Dienstag, 20. November 2012

Plädoyer für eine Paywall-Pflicht

Das ist ernst gemeint. Heute kam mir mal wieder ein Beispiel für den Qualitätsjournalismus auf den Schirm, ihr wißt schon, der dolle, handwerklich anspruchsvolle Journalismus, den man durch ein Leistungsschutzrecht in Deutschland behüten muß wie das andere scheue Reh, das Kapital.

Unter dem reißerischen Titel Islamisten wollen Pyramiden zerstören  erschien in der SZ Online ein Artikel, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob voll Subtilität Meinungsmache betrieben wird, oder ein Volontär auf seine Tastatur gekotzt hat.
Aber Gohari, der offen zu Gewalt aufruft, hat ein allen zugängliches Fernseh-Forum gefunden und wird vom Staat nicht belangt. Das sagt viel über den Zustand des nachrevolutionären Ägypten. Radikale Islamisten bestimmen den Diskurs, und das mit immer radikaleren und absurderen Forderungen.

Montag, 19. November 2012

Klappe, die Siebte

Sah ja lange ziemlich tot aus mit Jens' DSA-Film. Im Blog hat sich wohl auch nix neues getan ebenso im Forum, aber ich habe gerade ein Video entdeckt. Es enthält die Sequenz, an der ich mitgearbeitet hatte, mit der vollen CGI-Umgebung. Sieht sehr, sehr gut aus (abgesehen von der zweiten Einstellung *krümelsuch*), sogar die sicher mörderischen Probleme mit dem bepelzten Mantelsaum in der letzten Einstellung hat er gut hinbekommen. Der Grünstich im gerenderten Background ist auch weg.

Ich will Jens mal fragen, ob das "richtig" öffentlich ist, falls "ja", werde ich auch das Link posten. Ach ja: Wäre schön wenns weiterginge...

Samstag, 17. November 2012

"Und Doktor, was ist es? - Ein Bastard."

Bei der ersten Inkarnation der Next-Regeln für D&D zeigte ich mich vorsichtig optimistisch. Ich habe fleißig danach Testpaket um Testpaket heruntergeladen. Ich wartete darauf, bis das kommt, das ich auch am Tisch testen möchte. Aber es wurde immer schlimmer. Meine initiale Freude war vor allem durch das 4E-Zeugs getrübt, das sie reingepatscht hatten. "Healing Surges" und "Power per encounter" sind für mich die Inbegriffe der Verbrettung des Rollenspieles. Das kann man mögen, und 4E hat seine Basis, aber für mich ist so Zeugs halt No-Go.

Insgesamt steh ich zu dem, was ich gesagt habe, und erkenne jetzt, daß der Trend noch viel schärfer ist:
Das System umfaßt Elemente aller Editionen, aber das ist wohl weniger aus systemtechnischen Erwägungen so, sondern eher um Wiedererkennungswert für alle Generationen D&D-Spieler zu erzeugen. Eine gewisse Anbiederung an die Old-School-Ecke ist sichtbar.
Schuld daran sind definitiv die "Open Playtests", die Anhängern allen Editionen die Möglichkeit geben, sich einzubringen. Der grundlegende Gedanke mag sympathisch sein oder opportunistisch, das kann ich nicht beurteilen.

Auf alle Fälle ist er verfehlt, denn bei den verschiedenen Vorlieben von OSR bis 4E, die hier zusammenkommen, und dem erkennbaren Willen der Designer, es allen recht zu machen, kann nur ein ungenießbarer Brei entstehen. Die offenen Tests bei Pathfinder waren eine prima Idee, denn die Paizo-Mannschaft hatte sich vorher auf D20 als Fundament geeinigt. Das war stabil und belastbar. D&D Next versucht offenkundig sein Fundament über Befragungen erst noch zu finden.

Eine klare Linie abseits von "ein bißchen was von allem, aber nix richtig" sehe ich irgendwie nicht.



Freitag, 16. November 2012

Die Zombiesau

Kawumm! Krabamm. Ja hier stoßen zwei Autos in Real Life zusammen und eines fliegt in die Luft. Hier brennt eines unmittelbar nach einem Zusammenstoß aus und hier geht sogar ein Crashtest schief. Morbide Leser können mit car crash explosion gefühlte weitere fünf Millionen Vids auf Youtube finden. Mir hats nach denen hier gelangt, ich wollte einen Punkt prüfen: Autos können explodieren. Sofort bei Aufprall.

Bruzzel.

Sieht nicht gut aus. Kommt aber vor. Egal wie oft es hinter mir im Kino stöhnt, wie unrealistisch das jetzt sei. Es kann passieren. Wohl nicht so oft wie im Kino, aber eine kleine bis mittlere Wahrscheinlichkeit besteht eben. Das sollte man nie vergessen.

Vor allem nicht wenn mal wieder ein Thema mit Ewigkeitswert in der selbstgefühlten Avantgarde germanischen Rollotums hochkommt. Die Debatte über die Rolle von Realismus im Rollenspiel wuchert aus. Es ermüdet. Nicht falsch verstehen, ich mag simulierende Systeme, und ich lege großen Wert auf Plausibilität, aber Realismus ist Anspruch im Rollenspiel nicht geeignet (natürlich verwende ich umgangssprachlich auch mal "unrealistisch", meine damit aber eher simulierende Annäherungen an Realweltphänomene, wie ich sie wahrnehme).

Donnerstag, 15. November 2012

Dun Dun DUUUUNNN

Seit Schramms Weggang ist ja Neues aus der Anstalt zu einer Art Komödienstadel für Osnabrücker Boutiquenbesitzerinnen geworden, die sich kritisch fühlen wollen. Harte Satire bringt mittlerweile ja mehr Comedy als die heute show, die derb direkt draufgeht.
Wenn uns die Geschichte eines gelehrt hat, dann, daß wir Deutschen niemanden töten. Es sei denn, ein Österreicher zwingt uns dazu.
Ja. Wie bitte? Dieter Nuhr? Satire-Gipfel? Oh, das ist weder Comedy, noch Satire, das ist die selbstgefällige Lautreihung eines kalten Saturierten mit Randbegabung zum Wortmetzen. Einfach mal die Fresse halten, gelle?

Anyway. Auch wenn die Anstalt derzeit eher klamaukt, so blitzen doch dann und wann Perlen auf. Die Sendung am 13.11.2012 zeigte sich ausnahmsweise mal wieder etwas schärfer abgeschmeckt. Besonders schön, wie Pelzig (etwa ab 20.30) die Krakenarme illustriert und die Namen nennt, das Netzwerk, mit dem die Spekulanten von Goldmann Sachs den Council on Foreign Relations, die Trilateral Commission, den IWF, die internationalen Notenbanken und eigentlich unser aller Leben (wenn auch oft nur sehr mittelbar)  kontrollieren.

Schön.

Wahrscheinlich ist die Sendung deswegen nicht in der normalen Mediathek des ZDF auffindbar (wo wir gerade bei Verschwörungen sind ;)). Auf Youtube läßt sie sich leicht finden, und auf der Homepage der Sendung selbst (s.o.) steht sie wohl noch bis nächsten Dienstag.

Dann muß der Welke am Freitag aber nachlegen.

Dienstag, 6. November 2012

Früher, als ich noch jung war...

Zickenkrieg zwischen Piraten und SPIEGEL, dem ehemaligen Nachrichtenmagazin. Marina Weisband führt ein Gespräch mit Merlind Theile, aus dem diese dann einen Artikel über Märchenwesen bastelt.

Oder so.

Sowas nennt man ein Hintergrundgespräch. Anyway. Frau Weisband fühlt sich falsch zitiert und schreibt das sehr lange in ihrem Blog auf. Es geht um aus dem Zusammenhang gerissene Zitate, um Telefonautorisierungen etc. Die Feder bloggt zurück und am Ende stellen sich beide so dusselig an, daß Aussage gegen Aussage steht und nix in irgendeiner Form überprüfbar ist.

Aber: Frau Weisband da stoßen mir zwei Sachen auf: Zum einen, wie sich die Praxis des "Autorisierens von Zitaten" mit der Transparenzforderung der Piraten verträgt, zum anderen munkelt man doch, "Medienkompetenz" sei so ein Merkmal Ihres Haufens. Wie kann es da sein, daß eine Galionsfigur der Partei nicht mal den Lappie oder das Handy bei einem Gespräch aufzeichnen läßt?

Und Frau Theile, auf ihrer Seite findet sich dann noch mehr Avanti Dilettanti. Sie schreiben allen Ernstes:
Ich habe das Gespräch nicht aufgezeichnet, weil ich kein Wortlautinterview mit Frau Weisband führen wollte. Dass sich Journalisten bei solchen Treffen "nur" Notizen machen, ist absolut üblich. 
Sollte das heute wirklich "üblich", pardon "absolut üblich" sein - und ich hege da "absolut" Zweifel - würde es das Lumpengewand erklären, in das sich der Journalismus ca. 1998 geworfen hat (und auch tatsächlich ein Grund für die Autorisierung von Zitaten sein). Mein erster CvD hat mir Ende der 80er Jahre beigebracht, IMMER Gespräche aufzuzeichnen, es sei denn, es sind vertrauliche Informationen und der Partner will sowieso nicht namentlich genannt werden. Aber bei Gesprächen, denen später Zitate mit Namen hätten entnommen werden können, mußte immer das Band rattern. Der hätte den Artikel ohne Gegencheck nicht durchgelassen. Wollte der Gesprächspartner eine Kopie haben, bekam er die auch zugeschickt.

Das ist so ELEMENTAR, daß ich bei so Aussagen wie der obigen einfach nur Hirnschläge erleide, wenn ich sie lesen muß. Ausgerechnet heute, bei all den Gagdets, die uns da helfen, werden solche Grundregeln außer Kraft gesetzt? Na, Prost Mahlzeit.

Hier sind zwei vollkommene Dilettanten am Werke zu beobachten. Und das ist das einzig Interessante an der Sache, der Rest riecht vor ranzelnder Eitelkeit wie ein vergessener Livarot.

Ergänzung: Und tatsächlich ist es immer noch NICHT üblich, Hintergrundgespräche nicht aufzuzeichnen. David Zwadlo z.B. schreibt im dritten Kommentar dieses Artikels: "In der Tat: Was fehlt ist die Tonaufnahme. Der Verzicht darauf ist ein journalistischer Anfängerfehler. Ich selbst erlebe es übrigens zunehmend häufiger, dass zwei Aufnahmegeräte Interviews aufnehmen – und nur eins davon ist meins."

Montag, 29. Oktober 2012

Hach, US-Moral.

Imdb.com hat für besorgte Eltern ein absolut geniales Feature: Inhaltswarnungen. Dort wird nach Kategorien wie "Sex und Nudity", "Drug Use" aufgegliedert erklärt, was so alles in einem Film steckt, das die lieben Kleinen verstören könnte. Im Falle von The Last Legion beruhigt uns IMDB, daß es keinen Sex etc. gäbe, denn, der Regisseur sei "bemüht gewesen einen familienfreundlichen Film zu drehen."

Sonst noch was? Oh ja, fast vergessen: "Hoher Body Count, Non-Stop Action, Brandmarkungen und ein abgetrennter Finger."

Na denn.

Samstag, 20. Oktober 2012

Themepark Gleiwitz

Was zum Gucken: Die ZDF-Doku War Made Easy, die noch ein paar Tage im Stream sein wird. Eine schöne Doku, wie die Machthaber der USA ihre zahlreichen Angriffskriege zu Akten reiner Nächstenliebe propagandisieren. Versteckt auf ZDF Info und im Internet, wie so oft mit den wirklich sehenswerten Sendungen der ÖR.

Auffällig (eher nicht): Wie immer wenn's um dieses Thema geht, scheint die Zeit vor 1964 nicht zu existieren, und die Narrative der schönsten Verschwörungstheorie aller Zeiten (Ali Baba und die Neunzehn Teppichmesser) wird nicht hinterfragt. Naja, jedenfalls sagen sie nicht explizit, sie sei wahr.

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Kritiker!

Auch so eine Spezies. Kritiker. Eigentlich sind sie gedacht, eine Symbiose mit den Literaten einzugehen, aber sie ersticken an ihrer eigenen Wichtigkeit. Längst schon sind viele zu Parasiten verkommen und halten ihre Besprechungen offenkundig für weitaus bedeutender als das Besprochene. Von den Tendenzen zur intellektuellen Inzucht will ich hier erst gar nicht anfangen, das hat Joachim Leser besser beschrieben.

Noch schlimmer sind die aber, wenn sie hypen. Da schreibt eine Frau, die einen Milliardenerfolg im Rücken weiß, etwas radikal anderes, was in unserer Fortsetzungswelt denn doch auch Mut erfordert (Rambo IV anyone?), und es raunt im Föjetong. Gewichtig.

Dann setzt der Hype ein. Derselbe Hype wie bei den Potter-Büchern zuvor. Live-Berichterstattung von den Verkaufsstellen weltweit, in der WELT und beim SPRITZEL ONLINE richten sie Ticker ein, wo Kulturredakteure ihre Eindrücke beim Lesen bloggen, tickern und tweeten.

Die große Ernüchterung kommt. Es ist ein Buch. Über die dunklen Unterströmungen englischer Kleinstädte. So ein bißchen David Lynch mit ein bißchen Charles Dickens und eben ganz viel J.K. Rowling. Stilistisch unterwältigend und im gesamten lesbar, aber schlicht. Mit klarer, heute sagt man wohl "sozialromantischer" Tendenz und meint damit jemanden, der die totale Kapitalisierung des Lebens nicht widerspruchslos hinnehmen will.

Jetzt sind die Kritiker böse und sagen, das Buch sei mehr so "meh". Sie sagen das in mehr Worten, aber, zumindest in den Berichten, die ich gelesen habe, mit deutlich weniger Niveau. Sie sind böse, die Kritiker, so scheint es mir, auf Frau Rowling.

Warum? Ich nehme an, sie wollten einfach nur einen neuen (alten) Harry Potter.

Das find ich jetzt nich' so gut, Du.

Meine Stats sind im Ofen. Von knapp 27.000 Hits runter auf 17. Interessant. Ich bin beileibe nicht der Einzige, das Blogger-FB-Board brummt. Naja, ich schau mir jetzt mal die Debatte Romney vs. Obama an und warte das in den nächsten Tagen einfach ab.


Donnerstag, 11. Oktober 2012

"I know you. You are not real."

Die beste Inspiration fürs Entwickeln von Texten und/oder Modulen ist das Leben. Nichts ist besser als Ausgangspunkt für die Phantasie als ein großes WTF mit einem Fragezeichen. Daher guck ich so gerne Dokus: Sie bieten einen sauberen Faktencheck, und darauf kann man aufsetzen, solange man nicht die Narrative der Filmer übernimmt. Schön offen bleiben, Fakten nehmen, Rückschlüsse ignorieren.

Prima Material, um visuelle Handouts zusammenzuschneiden, hat man dann noch dazu.

Nehmen wir die BBC-Doku Madness in the Fast Lane. Zunächst dachte ich, es sei ein Hoax, denn es wirkte teils wie für die Kamera gemacht, aber es ist keiner. Es war wirklich nur zufällig eine BBC-Crew mit den Streifenhörnchen auf Patrouille.

Darum gehts: Ein schwedisches Zwillingspaar wirft sich wiederholt auf den Fahrstreifen der Autobahn, eine wird von einem 40-Tonner überrollt (!), sie überleben. DIe Polizei kassiert sie ein, läßt die eine ein paar Stunden später (vollkommen gesund, obwohl sie die Front eines PKW zerschmettert hat) laufen, und die bringt schließlich eine Zufallsbekanntschaft um. Ein grazil-verstörender Tanz voll Paranoia und offener Fragen. (Vorsicht: drastische Bilder).

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Horror vacui...

... Angst vor der Leere. Physikalisch die Annahme von Aristoteles, daß leere Räume von der Natur mißbilligt würden und Gase oder Flüssigkeiten anziehen würden. Oder so. Bin kein Physiker. In der Kunstgeschichte die Bezeichnung von zwanghaftem Überfrachten mit Details, bis kein Fitzelchen mehr frei ist. Oder so. Bin kein, naja.

Dann gibts da noch die andere Form von Horror vacui. Die tatsächliche Angst davor, einen Leerraum zu befüllen, die Angst, dabei zu versagen und etwas Banales hinzuplötzen.  Maler haben das, Kunstmaler. Aber sobald die ersten Striche sitzen, geht das vorbei. Die Fläche ist nicht mehr leer, die Fläche ist endlich. Die nächsten Tage und Wochen vergehen im mehr oder minder fröhlichen Schaffen dahin.

Beneidenswerte Bastarde, diese Kunstmaler. Schreiber müssen da jeden Tag durch. Jeden Tag spannen wir (zumeist nur sinngemäß in unserer Textverarbeitung) ein neues leeres Blatt in die Maschine. Und dann sitzen wir erstmal davor und starren es an. Das Blatt starrt zurück. Wenn wir anfangen, es mit den ratternden Typen in die Unterwerfung zu hämmern, nagt an uns stets das Wissen, daß es eine unendliche Anzahl weißer Blätter für uns gibt, da wo das herkommt, das wir gerade zähmen.

Unsere zu befüllende Fläche ist nicht endlich, sie ist theoretisch unendlich.

Klar, wir haben eine ungefähre Vorstellung und/oder Vorgabe, 350 bis 400 Manuskriptseiten beispielsweise. Das sind 400 verdammt leere Blätter. Ist das erste des Tages gepackt, wird es leichter. Bis zum nächsten Morgen, dann wartet wieder die Leere auf uns, mindestens ebenso ausgeschlafen wie wir.

Bis ans Ende.

(Wieder an Deck, nach drei höllischen Wochen. In Frankreich war ich auch nicht.)