Donnerstag, 22. März 2012

Werkzeugkiste II

Egal, welcher Art das Projekt war: Nach kurzer Zeit war der Schreibtisch bei mir ein Chaos an verstreuten Informationen. Gelegentlich wachte ich auf und entdeckte beim Zähneputzen ein Post-It auf der Stirn mit einem Gedanken, der mir vorm Einschlafen gekommen war und der nicht verlorengehen sollte. Dazu Kladden mit Notizen, Dialogfetzen, Hintergrunderklärungen, Charakterumrissen, Ordner voller Illus... Ein Graus. Auch wenn ich als grundsätzlich analoges Gemüt (wie ich mit fortschreitendem Alter herausfinde) gelegentlich immer noch auf Karteikarten und Zettel notiere, so habe ich doch einiges im Repertoire, was meine Arbeit deutlich erleichtert.

CeltX ist eine cloudbasierte Website für Verwaltung, Integration verschiedenster Geräte (PC, Smartphone) und kollaboratives Schreiben. Es gibt eine freie und eine kostenpflichtige Variante. Ich hab mich um beides nicht so gekümmert (Paranoia mit Berechtigung durch vergangene Erfahrungen), denn mich interessiert was ganz anderes.

Nach der kostenlosen Anmeldung erhält man Zugriff auf die CeltX-Desktopsoftware. Besonders fürs Drehbuchschreiben entwickelt, sind die eingebauten Features (Karteikartenverwaltung, Charakterverwaltung, versch. Berichte, Möglichkeiten zur Einbindung von Bildern, Texten, Filmen, Sounds etc. pp.) auch nützlich für alle anderen Formen des Schreibens. Es hilft bei der Verwaltung verschiedenster Resourcen und bei der Struktur der Arbeit.

CeltX brilliert wie gesagt besonders im Bereich "Film", wo auch nützliche Tools (teilweise kostenpflichtig) für die Produktion existieren, z.B. zum Shot-Blocking, Script-Breakdown und Pre-Vizzen von Storyboards. DIe kostenpflichtige Variante des Systems kostet $ 9,99.

Vollständig kostenlos ist (noch) YWriter5. Eine Spende ist empfohlen, und das Programm ist es wert. Es unterstützt Autoren, indem es den Karteikartenansatz in elektronisches Format überführt. Darüberhinaus bietet es Konkordanzfunktionen und weitere Features. Ich benutze es erst seit einigen Tagen und bin daher noch nicht befähigt, eine tiefergehende Wertung abzugeben. Mein derzeitiges Projekt konnte ich aber - obwohl schon weit fortgeschritten - relativ problemlos integrieren.

CueCards
ist ein weiteres wunderbares Tool, besonders geeignet für jene, die mit CeltX und YWriter5 nix anfangen können und beim guten alten Texteditor/ Word Processor verharren wollen. CueCards ist nichts anderes als eine wohlüberlegte Software zum Strukturieren spontaner Einfälle, Ideen und Fundstücken. Die Oberfläche ist (im Gegensatz zu den Kandidaten oben) intuitiv. Ich kenne nur die voll funkionsfähige Freeware-Fassung, die ich schon seit Jahren im Gebrauch habe, und sie erfüllt ihre Zwecke perfekt.

Zu guter letzt noch ein Tip zur graphischen Gestaltung gerade im RSP-Bereich.  Alex hat mir einen schönen Hinweis in den Kommentaren zu einem Blogeintrag hinterlassen: Inkscape, ein vektorbasiertes Zeichenprogramm, das als Konkurrenz zu Illustrator und Freehand gedacht ist. Damit sind z.B. Charakterbögen - nach einer gewissen Einarbeitung - kein Problem mehr.

Kommentare:

Drak hat gesagt…

Die Werkzeuge klingen praktisch, aber vorsicht: Mach dich nicht abhängig von Programmen, die es irgendwann nicht mehr frei geben könnte.

Ich ärgere mich immernoch, dass ich damals RagTime genutzt habe. An die ganzen Ideen und Texte komme ich nicht mehr ran, da es RagTime nicht unter Linux gibt - und erst recht nicht frei.

Inzwischen bin ich, was Werkzeuge angeht, daher sehr konservativ geworden: Alles, was sich nicht als einfache Textdatei oder wenigstens von mehreren freien Programmen lesen lässt, ist eine Gefahr für meine Arbeit.

Anonym hat gesagt…

Naja, ein freies Programm, das ich besitze, das bleibt zwangsweise zumindest für meine Nutzung frei, die Daten damit für mich erhalten.

Was die Ragtime / Linux-Sache angeht: Dual-Boot-System Ubuntu / XP und "Ideen und Texte" dann aus Ragtime exportieren ist keine Option für Dich?

renke hat gesagt…

gerade probiert - die aktuelle Version von RagTime läuft unter wine (so Sachen wie eine von den Beispieldateien öffnen). nicht wirklich getestet, aber der erste Eindruck passt.

zum Thema: sehr wertvoll finde ich ja weiterhin PostIts (sei es toter Baum oder elektronisch), insbesondere zum Sammeln von Ideen: Was ich nicht auf den 6*6 cm ausdrücken kann ist noch zu ausschweifend und kann prägnanter formuliert werden.

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