Mittwoch, 28. März 2012

John Carter oder: Schiffbruch mit Ansage

Vor einigen Tagen hat sich Logan auf den Fantastischen Welten über das Floppen von John Carter aufgeregt. So wie Tage, ja Wochen zuvor die Euphorie über den bevorstehenden Filmstart durch seinen Blog schwappte, kann man das verstehen, und der Film selbst hat ihm wohl auch gefallen (9,5 von 10 Punkten bei ihm). Also nachvollziehbare Erregung.

Aber Überraschung? Das war doch soooo vorhersehbar, und auch Disney war es ab einem bestimmten (zu späten) Zeitpunkt klar, sonst hätten sie einen derart teuren Film in der sommerlichen Hauptsaison eröffnet. Haben sie aber nicht, um zu verhindern, daß John Carter gegen andere "Mega Blockbuster" antreten muß und noch schlimmer untergeht, als es eh schon der Fall ist (blubb).

Der Film...

Zunächst eine halbwegs objektive (so objektiv ein Subjekt eben sein kann) Betrachtung. Solide inszeniertes Abenteuerwerk. Die Schauspieler agieren kompetent bis gut. Allenfalls Mr. Kitsch als Titelheld hat soviel Charimsa wie ein Edeka-Verkaufsleiter, aber in dieser Story trägt sein Charakter noch keine messianischen Züge, insofern okay. Mir ist der Überstatus seines Charakters nicht ganz klar. 'S kann doll hupf'n, cool, das bringt was nochmal gegen diese Technologie?

CGI ist gut umgesetzt und stellenweise sogar inspiriert, die Ausstattung insgesamt desgleichen. Die Story ist straff, ohne größere Lücken, halbwegs verfolgbar (nach einem Sechserpack wär mir das allerdings schwer gefallen) und auch nicht schlechter als vergleichbare Werke. Der Score ist vernachlässigbar, stört aber nicht weiter, und die Tonmischung weist die zeitgenössischen Ärgerlichkeiten auf.

Dem Film ist allerdings ein grundsätzlicher Bierernst anzumerken, der mir bei diesem Genre gegen den Strich läuft. Auch Kamera und Schnitt sind uninspiriert. Gerade das Editing ist furchtbar altbacken, damit meine ich nicht die Schnittgeschwindigkeit (die ist normal), sondern die Auswahl der Einstellungen und die Rhythmik zwischen den Perspektiven. Das ist ziemlich 1960er Abenteuerfilm italienischer Bauart (Maciste und die Mörderhuren des Sultans oder Robin Hood vs. Jesse James).

...und warum er floppen mußte

A) Mars? Seriously? Mars?! Es ist verdammt leicht, sich in das Star Wars Universum hineinzuversetzen oder nach Mittelerde, Orte reiner Phantasie. Mars ist real. Und verdammt öde und langweilig dazu. 1913 mag der Mars die Phantasie angeregt haben, 100 Jahre später tötet er sie, denn ich muß konstant bei allen "Außenaufnahmen" bewußt mein Wissen verdrängen. Das ist tödlich für die bei solchen Filmen essentielle Suspension of Disbelief. Da ist im Kopf einfach zuviel, was man ausblenden muß.

B) Nix Neues unter der Sonne. Avatar ist ein rauschender Erfolg, Carter floppt, obwohl beide sehr ähnliche Stories haben. Weil beide ähnliche Stories haben, muß das heißen. Borroughs hat mit seinen Barsoom-Novels tonnenweise Tropes erschaffen, die seit den 1930ern in Abenteuerfilmen verwendet werden. Alles, was wir bei Carter auf der Leinwand sehen haben wir woanders schon mehrfach gesehen, und oft sogar inspiriert, statt nur solide wie hier. Ich hab mehrfach gegähnt, überrascht wurde ich nie. Klar, Borroughs hat erschaffen, und die anderen haben geklaut / adaptiert / geborgt (im Sinne der Borg), aber auf der Leinwand wirkt es umgekehrt, wirkt frisch wie der Salat, den man bei MacD morgens um 2 Uhr ordert.

C) Genre. Sword&Planet-Romance ist definitiv kein Genre, das auch nur ansatzweise Frische verströmt, das ist spätestens mit so Typen wie Lin Carter und John Norman vor mehr als 30 Jahren kreativ verendet (nicht hübsch anzusehen) und zu einer grotesken Parodie seiner selbst verkommen. Revitalisierungsversuche (z.B. von einem Typen namens Gramlich) lesen sich i.d.R. auch wie besonders schlimme Zugunglücke, wie sie im Norden Chinas passieren. Der Boah-Endlich-ein-Film-in-dem-Genre-Effekt, den gab es von vorneherein nicht.

Das sind mMn die drei Klötze am Bein, mit denen dieser als Blockbuster intendierte Film in die Kinos startete.

Um trotz dieses Ballasts zu fliegen, hätte er außergewöhnlich sein müssen, vom Schlag eines Raiders of the Lost Ark, der vor drei Jahrzehnten den klassischen Abenteuerfilm als Genre reetablierte, oder auch Pirates of the Caribbean, der aus den toten Tropes des Piratenfilms was Frisches zauberte, das vier erfolgreiche Filme anhielt (von denen zwei immerhin ansehbar sind, ohne sich vorher dumm zu saufen). Er hätte einen Hauptdarsteller mit der Wucht eines jungen Harrison Ford oder der Verschrobenheit eines Johnny Depp gebraucht, einen Autor mit der Instinktsicherheit eines Lawrence Kasdan, dessen Erstfassung schon vom Papier abhebt und kaum zu bändigen ist.

Mit dieser biederen Hausmannskost, die ich da gesehen habe, schafft man das aber nicht. John Carter ist solides Handwerk, ein kompetenter Film, der durch seinen stoffimmanenten Ballast sinkt wie ein Stein und allenfalls dazu taugt, einige Leute glücklich zu machen, die John Carter als Buch kennen und lieben, wie z.B. Logan.

Das sind aber nicht viele.

Was ich nicht verstehe: Die Probleme liegen offen auf der Hand. Wie ein Studio da 250 Millionen Dollar reinpumpen kann, ist mir nicht klar (von den weiteren 100 Mio fürs Marketing reden wir nicht). Andererseits: Vielleicht bin ich deswegen auch nicht Exec bei Warner oder Disney. Ich verstehs halt nicht...

1 Kommentar:

ghoul hat gesagt…

Dann kann ich ja getrost bei meiner Vorabmeinung bleiben, ohne mir den Schinken ansehen zu müssen:
http://ghoultunnel.wordpress.com/2011/07/22/john-carter-of-mars/
:-)

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