? Diese Fragen müssen sehr früh beantwortet. Erscheint während des Schreibens eine neue Figur notwendig, sollte immer überlegt werden, ob deren Funktion nicht plausibel und unauffällig von einer bereits eingeführten Figur erfüllt werden kann, oder ob sie tatsächlich ein neues Element einführt, das ohne sie unerreichbar ist.
Auch hier ist Disziplin gefordert.
Writing 101 - In Deutschland kann man die Schreibseminare immer noch an einer Hand abzählen. Insofern werde ich immer mal wieder ein paar Tips und Tricks zum Handwerk ins Blog stellen, die mit diesem Label gekennzeichnet werden. Falls irgendwelche Wünsche in dieser Hinsicht bestehen; dazu sind die Kommentare da.
Sonntag, 5. Februar 2012
Samstag, 4. Februar 2012
Dem Glgnfz seine kleine Umfrage...
VON DER SEIFENKISTE HERAB...: Dem Glgnfz seine kleine Umfrage...
Geht eigentlich vollständig aus dem Snippet hervor: Moritz macht eine kleine Umfrage zum Thema RSP. Kostet 5 Minuten, der Rücklauf ist jetzt schon gut, vielleicht macht ihr ja mit.
Geht eigentlich vollständig aus dem Snippet hervor: Moritz macht eine kleine Umfrage zum Thema RSP. Kostet 5 Minuten, der Rücklauf ist jetzt schon gut, vielleicht macht ihr ja mit.
RPG Gaming Survey - YOUR Help Needed!
Gerade auf dem Tanelorn gefunden: Der Blogger "Blackrazor" versucht (endlich) einmal verläßliche Daten über den internationalen Stand des Hobbies D&D-Spiels (s.u. für Erläuterungen) zu erheben, aufzubereiten und auch zu präsentieren. Das ist ein ehrgeiziges Ziel.
Sowas läßt sich nicht ohne Arbeit realisieren (logisch). Auch die Umfragesubjekte müssen sich Mühen unterziehen: Einen Excel-Sheet herunterladen, 125 Fragen (englisch) beantworten und an eine eMail senden.
Hier gehts zu Blackrazors Blogeintrag.
Addendum: Habe gerade in den Fragebogen gesehen und festgestellt, daß die Umfrage auf D&D zentriert ist. Da empfinde ich Blackrazors Bemerkung "there aren’t any questions about whether you are going to buy 5th edition or the AD&D reprints. In fact, it doesn’t ask about games purchased at all…it asks about games played." zumindest als irreführend.
Sowas läßt sich nicht ohne Arbeit realisieren (logisch). Auch die Umfragesubjekte müssen sich Mühen unterziehen: Einen Excel-Sheet herunterladen, 125 Fragen (englisch) beantworten und an eine eMail senden.
Hier gehts zu Blackrazors Blogeintrag.
Addendum: Habe gerade in den Fragebogen gesehen und festgestellt, daß die Umfrage auf D&D zentriert ist. Da empfinde ich Blackrazors Bemerkung "there aren’t any questions about whether you are going to buy 5th edition or the AD&D reprints. In fact, it doesn’t ask about games purchased at all…it asks about games played." zumindest als irreführend.
Freitag, 3. Februar 2012
Freitagsfutter I
Rollenspieler brauchen Futter. In meiner Heimrunde ist es üblich, vor dem Spiel gemeinsam zu Schlemmen. Ist gut fürs Betriebsklima und eine schöne soziale Phase vor dem Spiel. In der Freitagsfutter-Kolumne möchte ich RSP-geeignete Rezepte vorstellen, und ich hoffe, das kann ich regelmäßig beibehalten. Die Rezepte sind entweder rasch zu- oder gut vorzubereiten, denn Zeit spielt ja auch eine Rolle.
MONTE-CHRISTO-SANDWICHES
Den Auftakt macht nun ein Rezept für Grilled Sandwiches (d.h. in Butter sautiert) aus Kalifornien, das mir mal ein guter Freund verraten hat. Die Angaben sind für vier Personen, denn es ist sehr... sättigend.
Zutaten:
Zubereiten:
Auf vorgewärmtem Teller mit einem Klecks Erdbeermarmelade oder Preiselbeerkompott. Die Gäste vor den Zahnstochern warnen! Dazu paßt entweder ein trockener Riesling (Meddersheimer Raubgraf) oder ein Bayrisches Helles mit wenig Süße (Tegernseer Spezial).
Anmerkung: Obwohls um RSP-Futter geht, möchte ich den Aggregator nicht zuspammen und hab das "Rollenspiel"-Label nicht gesetzt. Wer also die Rezepte mag, der muß Freitags vorbeischauen.
MONTE-CHRISTO-SANDWICHES
Den Auftakt macht nun ein Rezept für Grilled Sandwiches (d.h. in Butter sautiert) aus Kalifornien, das mir mal ein guter Freund verraten hat. Die Angaben sind für vier Personen, denn es ist sehr... sättigend.
Zutaten:
- Butter, viel Butter auf Zimmertemperatur
- 12 Scheiben Toastbrot
- 8 Scheiben Deli-Style gegarte Hühner- oder Truthahnbrust.
- 8 Scheiben dünn geschnittener gekochter Schinken.
- 8 Scheiben dünn geschnittener junger Gouda.
- 2 Eier
- 300 ml Milch
- Salz und Pfeffer
- Erdbeermarmelade oder Preiselbeerkompott zum Garnieren.
- Zahnstocher
Zubereiten:
- Buttern Sie die Toastscheiben dünn und gleichmäßig.
- Belegen Sie die gebutterten Seiten der Bodenscheiben Ihrer Sandwiches mit der Geflügelbrust. Nicht geizig sein, dies ist ein Deli-Style Sandwich. Salzen und Pfeffern mit gebremstem Enthusiasmus.
- Buttern Sie die Mittelscheibe jetzt auch auf der zweiten Seite und legen Sie sie auf das Sandwich. Belegen Sie diese Schicht mit Schinken und Käse.
- Die letzte Scheibe mit der gebutterten Seite nach unten auflegen. Schneiden Sie das Sandwich diagonal durch und sichern Sie diese Konstruktion mit Zahnstochern.
- Verrühren Sie die Eier mit der Milch zu einer Mischung.
- Tunken Sie die Sandwiches vorsichtig ein und stellen Sie auf einem Teller beiseite. Die Sandwiches sollten sich gut vollsaugen, wenn am Schluß noch viel von der Eier-Milch-Mischung übrig ist, dann waren Sie zu sparsam.
- Zerlassen Sie die Butter in einer Pfanne. Sautieren Sie die Sandwiches von beiden Seiten bei mittlerer Hitze. Sie sind etwas dunkler als goldbraun am besten.
Auf vorgewärmtem Teller mit einem Klecks Erdbeermarmelade oder Preiselbeerkompott. Die Gäste vor den Zahnstochern warnen! Dazu paßt entweder ein trockener Riesling (Meddersheimer Raubgraf) oder ein Bayrisches Helles mit wenig Süße (Tegernseer Spezial).
Anmerkung: Obwohls um RSP-Futter geht, möchte ich den Aggregator nicht zuspammen und hab das "Rollenspiel"-Label nicht gesetzt. Wer also die Rezepte mag, der muß Freitags vorbeischauen.
Ad Acta
Hier mal was Ernsthafteres. Uns Webusern droht ja ACTA (What is ACTA?). In Polen existiert dagegen schon seit längerem eine rege und offene Opposition mit Massenprotesten bis hin zu Straßenschlachten (Echt jetzt?). Hier war, wie immer im Lande der Geruhsamkeit, bisher nichts, außer einigen Prötestchen im letzten Sommer. Das soll sich am 11. Februar ändern; dann sind Proteste geplant in den Niederlanden, Bulgarien, Rumänien, Frankreich, England, Italien, Österreich und Deutschland (deutsche Orga).
Die ganze Thematik in einem Blog zu behandeln ist mir unmöglich, und es ist auch überflüssig. Die Links oben sind erste Anlaufstellen. Macht euch kundig, denn es betrifft tatsächlich uns alle in erheblichem Ausmaß. Überlegt euch, ob ihr das akzeptieren wollt, und wenn nicht, dann schließt ihr euch vielleicht dem Protest an.
(via Telepolis)
UPDATE: Bei fefe noch das: Die Slovenische Botschafterin in Japan entschuldigt sich öffentlich dafür, ACTA unterschrieben zu haben.
Die ganze Thematik in einem Blog zu behandeln ist mir unmöglich, und es ist auch überflüssig. Die Links oben sind erste Anlaufstellen. Macht euch kundig, denn es betrifft tatsächlich uns alle in erheblichem Ausmaß. Überlegt euch, ob ihr das akzeptieren wollt, und wenn nicht, dann schließt ihr euch vielleicht dem Protest an.
(via Telepolis)
UPDATE: Bei fefe noch das: Die Slovenische Botschafterin in Japan entschuldigt sich öffentlich dafür, ACTA unterschrieben zu haben.
Donnerstag, 2. Februar 2012
Klappe, die Zweite
Ganz kurzes Update. Jens hat ein offizielles Produktionsblog eingerichtet, wo er derzeit über die Pre-Production berichtet. Das wird sicherlich noch ganz interessant zu lesen sein. Wer bei dem Projekt Das Vermächtnis Von Nabuleth in 15 Minuten Film helfen will, findet hier auch alle Infos, wie er ins Projekt kann und was gebraucht wird.
Jens schreibt außerdem: "Eine letzte Bitte noch: Sagt möglichst vielen Leuten Bescheid, sprecht potentielle Mitspieler an und macht ein bisserl Werbung."
Done.
Jens schreibt außerdem: "Eine letzte Bitte noch: Sagt möglichst vielen Leuten Bescheid, sprecht potentielle Mitspieler an und macht ein bisserl Werbung."
Done.
Neues von DSA
Der Homer-Verlag gibt einen kostenlosen Preview auf sein neuestes Produkt: Krieger, Krämer und Kultisten. Auch wenn ich bei den DSA-Titeln mit den Zähnen knirsche, so sind die Benennungen wenigstens konsistent. Das der Band zwischenzeitlich dem Vernehmen nach verlagsintern Ohne Rang und Namen als Arbeitstitel hatte, hinterläßt natürlich ein G'schmäckle.
Das vollfarbige Preview macht zumindest positiv neugierig auf das Produkt. Es werden mehrere Dutzend Alltags-NSC (von der Amazone bis zum ikonographischen Zuckerbäcker) vorgestellt. Jeder Charakter kommt in drei Teilen plus Illustration, die angebotenen wissen dabei zu gefallen. Zu Beginn eines Abschnitts finden wir jeweils einen Stimmungstext, der den Typus vorstellt / vorstellen soll. Ich kommentiere nicht.
Danach folgt ein massiver Stat-Block mit Ausrüstung etc. Die Korrektheit kann ich mangels Systemkenntnis nicht nachvollziehen, aber nach all der FLAK über schlecht und regelwidrig zusammengebaute NSC in offiziellen Publikationen gehe ich mal davon aus, daß sich die Redax diesmal besonders Mühe gegeben hat. Zusätzlich werden taktische Tipps und Hinweise zur Verwendung im Spiel eingestreut.
Sehr schön gefallen mir die Abenteuervorschläge, die zu jedem Typus zu finden sind. Diese kleinen Hooks sind stellenweise richtig gut verwendbar.
Fazit: Die DSA-Spielerschaft erwartet wohl ein schön aufgemachtes Produkt mit hohem Spielwert. Letzteres ist ja durchaus nicht selbstverständlich ist (Kiepenkerl anyone?). Vor allem sorgfältige Stat-Blöcke sollten den vom 4.1.-Ballast geplagtenSpielleiter "Meister" entlasten, wenn er "mal eben schnell" einen NSC braucht. Vom Preview her könnte sich die Anschaffung durchaus auch für SL anderer Systeme und Settings lohnen, das ist dann abhängig vom Preis.
Addendum: Ergänzende Infos zum Produkt gibt es hier.
Das vollfarbige Preview macht zumindest positiv neugierig auf das Produkt. Es werden mehrere Dutzend Alltags-NSC (von der Amazone bis zum ikonographischen Zuckerbäcker) vorgestellt. Jeder Charakter kommt in drei Teilen plus Illustration, die angebotenen wissen dabei zu gefallen. Zu Beginn eines Abschnitts finden wir jeweils einen Stimmungstext, der den Typus vorstellt / vorstellen soll. Ich kommentiere nicht.
Danach folgt ein massiver Stat-Block mit Ausrüstung etc. Die Korrektheit kann ich mangels Systemkenntnis nicht nachvollziehen, aber nach all der FLAK über schlecht und regelwidrig zusammengebaute NSC in offiziellen Publikationen gehe ich mal davon aus, daß sich die Redax diesmal besonders Mühe gegeben hat. Zusätzlich werden taktische Tipps und Hinweise zur Verwendung im Spiel eingestreut.
Sehr schön gefallen mir die Abenteuervorschläge, die zu jedem Typus zu finden sind. Diese kleinen Hooks sind stellenweise richtig gut verwendbar.
Fazit: Die DSA-Spielerschaft erwartet wohl ein schön aufgemachtes Produkt mit hohem Spielwert. Letzteres ist ja durchaus nicht selbstverständlich ist (Kiepenkerl anyone?). Vor allem sorgfältige Stat-Blöcke sollten den vom 4.1.-Ballast geplagten
Addendum: Ergänzende Infos zum Produkt gibt es hier.
"Nein danke, ich möschte nicht..."
Als mehr der Old School verhafteter SL und Spieler stieß Rollenspieltheorie bei mir seit ich von ihr hörte auf Skepsis, wenn es darum ging, damit Probleme am Tisch zu lösen. Aufgrund dieser Skepsis mied ich den Komplex für lange Zeit, bis ich letztes Jahr (man will ja keine Chance zur Besserung verpassen) begann, mich doch damit zu befassen. Ich habe in Foren diskutiert, mir alten Forgekram reingezogen, dessen Stringenz (gerade von Edwards Beiträgen) einem Wollknäuel glich, das meine drei Katzen gerade in den Pfoten hatten. Ich habe gelernt, daß man Pudding nicht an die Wand nageln kann, festgestellt, daß Standpunkte seitens einiger (nicht aller) Proponenten rasch zu elastischer Verteidigung mutieren, sobald man ein bißchen stochert und Inkonsistenzen anspricht.
Zeitverschwendung im Endeffekt. Warum? Weil die Problematik, die zu Modellentwicklungen wie dem GNS führten, nur begrenzt existiert, und die ganze Sache von einem offenkundig frustrierten, bitteren Mann angestoßen wurde, der, so habe ich den Eindruck, das Hobby eigentlich gar nicht mag.
Ich bin kein Simufant, kein Narradingens und kein Gamist. Ich bin ein Ketzerist.
Während meine überschaubare Leserschaft also Scheitholz besorgt und schichtet, hab ich noch ein bißchen Zeit, und ich möchte zunächst all' jenen danken, die von RSP-Theorie so begeistert sind wie ich vom Duft eines Käsekuchens: Ihr habt es versucht, es ist nicht eure Schuld, ich have mich im Dunkel der Häresie verloren. (Wirklich aufrichtigen Dank an diverse Tanelornis, die mir beim Verständnis geholfen haben (besonders Horatio); es hat geholfen, aber nicht überzeugt.)
Doch zurück zum Thema: Seine Modellierung habe er entwickelt, so schreibt Edwards selbst, weil er in seinem Umfeld "müde, bittere und frustrierte Rollenspieler, die am Spiel nur wenig Spaß haben", sah. Das ist ein ehrenwertes Anliegen, gewiß. Aber er war ihr SL. Wenn meine Spieler "müde, bitter und frustriert" sind, dann faß ich mir an die eigene Nase und ändere meinen Leitstil (oder werfe hin). Ganz bestimmt fabuliere ich dann keine Zwangsjacke namens "Creative Agenda" um "Spielziele" in eine Zelle zu sperren. Die von ihm verlangte, als gut und erstrebenswert dargestellte Uniformierung, Normierung, Kategorisierung; das hat schon was Faschistisches. Gruppen dürfen nur im Gleichklang der Agenda marschieren.
Wer sich nicht daran hält, der spiele "dysfunktional". In einer "dysfuntionalen" Gruppe kracht es an allen Ecken und Enden, weil die Spielziele (eben dieses GAM, NAR und SIM (letzteres in vierzehn mystischen Inkarnationen und drei neuen Geschmacksrichtungen wie SIM/Character oder SIM/Setting)) der einzelnen Spieler kollidieren und so dafür sorgen, daß es Frust gibt, was zu Opstipationen, schlechtem Atem und Ekzemen führt, im Extremfall zu Blindheit. Es ist eine Qual, die Hölle oder mehr.
So will es die Theorie. Und natürlich, das kann stimmen, das kann zutreffen: Wenn vollendete Egoisten aufeinander treffen, die kommunikationsunfähig darauf bestehen, zu 100% ihr Ding (sei es G, N oder S (in einer seiner vierzehn mystischen Inkarnationen oder seiner drei neuen Geschmacksrichtungen)) durchzuziehen, ohne Rücksicht auf Verluste, und denen das Soziale dieses wundervollen Hobbies schnurstracks an den tiefer gelegenen Öffnungen vorbeirauscht. Mit Dopplereffekt. Dann greift das Modell, dann hat es Gültigkeit, dann berührt es jenes fragile Ding, das wir Realität nennen.
RSP-Theorie nach Edwards hilft mir, mit Leuten zu spielen, die ich gar nicht kennen will.
Während es also bereits zu meinen Füßen glimmt, Heugabelzinken im Fackellicht glitzern und eine Stimme durch die erste Strophe eines Chorals bröckelt, besinne ich mich darauf, wie ich, mit etwas gutem Willen, einige Abstriche an meinem Ding hinnehme, um dafür am größeren Ding der gesamten Gruppe teilhaben zu können, in der Gewißheit ruhend, daß mein SL sich auf seine Hauptaufgabe besinnt und all die verschiedenen Ansprüche seiner Spieler integriert, auf daß jeder, er selbst eingeschlossen, einen vergnüglichen Abend erlebe.
Dazu brauche ich als SL keine Theorie, dazu muß man zuhören, und der andere muß kommunizieren. So soziale Dinge halt. Dann klappt das auch mit der Agenda, ohne, daß sie zur Zwangsjacke wird.
Zeitverschwendung im Endeffekt. Warum? Weil die Problematik, die zu Modellentwicklungen wie dem GNS führten, nur begrenzt existiert, und die ganze Sache von einem offenkundig frustrierten, bitteren Mann angestoßen wurde, der, so habe ich den Eindruck, das Hobby eigentlich gar nicht mag.
Ich bin kein Simufant, kein Narradingens und kein Gamist. Ich bin ein Ketzerist.
Während meine überschaubare Leserschaft also Scheitholz besorgt und schichtet, hab ich noch ein bißchen Zeit, und ich möchte zunächst all' jenen danken, die von RSP-Theorie so begeistert sind wie ich vom Duft eines Käsekuchens: Ihr habt es versucht, es ist nicht eure Schuld, ich have mich im Dunkel der Häresie verloren. (Wirklich aufrichtigen Dank an diverse Tanelornis, die mir beim Verständnis geholfen haben (besonders Horatio); es hat geholfen, aber nicht überzeugt.)
Doch zurück zum Thema: Seine Modellierung habe er entwickelt, so schreibt Edwards selbst, weil er in seinem Umfeld "müde, bittere und frustrierte Rollenspieler, die am Spiel nur wenig Spaß haben", sah. Das ist ein ehrenwertes Anliegen, gewiß. Aber er war ihr SL. Wenn meine Spieler "müde, bitter und frustriert" sind, dann faß ich mir an die eigene Nase und ändere meinen Leitstil (oder werfe hin). Ganz bestimmt fabuliere ich dann keine Zwangsjacke namens "Creative Agenda" um "Spielziele" in eine Zelle zu sperren. Die von ihm verlangte, als gut und erstrebenswert dargestellte Uniformierung, Normierung, Kategorisierung; das hat schon was Faschistisches. Gruppen dürfen nur im Gleichklang der Agenda marschieren.
Wer sich nicht daran hält, der spiele "dysfunktional". In einer "dysfuntionalen" Gruppe kracht es an allen Ecken und Enden, weil die Spielziele (eben dieses GAM, NAR und SIM (letzteres in vierzehn mystischen Inkarnationen und drei neuen Geschmacksrichtungen wie SIM/Character oder SIM/Setting)) der einzelnen Spieler kollidieren und so dafür sorgen, daß es Frust gibt, was zu Opstipationen, schlechtem Atem und Ekzemen führt, im Extremfall zu Blindheit. Es ist eine Qual, die Hölle oder mehr.
So will es die Theorie. Und natürlich, das kann stimmen, das kann zutreffen: Wenn vollendete Egoisten aufeinander treffen, die kommunikationsunfähig darauf bestehen, zu 100% ihr Ding (sei es G, N oder S (in einer seiner vierzehn mystischen Inkarnationen oder seiner drei neuen Geschmacksrichtungen)) durchzuziehen, ohne Rücksicht auf Verluste, und denen das Soziale dieses wundervollen Hobbies schnurstracks an den tiefer gelegenen Öffnungen vorbeirauscht. Mit Dopplereffekt. Dann greift das Modell, dann hat es Gültigkeit, dann berührt es jenes fragile Ding, das wir Realität nennen.
RSP-Theorie nach Edwards hilft mir, mit Leuten zu spielen, die ich gar nicht kennen will.
Während es also bereits zu meinen Füßen glimmt, Heugabelzinken im Fackellicht glitzern und eine Stimme durch die erste Strophe eines Chorals bröckelt, besinne ich mich darauf, wie ich, mit etwas gutem Willen, einige Abstriche an meinem Ding hinnehme, um dafür am größeren Ding der gesamten Gruppe teilhaben zu können, in der Gewißheit ruhend, daß mein SL sich auf seine Hauptaufgabe besinnt und all die verschiedenen Ansprüche seiner Spieler integriert, auf daß jeder, er selbst eingeschlossen, einen vergnüglichen Abend erlebe.
Dazu brauche ich als SL keine Theorie, dazu muß man zuhören, und der andere muß kommunizieren. So soziale Dinge halt. Dann klappt das auch mit der Agenda, ohne, daß sie zur Zwangsjacke wird.
Ohne Vorbehalt in München
Im Zusammenhang mit meinem gestrigen Eintrag über Vorbehaltsfilme hat mich Peter Mühlbauer von Telepolis noch auf eine Veranstaltung hingewiesen: Das Filmmuseum München veranstaltet von Mitte März bis Anfang Mai d.J. die Reihe "Nur unter Vorbehalt: NS-Filmpropaganda". Neben Vorträgen zum Thema, u.a. von Hans Schmid, dem Autor der TP-Artikelreihe "Das Dritte Reich im Selbstversuch", zeigt das Filmmuseum dabei auch über ein Dutzend dieser Vorbehaltsfilme mit begleitenden Vorträgen. Das Programm ist leider noch nicht online, ich liefere es nach, sobald es ein Link gibt.
München liegt für mich leider nicht so günstig, aber ich denke, zumindest zu "Die Goldene Stadt" sollte ich es schaffen. Das ist mit 31 Mio. Zuschauer der erfolgreichste deutsche Film aller Zeiten, in Agfacolor und mit Reichswasserleiche Kristina Söderbaum.
München liegt für mich leider nicht so günstig, aber ich denke, zumindest zu "Die Goldene Stadt" sollte ich es schaffen. Das ist mit 31 Mio. Zuschauer der erfolgreichste deutsche Film aller Zeiten, in Agfacolor und mit Reichswasserleiche Kristina Söderbaum.
Mittwoch, 1. Februar 2012
Aus dem Farbkästchen
In den vergangenen Wochen und Monaten gingen und gehen die Diskussionen des Teils unserer "Szene" (ich hasse das Wort), der im WWW präsent ist, ja wieder mehr in die Richtung, die mir auch wichtig ist, so z.B. Diskussionen über Realismus (jaja) oder Colour im Tanelorn-Forum. Gerade die Bedeutung der Schilderungen durch den SL, die ja die Mitspieler sowohl informieren als auch "mitnehmen" und dabei möglichst alle Sinne umfassen sollen, ohne an Prägnanz und Kürze zu verlieren, rückt allmählich wieder ins Gespräch. Auf Spielleiten findet sich eine Anleitung, die versucht den Vorgang des Beschreibens zu strukturieren. Der Handreichung merkt man an, daß der Inhalt in mehreren Forendiskussionen feingeschliffen wurde. Eine Downloadempfehlung.
Wer natürlich bei einer solchen Diskussion (wie immer) die Häupter erhebt, sind die Vertreter der Adjektiv-Schule für angewandte Sprachverfettung. Ihre Reihen, so scheints, haben sich gelichtet, doch gibt es noch genug, die "Stimmung" erzeugen wollen, indem sie Adjektive in ihre Sprache patschen, viele Adjektive, man darf sie auch gerne selbst erfinden ("abyssisch"). So findet sich auf Teilzeithelden (die ich eigentlich schätze) diese Perle:
"Wenn ihr Dinge beschreibt, benutzt Adjektive, um sie noch intensiver darzustellen. Der Wind sollte kalt sein. Die Nacht dunkel. Die Musik ist laut und ohrenbetäubend. Zähne des Critters sind Gelb, und es scheinen noch Blutreste dran zu sein."
Seufz. Adjektive und ihre Bankerte, die Adverbien, sind Merkmale einer Sprache, die der Faulheit oder Schludrigkeit verfallen ist (deswegen finden sich so viele auf diesem Blog, dem ich halt nur wenig Zeit widmen kann). Man kann Adjektive sicherlich mit vielen Adjektiven beschreiben, "intensiv" aber wäre darunter wohl nicht zu finden. Adjektive, oft verklärt zur "poetischen Verstärkung", verfetten und verstopfen den Fluß der Sprache wie Schweineschmalz die Arterien.
Laß den Wind beißen, schneiden, peitschen oder auch Schnee über die Ebene fegen. Musik wummert, dröhnt, läßt meinethalben Trommelfelle kollabieren und den Boden erzittern. Wer in dunkler Nacht unterwegs ist, der sieht eben nichts, der hört und riecht nur, also beschränke Dich auf diese Sinne in Deinen Schilderungen, dann kommt das dunkle Dunkel von ganz alleine.
Nutze Verben. Nutze Verben. Nutze Verben. Erdrossele jedes Adjektiv und jedes Adverb, daß Du mit einem Verb ersetzen kannst. Die, bei denen Dir auf die Schnelle nichts einfällt, die sprich halt aus, aber beobachte sie mit Mißtrauen; die Biester vermehren sich wie die Ratten. Auf keinen Fall aber forciere ihren Gebrauch.
Wer natürlich bei einer solchen Diskussion (wie immer) die Häupter erhebt, sind die Vertreter der Adjektiv-Schule für angewandte Sprachverfettung. Ihre Reihen, so scheints, haben sich gelichtet, doch gibt es noch genug, die "Stimmung" erzeugen wollen, indem sie Adjektive in ihre Sprache patschen, viele Adjektive, man darf sie auch gerne selbst erfinden ("abyssisch"). So findet sich auf Teilzeithelden (die ich eigentlich schätze) diese Perle:
"Wenn ihr Dinge beschreibt, benutzt Adjektive, um sie noch intensiver darzustellen. Der Wind sollte kalt sein. Die Nacht dunkel. Die Musik ist laut und ohrenbetäubend. Zähne des Critters sind Gelb, und es scheinen noch Blutreste dran zu sein."
Seufz. Adjektive und ihre Bankerte, die Adverbien, sind Merkmale einer Sprache, die der Faulheit oder Schludrigkeit verfallen ist (deswegen finden sich so viele auf diesem Blog, dem ich halt nur wenig Zeit widmen kann). Man kann Adjektive sicherlich mit vielen Adjektiven beschreiben, "intensiv" aber wäre darunter wohl nicht zu finden. Adjektive, oft verklärt zur "poetischen Verstärkung", verfetten und verstopfen den Fluß der Sprache wie Schweineschmalz die Arterien.
Laß den Wind beißen, schneiden, peitschen oder auch Schnee über die Ebene fegen. Musik wummert, dröhnt, läßt meinethalben Trommelfelle kollabieren und den Boden erzittern. Wer in dunkler Nacht unterwegs ist, der sieht eben nichts, der hört und riecht nur, also beschränke Dich auf diese Sinne in Deinen Schilderungen, dann kommt das dunkle Dunkel von ganz alleine.
Nutze Verben. Nutze Verben. Nutze Verben. Erdrossele jedes Adjektiv und jedes Adverb, daß Du mit einem Verb ersetzen kannst. Die, bei denen Dir auf die Schnelle nichts einfällt, die sprich halt aus, aber beobachte sie mit Mißtrauen; die Biester vermehren sich wie die Ratten. Auf keinen Fall aber forciere ihren Gebrauch.
Klappe, die Erste
Jens selbst schreibt in schöner Offenheit: "Es wird bei dem Youtube-Wettbewerb tausende von Teilnehmern geben, darunter jede Menge Profis, daher erwarte ich nicht, auch nur einen Blumentopf zu gewinnen." A lost cause also, und wie wir aus Mr. Smith Goes to Washington wissen, sind das die einzigen, für die zu kämpfen sich lohnt.
Außerdem: Da ich jedes Jahr etwas Neues, Interessantes ausprobieren will (es gibt schlechtere Vorsätze), habe ich mich da beworben. Ich wurde zwar schon fürs Fernsehen interviewed, ebenso fürs Radio und habe schon hinter der Kamera gearbeitet und auf Bühnenbrettern gestanden, aber niemals habe ich vor einer Kamera gespielt oder bei einem derartigen Fanprojekt mitgemacht, und das reizt mich sehr.
Mal sehen, was sich ergibt. Vielleicht darf ich ein bißchen zum Gelingen beitragen. Wenn ich auch keine freundlichen Gefühle für das Rollenspiel DSA hege, so dann doch eine gewisse Melancholie für diese schwurbelige Welt Aventurien.Und vor Unternehmungen dieser Art habe ich sowieso den größten Respekt.
Ein Diskussionsthread im DSA4-Forum ist auch schon offen, genau hier.
Die UFA präsentiert...
"Vorbehaltsfilm" ist so ein deutsches Wort, wie es nur eine deutsche Behörde (oder in diesem Falle eine Stiftung) erschaffen kann. Es bezeichnet rund 40 Filme aus der Filmproduktion des Dritten Reiches, die von der Murnau-Stiftung verwaltet bzw. eher verborgen werden. Ein wunderbares Beispiel wie unser Urheberrecht durch Unklarheiten zuläßt, über die Hintertüre Zensur zu üben. Diese "Vorbehaltsfilme" stehen jedenfalls unter besagtem Vorbehalt, weil ihr Inhalt in irgendeiner Weise geeignet erscheint, den Zuschauer in einen Nazi zu verwandeln.
Wie genau? Ich nehme an, diese Filme triggern ein latentes Gen im Deutschen. Oder irgendwie so.
In seiner Artikelreihe "Das Dritte Reich im Selbstversuch" auf Telepolis hat sich Hans Schmid in bislang elf Teilen (Teil 1) erschöpfend mit diesem eigenartigen Denkkonstrukt auseinandergesetzt. Er bespricht dabei etliche Vorbehaltsfilme im Detail und kommt in den meisten Fällen zu dem unausweichlichen Schluß, daß ein Mensch, der von diesen Filmen zum Nazi "wird", schlicht schon vorher einer war.
Darüberhinaus zeigt Schmid aber auch auf, wie wirr, verquer und im Endeffekt sogar gefährlich diese Politik der ansonsten sehr verdienstvollen Murnau-Stiftung ist, wenn es sich um wirklich "gut" gemachte Propaganda handelt. Dies wird besonders deutlich am vielleicht perfidesten dieser Filme, Liebeneiners, Ich klage an (1941):
Die Murnau-Stiftung erwähnt in ihrer Inhaltsangabe die Nebenhandlung mit keinem Wort, was angesichts des sonstigen Umgangs dieser Institution mit den "Vorbehaltsfilmen" nicht überrascht. Ärgerlich ist es trotzdem. Wer einen Film wegen gefährlicher Nazi-Propaganda verbietet, sollte interessierten Nutzern der eigenen Website zumindest sagen können (und selber wissen), worin die Propaganda besteht.
Wie genau? Ich nehme an, diese Filme triggern ein latentes Gen im Deutschen. Oder irgendwie so.
In seiner Artikelreihe "Das Dritte Reich im Selbstversuch" auf Telepolis hat sich Hans Schmid in bislang elf Teilen (Teil 1) erschöpfend mit diesem eigenartigen Denkkonstrukt auseinandergesetzt. Er bespricht dabei etliche Vorbehaltsfilme im Detail und kommt in den meisten Fällen zu dem unausweichlichen Schluß, daß ein Mensch, der von diesen Filmen zum Nazi "wird", schlicht schon vorher einer war.
Darüberhinaus zeigt Schmid aber auch auf, wie wirr, verquer und im Endeffekt sogar gefährlich diese Politik der ansonsten sehr verdienstvollen Murnau-Stiftung ist, wenn es sich um wirklich "gut" gemachte Propaganda handelt. Dies wird besonders deutlich am vielleicht perfidesten dieser Filme, Liebeneiners, Ich klage an (1941):
Die Murnau-Stiftung erwähnt in ihrer Inhaltsangabe die Nebenhandlung mit keinem Wort, was angesichts des sonstigen Umgangs dieser Institution mit den "Vorbehaltsfilmen" nicht überrascht. Ärgerlich ist es trotzdem. Wer einen Film wegen gefährlicher Nazi-Propaganda verbietet, sollte interessierten Nutzern der eigenen Website zumindest sagen können (und selber wissen), worin die Propaganda besteht.
Weil ich bei anderen Vorbehaltsfilmen den begründeten Verdacht hatte, dass es sich bei den Inhaltsangaben der Stiftung um Paraphrasen der Zusammenfassungen in alten Filmprogrammen handelt, habe ich mir den Illustrierten Film-Kurier zu Ich klage an besorgt. Und siehe da: Die Nebenhandlung kommt da ebenfalls nicht vor. Ilse Fürstenberg und Karl Dannemann - sie verkörpern die Protagonisten dieser Nebenhandlung - sind im Darstellerverzeichnis nur unter "Ferner wirkten mit" aufgelistet, ohne Rollennamen. Das war ganz im Sinne der Propaganda, zu der auch diese Filmprogramme gehörten. Die eigentliche Botschaft ist da buchstäblich im Kleingedruckten versteckt. Wenn die Murnau-Stiftung die aus propagandistischen Gründen vorgenommene Aussparung der Nebenhandlung reproduziert, stimmt etwas nicht.
Alles in allem eine hervorragende Artikelreihe, die auch nicht ohne Wirkung geblieben ist. So hat sich heute die WELT Online des Themas angenommen, und auch Hans-Georg Rodek kommt zu einem klaren Ergebnis (nachdem er vorher mit leichter Verblüffung konstatierte: "Kein Leni Riefenstahl-Film steht auf dieser Liste."):
Der große Rest bleibt weiter „unter Vorbehalt“, ohne dass irgendwo eine Begründung nachzulesen wäre – abgesehen von der pauschalen, sie seien propagandistisch, kriegsverherrlichend oder antisemitisch. Das verschafft diesen Filmen einen Nimbus, den sie – größtenteils – nicht verdienen.
Den ganzen Artikel gibt es hier auf WELT Online: "Wie viel Gift steckt noch in den 'Vorbehaltsfilmen'?"
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