Donnerstag, 18. Dezember 2014

Redaktionsstüberlparanoia

Some of the biggest men in the United States, in the field of commerce and manufacture are afraid of somebody, are afraid of something. They know that there is a power somewhere so organized, so subtle, so watchful, so interlocked, so complete, so pervasive, that they better not speak above their breath when they speak in condemnation of it.

(Woodrow Wilson, The New Freedom)

Zapp hat eine kleine Umfrage gemacht zum Thema "Wie vertrauenswürdig finden Sie die Medien". Das Ergebnis zeigt sich erwartbar niederschmetternd für "die Medien" in Deutschland. Ja, die haben eine Legitimationskrise. Nicht ganz zu Unrecht angesichts Dutzender "bedauerlicher Einzelfälle", die immer dieselbe propagandistische Stoßrichtung aufweisen.

Da kann man nun verschieden reagieren. Man kann es machen, wie die Schweizer Kollegen von der Tageswoche. Man nimmt Menschen und Aussagen ernst. Man betreibt Ursachenforschung, stellt Thesen auf und diese zur Diskussion. Dann wertet man als Journalist die Reaktionen aus und versucht zu verstehen.

Vorbildlich.



Oder man wählt ein anderes Vorgehen, wie z.B. der Tagesschau-Blog es tut. Das ist eine interessante Seite: In unregelmäßigen Abständen melden sich dort Schwergewichte der Tagesschau zu Wort, um den angeschlagenen Ruf weiter zu schädigen.

Diesmal also die #2 des Ladens, der seine Arroganz mit zwei Fäusten umklammert und damit seinen wohlwollend unterstellten Verstand auf die Grabensohle der Diskursfähigkeit prügelt. Ticken die bei der Tagesschau wirklich so? Bemerken die ihre kognitive Dissonanz nicht? Daß ein halbes Bataillon Strohmänner blakend in Flammen steht, verwundert bei einer intellektuell derart verdorrten Epistel nicht weiter.

Der Blog Begleitschreiben kümmert sich wacker um das Demokratieverständnis, das wie hier verraten im Hause Tagesschau salonfähig ist. Dann muß ich das nicht machen. Was im genannten Blog aber nicht zu finden ist: Herr Nitsche, #2 der Tagesschau, verwendet Vokabeln wie:
Gruppierungen... bestimmte Kräfte... verschwörerischer Parolen...  interessierter Seite...  anonymen, gut organisierten Kritikern... Hetze... Ziel der Kampagne
Das kenn ich eher von solchen Orten. Verschwörungstheoretiker sprechen von "Gruppierungen" und "Kräften", fortgeschrittene VTler kürzen das dann zu "DIE". Roß und Reiter werden nie genannt, aber sie alle wollen mich kriegen.

Herr Nitsche konstruiert eine Verschwörungstheorie, in der irgendwelche gesichtlosen, nicht näher genannten Internetverschwörer Jagd auf die aufrechten Journalisten der Freien Welt machen. Zweck dieser Kabale: Angst schüren, das helfe den Russen. So. Ja. Ahum. Angst. Wo kommt die Angst denn her, wer berichtet oft schon panisch, stets martialisch über irgendwelche Fake-Attentatsversuche, über den Russen, der wieder auf den Seelower Höhen steht, über die Halsabschneider von der IS? Das seid doch ihr in der Tagesschau und in den anderen selbsthalluzinierten "Qualitätsmedien". Also....

Oh my god!

Sie sind schon da! Sie sind mitten in den Medien! Sie schüren Angst! Herr Nitsche ruft um Hilfe! They're already here! YOU'RE NEXT! 

O conspiracy,
Sham'st thou to show thy dang'rous brow by night,
When evils are most free? 


Wow. Ist die paranoide Bunkermentalität des öffentlich-rechtlichen (Hahahaha!) Fernsehens schon so ausgeprägt, daß man am Kantinentisch sein bedrohliches Beziehungsdenken pflegt? Schöner Anlaß zum Fremdschämen.

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