Dienstag, 8. Juli 2014

Moulded by Randomizer


Unter dem Titel "Driven by Character" gibt es auf Stories and Characters einen schönen Post zum Thema Charaktere und charakterzentriertes Spiel. Darin vertieft sie den Gedanken, wie man denn Interaktion zwischen NSC und SC ausgestalten könne und betont ihre Bevorzugung von Character-over-Plot.

Was mich an dem ganzen Post ein bißchen stört, ist der durchschimmernde Gedanke, Werte stünden dem im Wege. Ich kann mich damit anfreunden, daß Werte (nicht immer) nötig sind, daß eine Betonung der Mechanik charakterzentriertes Spiel verhindern kann (nicht muß), ja. Aber ein bißchen steckt mir die fast generelle Ablehnung von Werten quer:
"Abgesehen davon waren diese Werte teilweise auch unglaublich einschränkend, ich denke da an die Mindestattribute bei ADND, die, wenn sie nicht erwürfelt wurden, dazu führten, dass es dann einen Krieger gab, der sich für einen Waldläufer hielt (true story..) oder einen Professor bei Cthulhu, der sich von seinen Werten her laut Grundregelwerk wahrscheinlich nicht einmal die Schuhe zubinden konnte. Warum schränkt man sich selbst so dermaßen ein und zwängt den Charakter in ein Korsett?"
Da ist ein Henne / Ei-Problem. Kommt man an den Tisch mit einer fertigen, bereits recht detaillierten Vorstellung eines Charakters, so wie es im Artikel beschrieben wird, dann hat man mit Zufallserschaffung (und auch mit den meisten Punktkaufmonstern btw) ein Problem.

It's all in the dice

Aber muß ich denn so an den Tisch kommen? Ich selbst komme oft nicht mit einer festen Vorstellung an, sondern mit meinen Würfeln. Und ich freue mich wie Bolle darauf, zu erfahren was heute in ihnen zu finden sein wird, wenn ich meinen Charakter auswürfle. Die Würfel verraten mir, wer mein "Held" sein wird, den ich führen darf. Sie stellen ihn mir vor. Da beginnt für mich schon das Abenteuer.

Zufallserschaffung und Werte sind nicht zwangsweise ein "einzwängendes Korsett", sondern für mich in stark zufallsbasierten Systemen wie cD&D vielmehr der Ton, aus dem ich meinen Charakter brenne. Wer bei einem solchen System einen Professor, "der sich von seinen Werten her laut Grundregelwerk wahrscheinlich nicht einmal die Schuhe zubinden konnte" erschafft, hat mMn das System eben nicht verstanden (oder macht das aus welchen Gründen auch immer mit Absicht).

Diese Herangehensweise verhindert übrigens auch, daß man sich immer auf denselben Typus festlegt. Jeder kennt die entsprechenden Kandidaten: "Gnomenillusionist. Ich bin immer Gnomenillusionist."

(Bullshit-Index: 0.19)

1 Kommentar:

gelbezeichen hat gesagt…

Ich sehe es ähnlich wie du. Halte Werte auch nicht für hinderlich, wenn man charakterzentrisch spielen möchte. Zum Thema: Ich bin immer... Gnomillusionist: ist es ja gerade schön, wenn die Werte zufällig sind und man zwar immer die gleiche Rasse/Klasse spielt, aber die fertigen Chars sich doch etwas anders gestallten als die Vorgänger. Und es ist mir als Spieler auch passiert, dass ich unbedingt das eine spielen wollte, die Würfel aber so gut gefallen sind, dass ich dann etwas anderes gespielt habe. Es hängt glaube ich sehr von der persönlichen Einstellung zum Rollenspiel ab und wie man ein System empfindet, grundsätzlich ist meine Meinung, dass jedes System genügend Werkzeuge bietet um viele Spielertypen glücklich zu machen.

Kommentar veröffentlichen

Kommentare werden moderiert. Sorry.