Sonntag, 13. Juli 2014

Reflektionen auf der Zielgeraden

"Auch wir haben eine gute WM gespielt." Das ist das Fazit von Chefredakteur Peter Frey, der für den SPON einen Besinnungsaufsatz gekleckst hat. ("Das Dilemma des Kommentators!") Darin verteidigt er den unreflektierten Jubel die "sportjournalistische" Begleitung der WM durch seinen Sender.

Oliver Schmitt hat gestern das kleine Finale "sportjournalistisch begleitet". Deutschland und Holland, diese WM überhaupt, habe den "brasilianischen Fußball" zerstört, so seine mehrfach wiederholte These. Das Land müsse seinen Fußball neu erfinden. Wer auch nur etwas über den Tellerrand hinausblickt weiß natürlich, daß Brasilien untergegangen ist, weil es eben seinen Fußball nicht mehr spielte, aber eben auch nichts Neues entwickelt hat. Ursache.... Wirkung... Aber der Schmitt suchte zumindest nicht die stygischen Tiefen von Phrasen wie "Samba-Fußball" auf.

Welke witzelte, Kahn malmte zumeist mit den Kiefern und sprach vom "Willen", den er bekanntlich ja erfunden hat, um 2002 herum. Dazwischen gelangen ihm immer wieder tiefergehende taktische Analysen. Sobald die Grauen Zellen des Zuschauers aber mal zu arbeiten begonnen hatten, ließ das ZDF Katrin Müller-Hohenstein als DFB-Groupie durchs Spielercamp hüpfen und Nichtigkeiten erfragen und "berichten". Kahn war bei den Schalten zu KHM nur ein Gedanke in die Fazialkanten gemeißelt: Gottseidank steht jetzt dieser kahlwerdende Mann neben mir und nicht mehr diese Frau. Es schien, als rege das ZDF die grauen Zellen des Zuschauers an, um sie gezielter treffen zu können.

Frey beleuchtet all das (und viel Schlimmeres) in sehr positivem Licht. Er weiß, als Journalist muß er auch einen Beleg für das Tolle, das doch nicht Tollheit sein soll, anführen, und führt das Mertesacker-ist-pampig-Interview an. Natürlich. Man könnte ihn fragen, warum er stolz darauf ist, einen ausgepumpten Spieler mit Fragen zu konfrontieren, die dessen Trainer gestellt werden müßten. Aber der Schmusekurs des ZDF gegen den Bundestrainer ist zur Stärkung des fußballerischen Wehrwillens wohl vorgegeben. Irgendwas in der Art. Anders ist die Banalitätenparade der "Interviews" mit Löw nicht erklärbar.

Von Béla Rethy fang ich gar nicht erst an.

In summa. Es ist katastrophal, was das ZDF geboten hat. Aber für Peter Frey hat man (fast) alles richtig gemacht und "eine gute WM gespielt". Unterstützung für diese These holt er sich auch:
Übrigens hat eine repräsentative Umfrage gerade erst gezeigt, wie tief der Graben zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung beim Thema Fußball ist. 91 Prozent der Befragten lobten die "aufschlussreichen" Spielanalysen der Öffentlich-Rechtlichen. Drei Viertel gaben für die Gesamtberichterstattung die Noten gut oder sehr gut.
Ich nehme meine Anwürfe zurück. Eine Umfrage, an der sich das ZDF beteiligt? Dann muß alles in Ordnung sein.

(Bullshit-Index 0,18)

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