Mittwoch, 1. Februar 2012

Aus dem Farbkästchen

In den vergangenen Wochen und Monaten gingen und gehen die Diskussionen des Teils unserer "Szene" (ich hasse das Wort), der im WWW präsent ist, ja wieder mehr in die Richtung, die mir auch wichtig ist, so z.B. Diskussionen über Realismus (jaja) oder Colour im Tanelorn-Forum. Gerade die Bedeutung der Schilderungen durch den SL, die ja die Mitspieler sowohl informieren als auch "mitnehmen" und dabei möglichst alle Sinne umfassen sollen, ohne an Prägnanz und Kürze zu verlieren, rückt allmählich wieder ins Gespräch. Auf Spielleiten findet sich eine Anleitung, die versucht den Vorgang des Beschreibens zu strukturieren. Der Handreichung merkt man an, daß der Inhalt in mehreren Forendiskussionen feingeschliffen wurde. Eine Downloadempfehlung.

Wer natürlich bei einer solchen Diskussion (wie immer) die Häupter erhebt, sind die Vertreter der Adjektiv-Schule für angewandte Sprachverfettung. Ihre Reihen, so scheints, haben sich gelichtet, doch gibt es noch genug, die "Stimmung" erzeugen wollen, indem sie Adjektive in ihre Sprache patschen, viele Adjektive, man darf sie auch gerne selbst erfinden ("abyssisch"). So findet sich auf Teilzeithelden (die ich eigentlich schätze) diese Perle:

"Wenn ihr Dinge beschreibt, benutzt Adjek­tive, um sie noch inten­si­ver dar­zu­stel­len. Der Wind sollte kalt sein. Die Nacht dun­kel. Die Musik ist laut und ohren­be­täu­bend. Zähne des Crit­ters sind Gelb, und es schei­nen noch Blut­reste dran zu sein."

Seufz. Adjektive und ihre Bankerte, die Adverbien, sind Merkmale einer Sprache, die der Faulheit oder Schludrigkeit verfallen ist (deswegen finden sich so viele auf diesem Blog, dem ich halt nur wenig Zeit widmen kann). Man kann Adjektive sicherlich mit vielen Adjektiven beschreiben, "intensiv" aber wäre darunter wohl nicht zu finden. Adjektive, oft verklärt zur "poetischen Verstärkung", verfetten und verstopfen den Fluß der Sprache wie Schweineschmalz die Arterien.

Laß den Wind beißen, schneiden, peitschen oder auch Schnee über die Ebene fegen. Musik wummert, dröhnt, läßt meinethalben Trommelfelle kollabieren und den Boden erzittern. Wer in dunkler Nacht unterwegs ist, der sieht eben nichts, der hört und riecht nur, also beschränke Dich auf diese Sinne in Deinen Schilderungen, dann kommt das dunkle Dunkel von ganz alleine.

Nutze Verben. Nutze Verben. Nutze Verben. Erdrossele jedes Adjektiv und jedes Adverb, daß Du mit einem Verb ersetzen kannst. Die, bei denen Dir auf die Schnelle nichts einfällt, die sprich halt aus, aber beobachte sie mit Mißtrauen; die Biester vermehren sich wie die Ratten. Auf keinen Fall aber forciere ihren Gebrauch.

Kommentare:

Annika hat gesagt…

Ich habe mir jetzt mal jeweils einen Satz in zwei Varianten aufgeschrieben (einmal überwiegend mit Adjektiven, einmal überwiegend mit Verben) und komme für mich persönlich zu dem Schluss: der übermäßige Gebraucht klingt sowohl bei Adjektiven als auch bei Verben etwas komisch (in sofern kann ich Deine Aussage bezüglich des Erdrosselns von Adjektiven nicht vollständig unterstüzten). Die "Wahrheit" liegt hier wohl - wie so oft - irgendwo dazwischen. Die richtige Mischung aus Adjektiven und Verben macht es aus. Das ist jetzt zwar eine sehr diplomatische Antwort, aber ich denke auch, das sie es ganz gut trifft. Aber darf ich fragen, wie es zu Deiner Abneigung gegenüber Adjektiven kommt? Hattest Du da mal ein Schlüsselerlebnis oder ist es einfach "nur" sprachlich begründet? :)

TheShadow hat gesagt…

Danke für den Kommentar. Ich hab noch nicht so viele gesammelt, da kann ich noch auf jeden eingehen. :) Sicher ist meine Abneigung durch Sprache, oder besser: Stil begründet. Außerdem weiß ich eben auch, was ein Lektor/Redakteur eher in die Runde Ablage feuert bzw. (um beim Hobby zu bleiben) meine Spieler dazu reizt, mich zu unterbrechen.

Da Adjektiv-Konstruktionen regelmäßig mit Formen des Hilfsverbs "sein" daher kommen, gilt für sie dasselbe wie für den Passiv: Meiden, wo es geht. Sie schwächen Deinen Stil, Deine Sprache. Schreibe kraftvoll, schreibe aktiv. Nur Adjektive / Adverbien, die man nicht kürzen oder ersetzen KANN, haben eine Daseinsberechtigung, wobei "kann" impliziert, daß keine Sprachblähung (z.B. ein ganzer Relativsatz) an die Stelle des Adjektivs gesetzt wird. Das wird eigentlich an jeder Journalistenschule und in jedem Schreibseminar gelehrt. Viele Kollegen vergessen es dann wieder, bzw. bleibt im Alltagsstreß nicht die Zeit für stilistische Sorgfalt.

Roger hat gesagt…

Ja, es ist wohl wahr, dass es eine journalistische "Reinform" gibt, jedoch geht Spielleiten auch ein Stück weit Richtung Kunst und Poesie. Sicher kann man über "abyssische Untiefen" sich beschweren, jedoch finden wir solche Wortblüten u.a. auch bei H.P.Lovecraft. Dieser wiederum erschafft jedoch noch deutlich weitere und befremdliche Konstrukte. Der übermässige Gebrauch von Worten wie "zyklopisch" etc bringt mich immer wieder dazu, seine Bücher kurz wegzulegen, um sie dann einen Tag später erst weiter zu lesen/hören.

Danke für das Lob im Übrigen ;)

Annika hat gesagt…

Bist Du Journalist? Ich finde Deinen Schreibstil sehr gewählt und Du kannst Dich gut ausdrücken, auch Deine Aussagen hier und da lassen mich so etwas vermuten. :)

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